Was ist Crowdfunding aus steuerlicher Sicht?

Kolumne von Thomas Adler

Was passiert rein rechtlich, wenn Geld an eine Crowdfunding-Plattform gegeben wird?
Die kurze Antwort: Es entsteht ein Kaufvertrag.

Wenn jemand über eine reward-based Crowdfunding-Plattform ein Projekt unterstützt, dann gehen die AGBs der meisten Plattformen davon aus, dass dies einen Kaufvertrag zwischen Geldgeber und Geldempfänger konstituiert, unabhängig davon, ob die Prämie materieller Natur wie CDs, Download eines Films oder Eintrittskarten oder aber immaterieller Natur wie Widmungen, Danksagungen, Nennung im Booklet oder eine Logopräsenz sind.

Bei Beträgen ohne Gegenleistung wird von Steuerrechtlern teilweise argumentiert, dass hier eine Schenkung oder Spende vorliegt. Ich persönlich bezweifle das aber. Eine Schenkung muss in der Regel unentgeltlich erfolgen. Unentgeltlich bedeutet nicht nur, dass die Schenkung nichts kosten darf, sondern auch, dass keine Gegenleistung erfolgen darf (§ 320ff BGB). Da aber für viele der Crowdfunding-Projekte Dankeschöns, Prämien und Gegenleistungen im Zuge der Geldzahlung erworben werden können, kann meines Erachtens nicht von einer Schenkung geredet werden.

Aber auch für einen Crowdfunding-Betrag ohne Gegenleistung ist der Begriff der Schenkung nicht angebracht. Man könnte leicht argumentieren, dass bei einem Crowdfunding-Projekt mit der Realisierung eines bestimmten Vorhabens geworben wird, insofern jeder gegebene Geldbetrag an das Versprechen geknüpft ist, bei erfolgreicher Finanzierung das beworbene Projekt auch umzusetzen. Selbst wenn also keine Gegenleistung verlangt wird, ist das gesamte Crowdfunding-Projekt eine Gegenleistung für den Geldgeber.

Kurzum: Ihr müsst Einnahmen aus Crowdfunding versteuern und natürlich auch Rechnungen ausstellen.

Thomas Adler ist Diplom-Kaufmann, Künstler-Coach und Existenzgründer-Berater in Berlin und hilft seit Jahren dem einen oder anderen Künstler aus der bürokratischen Patsche.

Foto: Niels Steeman / Unsplash

Steuerliche Behandlung von Kindern oder: Warum manche Leute auf Kindergeld verzichten sollten

Kolumne von Thomas Adler

Unabhängig, ob mit oder ohne Kinder: Unverheiratete und Alleinerziehende werden gegenüber Verheirateten aufgrund des Ehegattensplittings seit Jahrzehnten benachteiligt. Jeder weiß das, und jeder bemängelt es. Indes: Wir haben nunmal Merkel. Und die Merkelraute ist die eingefrorene Form des Däumchendrehens.

Im Großen und Ganzen sind die steuerlichen Absetzmöglichkeiten bei Kindern beschränkt auf:

Hebamme: Außergewöhnliche Belastung, teilweise absetzbar
Schwangerschaftsgymnastik: dito
Kita-Gebühren: voll absetzbar
Babysitter: Voll absetzbar, wenn dieser per Überweisung bezahlt wird
Schulgeld: voll absetzbar bei Besuch einer Privatschule

Daneben sollten sich beide Elternteile einen halben Kinderfreibetrag auf ihrer Lohnsteuerkarte eintragen lassen. Alleinerziehende wechseln von Steuerklasse 1 in Steuerklasse 2.

Das eigentliche Problem ist das Kindergeld:

Deutschland ist in der EU das einzige Land, in dem das Kindergeld vorwiegend zur steuerlichen Freistellung des Existenzminimums gewährt wird. Durch das Grundgesetz ist geregelt, dass das Existenzminimum nicht besteuert werden darf. Daher prüft das Finanzamt bei der Einkommensteuererklärung auch, ob der Abzug der Freibeträge für den Steuerpflichtigen günstiger ist als der Anspruch auf das Kindergeld. Dies wird Günstigerprüfung genannt.

Sollte sich aus dieser Prüfung ergeben, dass der kindbedingte Steuervorteil aufgrund des Freibetrags höher ist als das Kindergeld, dann wird dieser überschießende Betrag an den Steuerpflichtigen ausgezahlt. Kommt der umgekehrte Fall in Frage, bleibt es weiterhin beim Kindergeld. Eltern, die über ein hohes zu versteuerndes Einkommen verfügen, stellen sich mit dem Abzug der Freibeträge regelmäßig besser gegenüber dem Kindergeld. Eltern mit einem geringen zu versteuernden Einkommen hingegen sind mit dem Kindergeld besser beraten. Seit dem Jahre 2004 reicht für diese Anrechnung auf den Kinderfreibetrag der Anspruch auf Kindergeld aus. Es spielt keine Rolle, ob das Kindergeld auch tatsächlich ausbezahlt wurde.

