Wieviel Lebenszeit verbringen wir mit dem Arbeiten?

Arbeit ist das halbe Leben – so oder so ähnlich fühlt es sich zumindest für die Meisten an. Doch schauen wir uns einmal die Fakten an. Das American Bureau of Labor Statistics hat herausgefunden, dass wir mit immerhin 8.000 Tagen die meiste Zeit unseren Erwachsenenlebens schlafend verbringen. Auf Platz zwei der stundenintensivsten Beschäftigungen steht mit 4.300 Tagen das Entspannen, Gespräche und andere Freizeitbeschäftigungen. Das zusammen macht schon mehr als die Hälfte unseres Lebens aus – und das ist doch mit recht schönen Dingen gefüllt, oder? Erst dann ist die Rede von Arbeit: Als Erwachsener verbringen wir 3.716 Tage mit dem Arbeiten. Das sind 16 Prozent unserer Zeit. Wenn man mal genau rechnet, scheint das auch ganz logisch: Ein Acht-Stunden-Job lässt uns immerhin noch 16 Stunden Zeit für andere Dinge.
Diese Statistik betrachtet US-Amerikaner, für Deutschland hat das Magazin P.M. mal nachgerechnet. Demnach kommen wir, ausgehend von 80 Lebensjahren, auf 8 Jahre Arbeit. Verglichen mit 24 Jahren und 4 Monaten Schlaf und 12 Jahren fernsehen nur ein Klacks.

Die Statistik-Falle
Trotzdem: Das sind rein statistische Zahlen und deren Auswertung eher spielerischer Natur, denn erstens hat das mit subjektiver Wahrnehmung wenig zu tun und zweitens kann man sich die Zahlen auch anders legen: Rechnen wir den Schlaf als nicht produktive Zeit einmal heraus und nehmen wir Hausarbeit, Einkaufen, Arbeitswege und andere lebenserhaltende Aktivitäten hinzu, steht es um unsere Work-Life-Balance nicht mehr ganz so gut.

Warum überhaupt nachrechnen?
Stellen wir uns doch also lieber die Frage, warum wir uns überhaupt diese Frage stellen, wie viel Lebenszeit wir mit dem Arbeiten verbringen? Rechnen wir jeden Tag nach, wie viele Stunden Lebenszeit uns verloren gehen? Sehnen wir den Feierabend entgegen? Überlegen wir im schlimmsten Falle schon, wann wir endlich in Rente gehen können? Oder freuen wir uns, mit unserer Arbeit etwas Sinnvolles tun zu können, was uns begeistert und glücklich stimmt? Falls das bei dir nicht der Fall ist, lass dich gern von unseren Portraitpartnern und Blogartikeln inspirieren, einen neuen Arbeitsweg einzuschlagen. Denn dann ist es höchste Zeit dafür.

Autor: Katrin Haase
Foto: Marten Bjork / Unsplash

Lesetipps:
ZEIT ONLINE
P.M. Magazin
Flowingdata
Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamts

Schweden testet den Sechs-Stunden-Tag

Schwedische Forscher untersuchen Vorteile kürzerer Arbeitszeiten
Wer viel arbeitet, der ist auch produktiv. So, oder ähnlich lautet das Mantra vieler Arbeitnehmer, denn laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes ist die Arbeitsbelastung in den letzten zehn Jahren stark gestiegen. Darunter leidet nicht nur das Privatleben, sondern womöglich auch die Gesundheit. Krankheiten wie Burnout oder Depressionen und damit verbundene Fehltage zeigen zudem: längere Arbeitszeiten hängen nicht zwangsläufig mit höherer Produktivität zusammen.

Work-Life-Balance? Sechs-Stunden-Tag!
Doch können Arbeitgeber wirklich von einer besseren Work-Life-Balance ihrer Angestellten profitieren? Genau dieser Frage gingen Forscher bereits vergangenes Jahr in Schweden nach. Dort wurde bei einer Gruppe im Gesundheitssektor der Sechs-Stunden-Tag eingeführt. Bei den Testpersonen handelt es sich um Altenpfleger und Altenpflegerinnen. Bisher scheint das Model erfolgversprechend: Die Angestellte hätten mehr Energie, seien weniger gestresst und würden mehr Zeit mit den Patienten verbringen, heißt es in Presseberichten. Auch die Zahl der Krankmeldungen sei zurückgegangen. Obwohl mehr Angestellte eingesetzt werden müssen, um die kürzeren Schichten auszugleichen, sind fand Sechs-Stunden Modell in Schweden weitere Nachahmer, ebenfalls im Bereich des Pflege- und Gesundheitsdienstes.

