Zeitmanagement im Alltag – wenn der innere Schweinehund sich meldet

Der Alltag ist für viele von uns eines: stressig. Morgens zwischen 6 Uhr und 8 Uhr klingelt der Wecker, wir hetzen ins Büro oder vorher noch in die Kita, arbeiten bis abends, machen Überstunden und wundern uns, wenn das Wochenende schon wieder ansteht, an dem dann endlich alles andere erledigt werden muss. „Wie schnell doch die Zeit vergeht…“, denken wir uns. Für Hobbies oder Leidenschaften bleibt selten die Zeit.
Um dennoch mehr vom Leben zu haben und Freizeit zu generieren, gibt es Zeitmanagement-Tipps wie Sand am Meer – mit starren Anweisungen wie bei einem Rezept. Das Problem: Sie machen keinen Spaß, sind längst bekannt und meist schwer in den Alltag zu integrieren. Das Resultat: Man gibt auf und fällt in den alten Trott zurück – und das, was man gerne macht, wird wieder hinten angestellt.
„Dann setz‘ dich doch einfach mal hin und nimm‘ dir Zeit für dein Hobby“ – gut gemeinte Ratschläge wie diese kennt sicherlich jeder oder hat sie selbst schon gegeben. Doch warum klappt es mit der Selbstdisziplin-Peitsche meistens nicht? Ganz einfach: Die Basis wird nicht beachtet – und das ist der Mensch in seiner Individualität. Wir Menschen sind widersprüchliche Wesen mit ganz vielen Bedürfnissen, die sich oft gegenseitig in die Quere kommen. Aber jedes einzelne Bedürfnis möchte bedient werden, sonst sabotiert es einfach alles. Ignorieren hilft hier nicht, weshalb die Selbstdisziplin-Peitsche auch selten langfristig hilft.

Dein innerer Schweinehund spricht mit dir – hör‘ ihm zu!
Wer Stress vermeiden will, sollte seinem inneren Schweinehund zuhören. Er verrät nämlich, was wir brauchen. Ihn als lästiges Untier abzutun, geht meist nach hinten los. Richtig rund geht es, wenn du anfängst, mit ihm zusammenzuarbeiten.
Dazu gehört als Erstes, mit dir selbst abzuklären, was du wirklich möchtest und warum du dir überhaupt Zeit für den Tangokurs oder den eigenen Roman freischaufeln solltest. Passt das Hobby vielleicht gerade doch nicht in den eigenen Lebensrhythmus?
Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben: Für mich als Trainerin für Romanautoren stehen aktuell meine Kinder an erster Stelle – erst, wenn diese in die Schule kommen, werde ich weitere eigene Romane schreiben. Was sich vielleicht auf den ersten Blick nach einem Rückschritt anhört, ist eine wichtige Maßnahme, um die Lust an der Leidenschaft nicht zu verlieren.
Denn durch Ehrlichkeit und Offenheit zu sich selbst, befreist du dich vom Druck, etwas Schaffen zu müssen und perfekt oder erfolgreich zu sein. Du grenzt dich ganz klar von den eigenen Erwartungen und die der anderen ab, indem du dir Raum gibst. Wieso nicht klein anfangen und dem Hobby eine statt fünf Wochenstunden einräumen? So fällt das Anfangen viel leichter und du endest nicht in der „Prokrastinieren-für-Fortgeschrittenen-Falle“, durch die du plötzlich Sockenbügeln oder Putzen spannend findest.

Den Spaß-Auslöser finden – Stress vermeiden
Warum machen wir das, was wir machen eigentlich gerne? Warum hat der eine Freude am Stricken, der nächste Spaß am Tanzen und der Übernächste Interesse, seine Gedankenwelt auf Papier zu bringen? Eine wichtige und doch so selten gestellte Frage, um Stress beim Zeitmanagement zu vermeiden. Die Antworten sind nämlich der Motor für unsere Zufriedenheit und die Ausdauer, um „am Ball zu bleiben“. Um zu erkennen, weshalb die investierte Zeit es Wert ist, für ein Hobby genutzt zu werden, notierst du dir am besten alle positiven Aspekte des Hobbies auf Papier. Was dabei zum Vorschein kommt, ist immer wieder phänomenal – denn plötzlich wird die Leidenschaft zu einer Kraftquelle im Alltag und Beruf. Neue Ressourcen bis hin zu kleinen und großen Veränderungen kommen zum Vorschein. Damit ist unser innerer Schweinehund zutiefst befriedigt und hat keine Angriffsfläche mehr, das Hobby als unwichtig abzutun.

Kein Maulkorb beim Hobby
Es gibt keine Regeln für die eigenen Hobbies. Erlaubt ist, was Spaß macht und die Leidenschaft fördert. Ich zum Beispiel schreibe sehr gerne im Bett, auch wenn viele Forscher sagen, dass man genau das nicht machen soll. Damit setze ich mich bewusst über anerkannten Regeln hinweg und bin damit sehr erfolgreich.
Wichtig ist, dass wir uns wohl fühlen und unseren Spaß-Auslöser stärken. Das bedeutet: Hör‘ in dich und folge dem, was dir guttut. Dann bleibst du in Zukunft bei dir und deinen Hobbies, verzettelst du dich nicht und gerätst nicht in Stress.

Über die Autorin
Jurenka Jurk ist studierte Romanautorin, deren Roman „Verliebt bis in die Haarspitzen“ im Weltbild Verlag erschienen ist. Ihr Wissen teilt sie gern, denn das Unterrichten ist eine Kernleidenschaft der Süddeutschen und wichtiger Bestandteil ihrer Berufung. Mit dem von ihr entwickelten strategischen Konzept „Der Romanfahrplan“, unterstützt sie angehenden Autoren aus ihrem Schreibprojekt einen Roman im Buchregal zu machen.
www.schreibfluss.com

Mitarbeiter gesucht? Recruiting-Tipps

Sucht eine Firma neue Mitarbeiter, ist immernoch die klassische Stellenanzeige der meistbenutzte und effektivste Weg. Dabei ist weniger relevant, ob die Stellenanzeige online oder offline geschalten wird, beide Wege führen zu guten Ergebnissen: Eine Studie von Index aus Berlin besagt, dass zwei Drittel der Print-Inserate und mehr als die Hälfte der Online-Inserate zu Einstellungen führten. Sicherlich ist es sinnvoll, beide Wege zu gehen, um alle potenziellen Kandidaten dort abzuholen, wo sie gerade sind.

So formuliert ihr die Stellenanzeige

Doch was genau muss eine Stellenanzeige enthalten, damit sie für viele Kandidaten attraktiv erscheint? Da unterscheiden sich laut Studien die Interessen von Männer und Frauen: Männer konzentrieren sich angeblich eher auf das Unternehmensprofil, während Frauen zusätzlich Wert auf Angaben zur Unternehmenskultur, zu Arbeitszeiten, Qualifikationsmöglichkeiten und Anforderungen legen. Da das Ziel ist, so viele geeignete Kandidaten wie möglich zu finden, ist es also ratsam, beide Interessen zu bedienen:

1) Ein interessantes Unternehmensprofil

Die Arbeit beginnt also schon viel eher: Arbeitet an eurem Employer Branding, also am guten Image des Unternehmens und versucht, die positiven Merkmale der Firma herauszuarbeiten und die, die negativ bewertet werden könnten, positiv zu formulieren (nicht: viele Dienstreisen, sondern: abwechslungsreiches Aufgabenspektrum). Ein wettbewerbsfähiger Arbeitgeber macht Angaben zur Geschichte des Unternehmens, zu gemeinsamen Werten und Vision, angebotenen Leistungen, den Nutzen für den Kunden, zu besonderen Kompetenzen und zum Unternehmensauftritt. Dabei ist es natürlich besonders wichtig, eine moderne, informative Website und gut geführte Social Media Kanäle zu pflegen. Nicht zu unterschätzen sind auch Bewertungportale wie kununu.com, meinchef.de, meinpraktikum.de, bizzwatch.de oder jobvoting.de, auf denen sich viele Bewerber über euer Unternehmen schlau machen. Beachtet also unbedingt die dort gelisteten Kriterien.

