Jutta Reinke

Jutta Reinke, Transformationscoach

Transformationscoach und Mitgründerin von Love Your Potential

Hamburg

Jutta Reinke verfolgt mit Love Your Potential eine Mission: Sie will mehr Bewusstsein und Gelassenheit in Organisationen bringen, damit jeder Mitarbeiter sein persönliches Potenzial entfalten kann. Gemeinsam mit ihren Partnern hat sie das Corporate Potential Programm entwickelt, mit dem sie Teams und Führungskräfte über drei bis sechs Monate lang zu einer neuen Art von Arbeit verhilft. Denn 66 Tage bedarf es im Durchschnitt, um eine neue Gewohnheit zu trainieren, so die Wissenschaft. In einem zweitägigen Einführungstraining wird erst einmal jeder einzelne Mitarbeiter eines Teams abholt: Selbsterkenntnis, Selbstregulation, Empathie, soziale Fähigkeiten, Intuition, Werte und Visionen stehen im Fokus. Um einen nachhaltigen Effekt zu schaffen, lernen die Teilnehmer alltagstaugliche Tools und werden dann über die folgenden Wochen weiter begleitet, auch mit Hilfe der digitalen Plattform von Love Your Potential. Jutta lebt und arbeitet nach den Grundsätzen, die der Philosophie von Love Your Potential zugrunde liegen: Einen Alltag kennt sie nicht – ihr Tag folgt Ritualen, aber keinen Rollenmustern.
06:00
Jutta beginnt ihren Tag mit einer festen Morgenroutine, die man auf einen einfachen Nenner bringen kann: Ganz viel Zeit für sich selbst. Beim Joggen an der Elbe genießt sie die Natur und tankt frische Luft, der Kopf schaltet ab. Bewegung ist also schon die erste Achtsamkeitsübung des Tages. „Beim Laufen bin ich in so einem Gewahrsein, so einem Beobachterstatus über mich“, beschreibt sie diesen Zustand. „Welcher Gedanke kommt denn jetzt?! Frag ich mich dann und schau ihn mir einfach an – bis der nächste auftaucht.“ Das klingt wie ein Check-up, wie eine Bestandsaufnahme von allem, was da ist und sich meldet. So startet sie mit einem guten Überblick über das, was gerade in ihr vorgeht und bearbeitet werden will.
07:00
Unmittelbar nach dem Laufen setzt sich Jutta noch im Jogging-Outfit für eine Morgenmeditation auf ihren Flauschteppich. Das Besondere daran: Nach dem Sport ist der Körper sehr lebendig, dann pulsiert alles und das Herz pocht. Das sind viele Impulse, um den eigenen Körper zu beobachten und kennenzulernen.
Jutta beim Meditieren
Jutta beim Meditieren
Auch beim Frühstück bleibt Jutta ganz bei sich und in der Achtsamkeit. Da gibt es kein Handy, nur gutes Essen, einen Kaffee und ruhige Musik.
Frühstück und Lektüre
Frühstück und Lektüre
08:30
Gegen halb neun beginnt Jutta ihren Arbeitstag. Sie arbeitet oft von zu Hause aus oder im betahouse, einem Coworking-Space. Ein offizielles Büro hat Love Your Potential ganz bewusst nicht. „Wir treffen uns einzeln. Wenn es um Marketing und PR geht, treffe ich mich mit Elena. Wenn es um Strategie geht, treffe ich mich mit Daniel. Ich hatte aber auch schon einmal einen Skype-Call mit Kooperationspartnern und Daniel im Park. Wir arbeiten einfach dort, wo man bei sich selbst sein kann, wo man Mensch sein kann.“
Kaffeepäusschen im Betahaus
Kaffeepäusschen im Betahaus
10:00
Jutta packt ihren Rechner ein und fährt ins betahouse, um dort im silent Coworking-Space zu arbeiten. Sie schreibt einen Artikel über Persönlichkeitsentwicklung für den Blog von Love Your Potential. Noch vor Kurzem dachte sie, dass sie gar nicht schreiben könne. Aber dann hat sie einfach losgelegt und jetzt macht es ihr richtig Spaß, ihre Gedanken zu Papier zu bringen.
11:30
Den Rest des Vormittags nutzt Jutta dann noch, um neue Trainingsmethoden und Vertriebswege zu recherchieren. Auch wenn sie einfach nur E-Mails schreibt, tut sie das sehr bewusst und fragt sich dabei: „Sind sie achtsam geschrieben oder ist da Spielraum für Interpretation? Was lese ich aus den E-Mails?“
inspiriert am Laptop
inspiriert am Laptop
12:00
Gegen Mittag geht Jutta mit ihren Kollegen essen.
14:00
Heute ist das wöchentliche Strategiemeeting, an dem alle Teammitglieder teilnehmen. Das läuft immer sehr strukturiert ab: Ein Thema wird besprochen, priorisiert und abgearbeitet. Wer für das Thema zuständig ist, übernimmt die Moderation.
Teamsitzung
Teamsitzung
17:00
Nach dem Meeting gönnt sich Jutta eine Pause und geht mit ihren Kollegen Nils und Daniel spazieren. Jutta und Daniel sind Nachbarn und kochen öfter zusammen.
Spaziergang an der Elbe
Spaziergang an der Elbe
19:00
Am Abend steht zum Abschluss noch ein Meet-up zu New Work auf dem Programm. Oft ist Jutta selbst als Speakerin auf dem Podium, nicht nur bei den Love Your Potential Talks. „Wir transportieren ein Gefühl – das geht nur, wenn man die Menschen auch kennt. Und Netzwerken macht ja auch Spaß.“

