Buchtipp: Die Da-Vinci-Formel von Jens Möller

Das Renaissance-Genie Leonardo da Vinci (1452–1519) war gleich in mehreren Disziplinen ein Meister: Bestens bekannt sind uns seine Zeichnungen und Malereien – sei es das Abendmahl, der vitruviaische Mensch oder die Mona Lisa – doch auch als Ingenieur, Architekt, Naturphilosoph und Mechaniker leistete er Erstaunliches. So entwarf er ein Automobil, eine Flugspirale, unternahm Studien zur Botanik, Astronomie, Geometrie und zur Anatomie, um nur Einiges zu nennen … ein echter Universalgelehrter eben.
Seiner Faszination verfiel auch der Innovationsexperte und Buchautor Jens Möller und ging der Frage nach, wie Leonardo da Vinci arbeitete, um seinen Ideen, Visionen und Innovationen freien Lauf lassen zu können. In seinem Buch „Die Da-Vinci-Formel“ fasst er nun sieben Erfolgsprinzipien zusammen, die der Universalgelehrte für sich nutzte und immer weiter perfektionierte. Das Buch soll nun auch uns Lesern helfen, innovativer zu denken und zu handeln. WORK IN PROCESS Magazin hat es gelesen und fasst für dich die sieben Erfolgsprinzipien zusammen:

Leonardo da Vinci, Ausschnitt: Kopf eines bärtigen Mannes, sog. Selbstbildnis. circa 1510-1515
Leonardo da Vinci, Ausschnitt: Kopf eines bärtigen Mannes, sog. Selbstbildnis. circa 1510-1515

1) Umgib dich mit inspirierenden Menschen!
Leonardo da Vincis Neugierde war grenzenlos. So ist in seinen Notizbüchern zu lesen, was er von wem noch alles lernen wolle – quer durch alle Disziplinen. Dabei setzte er sich mit Künstlern und Meistern auseinander, die ihn begeisterten, aber auch mit jenen, gegen die er eine Abneigung verspürte – zum Beispiel gegen Michelangelo. Nichtsdestotrotz beschäftigte er sich mit seinen Rivalen, denn die Frage, „Was kann ich von ihm lernen?“ stand für ihn über Allem. Sein Leben lang suchte Leonardo nach Persönlichkeiten, die ihm seine neugierigen Fragen beantworteten und von denen er lernen konnte und baute sich so ein wertvolles Netzwerk auf. Ganz nach dem Motto: „Du bist, mit wem du dich umgibst.“ Tipp für dich: Netzwerkpflege!

2) Klaue gute Ideen – und perfektioniere sie!
Fand Leonardo da Vinci etwas Meisterhaftes, das ihn begeisterte, so scheute er nicht davor zurück, es intensiv zu studieren, indem er es kopierte, tief durchdrang – und schlussendlich verbesserte. Pfiffige Erfinder sind Diebe, die gute Ideen stehlen und sie perfektionieren. Das beweisen auch Apple-Chef Steve Jobs (das iPad hatte zuvor schon Microsoft erfunden), der Maler Pablo Picasso („Gute Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen.“) oder auch so manch chinesisches Technologieunternehmen. Tipp für dich: Keine Scheu vor dem Weiterdenken guter und fremder Ideen.

3) Denke mit dem Stift in der Hand!
Was wir noch heute von Leonardo da Vinci wissen, entstammt zum größten Teil seinen Notizbüchern mit 24.000 Seiten und 100.000 Zeichnungen. Dort hielt er alles fest, was ihn bewegte – in einem bunten Wirrwarr aus Schrift und Bild. Das Notizbuch war für ihn wie ein zweites Gehirn, das ihm beim Speichern und Denken half. Denn der zündende Einfall kann überall auflauern, sei es in der Natur oder bei einem anregenden Gespräch. Mithilfe eines Notizbuchs können wir alles kurz festhalten und gegebenenfalls später weiterentwickeln. Heute haben Forscher herausgefunden, dass das Schreiben per Hand schlauer macht als bloßes Tippen auf dem Smartphone, denn beim handschriftlichen Schreiben sind beide Gehirnhälften gefordert. Tipp für dich: Sofort ein Notizbüchlein zulegen!