2) Unternehmenskultur, Anforderungen, Arbeitszeiten

Doch nicht nur das Image ist wichtig, sondern auch die Fakten, die ihr am besten gleich offen in der Stellenausschreibung kommuniziert. Denn weder ihr seid glücklich mit einem unpassenden Kandidaten und verlorener Zeit beim Bewerbungsgespräch, noch die Bewerber, die mit Zeit und Mühe eine Bewerbung formuliert haben, um schließlich zu erfahren, dass der Job gar nicht zu ihnen passt. Bitte macht also so viele Angaben wie möglich zu Themen wie Anforderungen, Aufstiegschancen, Teamarbeit, Arbeitsprozesse, Gehalt, Unternehmenskultur, Arbeitszeiten, Urlaubstage und extra Leistungen, die euer Unternehmen von anderen unterscheidet. Oftmals stößt potenziellen Bewerbern das Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Leistungen auf – nach dem Motto: Dreisprachiger Allrounder und Teamworker, der zwei Studien und zehn Jahre Arbeitserfahrung hat, trifft auf ein nettes Team und flexible Arbeitszeiten.

Kurz gesagt
Streut eure Stellenausschreibung also auf so vielen Kanälen wie möglich, verkauft euer Unternehmen dabei so gut wie möglich, macht aber auch genaue Angaben, damit sich nur die passenden Kandidaten bei euch bewerben.

Andere Wege: Active Sourcing und Social Recruiting

Neben der klassischen Stellenanzeige haben sich weitere Wege herausgebildet, um passende Mitarbeiter zu finden. Zum einen das Active Sourcing, bei dem der Kandidat selbst ein Profil erstellt und sich die Firmen mit einer passenden Stelle beim potenziellen Mitarbeiter melden. Nicht der Bewerber findet das Unternehmen, sondern andersherum. Portale hierfür sind zum Beispiel Berufsnetzwerke wie Xing und LinkedIn, aber auch Social Media Kanäle wie Twitter oder Facebook und Lebenslaufdatenbanken wie Absolventa, Monster und CareerBuilder. Hierbei ging der erste Schritt vom Bewerber aus, indem er ein solches Profil überhaupt erst angelegt hat. Vom Social Recruiting ist die Rede, wenn die Unternehmen sich nach Kandidaten in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram, Twitter oder Snapchat umschauen und sie dort direkt anschreiben oder zielgruppengerecht Werbung für ihre Stelle oder Firma schalten. Dadurch werden mehr Kandidaten erreicht, die Employer Brand wird bekannter und die Firma sucht zielgruppenspezifischer. Noch ist diese Art der Suche in den Kinderschuhen, spielt aber eine kontinuierlich wachsende Rolle.

Text: Katrin Haase
Foto: rawpixel / Unsplash

Gehaltsverhandlung – so kann es gelingen

Verhandlungen sind vielen Arbeitnehmern ein Graus. Vielen fällt es oftmals schwer, in eigener Sache Forderungen und Ansprüche zu stellen. Das jedoch ist absolut notwendig, um am Ende mehr Gehalt auf seinem Konto zu haben, denn selten kommt die Gehaltserhöhung von selbst. Im Gegenteil: wer nicht wagt, der nicht gewinnt, heißt es doch so schön in einem Sprichwort. Worauf kommt es also an? Wir haben einige wichtige Fakten für euch gesammelt, mit denen die nächste Gehaltsverhandlung ein voller Erfolg wird.

Die Vorbereitung
Es gibt nicht die eine Strategie, die sich bei einer Verhandlung anwenden lässt. Einige Dinge sollten aber unbedingt durchdacht und vorbereitet werden, bevor man sich in das Gespräch begibt. Zum einen ist es wichtig, mit wem man es in der Verhandlung zu tun hat. Wie ist der Charakter meines Vorgesetzten? Worauf legt er Wert und welche Fähigkeiten und Skills schätzt er, welche Werte sind ihm wichtig? Basierend auf diesen Informationen lässt sich das Gespäch schon einmal ganz anders aufbauen.
In jedem Fall ist es gut, die Verhandlung mit einer anderen Person einmal zuvor durchzuspielen, bevor es in den Ring des eigentlichen Gesprächs geht. So gewinnt man rhetorisch mehr Selbstsicherheit und kann verschiedene Szenarien und Argumentationsketten durchspielen.
Ein anderer wichtiger Faktor ist die Dokumentation der eigenen Leistung. Dazu zählt schriftliches Feedback, Statistiken, Fakten und weitere Dokumente, die die Leistung bestätigen und eine Grundlage für weitere Forderungen nach einem höheren Gehalt begründen. Wer sich nicht sicher ist, ob seine Gehaltsforderungen zu hoch sind, kann sich an Studien, wie zum Beispiel dem Gehaltsreport von Stepstone oder vom Statistischen Bundesamt orientieren.

Die richtige Rhetorik
Ein guter Einstieg in das Gespräch ist mitunter die Grundlage für einen positiven Verlauf der Verhandlung. Wer mit der Tür gleich ins Haus fällt, ist nicht nur unhöflich, sondern auch taktlos und fällt unangenehm auf. Ein kurzer Plausch in angenehmer Gesprächsatmosphäre bricht das Eis und ebnet den Weg in das weitere Gespräch.
Kommt es zum eigentlichen Thema, gilt es die Forderungen klar und deutlich zu formulieren und das dann auch zu begründen. Ganz nach der Devise: Argumente sind gut, Forderungen besser. Gut ist es immer, etwas höher anzusetzen, da in der Regel die Forderung des Arbeitnehmers heruntergehandelt wird. Setzt man höher an, verliert man in der Regel weniger Prozente des angestrebten Gehalts. Bevor die Gehaltsforderung formuliert wird, ist es zu empfehlen, einige Gründe zu nennen, warum mehr Gehalt angestrebt wird. Das kann ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt sein, die erfolgreiche Akquise neuer Kunden, mehr Verantwortung und die Aneignung neuer Fachkenntnisse oder die Einarbeitung neuer Mitarbeiter.

Selbst-Marketing ist erlaubt
Sich seines Wertes bewusst zu sein, hat noch niemandem geschadet. Eher im Gegenteil. Nicht nur für das eigene Selbstwertgefühl, sondern auch im Unternehmen ist dieser Faktor ein wichtiger Parameter, um wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Um das auch messbar zu machen, ist es empfehlenswert, Feedback-Gespräche mit dem Vorgesetzten zu vereinbaren und diese über die eigenen Erfolge und positive Ergebnisse in Kenntnis zu setzen. Auch positive Resonanz von Partnern und Kunden können weitergeleitet werden, um den eigenen Erfolg zu dokumentieren.

Je krummer die Zahl, desto besser
Es hört sich ein wenig seltsam an, aber wer seine Gehaltsforderungen möglichst präzise formuliert und die Gehaltsverhandlung eröffnet, ist deutlich erfolgreicher als jemand, der eine runde Zahl angibt. Das zumindest besagt eine Studie, in der nachgewiesen wurde, dass eine genaue Forderung suggeriert, dass man sich vorab vorbereitet hat. Ein weiterer interessanter Punkt der Untersuchung ist auch, dass die Personen erfolgreicher waren, die einen nicht zu günstigen Wert angegeben haben.

Fazit
Wer sich gut vorbereitet und vorab schon eine genaue Vorstellung hat, von dem, was angestrebt wird, der hat am Ende größere Chancen mit einem positiven Ergebnis aus der Verhandlung zu gehen. Eine gute Selbsteinschätzung kann hier von Vorteil sein, aber vor allem sollte man den Wert seiner Arbeit kennen und einfordern können, denn gearbeitet wird nun einmal nicht umsonst. Warum auch!

