Tom Wawerek

Wildnispädagoge Tom Wawerek von Walk on the Wildside

Wildnispädagoge und Gründer von Walk on the Wildside

Berlin

Tom Wawerek ist zertifizierter Wildnis- und Erlebnispädagoge, Kommunikationstrainer, Outdoor-Guide und Mitgründer von Walk on the Wildside. Die Liebe und Verbundenheit zur Natur waren die Grundlage für die Gründung seines Unternehmens. Ohne Zwang und Pflichten möchte er Kindern die Möglichkeit geben, die Natur auf eine neue Art kennenzulernen. Wir haben ihn einen Tag lang auf dieser Reise begleitet.
07:00
Tom und seine Frau Lydia fahren nach einem kurzen Frühstück von Berlin aus los zu einer Jugendherberge in Prebelow. Hier werden sie eine mehrtägiges Klassenfahrt für Kinder leiten.
08:30
Nach der Ankunft werden die ersten Vorbereitungen getroffen, Materialien, Utensilien und Musikinstrumente für den Workshop-Programm ausgepackt und alles für die Ankunft der Schulklasse vorbereitet.
Zelt steht, Schild hängt, es kann losgehen...
Zelt steht, Schild hängt, es kann losgehen...
09:00
Um neun Uhr kommt die Schulklasse aus Berlin an. Nach der Begrüßung setzen sich Tom und Lydia mit den Lehrern zusammen und geben einen Einblick in die bevorstehenden Tage. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Lehrer ist diese Klassenfahrt eine neue Erfahrung. Tom ist es ausgesprochen wichtig, dass in dieser Zeit die Kinder die Möglichkeit bekommen, sich ganz auf das Programm einzulassen und auch die Zeit nehmen können, Neues zu lernen.
Zeit, sich in der Natur frei zu fühlen
Zeit, sich in der Natur frei zu fühlen
10:00
Das Programm beginnt mit einer Räucher-Runde. Hierfür nutzt er eine Abalonenmuschel, eine Feder, Salbei und Feuer. Tom macht dieses Ritual, um den Tag mit den Kindern zu beginnen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ganz im Hier und Jetzt anzukommen. Diese Art von Ritual findet immer morgens statt, bevor es in die Wildnis geht.
10:15
Nach dem Räucher-Ritual versammeln sich alle Kinder in einem großen Kreis auf einer Lichtung vor der Jugendherberge. Jetzt werden erst einmal die Handys der Kinder eingesammelt. Ablenkung soll hier erst gar keine Chance haben. Nur so kann sich jeder voll und ganz auf die Erfahrung in der Wildnis einlassen.
Tom Wawerek im Kreis mit den Kindern
Tom Wawerek im Kreis mit den Kindern
10:30
Über Spiele und Neugier wollen Tom und Lydia die Kinder zum Lernen neuer Dinge animieren. Und das mit Erfolg. Die Kinder verfolgen Tom mit neugierigen Blicken und hören aufmerksam zu. Das erste Spiel setzt sich aus zwei Gruppen zusammen: Wölfe und Rehe. Die Wölfe jagen, wie auch in der Natur, die Rehe. Die Rehgruppe macht sich auf in den Wald und soll sich verstecken. Dazu müssen die Teilnehmer der Rehgruppe sich einen Platz im Wald suchen. Nach einer Weile darf die Wolfsgruppe sich aufmachen, die Rehe zu suchen. Ziel des Spiels ist es nicht nur, die Aufmerksamkeit der Kinder zu trainieren, sondern auch das stille Ausharren auf einem Platz und das Nichtstun erfahrbar zu machen. Oft fällt es Kindern nicht leicht, still zu sitzen, und einfach mal gar nichts zu tun. So werden auf spielerische Weise gleich mehrere Qualitäten trainiert und die Kinder haben sogar auch noch Spaß an der Sache.
11:00
Bevor Mittag gegessen wird, gehen Tom und Lydia mit den Kindern noch einmal in den Wald. Hier dürfen sich die Kinder einen Platz suchen, wo sie einander nicht sehen und nicht miteinander sprechen können und sich ganz auf den Moment besinnen können. Anschließend werden alle Kinder durch ein Wolfssignal wieder in den Kreis gerufen und jeder darf seine Eindrücke und Erfahrungen im Wald schildern.
12:30
Alle Kinder sind ganz beeindruckt von den spannenden Geschichten der anderen, aber jetzt wird erst einmal gemeinsam Mittag gegessen. Natürlich draußen, denn es scheint die Sonne und es ist warm.
13:30
Nach dem Essen haben Tom und Lydia sich etwas ganz Besonderes für die Kinder ausgedacht. Die Kinder sollen ein Gemälde aus Naturmaterialien zum Thema Frühling kreieren. Aufgeregt und voller Tatendrang geht es wieder in den Wald, wo die Suche nach geeigneten Materialien beginnt. Für Tom und Lydia ist es immer wieder spannend zu sehen, wie viel Kreativität sich bei einem solchen Projekt entwickelt.
15:00
Am Nachmittag gibt es einen kleinen Lehrgang im Bogenschießen. Auf einer kleinen Lichtung hat Tom alles schon dafür vorbereitet. Die richtige Haltung und die Konzentration auf ein Ziel sind hierbei besonders wichtig. Am Anfang fällt es einigen Kindern nicht leicht, sich auf einen Punkt zu konzentrieren, aber nach ein paar Versuchen sind deutliche Fortschritte zu erkennen. Das Bogenschießen ist eine wunderbare Übung, um die Konzentrationsfähigkeit bei den Kindern zu stärken, ohne dass den Kindern langweilig wird.
Mit Pfeil und Bogen am Werk
Mit Pfeil und Bogen am Werk
17:00
Bevor noch ein Spiel gespielt und die Umgebung noch ein wenig erkundet wird, geht es ans Holzsammeln für das Lagerfeuer am Abend. Es werden große und kleine Holzstücke gesucht, die dann in einer bestimmten Anordnung aufgebaut werden, sodass das Feuer später gut und lange brennt.
18:00
Doch jetzt ist erst einmal Zeit für das Abendbrot, denn vielen knurrt schon der Magen. Nach einem ganzen Tag draußen in der Natur ist der Hunger bei den Kindern sehr groß. In der Jugendherberge gibt es ein ausgiebiges, warmes Essen, bevor es wieder nach draußen geht.
19:00
Nach dem Essen sind einige Kinder auf das große Lagerfeuer. Eine gute Zeit, um das Feuer anzumachen. In mehreren kleinen Gruppen dürfen die Kinder nun versuchen, ein echtes Feuer zu machen. Für die meisten ist das gar nicht so leicht, da auch hier ein paar Regeln beachtet werden müssen. Wichtig ist nicht nur die Beschaffenheit des Holzes, sondern auch, dass das Holz trocken ist und das „Tipi“ aus Stöckern besteht, die von innen nach außen dicker werden.
Kinder am Lagerfeuer
Kinder am Lagerfeuer
20:00
Es dauert eine Weile, aber dann brennt das große Lagerfeuer und es wird langsam dunkel. Tom und Lydia holen die Musikinstrumente und stimmen ein Lied mit den Kindern an. Jetzt wird gesungen, getrommelt und getanzt. Ein schöner Tag mit vielen Eindrücken und Erfahrungen geht für die Kinder und auch für Tom und Lydia zu Ende.