Thomas Adler ist Diplom-Kaufmann, Künstler-Coach und Existenzgründer-Berater in Berlin und hilft seit Jahren dem einen oder anderen Künstler aus der bürokratischen Patsche.

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Das Geheimnis der Abschreibungen – Warum Ausgaben keine Kosten sind

Kolumne von Thomas Adler

Das Thema Abschreibungen tangiert eine für betriebswirtschaftliche Verhältnisse fast schon philosophische Frage: Was sind eigentlich Kosten? Hierzu zunächst ein kleiner begrifflicher Exkurs: Ausgaben sind der Abgang von Bargeld oder Bankgeld. Aufwendungen sind Ausgaben, die den Gewinn mindern und somit steuerlich absetzbar sind. Kosten sind Ausgaben, völlig egal, wie das Finanzamt dazu steht, da sie ein Begriff aus dem internen Rechnungswesen sind. Und Unkosten gibt es nicht. Das Äquivalent zu Kosten sind Leistungen. Deshalb nennt man die betriebsinterne Gewinnermittlung auch Kosten- und Leistungsrechnung.

Die Frage ist nun: Wenn ich ein Auto im Wert von 10.000 Euro kaufe, wie hoch sind zum Zeitpunkt des Kaufs meine Aufwendungen? Natürlich null. Aus ökonomischer Perspektive bin ich durch den Kauf des PKW nicht einen Cent ärmer geworden: Zwar ging mein Kontostand um 10.000 Euro zurück, dafür hat sich der Wert meines Fuhrparks um 10.000 erhöht. Die Kosten für den PKW entstehen erst im Laufe der Zeit durch dessen Wertverlust. Dieser Wertverlust wird steuerrechtlich durch die sogenannten AfA (Absetzung für Abnutzung), also die Abschreibungen, dargestellt. Weswegen es übrigens auch nicht viel bringt, kurz vor Jahresende noch Geld ohne Ende aus dem Fenster zu schmeißen, um das zu versteuernde Einkommen zu senken. Wer im Dezember beispielsweise einen Laptop für 2.100 Euro kauft, kann bei einer Nutzungsdauer von 36 Monaten für das laufende Kalenderjahr lediglich den Wertverlust eines Monats, nämlich 58,33 € absetzen.

Also, liebe Selbständige, achtet darauf: Jedes Produkt ab einem Bruttowert von 489 Euro muss abgeschrieben, und darf nicht sofort voll abgesetzt werden.

Thomas Adler ist Diplom-Kaufmann, Künstler-Coach und Existenzgründer-Berater in Berlin und hilft seit Jahren dem einen oder anderen Künstler aus der bürokratischen Patsche.

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Warum ich das deutsche Steuersystem liebe

Kolumne von Thomas Adler

Während sich meine Begeisterung für die Bundesrepublik Deutschland in Grenzen hält, liebe ich indes das deutsche Steuersystem. Ja, im Ernst: Im Prinzip ist das deutsche Steuersystem absolut undeutsch. Während in diesem Land so ziemlich alles genormt und reguliert ist, der Rasen vor den Einfamilienhäusern (steuerlich gefördert übrigens) immer hübsch konform geschnitten und rechtwinklig, ist das Steuerrecht ein einziges Abenteuer: tückisch, anarchisch, voll kleinster Gefahren lauernd. Keine Wegweiser, keine Warnschilder, ein Surviving of the fittest… Allein die Tatsache, dass 70 Prozent der Weltliteratur zum Thema Steuern in deutscher Sprache verfasst ist, gibt einen Eindruck davon, welch Wagnis es ist, sich das Elsterformular herunterzuladen und in wagemutiger Absicht zu versuchen, eine Steuererklärung zu erstellen.

Die Fallen
Manch mutiger Geselle ist schon hinter schwedischen Gardinen geendet, weil er sich verfrüht über die Tatsache erfreute, dass man als Selbständiger Werbegeschenke von der Steuer absetzen kann. Dieses fröhliche Präsenteverteilen findet indes ein jähes Ende, sollte man auf die glorreiche Idee kommen, einem guten Kunden ein Geschenk über 35 Euro zu überreichen. Das Delikt: Bestechung bzw. Korruption.

Ebenfalls mit einem Bein im Knast stehen Naivlinge, die glauben, Reisekostenerstattungen und Spesen seien keine Einnahmen. Überhaupt ist es sensationell, was in den Augen des Finanzamtes alles als Einnahmen gilt: Private PKW-Nutzung bei Selbständigkeit: Einnahme, das Gleiche gilt für die private Telefonnutzung; und selbst wenn mich mein Auftraggeber zum Frühstück einlädt, so ist dies ein geldwerter Vorteil, also: Einnahme.