Tipps zum Lesen: http://www.sueddeutsche.de/thema/Gehaltsverhandlung
https://karrierebibel.de/gehaltsverhandlung/

Autor: Elsa Loy
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Meditation: eine Investition ins eigene Köpfchen

Kolumne von Lisa Ringen

Digitalisierung und Beschleunigung gehen Hand in Hand. Eigentlich gehen sie nicht, sie rennen. Mit multiplen Projekten, Kunden und sogar Arbeitgebern zu jonglieren ist für immer mehr Menschen längst Büroalltag. So auch für mich.

Dem Wunsch nach Balance und Entschleunigung nachgehend, habe ich vor einigen Monaten etwas ausprobiert, das mein Leben und Arbeiten umgehend positiv beeinflusste. Seitdem will und muss ich mich unaufgefordert mit den unterschiedlichsten Menschen über dieses Thema austauschen. Die Erfahrung, die ich im letzten Herbst machen durfte, begeistert mich nach wie vor und ich möchte sie teilen. Ich berichte dabei von einem Aha-Moment, den ich meist wie folgt beschreibe: „Es ist für mich so, als hätte ich im Buch des Lebens, von dem man ja weiß, dass man immer mal wieder ein Kapitel beendet und das nächste beginnt, plötzlich etwas komplett Neues und Unerwartetes entdeckt. Auf einmal stelle ich fest: Das Buch ist in 3-D und hat versteckte Seiten und geheime Einschübe!“

Die Rede ist von Meditation.

Es braucht nicht viel. Tatsächlich so wenig, dass mich einige Menschen gefragt haben, warum ich für so etwas Simples überhaupt Geld in die Hand genommen habe. Meditieren lernen, in meinem Fall im Rahmen eines kostenpflichtigen Einführungskurses, ist meine ganz persönliche Investition, die ich für die bisher beste meines Lebens halte.

Fünfzehn Minuten zwei Mal täglich, in denen der Kopf herunterfahren darf. Meine Augen sind geschlossen, ich atme ruhig und flach. Dann beginne ich, ohne zu sprechen mein Mantra zu wiederholen. Leicht und gelöst, ohne mich darauf zu konzentrieren. Einfach so, wie es gerade kommt. Und das, was dann passiert – oder eben nicht passiert – ist jedes Mal anders. Auch das gehört dazu und ist spannend. Doch spannend ist das Ganze immer erst hinterher, denn eigentlich geht es bei Meditation um geistige Entspannung.

Gelassener und effizienter: In den Flow durch Meditation

Auf längeren Reisen hatte ich meine innere Ruhe und einen perfekten Fluss gefunden. Egal, was um mich herum passierte, ich war genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Alles floss und ich war mittendrin. Dieser Fluss oder Flow beschreibt für mich einen himmlischen, erstrebenswerten Zustand im absoluten Einklang. Und diesen Flow hatte ich zumindest immer so lange, bis mich nach ein paar Wochen in Deutschland der Alltagsstress mitriss und vereinnahmte. Gedanklich beschäftigte ich mich meist weit vor und nach der Arbeit mit dem, was ich über den Tag und die nächsten Wochen im Job auf dem Zettel hatte und plante die Dinge, die ich noch zu erledige hatte. Dabei ging ich oft verschiedene mögliche Szenarien durch, untersuchte alle denkbaren Outcomes auf ihre mutmaßlichen Konsequenzen. Ich verbrannte zu viel Energie. Und, viel schlimmer noch, ich war dabei, eine für mich wichtige Trennlinie zu verwischen: Die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem. Gedanken rund um die Arbeit hatte sich als Untermieter eingenistet und übernahmen nun, positiv wie negativ, sehr viel – zu viel – Raum im Privatleben ein. Mir war bewusst, dass dem so war, doch irgendwie fühlte ich mich von meinem eigenen Kopf mitgerissen und unfähig, ihn konsequent zum Rasten zu bringen. Als mein Partner uns dann im September gemeinsam bei einem Meditations-Infovortrag anmeldete, war ich dankbar, und wusste instinktiv, dass ich endlich und unbedingt Meditieren lernen musste.

Auf die Einführungszeremonie, bei der wir in jeweils einer Einzelsitzung unsere geheimen Mantras erhielten, folgten zwei gemeinsame Sitzungen mit jeweils zwei Stunden Meditation und Gesprächen. Unser Meditationslehrer, ein spitzbübischer, drahtiger 70-Jähriger, erklärte uns, dass es bei Meditation und Transzendieren (lateinisch: Übersteigen) um Grenzenlosigkeit geht. Dieses Konzept kann nicht verstanden, sondern nur gefühlt werden, am besten, indem man es selbst erlebt. Jede Meditation ist anders. Es gibt kein falsch, solange man sich immer wieder an die Grundlagen der Meditation erinnern (gelöst und entspannt anstatt verkrampft das Mantra denken, den Körper zur Ruhe kommen lassen und frei von Erwartungshaltungen beginnen, während des Meditierens nichts verurteilen, wenn Gedanken kommen, immer wieder aufs Mantra besinnen).

Wie bei einem Computer startet durch regelmäßige Meditation im Gehirn eine Defragmentierung, die über die Zeit des eigentlichen Meditierens hinausgeht: Der Geist verdichtet sich nachhaltig, während der Verstand still wird. Jetzt ist die Zeit der körpereigenen Selbstheilungskräfte gekommen. Sie nutzen die Gelegenheit, Wartungsarbeiten zu erledigen und alles einmal gründlich zu reinigen.

Manchmal fühlt es sich für mich so an, als würden durch die Meditation Updates installiert, die mich im Laufe der nächsten Stunden oder Tage dabei unterstützen, ruhiger, klarer und entschlossener zu handeln. Ich entscheide besser und lerne neue Möglichkeiten kennen, mit meinem Körper zu arbeiten, anstatt mich gedanklich zu zerfleischen. Und ich bin nicht alleine. Dass es Meditation längst aus der Eso-Ecke ins Rampenlicht geschafft hat, bezeugen hochdotierte Management-Seminare, bei denen Top-Manager lernen, mithilfe von Meditationstechniken Stress abzubauen und effizienter unter Druck zu arbeiten. Sie sind keine Buddhisten oder Anhänger fernöstlicher Rituale. Sie tun es, weil Meditation für sie funktioniert. Jeder Mensch, egal welchen Alters oder Bildungsgrads, kann ortsunabhängig und ohne Hilfsmittel meditieren. Es gibt unterschiedlichste Meditationstechniken, der Zugang ist einfach; unterm Strich entfalten alle eine nachweißlich positive Wirkung sowohl für einen selbst als auch das Umfeld. Das Allerbeste: wenn einmal verinnerlicht, dann ist Meditation komplett kostenfrei.

Schwierig finde ich es zwar immer noch, komplett frei von Urteilen und Bewertungen zu meditieren, aber auch das klappt immer besser. Ich gewöhne mich daran, dass ich meine Meditation idealerweise gar nicht versuche, zu beeinflussen. Wenn Gedanken kommen, dann versuche ich sie so schnell wie möglich durch die Wiederholung des Mantras zu verdrängen, anstatt sie wie einen zugeworfenen Ball aufzunehmen. Dann lasse ich diese Gedanken in Frieden weiterziehen, ohne sie oder mich selbst zu bewerten. Hiermit tue ich mich noch schwer, doch auch das fügt sich. Mittlerweile ist es kein Beinbruch mehr, wenn ich es nach einem langen Tag einmal nicht schaffe, vom Einschlafen zu meditieren, und stattdessen auf der Couch versacke. Auf die Meditation am nächsten Morgen freue ich mich dafür umso mehr, denn ich merke, wie sehr es mir mein Geist dankt.