4) Verbinde das Unverbundene!
„Beobachte das Schwimmen der Fische im Wasser, und du wirst den Flug des Vogels durch die Luft begreifen.“ Dieser Spruch Leonardos steht beispielgebend für das Querdenken, das uns zu Innovationen verhilft. Dinge miteinander verbinden, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, kann uns helfen, aus gängigen Denkmustern auszubrechen und neue Wege zu gehen. Leonardo beobachtete regelmäßig und intensiv die Natur und kombinierte oft spielerisch die daraus gewonnenen Erkenntnisse miteinander und übertrug sie in völlig neue Kontexte. Tipp für dich: Immer mal zwei völlig verschiedene Gedanken und Erkenntnisse miteinander verbinden, vielleicht ergibt sich ein Zusammenhang?

5) Fühle, was andere fühlen!
Leonardo war ein empathischer Mensch mit großem Herzen. Er ernährte sich aus Mitgefühl mit den Tieren rein vegetarisch, verabscheute jede Form von Gewalt und zog so manche von ihm entwickelte Kriegswaffe wieder zurück, aus Angst vor den zerstörerischen Folgen. Sich in andere hineinversetzen zu können, und dadurch einen anderen Standpunkt einnehmen zu können, ist ein weiteres Erfolgsrezept Leonardos. Um originelle Lösungen zu finden, müssen wir erst einmal das Problem erkennen, indem wir uns der Empathie bedienen. Tipp für dich: Versuche, dich in den Standpunkt anderer hineinzuversetzen.

6) Probe deinen Mut!
Um wirklich innovativ zu sein, müssen wir bestehende Denkmuster brechen und Grenzen überschreiten. Dazu bedarf es Mut. Ein Beispiel aus Leonardos Leben: Er hatte den Auftrag für ein Altarbild der Felsgrottenmadonna. Als Motiv wählte er eine eher ungewöhnliche Bibelszene, die offiziell nicht anerkannt war, und wählte zudem eine völlig neue Bildkomposition, da sie so seinen Überzeugungen entsprach. Der Auftraggeber empfand es als Provokation und verklagte Leonardo auf Schadensersatz. Mit der Felsgrottenmadonna bewies Leonardo den Mut, revolutionäre Ideen auszudrücken und etablierte Grenzen zu überschreiten. Tipp für dich: Fortschritt kommt von „Fort-Schreiten“, dafür musst du gängiges Terrain verlassen.

7) Folge deinem Stern!
Leonardos erklärtes Lebensziel war es, den Vogelflug so genau zu studieren, dass auch wir Menschen das Fliegen lernen können. Er baute sämtliche Fluggeräte, scheiterte immer wieder, und ließ sich dennoch nicht von deinem großen Ziel abbringen. Auch wenn er zu Lebzeiten keinem Menschen zum Fliegen verhalf, so wurden seine Studien Jahrhunderte später noch als Grundlage für die Erforschung des Fliegens genutzt – Astronauten der NASA tragen heute noch Leonardos vitruviaischen Menschen als Emblem auf der Schulter. Tipp für dich: Wenn du weißt, welchem Stern du folgst, kannst du deine Kräfte bündeln, Prioritäten setzen und Rückschläge ertragen.

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Autor: Katrin Haase

Das Fairphone als Worktool (im Selbstversuch)

Das ethische, dual-SIM-fähige, Android-basierte Mobiltelefon, bei dem die Ersatzeile selbst eingebaut werden können.

