Lisa Koch

Lisa Koch von AIM UP macht das Design für Selbstständige und Start-ups, Foto: Jennifer Thomas

Designerin für Selbstständige

Berlin

Lisa Koch hat es sich mit ihrer Agentur AIM UP zur Aufgabe gemacht, Selbstständige und Start-ups in Themen des Designs zu beraten und mit ihnen gemeinsam ihre Marke zu entwickeln. In ihrem Workshop-Format „Take Off Day” entsteht in nur acht Stunden ein maßgeschneidertes Logo und Corporate Design oder eine kleine Website. Wie ein solcher „Take Off Day“ abläuft, durften wir uns ansehen.
09:30
Lisa begrüßt ihren heutigen Kunden Max in ihrem Büro in Berlin-Charlottenburg. Max hat bei Lisa einen Take Off Day Workshop gebucht und wird heute in acht Stunden ein Logo und Corporate Design für sein gerade startendes Business gestaltet bekommen. Das Wi-Fi-Passwort steht bereit, denn „Home is where the Wi-Fi connects” sagt Lisa und grinst. Im Raum liegen Bücher, Papier und Stifte bereit. Auspacken, Laptop aufklappen, los geht`s!
Lisa Koch von AIM UP macht das Design für Selbstständige und Start-ups, heute trifft sie Max zum Take Off Day, Foto: Jennifer Thomas
Lisa Koch von AIM UP macht das Design für Selbstständige und Start-ups, heute trifft sie Max zum Take Off Day, Foto: Jennifer Thomas
10:00
Der erste Eckpunkt des Tages: Das Workbook anschauen und über Max’ Ausarbeitungen sprechen. Dieses hat Max vorab zugeschickt bekommen, es ist im Workshop inkludiert. „Das Workbook hilft uns beiden, alle nötigen Informationen für den Tag zusammen zu haben“, erzählt Lisa. Darin verschafft sie sich Übersicht zur Zielgruppe, dem Produkt, der Konkurrenz und Ausrichtung der entstehenden Marke. Lisa notiert auf Post-its die wichtigsten Infos und klebt diese an die Wand in ihrem Büro. Sie sagt: „Später werden wir anhand der Post-its gegenchecken, ob die Gestaltung zum Marken-Vorhaben passt und der Zielgruppe gefallen wird.”
Lisa und Max beginnen mit dem Brainstorming, Foto: Jennifer Thomas
Lisa und Max beginnen mit dem Brainstorming, Foto: Jennifer Thomas
11:15
Nachdem Max’ Zielgruppe klar, die Konkurrenz begutachtet und der Unique Selling Point klar definiert ist, beginnt die kreative Phase. „Wir sammeln erstmal, was dir gefällt und was nicht. Ich habe schon einige Ideen für dein Logo“, sagt Lisa. Max bekommt ein großes Buch voller Logos in die Hand und darf stöbern, was gefällt und was gar nicht passt. Lisa sitzt neben ihm und sucht online nach Gestaltung, die sie inspiriert. Sie zeichnet verschiedene Ideen auf weitere Post-its, tauscht sich immer wieder mit Max über seine Eindrücke aus.
In diesem schlauen Buch finden Max und Lisa viel Inspiration, Foto: Jennifer Thomas
In diesem schlauen Buch finden Max und Lisa viel Inspiration, Foto: Jennifer Thomas
12:30
„So, jetzt einmal aufstehen bitte! Wir wollen unser Gehirn in Schwung und zum Denken bringen“, sagt Lisa und lacht. Sie klebt ihre Skizzen für die Logos an die Wand und erklärt Max eine nach der anderen. Ihre Gedanken dazu haben oft metaphorischen Charakter: Was bedeutet welches Symbol? Wie lassen sich Text und Bild auf besondere Art kombinieren? Gemeinsam stimmen Lisa und Max ab, welche der Ideen spannend sind und in die nächste Phase mitgenommen werden. „Meistens gibt es drei bis fünf Ideen, die meine Kunden interessant finden. Gleich werde ich die Ideen mal am Computer bauen, dann sehen wir welche davon wirklich funktionieren können”, erklärt Lisa. Vorab gibts aber eine Mittagspause – wir gehen gemeinsam mit Lisa und Max in der Nähe ihres Büros etwas essen.
Beide gehen ihre Ideen noch einmal genau durch, Foto: Jennifer Thomas
Beide gehen ihre Ideen noch einmal genau durch, Foto: Jennifer Thomas
14:30
Lisa eröffnet ihre kleine Präsentation der ersten Ergebnisse: „Das sind unsere ersten, digitalen Skizzen. Sollte hier noch nichts dabei sein, das dir gefällt, musst du dir keine Sorgen machen. Wir finden gemeinsam genau das, was für dein Business das Richtige ist.” Max ist neugierig und entdeckt eine Idee, die er besonders mag. Genau diese arbeitet Lisa weiter für ihn aus. In der Zwischenzeit darf Max Farben auswählen, die ihm gefallen und die er gern nutzen möchte. Auch eine Schriftart für den Fließtext wird ausgesucht – Lisa hält für beides Vorlagen in ihren Workshop-Materialien bereit. Immer wieder sprechen sie über die Zwischenergebnisse und arbeiten sich voran. Lisa berät Max im Hinblick auf seine entstehende Marke und Zielgruppe. Eine Idee für das Logo gefällt Max richtig gut und Lisa nimmt das Feintuning auf. Der Tag schreitet voran und tatsächlich: Es entsteht ein fertiges Logo und Corporate Design.
Lisa und Max nähern sich einem Endergebnis, Foto: Jennifer Thomas
Lisa und Max nähern sich einem Endergebnis, Foto: Jennifer Thomas
18:30
Punktlandung! Das Logo ist fertig und Max ist happy – ein erfolgreicher Tag. Lisa erstellt Max die finalen Dateien für sein Logo und Corporate Design und schickt ihm eine Mail mit dem Zugang. Beide sind erschöpft und glücklich, plaudern zur Verabschiedung miteinander. „Jetzt kann ich endlich loslegen und mein Business zeigen! Toll, dass ich bei dem Gestaltungsprozess dabei sein konnte. Ich hätte das nur ungern aus den Händen gegeben”, sagt Max. Lisa räumt noch etwas auf und ist mit dem heutigen Ergebnis sehr zufrieden. „Das System funktioniert. Es ist so toll, dass ich meinen Kunden diese persönliche Lösung anbieten und damit tatsächlich weiterhelfen kann.” Gemeinsam beenden wir den Tag und verlassen das Büro Richtung Heimweg.

