Isabelle Bons

Frau Chefin Isabelle Bons

Tontechnikerin, Bloggerin bei Frau Chefin

Karlsruhe

Isabelle Bons ist eine Powerfrau mit vielen Fähigkeiten. Die Tontechnikerin betreut Veranstaltungen wie Theaterproduktionen, Musicals, Messen oder Rockkonzerte und pflegt nebenbei ihr Hobby mit Ambitionen, den Blog Frau Chefin. Wir waren einen Tag lang dabei.
08:30
Isabelle steht auf und checkt schon einmal ihre E-Mails, bevor sie frühstückt.
Isabelle beim Frühstück
Isabelle beim Frühstück
09:30
Nach dem Frühstück setzt sie sich an ihren Schreibtisch und erledigt Bürokram, der in den letzten zwei Tagen liegengeblieben ist. Dazu gehören Quittungen abheften, E-Mails beantworten und Rechnungen schreiben.
Zeit für Bürokram am Computer
Zeit für Bürokram am Computer
10:30
Dann wendet sie sich ihrer Arbeit am Blog Frau Chefin zu, schreibt erste Skizzen zu einem Blogbeitrag, checkt Facebook und Twitter und hört sich ihre Sprachmemos auf ihrem Handy an, auf dem sie unterwegs eine spontane Idee aufgesprochen hatte, die sie nun in Textform festhält.
12:30
Vor dem Mittagessen nimmt sie sich ein wenig Zeit für angefallene Hausarbeit. Sei es aufräumen, Wäsche waschen oder sich um ihre Pflanzen kümmern.
13:00
Währenddessen hat ihr Mann das Mittagessen gekocht, das nun beide gemeinsam essen.
13:30
Isabelle fährt mit dem Auto zur Musicalproduktion „Sugar – Manche mögen's heiß“ am Stadttheater Pforzheim. Dort wird sie als externe Tontechnikerin regelmäßig gebucht. Durch ihre vorherige vierjährige Festanstellung an diesem Theater kennt sie die dortigen Abläufe perfekt.
14:00
Am Theater angekommen, verständigt sie sich sogleich mit den am Theater angestellten Tontechnikern über Neuigkeiten und Rückmeldungen zum Stück. Danach beginnen sie gemeinsam mit dem Aufbau für die Produktion. Dafür werden die Ton-Mischpulte im Saal aufgebaut, um eine bessere Hörposition zu haben, die Mikrofone für die Darsteller vorbereitet, eine zusätzliche Beschallung für die Zuschauer aufgebaut, um jedem Zuhörer das beste Klangergebnis liefern zu können, unzählige Kabel gelegt, sowie auf der Bühne Monitore für die Sänger installiert, damit diese das Orchester optimal hören. Außerdem bekommt jedes Orchesterinstrument ein Mikrofon, nachdem der Orchesterwart Instrumente, Stühle und Notenpulte bereitgestellt hat. Gemeinsam mit den angestellten Tontechnikern vom Theater überprüft Isabelle dann jedes Mikrofon auf seine Funktion – Linecheck genannt.
Isabelle am Mischpult
Isabelle am Mischpult
17:30
Damit jeder Darsteller für den Zuschauer optimal hörbar gemacht werden kann, bekommen sie jeweils ein kleines, fast nicht sichtbares Mikrofon an die Stirn oder die Wange geklebt. Isabelle unterstützt die Maskenabteilung dabei, die Mikrofone der Sänger optimal anzubringen. Im Anschluss daran werden diese mit Schminke noch unsichtbarer gemacht.
18:00
Um sechs Uhr beginnt der Soundcheck. Von jedem Darsteller wird das angebrachte Mikrofon überprüft, denn schon kleinste Veränderungen in der Position im Gesicht verändern den Klang. Zuerst checken die Sänger, dann einzelne Instrumentalisten und zum Schluss das gesamte Orchester.
plug in
plug in
19:00
Kurz vor dem Einlass ist Zeit für einen kleinen Snack. Die Tontechniker ziehen sich beim Einlass in den Aufenthaltsraum oder in die Tonregie zurück, schauen ins Textbuch und studieren den Ablauf noch einmal genau. Isabelle schaut sich an, welche Stellen sie besonders beachten muss. Kurz vor Vorstellungsbeginn gehen zwei Tontechniker zu den im Saal aufgebauten Mischpulten.
Isabelle während ihrer kleinen Essenspause
Isabelle während ihrer kleinen Essenspause
19:30
Der Vorhang geht auf, die Vorstellung beginnt. Einer der Tontechniker sitzt oben in der Tonregie und macht dort Toneinspielungen. Dazu gehören u. a. Türgeräusche, Telefonklingeln und Donner. Außerdem ist er der sogenannte „Springer“, d. h. wenn etwas Kaputtes ersetzt werden muss, kann dieser unverzüglich handeln. Da jede Vorstellung live gemischt wird und der Klang von vielen Faktoren abhängig ist (Anzahl der Besucher, Grundlautstärke im Raum, Temperatur im Raum, Musiker im Orchester, Darsteller auf der Bühne), werden die Aufgaben aufgeteilt: An einem Mischpult werden die 28 Darsteller und der Gesamtsound geregelt, am anderen Mischpult die einzelnen Instrumente des Orchesters. Isabelle mixt den Gesamtsound sowie die Darsteller. In der zwanzigminütigen Vorstellungspause kann auch sie kurz abschalten.
Theater Pforzheim/Fotografin Sabine Haymann
Theater Pforzheim/Fotografin Sabine Haymann
22:30
Mit dem abklingenden Applaus ist die Vorstellung zu Ende. Sofort danach bauen die Tontechniker die gesamte Technik, die sie zuvor aufbauten wieder ab. Sie wickeln die Kabel zusammen, räumen Mikrofone und Stative im Orchester auf und entfernen die komplette zusätzliche Beschallung im Zuschauerraum und auf der Bühne. Sie sammeln die Mikroports wieder ein. Während einer der Tontechniker die Bühne abbaut, sind die beiden anderen mit dem Abbau im Orchestergraben beschäftigt.
00:00
Endlich ist Feierabend und Isabelle fährt mit ihrem Auto zielstrebig wieder nach Hause.
00:30
Zu Hause angekommen, ist sie noch aufgedreht vom Abend und schaut noch eine halbe Stunde in ihren Blog oder liest etwas.