Tom Wawerek, Wildnispädagoge und Gründer von Walk on the Wildside aus Berlin



Tom wollte schon immer etwas in der Gesellschaft bewegen und ihr helfen, wieder ein Stück zur Natur zurück finden. Mit seinem Unternehmen Walk on the Wildside, welches er zusammen mit seiner Frau Lydia führt, ist ihm ein großer Schritt in diese Richtung gelungen. Hier realisiert das Unternehmer-Paar ein Erlebnis-Programm für Kinder und Jugendliche, das sich zum Ziel gesetzt hat, junge Menschen wieder mit dem Ursprünglichen, der Natur, zu verbinden. Inspiriert von den Ureinwohnern Nordamerikas hat Tom ein Programm entwickelt, das Kinder und Jugendliche auf eine Erlebnisreise schickt, die fern von dem Alltag ist, den die meisten Kinder heute kennen. Das Angebot reicht vom Wandertag in der Natur bis hin zu Schnitzworkshops. In den Familien- und Feriencamps wird vieles selbst hergestellt und ein neuer Umgang mit den Dingen gelernt wird. Nicht selten eine Herausforderung für viele Kinder, die oft das Leben mit der Natur langsam lernen müssen. Ein Abenteuer, das nicht nur neue Erfahrungen und Erkenntnisse mit sich bringt, sondern dazu auch positive psychologische Effekte bewirkt. Für viele junge Menschen sind die Camps eine einzigartige Erfahrung, die in der Großstadt so kaum noch möglich und gerade deshalb von elementarer Bedeutung für die Entwicklung der Kinder ist.

