Patricia „Patci“ Weil

Patricia Weil

Inhaberin des veganen Restaurants Wildeküche und der Wilde Agency

Berlin

Patricia „Patci“ Weil ist als Bookerin für DJs mit ihrer Wilde Agency ein Urgestein der Szene. Seit 2016 betreibt sie zusammen mit Nelja Stump und Inga Königstadt die Wildeküche am Spreewaldplatz. Dort gibt es richtig gutes veganes Essen mit viel Licht und Liebe, aber ohne Dogma. Einen Tag in ihrem Wildeküche-Leben durften wir mit Patci erleben und dabei mit ihr über alte Freunde und neue Pläne plaudern.
07:00
7:00 oder erst 7:30? So genau kann Patci gar nicht sagen, wann ihr Wecker klingelt. Das variiert je nach dem Programm des Vorabends. Sie ist definitiv keine Frühaufsteherin und nutzt gerne die Schlummertaste: umdrehen, weiterschlafen – die Ruhe vor dem Sturm genießen.
08:30
Gegen halb neun steht sie dann langsam auf und beginnt mit ihrem täglichen Reinigungsritual: dem Ölziehen. Fünfzehn Minuten lässt sie einen Esslöffel Kokosöl im Mund – zum Beispiel beim Duschen – und zieht das Öl immer wieder durch die Zähne. Die werden dadurch wunderbar weiß, weil das Öl die Giftstoffe aufnimmt – den Rest muss man daher in den Mülleimer spucken. Zum Abschluss noch mit einem Löffel die Zunge abstreifen und dann die Zähne putzen. „Danach fühle ich mich gereinigt und befreit vom Dreck der Nacht und der Vergangenheit.“
09:00
Morgens ist die Zeit des Tages, in der alle möglichen Gedanken auf Patci einstürmen. Daher nutzt sie gerade diesen Moment, um sich darin zu üben, nicht zu denken. Für sie ist das morgens am schwersten. Mit einem Matcha Latte setzt sie sich ans Fenster oder auf den Balkon, beobachtet die Vögel und lässt den neuen Tag kommen.
09:30
Gegen halb zehn geht es an den Schreibtisch – denn es wird Zeit für die ersten Posts auf Facebook und Instagram. Patci macht PR für die Wildeküche sowie das Catering. Es ist sehr wichtig, da kontinuierlich dran zu bleiben: E-Mails und Facebook Messenger checken, den Newsletter erstellen et cetera. Neben der Wildeküche betreut sie mit ihrer Agentur Wilde Agency DJs und andere Künstler. Dafür fällt auch immer einiges an Schreibkram und Telefonaten an, die sie sich auch zu dieser Zeit vornimmt.
11:00
Bei Wildeküche ist Patci nicht nur für Öffentlichkeitsarbeit und Organisatorisches wie die Buchhaltung zuständig, sondern vor allem auch für die Veranstaltungen und Events. „Unser Ziel ist es, einen Ort der Begegnung zu schaffen, wo man einfach gerne hingeht, verweilt und andere Menschen trifft und kennenlernt. Ein Restaurant, in dem alle Zutaten bedacht ausgewählt sind, wo die Nahrungskette verfolgt wird und wo fair share und fair trade gelebt wird. Mit einem Angebot an Nahrung, die gesund ist und einfach nur gut tut.“ Die Wildeküche ist also nicht einfach nur ein veganes Restaurant, sondern es gibt auch ein fein kuratiertes Angebot an Veranstaltungen, vom Nomadenkino bis zu Kundalini-Yoga und Vorträgen etwa über Kräuterkunde. Man kann hier im wahrsten Sinne des Wortes „über den Tellerrand“ schauen und sich mit Themen wie Nachhaltigkeit auseinandersetzen, Neues kennenlernen oder einfach Entspannung finden und Kraft schöpfen. Ohne Tanzen geht das bei Patci natürlich nicht: Regelmäßig legen befreundete DJs auf und in der kleinen Hütte im Garten gibt es samstags oft Kinderdisko.
Die Bar der Wildeküche
Die Bar der Wildeküche
13:00
Mittags geht Patci in die Wildeküche und bespricht mit Nelja und Inga die weitere Planung. Sie essen zusammen und überlegen sich neue Dekoideen für den Außenbereich und die Dachterrasse.
Ein Burger bei Wildeküche
Ein Burger bei Wildeküche
15:00
Heute trifft Patci den vegetarischen Metzger. Burger und sonstiges „Fast Food“ soll nach draußen in den großen, zur Straße offenen Garten verlagert werden. Vegetarischer Metzger und Burger aus Tofu und Tempeh – klingt irgendwie, als ob das Fleisch doch irgendwie fehlt. Aber das sieht Patci ganz entspannt: „Ich lebe selbst ein wildes Leben und will mich nicht in einer Schublade wie ‚vegan‘ wiederfinden. Darum geht es gar nicht. Ab und zu ein gutes Stück Fleisch – dafür würde ich niemals irgendjemanden verurteilen. Und Fleischersatz ist doch super! Für mich ist nur einfach klar, dass die Massentierhaltung und die Disbalance, in der sich unsere Umwelt befindet, absolut inakzeptabel sind. Fleisch muss teuer und etwas ganz Besonderes sein – wenn überhaupt – da die Zukunft ja fleischlos wird!“
Patci mit den vegetarischen Metzgern
Patci mit den vegetarischen Metzgern
17:00
Später besucht Patci die Kollegen von der Anomalie, einem neu eröffneten Art Club mit Restaurant in Lichtenberg. Sie tauschen sich aus über Fragen wie Genehmigungen und andere Startschwierigkeiten.
19:00
Da Samstag ist, gehört natürlich auch Tanzen zum Programm. Vorher ist Patci zum Abendessen bei ihren Kollegen im Katerschmaus und trifft sich dort mit Freunden – und dann einfach mal sehen, was der Abend so bringt. Das Kater Blau gehört mit dem Watergate zu ihren Lieblingsclubs in Berlin – dort findet sie ihre Musik und ihre Menschen.

