Das sagen Experten: Tipps für eine erfolgreiche Selbstständigkeit

Das eigene Unternehmen oder die berufliche Selbstständigkeit zu verwirklichen klingt im ersten Moment sehr attraktiv. Den Meisten ist jedoch nicht bewusst, wie viel Arbeit sich hinter einer erfolgreichen Selbstständigkeit verbirgt. Wer bereits einmal den Versuch gewagt hat, etwas eigenes auf die Beine zu stellen, weiß, wovon hier die Rede ist. Gerade am Anfang kommt es nicht nur auf die richtige Motivation, sondern vor allem auf die passende Strategie, ein zuverlässiges Team und enorm viel Durchhaltevermögen an. Nur selten setzt der Erfolg über Nacht ein. Oft steckt hinter einer erfolgreichen Unternehmung eine langfristige Strategie und viele unbezahlte Stunden an Arbeit. Das soll niemanden abhalten, seine eigenen Ideen umzusetzen, jedoch ist die richtige Vorbereitung und eine realistische Einschätzung der Lage hierfür unerlässlich. Wir haben bei ein paar Experten diesbezüglich genauer nachgefragt und spannende Antworten erhalten.


Sabine Hockling, freie Jounalistin und Bloggerin

Website: diechefin.net

Sabine Hockling, freie Jounalistin und Bloggerin
Sabine Hockling, freie Jounalistin und Bloggerin

„Ich kann jeder gründungsinteressierten Frau raten, durchzuhalten und nicht gleich bei ersten Rückschlägen an der Idee zu zweifeln. Bei uns wurde es zum Beispiel nach fünf Jahren leichter. Wir mussten unsere Leistungen nicht mehr erklären, sondern überzeugten durch die Qualität unserer Formate. Allerdings sollte man sich auch darauf einstellen, dass man viel Zeit und Geld investieren muss. Finanzielle Schwankungen gehören gerade am Anfang dazu – und die muss man auffangen und vor allem auch aushalten können. Und man sollte immer ehrlich zu sich selbst sein und zu seinen Schwächen stehen. Denn nur so entwickelt man sich weiter.“

Tanja Lenke, Business Consultant, Gründercoach und Mentorin
Website: tanjalenke.de

„Der größte Erfolgsfaktor sind wir selbst. Wer das richtige Mindset für die Selbstständigkeit mitbringt, der ist schon erfolgreicher als viele andere. Die Selbstständigkeit ist wie eine Achterbahnfahrt. Es gibt Zeiten, da läuft alles super, aber auch Zeiten, in denen es nicht so gut läuft. Wer sich Ziele setzt, sie konsequent verfolgt, viel testet und optimiert, der wird auch Erfolg haben“


Kevin Pflock, Günder des Online-Magazins Junge Gründer

Website: junge-gruender.de

Kevin Pflock, Günder des Online-Magazins Junge Gründer
Kevin Pflock, Günder des Online-Magazins Junge Gründer

„Solange er dich bezahlen soll, hat der Kunde immer Recht.“ Dieser Satz hat mich in den letzten fünf Jahren meiner Selbstständigkeit sehr geprägt. Egal, ob du ein physisches Produkt, Content auf einer Webseite oder eine Dienstleistung vertreibst: Orientiere dich immer an den Bedürfnissen deiner Kunden und potentiellen Kunden, die ihren Bedarf decken wollen und dein Unternehmen finanzieren sollen. Wie du herausfindest, was deine Kunden wollen? Frage sie direkt und bitte um ihre Meinung. Auch kannst du schauen, wie andere Unternehmen in deiner Branche ihre Produkte oder Dienstleistungen gestalten und wie diese angenommen werden.“

Jana Zieseniß, Mitgründerin von Chapter One Mag
Website: chapteronemag.com

 Jana Zieseniß, Mitgründerin von Chapter One Mag
Jana Zieseniß, Mitgründerin von Chapter One Mag

„Mit der Selbstständigkeit verhält es sich wie mit der neuen Kurzhaarfrisur – haben wir uns erst einmal dafür entschieden, würden wir am liebsten gestern schon auf dem Friseurstuhl sitzen. Doch die meisten Businessmodelle benötigen einfach Zeit, um zu reifen. Nur die wenigsten Menschen verdienen von heute auf morgen mit ihrer Selbstständigkeit so viel Geld, dass sie direkt davon Leben und all ihre Ausgaben decken können. Die ideale Lösung: Nebenbei Gründen. Die Vorteile: Man hat kein/kaum Risiko, da man über das Angestelltenverhältnis weiterhin normal versichert und finanziell versorgt ist. Man kann so ohne Risiko herausfinden, ob die Selbstständigkeit überhaupt etwas für einen ist, ohne hinterher ohne Job dazustehen. Und man kann sich schonmal an das hohe Arbeitspensum gewöhnen, das in der Selbstständigkeit auf einen wartet. Denn wer für eine gewisse Zeit zwei Jobs (also eigenes Business und normaler Job) auf einmal machen kann, der schafft auch später nur die Selbstständigkeit allein. Es gibt also neben der Arbeitsbelastung eigentlich keinen Grund, es mit dem eigenen Business nicht erst einmal nebenbei zu probieren.“

Autor: Elsa Loy
Fotos: Tanja Lenke: Alexander Klebe, privat
Titelbild: Crew/Unsplash

Angestellt und eigenes Business – geht das?