Isabelle Bons, Tontechnikerin, Bloggerin bei Frau Chefin aus Karlsruhe



Isabelle Bons macht beruflich das, was für andere Entspannung ist, und entspannt bei dem, was andere beruflich machen. Die gelernte Tontechnikerin betreut freiberuflich den Ton bei Veranstaltungen verschiedenster Art – von Musicals über Messen bis zu Rock-Konzerten. Dabei ist sie als Frau eine Koryphäe, denn ihre Kollegen sind zum großen Teil männlich. In ihrer Freizeit widmet sie sich intensiv ihrem Herzensprojekt, dem Blog Frau Chefin. Dort schreibt sie über Selbstständigkeit speziell für Frauen, gibt Tipps und erzählt von eigenen Erfahrungen. Wie sie beide Passionen miteinander verbindet, erzählt sie im Interview.

Wie kamst du zu deinem Job?
Früher habe ich Gitarre in mehreren Rock- und Blues-Bands gespielt, da hatte ich schon Berührungspunkte mit meinem jetzigen Beruf. Ich habe dann in Karlsruhe von 2006 bis 2009 Musikinformatik studiert und Tontechnik wurde mein Schwerpunkt. Im Bereich Tontechnik habe ich dann auch mein Semester-Praktikum am Theater gemacht und hatte schon vor dem Ende des Studiums eine fixe Stelle, wo ich vier Jahre lang mit dem NV Bühne fest angestellt war. Irgendwann war einfach der Punkt da: Ich hatte das Gefühl, dass ich noch etwas anderes machen und weiterkommen will und dass ich trotz der 20 Produktionen im Jahr nicht richtig weiterkomme und dazulerne. Ich hatte den Spleen, dass dieses „Andere“ ein Agenturjahr sein sollte. Etwas Normaleres, Bodenständiges mit geregelten Arbeitszeiten. Ich habe dann also in einer Medienagentur Ton und Video betreut. Die geregelten Arbeitszeiten und die stumpfsinnige Schreibtischarbeit waren allerdings gar nichts für mich. Nach elf langen und unglücklichen Monaten, beschloss ich, mich selbstständig zu machen. Das ist nun zwei Jahre her. In die Selbstständigkeit hatte ich bereits nebenberuflich während meiner Festanstellungen geschnuppert.
Da ich unheimlich gerne schreibe und lese und auch vorher schonmal einen Sport-Blog hatte, habe ich viele Blogs über Selbstständigkeit gelesen. Ich habe mich aber nirgendwo so richtig wiedergefunden, deswegen habe ich es einfach selbst gemacht. Frau Chefin ist nun seit dem 1. Januar 2016 online.

Was inspiriert dich?
Mich inspiriert das Tun und Machen und Schauen, einfach von Anderen lernen. Musikalität und Interesse an Technik und am Lernen fließt da natürlich mit ein. Auch schaue ich mir Produktionen an verschiedenen Theatern an, um Vergleiche zu haben.
Beim Schreiben finde ich Ideen eher durch Geschichten, die mir selbst oder anderen passiert sind. Ich bin in der Selbstständigkeit aufmerksamer und überlege im Hinterkopf, ob es ein Thema für mein Blog sein könnte. Darüber hinaus liebe ich Hörbücher zu den verschiedensten Themen, die ich während meiner Autofahrten höre. Diese sind für mich auch sehr inspirierend. Man muss einfach Augen und Ohren offen halten.