Studien zum Thema
Die Ergebnisse geben zudem Studien recht, die einen Zusammenhang zwischen kürzeren Arbeitszeiten und gesteigerter Produktivität herstellen. 2014 kam der Ökonom John Pencavel von der Stanford University zu dem Ergebnis, dass Angestellte nicht unbedingt mehr schaffen, wenn sie mehr Stunden am Tag arbeiten. Seine Studie zeigt: Ab einer bestimmten Anzahl an Arbeitsstunden steigt die Produktivität in immer geringerem Maße an.

Auch in Deutschland?
Aber lässt sich das Modell des Sechs-Stunden-Tages auch auf andere Arbeitsbereiche, und – die vielleicht wichtigste Frage – auch auf Deutschland übertragen? Auf diese Frage gibt das Experiment noch keine Antwort. Denn auch in Schweden bleibt das Modell bisher nur auf wenige Bereiche des öffentlichen Sektors und einer kleinen Gruppe von Testpersonen beschränkt. Die Frage der Realisierbarkeit mag also noch nicht beantwortet sein. Deutlich bleibt aber: Eine bessere Balance zwischen Privatleben und Beruf, sei es mit weniger Arbeitsbelastung oder schlichtweg mit flexibleren Arbeitszeiten, sollte nicht nur im Sinne der Angestellten sondern auch ihrer Arbeitgeber sein.

Lesetipps:
Süddeutsche Zeitung
Huffington Post
Quartz

Autor: Nabila Lalee

Verändert der Beruf den Charakter?

Soldaten sind tapfer, Geografen neugierig und Designer kreativ… Stimmen diese Klischees mit der Realität überein? Und wenn ja, was war zuerst da: Die Charaktereigenschaft oder der Job? Anders gefragt: Bestimmen unsere Charaktereigenschaften über den ausgeübten Beruf oder nehmen wir uns im Laufe des Arbeitslebens branchentypischer Charakterstärken an? Dieser Frage ging die Psychologin Dr. Claudia Harzer von der Uni Kassel nach und kam in ihrer aktuellen Studie zu dem Ergebnis, dass sowohl das eine als auch das andere zutrifft.

Stereotype über die Charaktere bestimmter Berufsgruppen haben demnach durchaus ihre Berechtigung. So seien Friseure besonders dankbare Menschen, Ärzte besonders wissbegierig, Bilanzbuchhalter besonders ausdauernd und Elektroniker besonders freundlich.

Doch wie kommt das?
Nach Dr. Harzer sind unsere Charakterstärken zum Teil genetisch festgelegt. Doch unbeweglich sind sie deswegen noch lange nicht: Wir können sie durch wiederholtes Handeln verändern und unser Wesen somit kontinuierlich verändern – zumindest in einem gewissen Rahmen. Ein Beispiel: Ein eher zurückhaltender, unkommunikativer Mensch wird Marktforscher und muss täglich Straßeninterviews halten. Mit der Zeit wird er die Angst vor dem Kontakt mit Fremden ablegen und offener und kommunikativer werden. Doch nicht jeder kann sich jedem Job anpassen. Das ist auch nicht nötig, immerhin ist ein Job frei wählbar. Wer besonders ängstlich ist, wird sicher kein Kriegsberichterstatter und wer soziopath ist sicher kein Seelsorger. Seine Stärken und Schwächen kennt jedoch nicht jeder Berufseinsteiger, so mancher lernt sie erst im Laufe des Lebens kennen. Daher ergeben sich laut Dr. Harzer meist drei mögliche Situationen beim Berufseinstieg:

1) Wir fühlen uns mit unserer Arbeit, den Aufgaben und dem Umfeld sofort wohl und machen unseren Job gut und gerne.
2) Wir merken, dass es hier und da hapert und lernen dazu und passen uns an, bis wir uns wohlfühlen.
3) Wir merken, dass der Job überhaupt nichts für uns ist und uns eine Anpassung nicht gelingt. In dem Fall heißt es: Nichts wie weg! Wer sich zu lange und erfolglos anzupassen versucht, wird auf Dauer unglücklich.