Wie kamst du zu deinem Job?
Ursprünglich kam ich aus dem Eventmanagement. Aber da ich lieber draußen arbeiten wollte, habe ich eine Ausbildung zum Erlebnispädagogen gemacht. Doch auch dort war die Natur nur Kulisse und das viele Equipment, das immer mitgeschleppt wurde, war nicht das, was ich wollte. Kurz darauf bin ich durch Freunde und ihre Empfehlungen zu den Wildnisschulen und der Weiterbildung zum Wildnispädagogen gekommen. Hier bin ich zuhause!

Was inspiriert dich?
Die Kultur der indigenen Völker, speziell der Indianer, wie sie bei uns umgangssprachlich heißen und natürlich die Natur an sich, da sie mein wichtigster Lehrmeister ist.

Was ist positiv an deinem Job?
Das Positive an meinem Job ist, dass ich draußen sein und mit den Jahreszeiten leben kann. Ich zeige Kindern die Wunder und Abenteuer in der Natur und ich kann oft meine Familie mitnehmen zu unseren Feriencamps und Events.

Die Kinder lernen, selbst ein Feuer zu entfachen
Die Kinder lernen, selbst ein Feuer zu entfachen


Und was negativ?
Der Job an sich hat nichts Negatives, aber derzeit gibt es ein starkes Konkurrenzdenken zwischen den verschiedenen Wildnisschulen. Das versuchen wir aber nun auch durch ein intensives Netzwerk und reale Treffen mit Wildnispädagogen aufzufangen und mehr auf Kooperation zu setzen.

Würdest du den Job weiterempfehlen?
Hundertprozentig JA! Ein Zitat eines Jungen aus einem unserer Sommercamps im letzten Jahr: „Ich weiß jetzt, was ich werden will, wenn ich groß bin: Wildnispädagoge!“

Was sind deine drei wichtigen Worktools?
Messer, Axt und Säge. (lacht) Spaß beiseite. Ganz klar Spiele, der Wald an sich und meine Kreativität gepaart mit meinem Improvisationstalent.

selbstgeschnitzte Holzlöffel
selbstgeschnitzte Holzlöffel


Was rätst du Neueinsteigern?
Der Weg zu einer Wildnisschule lohnt sich auf jeden Fall. Da sollte man schauen, was man lernen möchte und welchen Schwerpunkt man setzen möchte, da sie sich mittlerweile stark voneinander unterscheiden. Auch nach der Ausbildung sollte man sich und seinem „inneren Feuer“ treu bleiben, um authentisch zu sein.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Ich wünsche mir, dass es meinen Job in 100 Jahren nicht mehr gibt. Auch wenn es jetzt erst mal komisch klingt. Aber unser Streben ist es, die Menschen zurück zur Natur und damit zu sich selbst zu bringen. Und auch das Wissen der Ältesten wieder mehr einfließen zu lassen, anstatt eine Suchmaschine zu fragen. An sich denke ich, dass der Bedarf nach Angeboten wie unseren derzeit stark wächst, weil den Menschen die Notwendigkeit wieder bewusster wird, die Natur als einen Teil ihres Lebens zu integrieren. Sie suchen nach Workshops, Coachings und Ähnlichem, um einen Zugang dazu zu erhalten. Leider ist es bei vielen sehr verschütt gegangen, einfach raus zu gehen und den Wald mit allen Sinnen zu erfahren.

Was möchtest du noch erreichen?
Ich möchte mit meiner Arbeit erreichen, dass die Kinder wieder eine natürliche, selbstverständliche Naturverbindung aufbauen. Ich wünsche mir wieder „Dorf“-Älteste, die man fragen kann und die sich damit wieder als ein wichtiges Element der Gesellschaft verstehen, anstatt abgeschoben zu werden. Davon haben Kinder, Erwachsene und auch Älteste etwas.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Ich brauche keinen Ausgleich. Meine Arbeit draußen ist mein Ausgleich zum Stadtleben, was sich aber auch bald ändern wird. Mittagsschläfchen sind meine kleinen Erholungsinseln zwischendurch.

Interview: Elsa Loy
Fotos: Walk on the Wildside

Steckbrief

  1. Alter: 39
  2. Wohnort: Berlin
  3. Beruf: Wildnispädagoge und Gründer von Walk on the Wildside
  4. Branche: Wildnispädagogik
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 6
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 9
  7. Pausen pro Tag: 3
  8. Status: selbstständig


Unterstütze uns auf Steady

Share

Zum Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.