Das Jahrhundert des Gehirns – Investitionen in die Zukunft

Als komplexestes und wertvollstes Organ wird der menschliche Kopf im „Jahrhundert des Gehirns“ immer wichtiger. Da wir ihn (noch) nicht auswechseln oder gegen ein neueres, leistungsstärkeres Model tauschen können, müssen wir mit dem Eumel da zwischen den Schultern arbeiten, den wir zur Verfügung haben. Gehört man zur US-Tech-Elite, dann investiert man heutzutage in Start-ups, die sich damit beschäftigen, unsere Gehirne technologie-unterstützt schneller und produktiver zu machen. Dies ist eine Investition in menschliche Maximalbeschleunigung, was vordergründig zu den Anforderungen passt, die mit der Digitalisierung einhergehen.

Elon Musk und seine Firma Neuralink haben die Vision, datenleitfähige Substanzen über das menschliche Gehirn zu legen und damit Geist und Maschine verschmelzen zu lassen. Der Unternehmer möchte die Science-Fiction-Vision schlechthin in die Tat umsetzen, und Hirn-Computer-Schnittstellen entwickeln – und damit die Grenzen der Selbstoptimierungsmöglichkeiten und Risiken der ungewollten Einflussnahme gravierend verschieben.

Mit der „Verdrahtung“ der eigenen Gedanken mit einem Computer mag ich mich nicht so recht anfreunden. Umso besser, dass ich seit sechs Monaten am eigenen Leib erlebe, dass es einen viel einfacheren und kostengünstigeren Weg gibt, das Brain zu pimpen.

Ich habe meine Investition bereits getätigt und lege etwas Ähnliches jeder Person nahe, die ich treffe. Mehr oder weniger regelmäßig investiere ich jetzt Zeit in das Abtauchen in die gedanklichen Stille und genieße den Effekt, den es auf mich hat. Nicht immer gelingt mir das Transzendieren, der Zustand von No-Mind und absolutem Sein. Das ist in Ordnung. Transzendenz kann – große Überraschung – nicht erzwungen oder herbeigewünscht werden. Damit muss ich klarkommen. Ich kann es nicht kontrollieren. Der menschliche Körper ist eben kein Computer, sondern etwas viel Umfangreicheres. Ich brauche nicht auf die Entwicklungen aus Silicon Valley warten, ich setze auf meine körpereigenen Kräfte, die ich immer besser kennen und entwickeln will. Je mehr ich mich damit auseinandersetze, desto besser wird es.

Meditation ist optimale Geistespflege für jeden Menschen, der Ruhe, Fokus und Ausgeglichenheit verinnerlichen möchte.

Die Stärke des Willens

Kolumne von Bernhard Stuhrmann

Sport und Arbeit haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermutet: Viele Erfahrungen aus der Arbeit- und Sportwelt lassen sich ganz einfach verbinden. Am Ende zählt der Wille allein, ein erst unvorstellbares Projekt zu vollenden.

Einmal wurde ich in einem Vorstellungsgespräch gefragt, wie ich mich bei eintönigen Aufgaben in der Datenpflege selbst motivieren könne. Mir fiel sofort ein Beispiel aus dem Klettern ein: Du schaust nie hinauf zur Spitze, wenn du an der Wand bist, sondern fokussierst dich nur auf ein kurzes Stück vor dir, welches du abarbeitest und sobald du dieses geschafft hast, darfst du dich mit einer Kleinigkeit oder Pause belohnen. So erhält die Psyche ihre Belohnung und du verlierst nicht den Antrieb, weiterzumachen. Auf dem umgekehrten Pfad habe ich davon in einem Film (Sturz ins Leere (Originaltitel: Touching The Void), erschienen 2003) gehört, in dem ein Bergsteiger nach einem Unfall auf allen Vieren mit gebrochenem rechten Oberschenkel und zertrümmertem Knie, nach einem Sturz in 100 Meter Tiefe den Berg ohne Trinkwasser 4 Tage von rund 5800 Höhenmetern auf 4500 Meter zum Basislager hinabkroch. Dieser Bergsteiger hat nie die ganze Distanz im Blick gehabt, sondern hat sich immer nur 20 Meter fortbewegt, um dann kurz zu verschnaufen und seine Gedanken zu ordnen. Im Interview erzählte er davon und mir war plötzlich klar, dass ich es auf dem Weg nach oben genauso gemacht habe, natürlich unter viel besseren Umständen. Den Job habe ich übrigens nicht bekommen, was ich aber nicht auf meinen fehlenden Willen schiebe. In diesem Fall war es Unerfahrenheit, die andere Bewerber schon hinter sich gelassen hatten. Aber es war schon ein großer Erfolg, überhaupt für ein Bewerbungsgespräch eingeladen worden zu sein. Das signalisierte seitens der Firma Interesse an meinem Lebenslauf. Ab diesem Punkt gab es für mich kein Aufgeben mehr. Ich bereitete mich so gut es ging auf dieses Vorstellungsgespräch vor und obwohl ich etwas fiebrig war, wollte ich auf keinen Fall absagen. Denn eine Absage wäre eine Aufgabe gewesen.

Mehr geht immer
Es gibt nämlich noch etwas, das ich in meinem kurzen Leben bisher gelernt habe: wenn du sagst, dass du nicht mehr kannst, hast du mindestens noch 20 Prozent Energie übrig.
In meiner Freizeit trainiere ich mit einem Freund ein Rugby-Team von Frauen und Männern. In einer meiner ersten Sessions probierte ich etwas aus, das wir bei der Bundeswehr manchmal gemacht haben. Ich plante dazu ein Circuit-Training und veranschlagte für jede Station zwei Minuten. Mir war von vornherein klar, dass kaum jemand zwei Minuten jede Übung durchhalten würde, aber darauf kam es auch gar nicht an. Es war wie in einem Assessment-Center: Dort werden Kandidaten für die freien Stellen manchmal vor einen Berg Aufgaben gesetzt, die sie in der vorgegebenen Zeit gar nicht schaffen können. Ziel für die Bewerber sollte es auch gar nicht sein, alle diese Aufgaben zu beantworten, sondern einfach möglichst viele richtig zu beantworten. Dazu sollte sich die Psyche nicht unter Druck setzen lassen, denn dann würden Fehler passieren und das, obwohl noch genügend Zeit übrig bleibt, die nächste anzugehen. Was in dem einem Fall die Psyche und unseren Geist unter Druck setzt, schafft in dem anderen Fall körperlichen bzw. physischen Stress, der sich oftmals durch Worte wie „nicht noch mehr“ oder „ich kann nicht mehr“ ausdrückt. Entscheidend dabei war für mich zu beobachten, wer anscheinend belastbarer ist. Gut zwei Drittel des Teams hätten mehr geben können, denn für Witze untereinander reichte es in den Pausen jedes Mal. Wenn wir beim Bund während Läufen angefangen haben mit unserem Buddy zu quatschen, hat der Zugführer das Tempo jedes Mal gesteigert. Unangenehm daran war vor allem, dass man selten wusste, wie lange diese Runden waren. Zwischen 10 bis 16 km war alles drin und es war gewiss, dass danach noch Sport folgen würde. Das Männchen im Ohr, welches dir sagt, du könnest nicht mehr, musst du rauswerfen. Ich gebe zu, dass es bei mir auch etwas gedauert hat, dieses Gefühl des Hinschmeißens und Aufhörens zu überwinden. Aber es ist letztendlich nur eine Willenssache und je stärker man an sich selbst glaubt, desto stärker wird der Wille.
Dazu fällt mir ein Beispiel aus dem alten Japan ein. Dort haben sich angehende Samurais für ein Jahr ohne Kontakt zur Außenwelt einzeln in ein Haus begeben um vom Heranwachsenden zum Mann zu werden, der seiner Aufgabe gewachsen ist (aus dem Buch Hagakure von Tsunetomo Yamamoto, entstanden zwischen 1710 bis 1716). Nun glaube ich nicht, dass noch irgendjemand bei Verstand sein Leben als Knecht oder Diener freiwillig in den Dienst eines Fürsten stellt und dieses mit dem Ableben des Herrschers auch beendet, aber die Hingabe zur richtigen Vorbereitung auf die bevorstehende Aufgabe fasziniert mich. Ein Jahr lang ohne soziale Kontakte in einem Haus zu leben und sich nur mit sich selbst und seinen Schwächen zu beschäftigen und diese abzulegen, halte ich für eine Meisterleistung. Es bedarf eines starken Willens, das durchzuziehen.