Patricia „Patci“ Weil, Inhaberin des veganen Restaurants Wildeküche und der Wilde Agency aus Berlin


Patrizia Weil – oder Patci Wilde – hat vieles ausprobiert: erst war sie Gymnastiklehrerin am Strand, dann hat sie als Schauspielerin auf der Bühne gestanden und fürs Fernsehen gedreht. Bis heute passt sie in keine Schublade, denn was sie tut, folgt keinem festen Berufsbild, sondern ihrer Berufung. Ihr jetziges Lebenskonzept steht auf zwei Standbeinen, die sich ergänzen und befruchten: Neben der Wildeküche betreibt Patci ihre eigene Booking-Agentur für DJs, die Wilde Agency. Events und Festivals sind und bleiben also ihr zweites Zuhause. So entstand auch die Idee, in Foodtrucks kein Fastfood, sondern gutes veganes Essen zu den Ravern zu bringen, das nicht nur satt, sondern auch gesund und die Welt ein bisschen besser macht. Als das gut ankam, war es nur konsequent, ein Restaurant zu eröffnen und für die Wildeküche eine Basisstation zu schaffen. Dort gibt es kreative Gerichte aus frischen, regionalen Zutaten ohne Fleisch, die Licht in die Zellen bringen und den Säure-Basen-Haushalt regulieren. Die Philosophie: Essen ist Heilung! Und DJs, die zum Essen gute Musik auflegen, gibt es in der Wildeküche natürlich auch.

Wie kamst du zu deinem Job?
Eigentlich übers Tanzen und Feiern. Es war immer mein Wunsch, frei zu sein, Menschen zu treffen und zu reisen. Nach meiner Schullaufbahn habe ich eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin gemacht und bin dann erstmal gereist, habe gemodelt und zwei Jahre am Meer gelebt und Surfer trainiert. Später habe ich dann die Schauspielschule besucht und Theater und in Filmen gespielt. Dann kamen übers Feiern meine Freunde von M.A.N.D.Y. und Get Physical in mein Leben und wollten von mir verbucht werden. Durch mein Leben als Raver und meiner langjährige Beziehung mit dem DJ Sven Väth kannte ich sehr viele Promoter und es war ein leichtes für mich, ihnen Bookings zu beschaffen. Durch meine Arbeit als Selbstständige kannte ich mich auch mit Buchhaltung und Organisation gut aus – und so habe ich Wilde Agency aufgebaut.
Die Wildeküche ist für mich eine Lebenseinstellung. Wir möchten den Menschen und unserer Umwelt etwas Gutes tun. Es ist so wichtig, glücklich und gesund zu sein. Zusammen zu sein und etwas zu bewegen. Bei Wilde Agency machen wir das durch die Musik, in der Wildeküche mit Essen. Wir haben mit unserem Schnittchen-Stand am Holzmarkt und mit Foodtrucks, unter anderem auf Festivals, angefangen und haben jetzt diesen wundervollen Ort am Spreewaldplatz, wo wir beides miteinander verbinden können.