Lisa Koch, Designerin für Selbstständige aus Berlin



Gute Gestaltung ist oft teuer und daher gerade für Gründer ein schwieriges Thema: Entweder kennt man jemanden, der „einem mal eben hilft” – aber das ist meistens keine gute Idee. Ansonsten kommt man in der Regel nicht daran vorbei, für professionelles Design tatsächlich eine stolze Summe Geld in die Hand zu nehmen. Zwar gibt es mittlerweile auch Apps mit Logos von der Stange, aber das ist für Gründer, denen ihre Sache wirklich am Herzen liegt, keine Lösung. Lisa Koch ist Kommunikationsdesignerin und hat ihre Berufung darin gefunden, die Ideen von Gründern visuell und kreativ umzusetzen. Ich treffe sie zum Interview in einem Café in Berlin Mitte, wo sie mir erzählt, wie sie für sich herausgefunden hat, dass sie genau das machen will: Selbstständige und Start-ups in ihrer spannenden, aber auch aufreibenden Anfangsphase beraten und mit ihnen gemeinsam ein ganz persönliches und unverwechselbares Logo und Corporate Design entwickeln, das den eigenen Traum greifbar macht.

Wie kamst du zu deinem Job?
Mein Herz schlägt schon immer fürs Kreative und Schöne – diesem Ruf bin ich gefolgt und habe an der Fachhochschule Potsdam direkt nach dem Abi Kommunikationsdesignerin studiert. Schon während des Studiums habe ich bei unterschiedlichen Unternehmen als Designerin gearbeitet und konnte so für mich herausfinden, welchen Schwerpunkt mein Arbeitsalltag haben soll. Letztendlich habe ich alles mitgenommen: Die Arbeit in zwei Startups, Design für das Online-Magazin Gründerszene und die Arbeit in der großen Digitalagentur TLGG. Das hat mich super auf die Selbstständigkeit vorbereitet. Heute habe ich den tollsten Job der Welt: freiberufliche Designerin für Kunden, die für ihr gerade entstehendes Business brennen!
Mein Workshop-Angebot an Start Ups und Gründer habe ich in den letzten Jahren Schritt für Schritt aufgebaut. Dabei habe ich ja auch selbst in meinen Anfangsjahren eine Menge tolle Erfahrungen gemacht und viel gelernt. Dieses Wissen zum Aufbau einer Selbstständigkeit als Designer teile ich auf meinem Freelance Designer Podcast. Dort gibt es handfeste Tipps und Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was inspiriert dich?
Ich lese gern, denn auch Sprache kann wunderbar kreativ sein und so viele neue Ideen hervorbringen. Kunst, Reisen, kleine Beobachtungen auf der Straße. Alles, was meine Augen neu entdecken können!

