Enzo Forciniti

Enzo Forciniti

Designer und Holzbrillenmacher

Leipzig

Holz ist biegsam, leicht, langlebig und schön anzuschauen. Gute Gründe für den Designer Enzo Forciniti, Brillengestelle daraus herzustellen. Wie er seinen Tag strukturiert, haben wir uns angeschaut.
07:30
Enzo Forciniti läuft nur zwei Minuten bis zu seinem Atelier im Westwerk, eine ehemalige Fabrik, die heute als Quartier für viele Künstler dient. Dort angekommen, verschafft sich Enzo einen Überblick darüber, was heute ansteht, schaltet den Rechner an und ordnet übriggebliebenen Papierkram vom Vortag. Er räumt alle Werkzeuge in ihre Schubladen, damit er seine Arbeit in aufgeräumter Atmosphäre beginnen kann.
07:45
Danach beantwortet Enzo E-Mails zu Produkt- und Presseanfragen sowie Anfragen für Grafikarbeiten, heute sind es sieben E-Mails. Auch nachdem Enzo eine Holzbrille verkauft hat, hält er noch Kontakt zum Kunden, um die Brillen nochmal anzupassen und zu erfahren, ob der neue Besitzer zufrieden mit seinem maßgefertigten Holzgestell ist.
08:45
Kurz vor neun ist es Zeit für einen Kaffee mit der Nachbarin Ina Köhn, die ebenfalls im Westwerk ein Atelier hat und dort Möbel designt. Sie setzen sich auf die Bank vorm Westwerk in den Sonnenschein und unterhalten sich.Sie sitzen
09:15
Enzo bereitet seine Werkstatt für den Bau einer neuen Brille vor. Einen kleinen Schritt dafür hat er bereits am gestrigen Abend getätigt, so verrät er: „Für mich ist es motivierender, wenn ich am Morgen an einer Brille weiterarbeite, anstatt sie neu zu beginnen. Also versuche ich kurz vor Feierabend noch etwas anzufangen, womit ich am nächsten Tag weitermachen kann.“ So hat er am Vorabend bereits eine Zeichnung ausgedruckt und sie auf einen Holzrohling geklebt. Heute geht es damit weiter, Löcher in den Rohling zu bohren, sie auszusägen und dann mit feinerem Papier auszuschleifen. Nachdem die Innenform geschliffen ist, widmet er sich der Außenseite, die er wieder aussägt und dann ebenfalls schleift: „Innen kann beim Aussägen viel schiefgehen, deswegen mache ich das lieber zuerst.“ Verschiedene Holzbrillen gleichzeitig zu machen, erfordert viel Konzentration. Deswegen arbeitet Enzo nie an mehr als drei Brillen gleichzeitig. Heute macht er nur eine Brille.
Vorzeichnung der Brille auf Holz
11:00
Zwischendurch betritt ein Kunde den Laden. Er will sich über die Holzbrillen informieren und lässt sich für ein Gestell vermessen. Enzo macht Fotos und misst das Gesicht des Kunden physisch mit Schablonen und Messgeräten. Dabei berät er den Kunden über das mögliche Holz und geht auf seine Wünsche ein.
verschiedene Holzarten
verschiedene Holzarten
12:15
Zeit für die Mittagspause auf der Karl-Heine-Straße. Heute geht er mit Ina und einer weiteren Nachbarin zum Kandil, einem Späti mit Mittagsangebot, und isst Orientalisch.
Das Kandil in der Karl-Heine-Straße
Das Kandil in der Karl-Heine-Straße
13:15
Nach einem Espresso im Hof geht es weiter. Enzo schaut am Rechner, ob Anfragen oder Bestellungen per E-Mail gekommen sind. Er recherchiert für ein neues Werkzeug, dafür schaut er sich verschiedene Angebote im Netz an und bestellt sie entweder oder kauft sie bei einem lokalen Händler.
Enzo Forciniti am PC
Enzo Forciniti am PC
14:00
Nun steht die Steuererklärung des Quartals und die Jahressteuererklärung an. Dafür liegen die Rechnungen schon halbwegs sortiert bereit – sie müssen nun in die Exceltabelle eingepflegt werden. Enzo macht seine Steuererklärung immer ohne fremde Hilfe selbst.
15:00
Nach dem ganzen Papierkram ist ihm wieder nach Handarbeit. Enzo reinigt das vorhin begonnene Holzbrillengestell und schleift es noch einmal innen und außen.
Enzo raut die Ränder des Brillengestells an
Enzo raut die Ränder des Brillengestells an
15:30
Enzo laminiert neues Holz für eine Brille, die er am nächsten Tag weiter bearbeiten kann. Dafür presst und klebt er hauchdünne Holzschichten in einer eigens dafür gemachten, leicht gebogenen Vorrichtung.
Die Holzlaken werden für eine neue Brille gepresst
Die Holzlaken werden für eine neue Brille gepresst
16:00
Mit seinem Fahrrad fährt er zurück nach Hause. Seitdem seine kleine Tochter auf der Welt ist, beginnt er seinen Arbeitstag lieber früh, damit er am späten Nachmittag Zeit mit ihr verbringen kann.
Feierabend. Enzo schließt seinen Laden
Feierabend. Enzo schließt seinen Laden