Der Außenbereich der Wildeküche
Der Außenbereich der Wildeküche


Was inspiriert dich?
Der Dalai Lama inspiriert und berührt mich mit allem was er sagt und tut. Er ist einer der wenigen, vielleicht auch der Einzige, bei dem sich Kritik immer wie Lob anhört. Ich habe noch nie ein böses Wort aus seinem Mund gehört, obwohl er eine starke Haltung hat, das finde ich groß.
Mich inspirieren Menschen, die aus ihrem Herzen heraus Entscheidungen treffen, egal wie verrückt und risikoreich sie sind. Das gibt mir Kraft und Sicherheit, dass es wichtig ist, sich etwas zu trauen und dass es sich immer lohnt, für etwas zu einzustehen und den Mund aufzumachen.

Was ist positiv an deinem Job?
Hier in der Wildeküche bringe ich meine Welt der Musik mit meiner spirituellen und ganzheitlichen Seite zusammen. Veganismus ist für mich auch ein kollektiver Schrei nach Liebe und Gerechtigkeit – das ist dieses ‚Stell-dir-vor-es-ist-Krieg-und-keiner-geht-hin-Ding´. Wenn ich diese Bewegung mit meiner Arbeit ein bisschen nach vorne bringen kann, dann macht mich das glücklich. Außerdem lerne ich immer wieder spannende Menschen kennen und arbeite mit meinen Herzensschwestern Inga und Nelja zusammen. Ich kann mich kreativ austoben und weiterentwickeln. Jeder Tag ist anders!

Mit Patci macht sogar Rasenmähen Spaß
Mit Patci macht sogar Rasenmähen Spaß


Und was negativ?
Negativ ist, dass es laufende Kosten gibt, die einen unter Zeitdruck setzen. Gerade im Aufbau eines Unternehmens hat man manchmal nicht so viel Geld zur Verfügung, wie man gebrauchen könnte.
Manchmal sind die Tage zu kurz und ich habe das Gefühl, dem ein oder anderen nicht gerecht geworden zu sein. Aber der Weg ist das Ziel und ich bin sehr dankbar, die Wilde Agency und die Wildeküche in meinem Leben zu haben.

Würdest du den Job weiterempfehlen?
Das ist für mich kein Job, sondern eine Berufung. Ich kann nur jedem empfehlen, das zu tun, was er wirklich tun möchte, mit den Menschen die er um sich haben möchte.

Was sind deine drei wichtigen Worktools?
Mein Handy.
Mein Laptop.
Meine gute Laune!

Was rätst du Neueinsteigern?
Fest an das glauben, was man tut. Immer wieder aufstehen und weitergehen. Wenn es ein Ruf des Herzens ist und man für etwas brennt, dann muss man weitergehen! Der Weg ist manchmal hart. Du heulst, hast Selbstzweifel. Dann hast du noch einen Freund oder eine Freundin, die dich kopfschüttelnd fragt: Was machst du da? Da muss man dann stark sein. Bis es richtig läuft, sollte man sich mindestens drei bis fünf Jahre Zeit nehmen.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Ein Restaurant in Berlin zu betreiben, das ist natürlich kein Selbstläufer. Es gibt sehr viel Konkurrenz. Aber ich bin mir sicher: Die Zukunft ist vegan – weltweit!
Die elektronische Musik ist im Mainstream angekommen und es bedarf nicht mehr der Missionarsarbeit wie noch vor 25 Jahren. Es ist ein solides Unternehmensfeld mit Höhen und Tiefen.

Salat in der Wildeküche
Salat in der Wildeküche


Was möchtest du noch erreichen?
Ich liebe mein Leben so wie es ist. Aber natürlich gibt es viele Dinge, die ich mir wünsche: Ich möchte, dass Ernährung ein Pflichtfach in der Schule wird. Dass es gesundes Essen in Kitas wie in Schulen und auf Arbeitsplätzen gibt. Dass die Massentierhaltung und das Plastik abgeschafft wird und dass wir eine Welt kreieren, in der es um das Miteinander und die Liebe geht.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Tanzen, tanzen, tanzen und wild sein mit meinen Freunden – oder entspannen mit meiner Familie.

Text und Interview: Anne van Dülmen
Fotos: Sophie Zaza / Anne van Dülmen

Steckbrief

  1. Alter: 44
  2. Wohnort: Berlin
  3. Beruf: Inhaberin des veganen Restaurants Wildeküche und der Wilde Agency
  4. Branche: Gastronomie / Event / Entertainment
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 5
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 8
  7. Status: selbstständig


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