Wer selbst gründen möchte, steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Das fängt bei dem nötigen Kleingeld an und hört bei der nicht vorhanden Freizeit auf. Die meisten Gründer haben nicht von heute auf morgen ihr Business gestartet. Viel Zeit und Nerven kostet es, bis man von der eigenen Idee zum wirklichen Geschäftsmodell gelangt. Aber wie soll man am besten vorgehen? Job kündigen oder weniger Freizeit? Kredit ja oder nein? Wir wollen euch ein paar Tipps geben, um erfolgreich zu starten.

Gründen und Job. Aber wie?
Es ist soweit. Das Konzept steht, die Motivation ist da und ihr wollt sofort loslegen. Wäre da nicht noch der Job, die Freunde und die Familie. Was man braucht, ist Zeit und am besten ein wenig Geld. Natürlich gibt es die Möglichkeit, einen Kredit aufzunehmen, vorausgesetzt ihr erfüllt die entsprechenden Voraussetzungen. Aber was ist, wenn die Unternehmung scheitert oder man merkt, dass das Unternehmen nicht rentabel ist? Dann wartet ein Berg von Schulden. Wer kein Kapital besitzt, aber trotzdem gründen möchte, sollte vielleicht doch in kleinen Schritten vorgehen, aber langfristig denken. Keine Firma ist von heute auf morgen entstanden.
Wer Job und eigenes Unternehmen verbinden möchte, braucht nicht nur eine gute Organisation, sondern auch einen langen Atem. Das ist nicht zu unterschätzen – aber auch nicht unmöglich.

Gutes Zeitmanagement
Es ist empfehlenswert, sich einen Arbeitsplan zu machen. Wann arbeitet man für seinen Job und wann für die eigene Firma? Wie bei einem normalen Job können feste Arbeitszeiten sehr gut sein, um eine Routine zu bekommen. Aber auch Pausen und Zeit für Erholung, sowie ausreichend Schlaf, dürfen nicht zu kurz kommen. Ein eigenes Business ist eine Entscheidung, die auch mit Konsequenz verfolgt werden sollte. Nur so kann sich auch Erfolg einstellen.

Teilzeit?
Gibt es eventuell die Möglichkeit, die Arbeit in dem Angestelltenverhältnis zu reduzieren? Bei vielen Start-Ups und Unternehmen gibt es dazu die Option. Wichtig ist, zu wissen, dass die Nebenbeschäftigung nicht die hauptberufliche Tätigkeit überschreiten sollte. Zudem sollte der Arbeitgeber (bei einer Angestelltentätigkeit) darüber informiert werden, dass eine Nebenbeschäftigung ausgeübt wird. Solltet ihr Freelancer sein, könnt ihr selbst abschätzen, wo ihr Abstriche machen könnt und wo nicht.
Wer weniger arbeitet, hat auch weniger Geld, aber mehr Zeit zur Verfügung. Wichtig ist es, genau zu wissen, wie viel Geld ihr zum Leben braucht und was ihr, wenn ihr weniger arbeitet, entbehren könnt.

Kundenstamm aufbauen
Um ein Netzwerk aufzubauen, braucht es viel Zeit. Wer sich kontinuierlich vernetzt, Messen und Vorträge besucht und Kooperationen eingeht, baut sich nach und nach einen großen Kundenstamm und viele Kontakte auf. Dieses Investment kann problemlos auch neben dem Job gepflegt und weiter ausgebaut werden. Wer weiß? Vielleicht ist sogar der jetztige Job ein Kooperationspartner für später.

Money, Money, Money
Wer nebenbei gründet, geht weniger finanzielle Risiken ein. Hierbei darf nicht unterschätzt werden, dass bei einer Gründung gerade am Anfang einige Kosten anfallen. Wer im Onlinesegment ein Unternehmen aufbaut, kann vieles online und kostengünstig abwickeln, aber dennoch sind Ausgaben vorprogrammiert. Ganz zu schweigen von der unbezahlten Arbeitszeit, die am Anfang investiert werden muss.

Welche Rechtsform?
Die Wahl der Rechtsform sollte genau überlegt sein. Einige wichtige Faktoren gibt es da zu berücksichtigen:
– Wie viele Gründer sind beteiligt?
– Gibt es Dritte, die an dem Unternehmen beteiligt sind?
– Wie sieht es mit Gesellschafterwechseln aus?
– Hafte ich mit meinem eigenen Privatvermögen oder mit dem Gesellschaftsvermögen?
– Wie sieht es mit Steuern aus?
– Brauche ich eine Mindesteinzahlung oder gibt es kein festes Kapital?
– Gibt es eine Publizitätspflicht?
– Wie tritt die Firma nach außen auf?

Versicherung und Co
Eine zusätzliche Sozialversicherungspflicht ist nicht nötig. Jedoch sollte die Krankenkasse über die zusätzliche Tätigkeit informiert werden, da diese Einnahmen bei der Beitragsberechnung ebenfalls berücksichtig werden.
Ab dem Zeitpunkt, an dem die nebenberufliche Selbstständigkeit überwiegt, kann der Status als Selbständiger beantragt werden. So entfallen dann die Beiträge für die Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Freizeit
Wer viel arbeitet, braucht auch Erholungsphasen. Empfehlenswert ist mindestens ein freier Tag pro Woche, an dem nur entspannt wird und am besten auch keine E-Mails gecheckt werden. Auch unter der Woche sollte es Zeiten geben, an dem der Computer ausgeschaltet wird und Telefonate und E-Mails tabu sind. Ein Burnout kostet mehr als ein freier Tag.

Lesetipps:
chapteronemag.com
fuer-gruender.de
Wie du ohne Erfahrung ein ortsunabhängiges Business startest

Autor: Elsa Loy