Enzo Forciniti, Designer und Holzbrillenmacher aus Leipzig



Holz hat es ihm angetan: Enzo Forciniti stellt in seinem eigenen Atelier maßgefertigte Holzbrillen her. Der in Stuttgart geborene Designer bastelte schon als Kind gern Modelle aus Holz. Im Alter von zwölf Jahren ging er nach Italien und kam für ein Praktikum nach dem Studium nach Leipzig, wo er seine Idee für Holzbrillen nach und nach entwickelte und mit Zeit und Geduld herumprobierte, bis er aus der Idee ein Geschäft machen konnte. Nun ist Enzo Forciniti seit zwölf Jahren selbstständig und dabei immer auf der Suche nach neuen, eigenen Kreationen. Die Herstellung einer Brille dauert bei ihm mehrere Arbeitstage, über Wochen verteilt. Die Preise für die maßgefertigten Modelle liegen bei 600 Euro und mehr, je nach Hartholz und Sonderwünschen. Das Geschäft läuft gut, seit kurzem lernt er jemanden an. Im Interview erzählt er, wie seine Idee für Holzbrillen entstand.

Wie kamst du zu deinem Job?
In Italien habe ich ein kunstorientiertes Abitur gemacht und danach Mediendesign und Werbung in Pescara studiert. Nach Leipzig kam ich für ein Praktikum in der Grafikabteilung einer größeren lokalen Tageszeitung. Danach wurde ich als fester Freier übernommen. Die Vormittage habe ich genutzt, um eigene Projekte im Web zu machen. 2011 kamen dann die Holzbrillen hinzu. Das habe ich zwei Jahre lang parallel betrieben.
Ich war schon immer handwerklich begabt und hatte immer starkes Interesse an Design. Also suchte ich nach einer Möglichkeit, beides zu kombinieren und Dinge ohne große Investitionen selbst herzustellen. Durch Zufall bin ich beim Optiker gelandet und habe dort im Gespräch die Idee entwickelt. Noch am selben Tag habe ich mir eine Laubsäge organisiert und angefangen, auszuprobieren. Kunststoff war mir als Material zu offensichtlich, ich wollte etwas kompliziertes machen. Mit Holz hatte ich schon jahrelang durch Modellbau Erfahrung. Ich habe zum Beispiel ferngesteuerte Flugzeuge gebaut, mit denen ich Wettbewerbe mitgemacht habe. Die erste Brille war nicht verwendbar, aber sie hat mir gezeigt, dass es grundsätzlich funktioniert. Dann war der Weg noch lang bis zur richtigen Brille, die ich aufsetzen konnte – ich habe dafür ein Jahr lang täglich herumprobiert. Über Mundpropaganda habe ich dann auch das erste Paar Brillen verkauft.