Probleme im Kern erkennen und beheben
Ich fand schon das Leben auf einer Insel so groß wie 2,5 Fußballfelder im Indischen Ozean für ein Jahr als ziemlich strapazierend und dabei hatte ich sogar noch Gesellschaft. Aber leben und arbeiten am gleichen Fleck lehrt einen eine sehr wertvolle Lektion. Kein Problem ist so groß, dass man es sich erlauben könnte, es links liegen zu lassen. Das fällt mir inzwischen oft auf meiner Arbeit auf. Es wird teilweise gar nicht mehr versucht, ein Problem im Kern zu erkennen und dieses zu beheben. Stattdessen wird häufig einfach akzeptiert, dass der vorgeschlagene Weg nicht begehbar sei. Stellt euch vor, was passiert wäre, wenn nach sieben Tagen noch immer kein Versorgungsboot an der Insel angelegt hätte oder etwas weniger drastisch, ein Blitzeinschlag den Stromgenerator beschädigt hätte. Man wächst mit seinen Aufgaben.
Was ich euch vermitteln wollte: egal welcher Job oder welche Aufgabe vor euch liegt, es immer leichter ist, einfach aufzugeben, aber das man nur vorankommt, wenn man den starken Willen hat, das gesteckte Ziel zu erreichen.

Bernhard Stuhrmann ging nach der Schule zum Militär. Danach arbeitete er mehrere Jahre in kaufmännischen Berufen im In- und Ausland, einschließlich einer kleinen Insel auf den Malediven, bis er schließlich 2017 nach Berlin zurückkehrte. Hier fand er einen Job im Einkauf und trainiert nebenher als Assistenz-Coach Rugby.

Meine Suche nach dem FLOW

von Anne van Dülmen

Eine Freundin brachte mir vor einiger Zeit einmal ein Buch mit, das jemand in ihren Hausflur gelegt hatte – in Berlin eine weit verbreitete Methode, Dinge zu „verschenken“, die man loswerden möchte. Der Titel: „FLOW im Beruf. Das Geheimnis des Glücks am Arbeitsplatz“ von Mihaly Csikszentmihalyi. Ich wollte mich damals beruflich neu orientieren, hatte aber keine Ahnung, was zur Hölle ich machen sollte. Offenbar hatte meine Freundin die vage Hoffnung, das Buch könnte mich da irgendwie weiterbringen.

Das Phänomen des FLOW erklärte sich schon im Klappentext als eine „Glückserfahrung in der Form des völligen Eingebundenseins und des Aufgehens in einer Tätigkeit“. Wow. In dem, was man tut, „Aufgehen“ – sich selbst und alles rundherum vergessen: das klingt nach Meditation, nach dem Leben im Hier und Jetzt, nach Ganzbeisichsein, Einssein mit dem Universum. Mehr Identifikation geht nicht, das höhere Selbst ruft. Wenn ich bei einer bestimmten Tätigkeit in eine derartige Trance fallen würde, so dachte ich, würde mir das vielleicht helfen, endlich meine echte Berufung zu finden.

Ich machte mich also auf die Suche nach dem FLOW und beobachtete mich bei allem, was ich so tat. Aber mein Alltag blieb so uninspiriert wie er damals war. Zwischen Teilzeitjob und Kinderbetreuung hin- und hergerissen wollte keine Versunkenheit aufkommen. Ablenkungen und Unterbrechungen hielten mich davon ab, aber auch eine Mischung aus ständiger Unter- und Überforderung gepaart mit der Überzeugung, aus dieser Mühle aussteigen zu müssen. Der Kopf war stets woanders. Frustrierend!

Finde den FLOW!
Aber eines Tages geschah es dann doch – und zwar beim Putzen. Diese meditative Aktion. Konzentrierte Abwesenheit. Unmerkliche Zielstrebigkeit. Freude über selbst geschaffene Ergebnisse. Irgendwie ging das schon ein bisschen in Richtung „Aufgehen“ in einer Tätigkeit. Aber was das nun mit meiner Berufung zu tun haben könnte? Ich nahm das Buch wieder zur Hand und lernte: der richtige FLOW kommt nur, wenn man weder unterfordert, noch überfordert ist. Ein bisschen anstrengen muss man sich also, einfache Routinetätigkeiten wie putzen machen zwar zufrieden, aber das ist nicht dasselbe. Marathon laufen, ein Herz operieren – So etwas in der Art muss es schon sein. Das entspannte Wegdriften am Staubsauger war also doch nicht das, wofür ich es gehalten hatte. Aber wenigstens war ich nicht unterbrochen worden und hatte ein Erfolgserlebnis, was bei Müttern mit kleinen Kindern schon einmal zu unerwarteten Hochgefühlen führen kann.

Wer den FLOW finden will, braucht also eine sinnvolle Aufgabe, die ihn fordert. Ein toller Nebeneffekt: im FLOW hört man auf zu grübeln. Depressionen und negative Gedanken haben keine Chance mehr. Csikszentmihalyi gibt zwar zu, dass man das auch „mit bekannteren Formen des Eskapismus erreichen kann, also mit Alkohol, Drogen oder Promiskuität“. Aber wer im FLOW ist, befinde sich in einem Zustand des „Vorwärts-Entkommens aus der momentanen Realität“. Letztlich geht es also darum, an Herausforderungen zu wachsen und sich weiter zu entwickeln. Mehr noch: Während wir „unser Selbst für die Dauer des FLOW-Erlebnisses in der Regel vergessen, kehrt das Selbstwertgefühl im Anschluß an diese Erfahrung stärker als zuvor wieder. Menschen, die vergleichsweise mehr FLOW-Erfahrungen machen, haben auch ein insgesamt höheres Selbstwertgefühl“.

Arbeit macht glücklich – und süchtig
Soviel zur Psychologie der Arbeit als Weg zur Selbstfindung. Die ganze Theorie rund um den FLOW scheint also zwei altbekannte Maximen zu bestätigen: Einfach machen! Und: Höher, weiter, schneller! Erfüllende Arbeit macht glücklich – aber manchmal auch süchtig. Wie tröstlich, dass einfach mal nur Putzen schon zu einem Grundrauschen an Glücksgefühlen führen kann. Das ist ja manchmal schon ein großer Gewinn, Berufung hin oder her. Hauptsache, man tut was und das was man tut, macht Sinn.

Anne van Dülmen hat lange als Steuerjuristin gearbeitet und ist derzeit in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Als Autorin bei WORK IN PROCESS sucht sie mutig und freundlich nach neuen Perspektiven in der Arbeitswelt. Mutigundfreundlich.de heißt auch ihr persönlicher Blog.

Das Berater-Syndrom

„Alles Gute kommt von außen“ scheint nicht nur das neue Heilsversprechen von Unternehmensberatern und beratenden Agenturen zu sein, sondern auch das Credo von führenden Managern in Großkonzernen. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich gehöre selbst zum beratenden Gewerbe. Und ich beobachte einen gefährlichen Trend, der vor allem im Management der großen Unternehmen um sich zu greifen scheint.

Milliarden-Umsatz
Wenn wir Unternehmensberater ehrlich sind, dann ist ein Konzern mit Milliarden-Umsatz unser großes Ziel. Wer einmal einen großen Fisch am Haken hatte, kann mit weiterer Fangbeute rechnen. Bei einigen von uns führt das zu großem Selbstbewusstsein – manchmal auch zu übergroßem. Denn es besteht durchaus die Gefahr, die eigene Berater-Funktion zu verlassen und sich zu viel mehr berufen zu fühlen. Manchmal wird das noch durch ein unkoordiniertes Management befeuert. Denn einige der Manager, die sich nach jungen, hippen und digitalen Trendsettern sehnen, haben selbst den Anschluss schon längst verloren und geben gerne die Führung über ganze Abteilungen und dutzende Mitarbeiter ab.