Selbst-Check

WORK IN PROCESS hat sich im Ersatzteilaustausch testen (müssen), denn nach einigen Stürzen hat zwar das fünf Inch große Gorilla Glass-Display gehalten, das Mikrofon aber leider nicht. Die Lieferung erfolgt in zwei bis drei Werktagen (Niederlande nach Berlin), bei Wunsch auch Express. Die Ersatzteile sind günstig und der Einbau erstaunlich und fast ein wenig zu einfach in der Handhabung. Anleitungen in Bild und Videoformat finden sich beispielsweise auf der Community-Plattform iFixit, aber auch diversen anderen. Die Funktionsprobe aufs Exempel wurde erfolgreich mit dem integrierten Wartungsprogramm Check-Up durchgeführt. Neben dem Mikrofon können weitere Bauteile einzeln auf ihre Funktionstüchtigkeit getestet werden. Das sind Display, Sensoren und Lautsprecher.

Solide Technik mit Upgrade-Option

Verschiedene Test haben das Öko-Smartphone gut bis befriedigend eingestuft. Das Standardbetriebssystem ist Android 6.0.1.; für Technikversierte steht Ubuntu als Alternative zur Verfügung. Die Technik wird als solide eingestuft, Prädikat gehobene Mittelklasse.
Ein Kritikpunkt ist das Design des Fairphones 2, insbesondere die wuchtige Hülle. Der Name Bumper macht seinem Namen alle Ehre. Fairphone-Hüllen gibt es nicht frei im Handyhüllenshop des Vertrauens, sondern in der Slim-Variante im Onlineshop des Herstellers. Negativ im Vergleich zu den Smartphones der neueren Generation schneidet die standardmäßig eingebaute Fairphone 2-Kamera mit acht Megapixel ab. Es ist jedoch möglich, die Hauptkamera auf zwölf Megapixel und die Selfie-Kamera auf 5 Megapixel zu upgraden. Beide Kameramodule zusammen kosten 75 Euro (Stand 01/2018). Die alten Module und sogar alte Mobiltelefone nimmt Fairphone zurück. Diesen Recycling-Aspekt gab es bei Mobilfunkherstellern so noch nicht. Das allgemeine Fazit diverser Testseiten: ein stabiles Smartphone der gehobenen Mittelklasse mit dem besonderen Augenmerk auf Ethik und Ökologie.

Extra

Noch ein Extra, das den kritischen Smartphone-Käufer zunehmend interessiert: die Strahlungsintensität, gemessen mittels SAR-Wert. SAR steht für spezifische Absorptionsrate. Einfach ausgedrückt misst SAR die Erwärmung der Haut durch die Telefonnutzung. Die Maßeinheit ist Watt pro Kilogramm. Das Fairphone 2 hat laut Hersteller einen SAR-Wert von 0,288/ 0,426 w/kg. Im Vergleich dazu hat das IPhone 6 einen Wert zwischen 0,91 und 0,97. Die Oberwerte hat die WHO mit 2,0 W/kg empfohlen.

Ausdauer

Wir von WORK IN PROCESS können das Fairphone nach einem Jahr Nutzung noch immer positiv beurteilen. Die Android-Updates laufen problemlos. Das „fair“ in Fairphone wurde in Deutschland mit dem Blauen Engel zertifiziert und dem deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Dass der Akku schwächelt, ist ein schwacher Kritikpunkt, denn er lässt sich für 20 Euro austauschen. Die Speicherkapazität von 32 Gigabyte ist noch immer ausreichend, kann mittels Mini-SD-Karte um weitere 32 Gigabyte erweitert werden. Die System laufen stabil und bisher ist noch kein ungewünschtes Herunterfahren ausgelöst worden.

Mit 529 Euro ist es auf den ersten Blick nicht günstig. Bei einer Nutzungsdauer von mehr als zwei bis zu fünf Jahren lohnt sich das Umdenken und die eigene Ökobilanz verbessert sich auch. Das Fairphone bietet demjenigen eine Alternative, der ein technisches Mittelklasse-Smartphone mit nachhaltigen Understatement und DIY-Attitüde sucht.

Autor und Foto: Anja Graff