Jutta Reinke, Transformationscoach und Mitgründerin von Love Your Potential aus Hamburg



Wenn Jutta Reinke den Raum betritt, verändert sich etwas. Die Hamburgerin sieht mit ihrem blonden Lockenkopf und den großen blauen Augen nicht nur aus wie ein Engel, sie wirkt auch erleuchtet. So als hätte sie eine tiefere Wahrheit in sich gefunden, irgendeine geheimnisvolle Tür zum Glück geöffnet. In ihrem persönlichen Transformationsprozess hat sie erfahren, dass Kreativität, Produktivität und Glücksgefühle bei der Arbeit in dem Bewusstsein der eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten wurzeln. Den Zugang dazu fand sie durch Meditation, Achtsamkeit und innere Transformationstechniken. Als Transformationscoach will Jutta mit Love Your Potential diese Erkenntnisse in Unternehmen bringen – und Teams und Führungskräfte zu einer neuen Kultur des Arbeitens befähigen.

Wie kamst du zu deinem Job?
Ich habe früher in einer Agentur gearbeitet, in der ich unter großem Druck stand. Der negative Stress hat mich sehr unproduktiv gemacht – dieser Gefühlszustand ist eine große Ressourcenverschwendung. Nach zweieinhalb Jahren habe ich dann gekündigt. Zwei Monate später habe ich mit einer Partnerin ein Unternehmen gegründet, das Algen als nachhaltige und gesunde Eiweißquelle vertrieb. Zum ersten Mal konnte ich einen Sinn in dem sehen, was ich tat. Und ich durfte mein eigener Chef sein: Keiner machte mir mehr Druck von oben. Wir hatten ganz tolle vier Jahre.
In dieser Zeit habe ich allerdings auch zwei Schattenseiten an mir kennengelernt. Die eine war, dass ich Stress nicht in den Griff bekam. Ich war zu kritisch mit mir selbst und habe nicht einsehen wollen, dass ich eine Pause brauchte. Wenn ich das mit heute vergleiche: Ich arbeite wesentlich weniger Stunden, schaffe aber viel mehr. Die zweite Schattenseite war: Es gab einen anderen Produzenten unserer Alge in Deutschland, der größer war als wir, der hatte den Markt schon abgedeckt. Anstatt mich darüber zu freuen, dass es noch andere Menschen gibt, die an unserer Vision arbeiten, sah ich ihn als Konkurrenz und bekam Existenzsorgen. Da habe ich zum ersten Mal mein Ego ganz deutlich gespürt.
Durch ein Buch von Eckhart Tolle kam ich dann zur Meditation. Ich begriff: Hey, du bist gar nicht deine Gedanken. Etwas in uns kann ja unsere Gedanken beobachten. Also musst du dich nicht damit identifizieren. Das war wie ein Befreiungsschlag, denn meine Gedanken waren ja so negativ und so kritisch. Innerhalb von sieben Wochen Meditationspraxis wurde ich viel entspannter. Irgendetwas hatte sich geändert, mein neuronales Netzwerk, mein Hormonspiegel. Das hat mich dann nicht losgelassen. Ich habe angefangen, ganz viel zu lesen, spirituelle Bücher und Psychologiebücher. So kam ich auch zur Hypnotherapie und wurde Heilpraktikerin für Psychotherapie.
Die Arbeit mit den Menschen hat mich sehr erfüllt, aber gleichzeitig hat mir ein Team gefehlt. Ich traf am Tag maximal vier Leute. Da ich in der Anfangszeit nicht davon leben konnte, habe ich in Teilzeit noch bei einem Start-up gearbeitet. Dadurch hatte ich immer weniger Zeit für die Hypnotherapie und war sehr unzufrieden. Da habe ich Tim kennengelernt, einen meiner jetzigen Partner. Mit seiner Unterstützung fasste ich den Mut, zu kündigen. Damals wusste ich nicht, wie ich die nächsten zwei Monate meine Miete bezahlen sollte. Aber dann kamen die anderen dazu und seit Januar 2018 machen wir Love Your Potential. Meine Hauptaufgabe ist die Trainingsvorbereitung, die Konzeption und Durchführung der Trainings. Dazu habe ich viele Workshops besucht und eine Coachingausbildung gemacht.