Aber ist das noch Sinn und Zweck der Unternehmensberatung? Mitnichten. Externe Berater sollten niemals als zwischengeschaltete Chefs fungieren und sich auch nicht dafür benutzen lassen oder sich dazu berufen fühlen. Die vermeintliche Verantwortung mag den einen oder anderen Berater locken, aber er kann sich gewahr darüber sein, dass er demnächst ersetzt werden wird, nämlich durch den nächsten Berater, denn er ist und wird nie ein Teil des Konzerns sein, für den er aktuell tätig ist.
Der Berater sollte genau das tun, was er am besten kann: Beraten, und zwar in seinem persönlichen Fachgebiet. Das bedeutet, dass er keine Entscheidungen für die zuständigen Manager fällt. Er kann maximal mit-entscheiden – auf eigenes Risiko natürlich. Im Idealfall aber spricht der Unternehmensberater lediglich einen Rat (für eine Strategie) aus und der erfahrene Manager kann diesem Rat folgen oder ihm nicht folgen. Folgt er ihm, kann der Berater mithilfe des Managers gemeinsam mit den Mitarbeitern Lösungen zur Optimierung des jeweiligen Problems finden und umsetzen. Das ist der Idealfall der Unternehmensberatung für alle Beteiligten.

Leider sieht die Realität häufig ganz anders aus. Überforderte Manager holen sich dieser Zeit gerne gleich einen ganzen Stall an externen Beratern ins Haus, die ihnen bequemerweise für viel Geld nicht nur die Arbeit, sondern auch gleich die Entscheidungen abnehmen. Das geschieht in den meisten Fällen nicht aus Faulheit, sondern aus Unwissenheit und Unsicherheit. Wer nicht mehr weiß, wie er führen soll, überschwemmt seine Mitarbeiter mit Beratungen. Diese wiederum fühlen sich übergangen, denn ihre Arbeit ist augenscheinlich nicht mehr gut genug. Dabei wissen sie gar nicht genau, warum das so ist. Leere Floskeln und fehlendes Feedback vom Management lassen sie demotiviert zurückfallen und zur Krönung wird dann externen Beratern die Führung überlassen. Leider ist das kein Einzelfall in der Landschaft der Großkonzerne.

Was dagegen tun?
Jeder Berater kann in so einen Fall hineinrutschen. Was kann dann getan werden? Zunächst einmal: Nicht abheben und darüber nachdenken, was Unternehmensberatung für einen selbst bedeutet. Natürlich variiert die Verantwortung mit dem jeweiligen Fachbereich. Aber wo sind die persönlichen Grenzen? Wie viel Führung will ich übernehmen und wie viel Beratung kann ich leisten? Mit wem will ich arbeiten? Und wen brauche ich, um erfolgreich beraten zu können?

Ich kenne Unternehmensberater, die in Konzerne gehen, ohne sich den Mitarbeitern vorzustellen, ohne sie nach ihrer Arbeit zu fragen und ohne nur ein einziges Mal versucht zu haben, sich in sie hinein zu versetzen. Diese Berater kassieren trotz ihres Desinteresses meist beachtliche Honorare, weil sie nur mit den Managern sprechen, die Mitarbeiter außer Acht lassen und damit die Ansichten des Managements ohne Reflexion bestärken. Schließlich bescheren sie auch noch die passenden Zahlen und schon sind Berater und Manager glücklich. Diese Berater fungieren alleine als „Oberbau“ und was im „Unterbau“, bei den Mitarbeitern passiert, ist ihnen egal. Es prallt an ihnen ab. Die Mitarbeiter sind in der Folge demotiviert, sie wiegeln sich auf und verlassen im schlimmsten Fall freiwillig die Firma. Es rette sich, wer kann. Und das Management ist am Ende noch froh, den externen Berater geholt zu haben, denn auf seine eigenen Mitarbeiter habe es sich ja nie richtig verlassen können. Dass das Management selbst sie entmündigt, zu Arbeitslaien degradiert und schließlich vergrault hat, wird nie zur Debatte gestellt werden. So bluten Großkonzerne durch den Weggang fähiger Mitarbeiter nach und nach aus.

Darum sollten wir Unternehmensberater nicht nur Verantwortung für uns selbst, damit meine ich die eigene Selbständigkeit, aufbringen, sondern auch für jedes Projekt und jeden Prozess in jedem Unternehmen, an dem wir beteiligt sind. Gerade wir Externe haben einen geschärften Blick von außen für die Situation des Unternehmens – wenn wir Interesse daran haben, uns in die Welt des Konzerns einzuarbeiten. Wir sollten nicht einfach nur unser „Programm“ fahren, die beste Strategie anwenden, die bei den Managern und uns selbst die Zahlen stimmen lässt, sondern uns fragen, ob unsere Beratung die beste ist, die dem jeweiligen Unternehmen gegeben werden kann. Halbherzige und automatisierte Beratung bringt halbherzige Ergebnisse und ist langfristig eine Katastrophe für die Unternehmen.

Was ist also zu tun? Ganz einfach: Kommen Sie als Mensch, nicht als Berater in die Firma und sprechen Sie mit den Menschen. Damit meine ich nicht nur die Führungspersonen, sondern auch die Mitarbeiter. Das gilt für alle Berater in jedem Bereich.

Die richtigen Fragen
Und dann sollten Sie sich folgende Fragen stellen: Was hat zu den Verlusten der vergangenen Jahre geführt? Wer ist dafür verantwortlich?
Wer wird dafür verantwortlich gemacht?
Welche Fehlentscheidungen haben dazu geführt?
Wie ist dieses Unternehmen groß geworden?
Wer hat dieses Unternehmen erfolgreich gemacht?
Auf wen wird dieser Erfolg zurückgeführt?
Welche Strategien wurden dazu angewandt?

Alle Antworten werden Sie in dem Unternehmen finden, in dem Sie gerade tätig sind. Und sie benötigen sie, um an die Erfolge anzuknüpfen und die Fehler auszumerzen zu können. Jetzt das allerbeste: Nicht nur die Manager, sondern auch die Mitarbeiter werden Ihnen bei dieser Analyse, die am Anfang einer jeden Beratung stehen sollte, gern zur Seite stehen, wenn Sie ihnen das Gefühl geben, dass Sie nicht gegen sie, sondern mit ihnen arbeiten. Wie sich die Mitarbeiter Ihnen gegenüber verhalten, ist also ein Spiegel Ihres eigenen Verhaltens. Es liegt in Ihren Händen. Schaffen Sie eine vertrauensvolle Basis und wertschätzen Sie die Mitarbeiter der Konzerne. Sie sind ihren Unternehmen oft Jahre oder jahrzehntelang treu geblieben. Sie haben die Unternehmen mit aufgebaut und mit erfolgreich gemacht. Durch ihren Einsatz und ihr Knowhow ist es möglich, dass Sie als Berater ein beachtliches Honorar mit nach Hause nehmen. Überlegen Sie sich also gut, ob sie alle Arbeit dieser Mitarbeiter als nichtig abtun, weil sie nicht Ihrer eigenen Vorgehensweise entspricht.
Entwickeln Sie nicht die Symptome, die ich gerne als „Berater-Syndrom“ bezeichne: nicht zuhören können, nur selbst reden, Unternehmen nicht verstehen wollen, kein Interesse am Unternehmen haben, nur eine einzige Strategie fahren. Denn diese Symptome übertragen sich von Ihnen direkt auf die Mitarbeiter, die Sie brauchen, um eine erfolgreiche und vor allem langfristige Unternehmensberatung leisten zu können.