Was inspiriert dich?
Es können Objekte wie Fahrräder oder Dinge aus der Natur sein – es gibt dort oftmals inspirierende Details, eine schöne Verzierung oder Struktur. Das Detail nehme ich und mache daraus etwas, was damit nichts mehr zu tun hat. Auch Gesichter inspirieren mich, denn momentan mache ich Maßanfertigungen.

Was ist positiv an deinem Job?
Positiv an der Selbstständigkeit ist, dass ich theoretisch die Freiheit habe, zu entscheiden, was ich wann machen will. Ich bin für alles, was ich tue, selbst verantwortlich. Diese selbstbestimmte Entfaltungsmöglichkeit finde ich toll. Auch der Kontakt mit anderen Kreativen ist sehr schön. Diese Freiheit ist mir alles Wert.

Und was negativ?
Man muss sich selbst sehr motivieren. Arbeit bleibt trotzdem immer ein Mittel zum Zweck, aber es macht auch Spaß. Es ist sehr zeitintensiv, acht Stunden Arbeit reichen zumindest am Anfang nicht aus.

Würdest du den Job weiterempfehlen?
Es ist ein schöner Job. Seine Fähigkeiten und Leidenschaften zusammenzubringen, lohnt sich immer. Am besten sollte man sofort damit anfangen, denn jeder Tag ist wichtig. Einfach mal machen...

Was sind deine drei wichtigsten Worktools?
Meine Hände, der Blick fürs Detail und Geduld.

Was rätst du Neueinsteigern?
Bleibt motiviert dran und findet heraus, ob ihr wirklich daran glaubt oder ob schon Zweifel aufkommen. Wenn man selbst schon zweifelt, ist vielleicht wirklich irgendwo ein Haken. Es sollte zur Person passen und authentisch sein, dann müsst ihr auch nichts spielen. Das merken die potentiellen Kunden, und die Freude überträgt sich. Schaut euch auch nach Förderungen um, die die jeweilige Stadt anbietet.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Grundsätzlich positiv im Bezug auf Maßanfertigung. Viele junge Menschen haben ein Interesse an etwas Besonderem. Viele wollen nichts mehr von der Stange, sondern etwas Personalisiertes haben. Das ist zukunftsfähig. Wenn man etwas Besonderes macht, findet man immer seine Nische. Generell halte ich Einzelanfertigung für zukunftsfähig. Man muss natürlich dranbleiben und sich den verändernden Anforderungen anpassen.

Was möchtest du noch erreichen?
Ich möchte auf ein Level kommen, auf dem ich mit Entspannung von meiner Arbeit leben kann. Ich strebe ein gesundes Niveau zwischen Freizeit und Arbeit an, beispielsweise mit einer Vier-Tage-Woche. Meine Brillen sollen weiter als etwas Besonderes gelten und ich möchte weiterhin Spaß bei der Arbeit haben, weil nicht so viel Druck dahinter steht. Das Geschäft soll gesund wachsen.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Zeit mit meiner Familie zu verbringen ist ein schöner Ausgleich für mich. Auch während der Arbeit versuche ich entspannt zu leben und die Pausen zwischendurch gut zu genießen. Das ist auch für die Kreativität wichtig.

Interview und Fotos: Katrin Haase

Steckbrief

  1. Alter: 35
  2. Wohnort: Leipzig
  3. Beruf: Designer und Holzbrillenmacher
  4. Branche: Kreativ, Handwerk
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 5
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 9
  7. Pausen pro Tag: 1,5
  8. Status: Selbstständig
Kontakt

Website: enzoforciniti.com
Mail: info (at) enzoforciniti.com



Unterstütze uns auf Steady

Share

Zum Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.