Was ist positiv an deinem Job?
Die direkte Zusammenarbeit mit meinen Kunden macht mich sehr glücklich. Ich kann ihr Vorhaben live und vor allem mit ihnen gemeinsam zum Leben erwecken. Der Moment, wenn der Kunde das erste Mal eine Idee von seinem neuen Logo durch meine Skizzen bekommt und die Augen zu leuchten beginnen ist magisch!
Das Spannende an der Arbeit mit gerade startenden Freelance Designern durch meinen Podcast ist, ihren Weg zu begleiten und tatsächlich Mehrwert mitgeben zu können. Einfach mal Ellenbogen einklappen und sich gegenseitig weiterbringen.

Foto: Jennifer Thomas
Foto: Jennifer Thomas


Und was negativ?
Witzigerweise habe ich darüber sehr lange nicht nachgedacht – danke für den Anstupser! Die Branche der Designer hat es manchmal schwer, für die aufwendige Arbeit voller Herzblut angemessen bezahlt zu werden. Gute Gestaltung schüttelt sich nicht eben aus dem Ärmel. Es braucht also ein dickes Fell, sich für den Wert der eigenen Arbeit einzusetzen, aber das kommt mit den Jahren der Arbeitserfahrung.

Würdest du den Job weiterempfehlen?
Auf jeden Fall! Das schöne am Design ist eben auch die Vielfältigkeit – selbst im gleichen Bereich ist kein Tag wie der andere. Es bleibt immer spannend, was am Ende für den Kunden entsteht.

Was sind deine drei wichtigen Worktools?
Ich arbeite am Computer und nutze vor allem die Creative Suite von Adobe. Sonst kann ich Asana zum Projektmanagement empfehlen – für gerade startenden Selbstständige kann das sehr hilfreich sein.

Was rätst du Neueinsteigern?
Sammelt Erfahrung und testet aus, welcher Bereich euch besonders Spaß macht. Design heißt nicht, bis ans Lebensende Flyer zu gestalten. Der Beruf ist bunt und vielfältig – und so darf auch damit umgegangen werden!

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Durch die voranschreitende Digitalisierung wird es immer mehr Gestalter für all diese Werbetafeln, Spots und Websites brauchen. Ich denke der Schwerpunkt des Marktes wird sich stark ins Digitale erweitern, aber auch klassische Medien werden weiterhin bespielt. Wenn man sich mal in seiner nahen Umgebung umschaut, wie viel tatsächlich gestaltet ist – Bücher, Teeverpackungen, Computerprogramme, Apps.. – mache ich mir keine Sorgen um das Fortbestehen des Designer-Berufs.

Was möchtest du noch erreichen?
Ich wünsche mir, dass Selbstständige verstehen wie sehr sich gute Gestaltung für ihren Erfolg auszahlt – und ich sie mit meiner Expertise auf diesem Weg unterstützen kann. Es erfüllt mich, gerade startenden Selbstständigen den Schritt ins eigene Business zu erleichtern mit dem was ich gut kann: Effiziente Gestaltung und Motivation. Dafür mache ich es mir jeden Tag zur Aufgabe, die tatsächlich beste Lösung für meine liebste Zielgruppe zu entwickeln.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Zeit mit Freunden, Quatsch machen, in andere Leben eintauchen und hören, was so los ist. Ich bewege mich gern, körperliche Anstrengung war schon immer ein guter Ausgleich für mich. Sonst trifft man mich mit klassischer Musik auf den Ohren in Fotografie-Ausstellungen oder alten Museen.

Interview: Anne van Dülmen
Fotos: Jennifer Thomas, Website: jenniferthomas-fotografie.de/

Steckbrief

  1. Alter: 26
  2. Wohnort: Berlin
  3. Beruf: Designerin für Selbstständige
  4. Branche: Design
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 5
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 9
  7. Pausen pro Tag: 1
  8. Status: selbstständig
Kontakt

E-Mail: lisa@aimup.de
Website: aimup.de

Alle gerade startenden Freelance Designer sind auf ​freelancedesignerpodcast.de herzlich willkommen, ebenso wie in der Freelance Designer Community unter facebook.com/groups/freelancedesignercommunity/



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