Suchen Sie sich im Konzern die nötigen Ressourcen für Ihre Beratung. Dann sichern Sie sich vielleicht auch gleich den nächsten Auftrag. Denn Unternehmensberatung ist nicht nur Krisenberatung, sondern auch sinnvolle und ertragreiche Ergänzung und Abwechslung – wenn sie richtig angegangen wird. Arbeiten Sie gemeinsam mit den Mitarbeitern und besprechen Sie mit ihnen die Vor- und Nachteile der bewährten Arbeitsweise und Ihrer eigenen Strategie.
Verschenken Sie keine vorhandenen Potenziale.

Marina Ahne ist freischaffende Historikerin und berät Unternehmen in allen Fragen rund um die Unternehmensgeschichte, insbesondere History Marketing und Corporate Identity.
Website: history-marketing.org

Selbstständigkeit statt Boreout: Change it, love it or leave it

Fühlst du dich in deiner aktuellen Arbeitssituation manchmal unterfordert, gelangweilt oder desinteressiert? Bist du häufig unzufrieden im Job? Dann geht es dir wahrscheinlich wie jedem siebten Angestellten in Deutschland (1). Es könnte sogar sein, dass du an einem „Boreout“ leidest.

Was ist Boreout?
„Boreout“ steht für dieses schleichende Gefühl von Unterforderung, Langeweile und Desinteresse, obwohl du dich ursprünglich einmal total mit deinem Beruf identifiziert hast und auch heute noch nach beruflicher Herausforderung strebst. Doch ist deine Stelle über einen langen Zeitraum für dich eher wenig herausfordernd, schleichen sich gewisse Verhaltensstrategien ein, um bei der Arbeit ausgelastet zu wirken. Denn wer gibt schon gern zu, dass plötzlich er seinen Traumjob todlangweilig findet?

Woran erkenne ich, ob ich an einem Boreout leide?
Von Boreout Betroffene fühlen sich häufiger ausgelaugt und frustriert, weil ihnen der nötige Kick oder Anerkennung fehlen oder weil sie nicht ihr ganzes Leistungspotential ausschöpfen können. So surft man in der Arbeitszeit vor Langeweile heimlich im Internet. Tauchen Kollegen auf, tut man so, als sei man gerade mit einer total wichtigen Sache beschäftigt. Oder man erledigt eine Aufgabe so schnell wie möglich, tut aber so, als würde man Tage dafür brauchen. Oder man nimmt sich zu viel Zeit für Aufgaben, die man früher in viel kürzerer Zeit erledigt hätte. Oder man stöhnt bei Kollegen vor „Überlastung“. Schließlich macht sich in einem das ungute Gefühl breit, man würde mit „angezogener Handbremse“ fahren, obwohl man doch lieber gern auf der „Überholspur“ sein würde.

Wie kann ich als Betroffener aus diesem Teufelskreis ausbrechen?
1. Sei ehrlich mit dir: Beobachte für 2 bis 4 Wochen, wieviel Zeit verbringst du täglich mit Scheinarbeit?
2. Change it. Werde aktiv: Suche das Gespräch mit deinen Vorgesetzten und schildere konstruktiv deine Arbeitssituation. Formuliere Wünsche an deine zukünftige Arbeitsgestaltung. Überlegt gemeinsam, was man an deiner Situation ändern könnte, damit du dich wieder wohler fühlst. Könntest du dich auf eine andere Stelle oder auf ein interessantes Projekt im Unternehmen bewerben oder eine Zusatzausbildung in Angriff nehmen? Bist du zufrieden mit deiner Bezahlung? Welche herausfordernden Ziele könntet Ihr für dich formulieren?
3. Love it. Versuche den Blick auf deine Arbeitssituation zu verändern: Woraus könntest du zusätzliche Befriedigung und Sinnhaftigkeit im Arbeitsalltag ziehen? Wie versüßen dir deine Kollegen den Tag? Wie könntest du im Privatleben für mehr Lebensfreude sorgen? Halte täglich Ausschau nach Dingen, die dich glücklich machen.
4. Leave it. Vielleicht ist es aber auch Zeit, zu gehen: Wenn das jedoch alles nichts nützt und es dir von Woche zu Woche schlechter geht, dein Körper dir beginnt, durch psychosomatische Beschwerden wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Reizbarkeit zu zeigen, dass deine Seele sich nicht mehr wohl in deiner Arbeitsrolle fühlt, solltest du ernsthaft über einen Jobwechsel oder vielleicht sogar über eine Selbstständigkeit nachdenken. Denn stell dir vor, du würdest all die Energie des „Zeittodschlagens“ und des „Herumjammerns“ in dein Herzensprojekt stecken. Wofür hast du gebrannt, bevor du diesen Job angenommen hast? Stell dir vor, du hättest das nötige Startkapital und eine Extraportion Mut, welchen beruflichen Traum würdest du dir gern erfüllen?

Viele Menschen staunen, welche Energie und Schaffenskraft sich plötzlich entlädt, hat man erst einmal die Entscheidung für einen Jobwechsel oder für eine Selbstständigkeit getroffen. Wenn du nach dem Lesen dieses Artikels festgestellt hast, dass du dringend in deinem Berufsleben etwas ändern solltest, kannst du entweder erst einmal ein Karrierecoaching in deiner Nähe in Anspruch nehmen oder einfach mit anderen Selbstständigen in Erfahrungsaustausch treten, um Ideen für die nächsten Schritte zu entwickeln. Der Weg zu mehr beruflicher Erfüllung entsteht dadurch, dass man ihn geht. Gern unterstützen wir dich bei diesem Schritt. Trau dich! Nur Mut! So haben wir alle einmal angefangen.

Anja Schirlitz ist freiberufliche Dipl.-Psychologin und Systemische Therapeutin. Schon seit 2009 berät sie Unternehmen in den Bereichen Personalmanagement, Führungsstrategien und Betrieblichem Gesundheitsmanagement. In Ihrer Privatpraxis begleitet Sie u.a. Klienten, die z. B. auf Grund Ihrer Arbeitssituation psychosomatische Beschwerden entwickelt haben und berät Arbeitnehmer hinsichtlich ihrer ungenutzten Potentiale und Karriereträume.

Quellen:
1) Hall. A. et al. (2007). BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 Arbeit und Beruf im Wandel, Erwerb und Verwertung beruflicher Qualifikationen. IN: Bundesinstitut für Berufsbildung

2) Rothlin, P. und Werder, P. R. (2007). Diagnose Boreout. Redline Wirtschaft-Verlag

Digitale Gedanken reflektieren

Befreiungsschlag gegen geistfreie Ablenkungen der digitalen Welt
Ich lenke mich ab. Sie lenken sich ab. Wir lenken uns alle ab. Menschen mit guter Selbstkontrolle haben sich mit leuchtenden Augen der Herrschaft der Smartphones unterworfen. Ohne Handys fühlen wir uns unwohl, wir vermissen etwas. Dieses Unwohlsein geht so weit, dass einige Leute ein vergessenes Telefon als „Körperteil, das fehlt“ beschreiben. Wo es anfängt gruselig zu werden: Selbst dann, wenn wir noch gar keinen Hinweis zu einer neuen Aktivität bekommen haben, öffnen wir bereits Apps und scrollen durch Feeds. Es ist ein immer neues, nichtssuchendes Blättern und Weitergetragen werden von heftig-krassen Beiträgen, um am Ende des Tages zu viel gesehen und nichts behalten zu haben.