Was inspiriert dich?
Menschen inspirieren mich – zum Beispiel die, die ich in den Hypnosen kennengelernt habe. Wir alle haben Schattenseiten und Abgründe. Und wir alle haben Ängste und kleinere oder größere „Traumata“ in uns. Die Menschen kommen mit Wut, Ängsten, Trauer, die sich in Symptomen äußern wie Rauchen, Übergewicht, Arbeitswut, Zähneknirschen. Dahinter steckt immer ein blockiertes Gefühl oder ein Trauma. Wenn das gelöst ist, dann kommt Urvertrauen in das Leben – Liebe, Mitgefühl, Versöhnung, und das ist der Schlüssel. Ich bin überzeugt davon: Wenn man den Menschen die volle Freiheit gibt, dann werden die nicht faul. Denn wenn ein Mensch sich ausruht auf seinem Geld, dann liegt es daran, dass die Person kein Selbstvertrauen hat und Angst hat, etwas falsch zu machen. Wenn du der Person diese Angst nimmst und Urvertrauen aufbaust, dann traut sie sich auf einmal, sich zu öffnen. Was dann möglich wird, ist magisch. Das fasziniert mich immer wieder.

Was ist positiv?
Jedes Mal, wenn wir mit Menschen zusammenarbeiten, ist am Anfang diese professionelle Distanz – und am Ende ist auf einmal ganz viel Wärme im Raum. Allein wenn du jemandem einmal achtsam zuhörst, ohne Bewertung, dann bekommst du ganz andere Informationen. Wenn man mal in die Augen schaut und nicht nur die Rolle sieht, sondern den Menschen dahinter. Das ist echt toll. Wenn wir dann Feedback bekommen wie „ich habe meine Angst verloren“ oder „ich habe einen ganz neuen Blick auf meine Gedanken bekommen“, ist das sehr erfüllend.
Ich habe das große Glück, mit sehr inspirierenden Menschen zusammenzuarbeiten. Wenn du dich selbst veränderst, dann ziehst du plötzlich auch diese Menschen in dein Leben. Was uns alle verbindet, ist wirklich die Lust, nach innen zu schauen und Verantwortung für uns selbst zu übernehmen.

Was ist negativ?
Letzte Woche auf einer Veranstaltung waren sehr interessante Menschen, die noch nicht in Berührung gekommen waren mit Hypnose oder Achtsamkeit oder Meditation. Da sollten wir kurz unser Konzept erklären – so: „pitcht mal in zwei Minuten!“. Das war natürlich schwierig, weil es ja um Gefühlswelten geht, die man erleben muss. Bei dem Stichwort „Hypnose“ rief dann ein Teilnehmer: „Das wird mir aber zu esoterisch hier!“ Das hat mich anfangs total genervt. Aber eigentlich war dieser Widerstand auch ein Türöffner.