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Ja, der Beruf verändert den Charakter. Bestimmte Charaktereigenschaften bringen wir genetisch festgelegt bereits mit, verändern uns und damit unseren Charakter aber auf Dauer beim ständigen Ausüben einer Tätigkeit, zumindest im Rahmen unserer Möglichkeiten. Völlig verändern kann uns auch unser Beruf nicht.

Lesetipps:
Interview mit der ZEIT
Die Studien der Psychologin Dr. Harzer

Autor: Katrin Haase

Studie: Was wünschen sich Uni-Absolventen?

Was ist den derzeitigen Absolventen von Universitäten und Hochschulen wirklich wichtig? Worauf achten sie bei der Jobwahl? Das untersuchte die Kommunikationsberatung Kienbaum Communications und die Agentur Westpress und befragte dafür 313 Absolventen verschiedener Fachrichtungen in der „Absolventenstudie 2016“.

Das erstaunliche Ergebnis: Nicht Geld, Macht oder Sicherheit stehen an erster Stelle, sondern eine kollegiale Arbeitsatmosphäre (59 %), eine ausgewogene Work-Life-Balance (57 %) und Karriereperspektiven (50 %).

Als relativ unwichtig bewerten sie soziales Engagement des Zielunternehmens (9 %), den Standort in einer Großstadt (8 %) und die Bekanntheit der Marke (8 %).

Die Kienbaum-Absolventenstudie
Die Kienbaum Absolventenstudie

Wie einsteigen?
Die Forscher fragten ebenfalls, welche Bereiche den Absolventen als Jobeinstieg vorschweben. Am attraktivsten erscheint den frisch gebackenen Studienabsolventen ein Projektmanagement (48 %) und ein Job im Marketing (30 %).

Anstellungen im Kundendienst (5 %) und in der Rechtsabteilung (3 %) scheint ihnen dagegen weniger erstrebenswert.

Am beliebtesten ist der direkte Einstieg in den ersten Job (49 %), gefolgt vom Traineeprogramm (41 %). Ein Praktikum ist mit elf Prozent verständlicherweise nicht gerade die Idealvorstellung. Generation Praktikum hat genug umsonst gearbeitet.

Eine nicht ganz unwichtige Information: Fast die Hälfte der Studienteilnehmer studierte Wirtschaftswissenschaften, weit abgelegen gefolgt von Ingenieurwissenschaften und Geistes- und Sozialwissenschaften.

Was sagt das über die neue Generation?
Im Gegensatz zu den Motivationen, die bei einigen über Vierzigjährigen noch ziehen – dicker Firmenwagen, teures Firmenhandy, Goldmedaillen für besonders tüchtige Mitarbeiter – müssen sich die Arbeitgeber heute etwas anderes ausdenken, um die besten Mitarbeiter an sich zu binden. Ein guter Anreiz sind anspruchsvolle Aufgaben, an denen der Absolvent wachsen und sich persönlich weiterentwickeln kann, aber auch ein gut geführtes Team und Karrierechancen sind den neuen Mitarbeitern wichtig.

Die Kienbaum Absolventenstudie
Die Kienbaum Absolventenstudie

Männer versus Frauen
Dabei gibt es wahrnehmbare Unterschiede in der Bewertung der Männer und der Frauen, die beide etwa zu gleichen Teilen an der Studie teilnahmen.

Männer bewerten das Gehalt immernoch höher als Frauen (Männer 54 %, Frauen 44 %), Frauen wiederum finden es wichtiger, in einer internationalen Firma zu arbeiten (Frauen 39 %, Männer 29 %). Sie sind es auch, die mehr auf gute Führung des Team Wert legen (Frauen 32 %, MäDie Kienbaum-Absolventenstudinner 23 %).

Zu den Kienbaum-Publikationen

Autor: Katrin Haase