Was ist positiv an deinem Job?
Der Blog ist zeit- und ortsunabhängig. Ich bin in jeder Hinsicht ungebunden, mir sagt keiner, was ich veröffentlichen soll und was nicht. Beim Tonjob finde ich positiv, dass ich viel herumkomme, viel sehe, viele Menschen kennenlerne und viel lerne.

Und was negativ?
Man ist immer unterwegs, das muss man eben auch wollen. Manchmal wäre es auch schön, ein paar Tage zu Hause zu sein und in der Jogginghose am Schreibtisch sitzen zu können. Trotzdem habe ich den Luxus, dass ich nahezu jede Nacht zu Hause schlafen kann, denn meine Aufträge sind meist maximal anderthalb Autostunden entfernt. Ein negativer Aspekt ist, dass die Familienplanung je nachdem, was der Partner macht, schwierig bis unmöglich ist. Man ist sehr abhängig vom Ort, von der Zeit und der Nachfrage. Es ist schwierig zu planen, da sich die Termine oft spontan ergeben. Jeden dritten Tag ändert sich bei mir der Wochenplan.

Kannst du den Job weiterempfehlen?
Grundsätzlich ist es ein toller Beruf, der unglaublich viel Spaß macht. Männer finden es oftmals total cool, dass sie sich hinter das leuchtende Mischpult stellen können, aber der Beruf ist durchaus mehr, als hinter einem Mischpult zu stehen.
Für Frauen ist es auch ein sehr schöner Beruf, aber man muss sich immer dessen bewusst sein, dass man unheimlich viel Ausdauer haben muss und ein dickes Fell braucht – schweres Equipment tragen inklusive. Meine Meinung ist, dass man als Frau und als Freelancerin in diesem Bereich für das Leben ab 40 bzw. mit Familie einen Plan B in der Tasche haben sollte, oder eine Festanstellung anstreben sollte.

Was sind deine drei wichtigsten Worktools?
Meine Ohren, meine Hände und ein Mischpult.

Was rätst du Neueinsteigern?
Grundsätzlich würde ich bei dem Job immer raten, ein längeres Praktikum zu machen, um den Berufsalltag wirklich kennenzulernen. Gerade als Frau braucht man nicht nur unglaublich starke Nerven, sondern auch eine extrem hohe Stressresistenz. Man muss die Ellenbogen ausfahren, weil es ein Beruf ist, in dem 95 Prozent Männer arbeiten. Da muss man eine gewisse Toleranzgrenze haben, sonst hält man es da nicht lange aus.
Männern würde ich raten, sich sehr früh von dem Gedanken zu verabschieden, dass Tontechnik einfach cool ist. Der Weg bis man mal hinter einem Mischpult steht, der ist lang. In der Regel heißt es erstmal Kabel reparieren, abkleben und als Aufbauhelfer dabei sein.
Mir wurde am Anfang gesagt: Du brauchst zehn Jahre bis du gut bist und zwanzig bis du es richtig draufhast. Ich mache den Job jetzt seit sieben Jahren und kann das bestätigen – zumindest wenn man einen hohen Anspruch an sich selbst hat.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Technische Berufe sind ständig im Wandel, man ist immer auf Fortschritt angewiesen. Es ist ein zweiseitiges Schwert. Zum einen gibt es immer mehr Veranstaltungen, weil immer mehr Firmen und Messen etwas veranstalten, auf der anderen Seite gibt es immer mehr Anbieter, dadurch streiten sich viele Anbieter um einen Job. Dazu kommt, dass das Angebot zwar steigt, aber immer weniger Geld da ist, um die Wünsche umzusetzen.

Was möchtest du noch erreichen?
Der nächste Schritt ist, mit weniger Arbeitstagen gleich viel oder mehr Geld zu verdienen, also meinen Tagessatz zu erhöhen. Ein Wunschtraum ist es, mit meiner Lieblingsband auf Tour zu gehen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber leider extrem gering.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Mein Blog ist mein Ausgleich. Ich genieße es unglaublich, wenn ich mal zu Hause bin und am Schreibtisch sitze und ganz für mich entschieden kann und kreativ sein darf. Das ist ein super Ausgleich, weil ich diese Büroarbeit im Berufsalltag kaum habe. Für den Blog nutze ich grundsätzlich fast jede freie Minute. Meine freien Tage gehen zu 80 Prozent drauf für meinen Blog. Ansonsten lese ich gerne Bücher zu den verschiedensten Themen. Sport mache ich auch sehr gerne: Seit 16 Jahren spiele ich Tischtennis. Um eine Dosis Frischluft abzubekommen, gehe ich joggen. Außerdem backe ich leidenschaftlich gerne, vor allem in den Wintermonaten.

Interview: Katrin Haase
Fotografie: Christian Bons

Steckbrief

  1. Alter: 30
  2. Wohnort: Karlsruhe
  3. Beruf: Tontechnikerin, Bloggerin bei Frau Chefin
  4. Branche: Technik, Kreativ, Medien
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 6
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 8
  7. Pausen pro Tag: 1,5
  8. Status: Selbstständig


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