Würdest du den Job weiterempfehlen?
Absolut. Spread the word! Ja, es gibt viele Coaches. Aber es gibt auch verdammt viel Nachfrage und Bedarf – der Markt wächst. Vor allem die jüngeren Generationen Y und Z wollen herausfinden, was ihre Bedürfnisse und Ziele sind, sie fragen sich: Warum lebe ich überhaupt? Auf diesem Weg können Lehrer, Therapeuten oder Coaches die Menschen begleiten. Übrigens wollen wir auch angelehnt an das Buch „Reinventing Organizations“ von Frédéric Laloux kein Unternehmen im klassischen Sinn bleiben, sondern ein Netzwerk daraus machen – eine Revolution! Wir sind also auf der Suche nach Menschen, die Bewusstsein leben, die das Thema Achtsamkeit, Meditation, Persönlichkeitsentwicklung für sich entdeckt haben, und sich uns anschließen möchten.

Was sind deine drei wichtigsten Worktools?
Zu allererst: Pausen! Wann immer ich nicht weiterweiß, muss ich in die Stille, in die Ruhe gehen und alles mal vergessen. Dann habe ich wieder Zugang zu meiner Intuition, meinem Bauchgefühl und dann weiß ich die Antwort. Ich baue Urvertrauen auf, was mich nicht stressen lässt.
Dann: Inspirierende Menschen um mich herum, die mir immer wieder den Spiegel vorhalten und sagen: „Ey, das ist jetzt aber Ego bei dir“ oder „Ist da jetzt deine Angst im Spiel?“
Und natürlich mein Handy, um mich mit allen abzusprechen, zu koordinieren, Termine auszumachen.

Was rätst du Neueinsteigern?
Das klingt jetzt total cheesy, aber: Hör auf dein Herz, auf dein Bauchgefühl. Gefühle wie Angst kommen meistens aus dem Verstand und aus dem Ego heraus, das meine ich natürlich nicht. Trainiere wirklich deine Intuition. Ich habe auch zweimal meinen Job gekündigt und wusste nicht, wie ich meinen Unterhalt finanzieren soll. Aber ich habe auf mein Bauchgefühl gehört. Mein Verstand hatte dagegen nein gesagt, aber es hat geklappt. Und so erfahre ich es bei Menschen, die dieses Experiment auch gemacht haben. Dann läuft der Laden, dann läuft das Leben, es fällt einem zu. Der Verstand will und kann das nicht glauben. Größte und gleichzeitig wertvollste Aufgabe im Leben ist also: Loslassen!

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Das ist der Anfang einer Bewegung – und das soll es auch sein! Die Arbeitswelt wird sich durch mehr Bewusstsein grundlegend verändern. Da gibt es noch viel zu tun, deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass es noch ganz viel Potenzial für unseren Ansatz gibt.

Was möchtest du noch erreichen?
Ich habe natürlich Wünsche und auch Visionen. Ich glaube daran, dass wir sehr viele Menschen erreichen werden, ob durch Keynotes, durch Trainings oder auch durch andere Menschen, die das Netzwerk vergrößern. Aber gleichzeitig weiß ich auch, dass ein komplett anderer Weg auch okay ist. Insofern bleibe ich offen für das, was kommt. Ich wünsche mir, dass ich das beibehalte. Dieses Urvertrauen, dass, was immer auch passiert, so sein darf.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Ich bin natürlich immer noch am Anfang meiner spirituellen Reise und habe immer wieder Tage, an denen ich schlecht drauf bin und der Körper mir zeigt, dass ich zu viel getan habe. Dann nehme ich mir Pausen. Ich gehe ganz viel spazieren, das erdet mich. Ich habe ja den Luxus, direkt an der Elbe zu wohnen – und die Natur brauche ich.

Text: Anne van Dülmen

Steckbrief

  1. Alter: 31
  2. Wohnort: Hamburg
  3. Beruf: Transformationscoach und Mitgründerin von Love Your Potential
  4. Branche: Gesundheitsmanagement/Beratung
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 7
  6. Status: selbstständig


Unterstütze uns auf Steady

Share

Zum Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.