Eine der größten Fallen allerdings ist das Thema Arbeitszimmer. Ein Arbeitszimmer in der Privatwohnung muss zu 100 Prozent geschäftlich genutzt werden. Das Finanzamt überprüft dies mit Hausbesuchen, wobei es aus dem Inventar des Zimmers auf seine Funktion schließt. Bett, TV, Bügelbrett: Keine Chance. Nicht einmal Sex im Arbeitszimmer ist erlaubt, es sei denn, die Partnerin ist deine Angestellte…

Die Ungerechtigkeiten
Wenn euch die Reichen in den Talkshows erzählen, sie würden 45 Prozent Steuern zahlen: Glaubt ihnen kein Wort. Im Moment sieht die Steuertabelle wie folgt aus: Die ersten 8652 Euro sind der steuerfreie Grundfreibetrag. Die ersten 100 Euro, die darüber liegen, werden mit dem Eingangssteuersatz von 14 Prozent belegt. Diesen Steuersatz, der die letzten 100 verdienten Euro betrifft, nennt man Grenzsteuersatz. Er steigt allmählich an, bis er bei einem Jahreseinkommen von 96000 den Spitzensteuersatz von 42 Prozent erreicht. Erst ab 250.000 Euro gibt es dann noch einmal einen Sprung auf 45 Prozent: Den Höchststeuersatz. Dies heißt also nichts anderes, als dass auch jemand mit einem Einkommen über einer Million Euro auf die ersten 8652 Euro keine Steuer zahlt, und dann mit 14 Prozent einsteigt. Der tatsächliche – sozusagen der Durchschnittssteuersatz – des Einkommensmillionärs kann sich somit rein rechnerisch den 45 Prozent nur annähern, sie aber nie erreichen.

Besonders ungerecht ist die Abgeltungssteuer, also die Steuer auf Kapitalerträge. Derzeit zahlen Bürger auf Einkünfte aus Kapitalerträgen eine pauschale Abgeltung von 25 Prozent, Arbeitseinkommen werden deutlich höher besteuert.

Und dann Kinder!
Kinder – im Prinzip eine tolle Sache, in der Praxis dann doch immer wieder unpraktisch in der Handhabung, überraschend kostspielig im Unterhalt. Und steuertechnisch so kompliziert, dass ich dem Thema in Zukunft eine eigene Kolumne widmen werde.

Die Anarchie
Nur wer skrupellos und kaltblütig die Schlupflöcher im Steuerdschungel nutzt, kann sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Moralisten verschaffen. Streu in jede Unterhaltung im Restaurant ein paar Worte aus dem Geschäftsbetrieb ein, und du kannst das Rendezvous mit deiner neusten Flamme als Geschäftsessen absetzen. Deklariere deinen Lieblingswein oder dein Lieblingsparfum als Werbegeschenk, mach deinen Psychotherapeuten zu deinem Coach, vergiss nicht, auch den Schornsteinfeger, den Hausmeister, die Müllabfuhr als Werbungskosten zu deklarieren. Obwohl nur verschreibungspflichtige Medikamente als außergewöhnliche Belastungen anerkannt werden, egal, leg sämtliche Apothekenquittungen in die Steuererklärung: Sollen DIE sich doch die Mühe machen, das Ganze auseinander zu klamüsern. Überhaupt: Müll das Finanzamt mit Belegen zu. Im Kampf gegen die deutsche Bürokratie gibt es nur zwei Möglichkeiten:
1. Sie macht dich verrückt oder
2. Du machst sie verrückt.

Der Wildwuchs
Irgendwann Mitte des 19. Jahrhunderts, Preußen war mal wieder in irgendeinen Krieg verwickelt, wurde zur Finanzierung der Armee die Sektsteuer eingeführt. 1 Taler (oder wie die Währung damals auch immer hieß) pro Flasche Sekt: Eigentlich eine soziale Idee, sollte doch der Adel den von ihm angezettelten Krieg finanzieren. Das Problem aus heutiger Sicht ist nur: Diese so genannte Schaumweinsteuer wurde seitdem nie wieder abgeschafft. Heutzutage zahlt ein jeder für das Massenprodukt Sekt eine Steuer von einem Euro je Flasche. Wurde eine neue Steuer erst einmal eingeführt, wird sie nie wieder abgeschafft. Der Solidaritätszuschlag war einst für maximal fünf Jahre erdacht worden; ich behaupte: Es wird ihn auch in 100 Jahren noch geben.

Alles so herrlich, alles das, was mich glücklich und zugleich manchmal kirre macht: das deutsche Steuersystem. Warum ich es gleichzeitig liebe und doch manchmal daran verzweifle; darüber erfahrt ihr bald mehr. Grüße von der Steuerfront.

Thomas Adler ist Diplom-Kaufmann, Künstler-Coach und Existenzgründer-Berater in Berlin und hilft seit Jahren dem einen oder anderen Künstler aus der bürokratischen Patsche.

Foto: Pixabay / Alexas_Fotos