Der Feind auf dem Nachttisch
Zeit mit unseren Freunden oder der Familie zu verbringen ist wichtig für unser soziales Miteinander und die geistige und emotionale Gesundheit. Dennoch suchen wir nach parallel stattfindender Verbundenheit im virtuellen Raum. Obwohl unsere Partnerin oder unser Partner direkt vor uns sitzt, besteht trotzdem das drängende Bedürfnis, kurz zu prüfen, was im Internet abgeht.
Wir wissen, was wir tun. Dass wir zu oft mit unserem Handy surfen, chatten, liken, kommentieren und weiterleiten. Wir scrollen und scheinen irgendetwas zu suchen. Verniedlichend nennen wir dieses zombiesque Verhalten dann „Mit-dem-Handy-spielen“. Dabei wollen wir eigentlich etwas ganz anderes, etwas Sinnstiftendes und Gehaltvolles, unternehmen. Tatsächlich fühlen wir uns leer.
Um wieder die nötige Ruhe zu finden, helfen kleine Rituale. Wer Apps löscht und Benachrichtigungsfunktionen deaktiviert, der erkennt: Weniger ist mehr. Im Privatleben ist es meist verhältnismäßig leicht, sich auszuklinken. Das Handy bewusst zuhause lassen oder abends regelmäßig nach Feierabend ausschalten. Das Nicht-mehr-bei-Facebook-sein als Lebenseinstellung. Nicht immer für andere erreichbar sein, dafür mehr bei sich ankommen.
Im Berufsleben ordnen wir unsere Bedürfnisse hingegen breitwillig den Prozessen unter, in denen wir agieren. Und diese werden in den allermeisten Fällen von Unternehmenslenkern, Abteilungsleitern und Managern vorgegeben, die als Zielvorgabe meist „schneller“ und „mehr“, selten „bedachter“ oder „menschenverträglicher“ haben. Ausgleichend – die Leute sollen mal den Kopf frei bekommen – stellt man Kickertische auf und engagiert eine Feel-Good-Managerin. Das ist alles gut und schön, reicht nur leider nicht aus.
Wenn psychologische Erkrankungen, Stress und Diagnosen wie Burn-out immer öfter der Grund für Fehltage sind, dann sollten sich Unternehmen überlegen, wie ihre Prozesse, insbesondere die digitalen, unter menschlichen Gesichtspunkten optimiert werden können. Halten wir uns jetzt immer länger online auf, so denken wir über unsere Eindrücke aus der virtuellen Umgebung nach. Wir denken „digitale Gedanken“ und sammeln so Erfahrungen, die nicht auf allen menschlichen Sinnen beruhen. Es fehlen wichtige Sinneseindrücke, die aus dem Hier und Jetzt, um das Bild zu vervollständigen. Diese Dissonanz verursacht zusätzlichen „digitalen Stress“, wir fühlen uns getrieben.

Befreiungsschlag: Nieder mit dem digitalen Stress!
Reflektieren erleichtert: Man wird im Internet sowieso 99,9 Prozent aller Inhalte verpassen. Egal wie vernetzt man sich aufstellt, egal wie stichwortoptimiert das eigene Profil ist, es bleibt ein hektisches Rennen im informativen, unterhaltenden und sich dabei selbst produzierenden Hamsterrad. Ganz anders ist hingegen das echte Leben strukturiert, hier passiert die Magie des Moments. Wer sich dessen bewusst wird, erkennt, wie wichtig es ist, „digitale Gedanken“ zu beobachten und zu erspüren, wie sie uns beeinflussen. Kann ich diesen Moment oder Eindruck überhaupt genießen, wenn ich keine Möglichkeit habe, das Erlebte zu posten? Wo bin ich, wenn ich offline bin? Lebe ich im Hier und Jetzt? Einer der wichtigsten Befreiungsschläge der heutigen Zeit wird sein, sich vom unnötigen Digitalgebrauch freizumachen. Und zu erkennen, dass man besser daran täte, selbst das mächtigste Werkzeug, ob Hammer, Smartphone oder unsere Fähigkeit logisch zu denken, nach Gebrauch zur Seite zu legen.´
Eigentlich ganz einfach, solange wir uns nicht ablenken lassen.

Lisa Ringen ist selbstständige Marketingberaterin und Digitalberaterin und bloggt auf marketing-madam.de

Autorin: Lisa Ringen
Foto: Markus Spiske / Unsplash

4 Basics zu History Marketing, Unternehmensgeschichte und Corporate Identity

Wer bei dem Begriff „History Marketing“ an die Unternehmenschronik denkt, die er beim letzten Firmenjubiläum in den Händen gehalten hat, liegt gar nicht so falsch – aber auch nicht wirklich richtig. Denn History Marketing ist viel mehr, als eine Aneinanderreihung von Zahlen (und Bildern).

Was kann die Unternehmensgeschichte leisten?

Die Unternehmensgeschichte ist eine wichtige Ressource, die verstärkt seit den 1990er Jahren von Unternehmen marktorientiert – unter dem Sammelbegriff „History Marketing“ – genutzt wird. Sie gibt Einblicke in die Vergangenheit einer Firma und kann – gut archiviert und gepflegt – als „Schatzkammer“ bezeichnet werden, aus der von Zeit zu Zeit kleine Episoden, Geschichten und Fakten entnommen werden können, um die Identität, Glaubwürdigkeit und Traditionen eines Unternehmens zu stärken und zu präsentieren.
Dabei kann die Unternehmensgeschichte nicht nur in der Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch in der internen Kommunikation eingesetzt werden. Sowohl Kunden als auch Mitarbeiter kann die Unternehmensgeschichte (angemessen und ansprechend aufgearbeitet und kommuniziert) an bestimmte Marken und Produkte binden.

Wie kann die Firmengeschichte die Identität eines Unternehmens beeinflussen?

Jede erfolgreiche Marke braucht eine grundlegende Bedeutung, einen individuellen Wert oder besser gesagt: eine Unternehmensidentität. Die Unternehmensgeschichte ist gerade zu dafür geschaffen, die passende DNA dafür zu liefern. Dafür müssen nur ein paar Fragen an die eigene Vergangenheit gestellt werden (z. Bsp. zur Firmengründung, zu den Mitarbeitern, zu Zäsuren und Brüchen in der Firmengeschichte etc.) und heraus kommt eine einzigartige Unternehmensidentität – übrigens heute das wirklich einzige individuelle Merkmal, welches nicht durch ein anderes Unternehmen kopiert werden kann.

Für wen ist History Marketing geeignet?

Für alle! Derzeit nehmen besonders Traditionsunternehmen das Geschichtsmarketing in Anspruch. Sie haben meist eine längere Betriebsgeschichte und können somit auch viele Geschichte(n) schreiben und erzählen.
Aber auch Gründer sollten sich Gedanken über ihre Unternehmensidentität machen und sich fragen, ob sie sich nicht in eine bestimmte Tradition stellen wollen. Gibt es Vorbilder? Oder will man es besser machen als andere Unternehmen? Hat ein neues Unternehmen aus der Geschichte anderer Unternehmen „gelernt“ und will sich nun bewusst von branchenüblichen Traditionen abkehren? History Marketing ist auch hier einsetzbar.

Wer macht History Marketing?

Einige Dienstleistungen, z. Bsp. das Erstellen einer Betriebschronik oder kleinere Abhandlungen zur Firmengeschichte, werden von diversen Marketing-Firmen zusätzlich zur herkömmlichen Beratung angeboten. Ganzheitliches (intern und extern) und vor allem fachgerechtes History Marketing sollte aber einem/er Historiker/in überlassen werden. Denn der Umgang mit Geschichte beinhaltet den Umgang mit Lebensgeschichten und bedeutungsvollen Entscheidungen, die immer in einem historischen Zusammenhang stehen. Diese Kontextualisierung überlässt man besser einem Spezialisten mit geschichtswissenschaftlichem Hintergrund. Denn eines sollte beim History Marketing niemals vergessen werden: Auch mit der Unternehmensgeschichte wird – im wahrsten Sinne des Wortes – Geschichte geschrieben.

Marina Ahne ist freischaffende Historikerin und berät Unternehmen in allen Fragen rund um die Unternehmensgeschichte, insbesondere History Marketing und Corporate Identity.
Website: history-marketing.org

Autor: Marina Ahne
Foto: Joshua Ness/Unsplash