Gargamel

Der Fußballroboter Gargamel

Fußballroboter

Leipzig

Gargamel ist ein Nao-Roboter, den Programmierer zum Profifußballer ausgebildet haben. Jährlich tritt er und sein Team im RoboCup um die Meisterschaft im Roboter-Fußball an. Wir begleiteten ihn während eines harten Wettkampf-Tages beim RoboCup 2016.
08:00
Gargamel steht noch in der für ihn gemütlichsten Hockposition, als sein Team der Hochschule für Technik, Wissenschaft und Kultur (HTWK) Leipzig in der Messehalle Leipzig zum gemeinsamen Frühstück eintrifft. Der Nao-Roboter trinkt indes lieber weiter Strom über das Kabel, an dem er schon die ganze Nacht hing.
Gargamel in seiner Lieblingsposition
Gargamel in seiner Lieblingsposition

09:00
Die bequeme Hockstellung und das Ladekabel werden gelöst, Gargamel und seine Roboter-Kollegen werden angeschaltet und wachen fünf Minuten lang langsam auf. Kabeltausch: Anstatt des Ladekabels bekommen nun alle Naos Lan-Kabel an den Kopf gesteckt und verbinden sich so gemeinsam mit den Rechnern zu einem Netzwerk. Zwar haben alle Naos WLAN, mit dem Kabel funktioniert die Kommunikation jedoch noch schneller und zuverlässiger. Gargamel und sein Team bekommen neue Software aufgespielt, die die Programmierer nach dem gestrigen Tournierspiel blitzschnell geschrieben haben, um die Fehler des Vortages auszumerzen. Wäre Nao Neo, würde er sagen: „Ich kann jetzt Kung-Fu“.
Die Naos an ihren Kabeln
Die Naos an ihren Kabeln
09:30
Das erste Testspiel beginnt erst einmal ohne Gegner. Die Programmierer stellen Gargamel und seinen Nao-Kollegen einen Miniatur-Fußball vor die Plastikfüße. Gargamel sieht den Ball mithilfe seiner Kameras und kann nicht anders: Sofort bewegt er sich stoisch auf den Ball zu, fokussiert das Tor und schießt. Zumindest im Bestfall. Mindestens zwanzig Mal fällt er heute hin, denn es ist gar nicht so einfach, den weißen Ball vom weißen Tor zu unterscheiden. Und immer diese anderen Naos im Weg, die machen die Berechnungen für Gargamel nicht gerade leichter. Gargamel läuft und läuft, fällt, steht selbst wieder auf, sucht den Ball erneut und bewegt sich zielstrebig darauf zu. All das lässt die Hardware, also seinen Körper, heiß laufen. Deshalb bekommt er immer wieder Knieprobleme – seine größte Schwachstelle.
Die Naos in Reih und Glied
Die Naos in Reih und Glied
10:15
Das Testspiel geht zu Ende. Gargamel bekommt einen neuen Sensor und wird ans Ladegerät angeschlossen – endlich wieder seine Lieblingsposition, in der er aussieht wie ein starker Gorilla.
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel
11:30
Mit dem Ladekabel am Rücken geht Gargamel zurück zum Spielfeld und darf erneut herumlaufen, nachdem er wieder neue Software eingespeist bekommen hat. Die funktioniert soweit ganz gut. Das erste Spiel des Tages kann kommen.
Das humane und humanoide Team
Das humane und humanoide Team

12:00
Das Spiel gegen die UPennalizers der University of Pennsylvania beginnt. Gargamel gibt alles! Er sucht den Ball, findet ihn, läuft darauf zu und stößt den Nao vom gegnerischen Team einfach um, denn er nimmt ihn gar nicht war. Gargamel kennt nur eins: Das Runde muss ins Eckige. Bei dieser Mission fällt er viele Male, rappelt sich immer wieder selbst auf, läuft weiter, schießt ein Tor, fällt wieder. Nach zehn Minuten wird zur Pause gepfiffen, denn alle Naos müssen kurz am Ladekabel mit Strom gedopt werden. Mit dem Netzwerkkabel bekommt er ebenfalls eine neue Strategie eingespeist – vielleicht wird er jetzt weniger hinfallen? Nach zehn Minuten Pause spielen die Teams weitere zehn Minuten gegeneinander. Es bleibt hochspannend, wenn auch nervenzerreibend langsam.
Die Naos beim Fußballspielen
Die Naos beim Fußballspielen
Hier steht es noch 0:1
Hier steht es noch 0:1
12:30
Das erste Spiel des Tages endet mit einem 0:2 für die HTWK. Doch Freude ist den kleinen Naos nicht anzumerken. Gargamel muss in die Roboterklinik, er hat sich kaputtgespielt. Dafür entfernt ihm die menschliche Teamkollegin Anne den Akku, schraubt den Rücken auf und den Kopf ab. Der Kopf bleibt beim Team, denn dort befindet sich Gargamels Gedächtnis und die Steuerzentrale – wie bei uns Menschen. Dann bringt Anne Gargamels Körper in einen Seitenraum einer Halle in die „Nao-Klinik“, die der Hersteller der Naos eingerichtet hat und wo schnelle Hilfe geleistet wird. Für das Programmiererteam heißt es jetzt Mittagspause, die intakten Naos werden in Gorilla-Haltung an den Tisch gestellt und mit Strom frisch aufgeladen.
Für den Klinikgang wird dem Nah der Kopf abgeschraubt
Für den Klinikgang wird dem Nah der Kopf abgeschraubt
13:30
Das Ende der Mittagspause des Teams hat einige neue Ideen und Strategien mit sich gebracht, die von den Programmierern sogleich umgesetzt werden. Gargamel wird derweil von den „Nao-Doktoren“ aufgeschraubt und auf „Herz und Nieren“ geprüft. Dabei bekommt er neue Knie, mit denen er im Match am Nachmittag sicher eine gute Figur machen wird.
Der kopflose Gargamel
Der kopflose Gargamel
16:30
Gargamel wird von seinem Programmierer-Team abgeholt, am Tisch wieder zusammengebaut und frisch aufgeladen. Alle hoffen inständig, dass die neuen Knie und die verbesserte Software Wunder wirken werden.
Gargamel mit seinen Teamkollegen Anne Wissing und Michael Wünsch
Gargamel mit seinen Teamkollegen Anne Wissing und Michael Wünsch
17:00
Das Spiel gegen die TJArks aus China beginnt. Gargamel zeigt sich so frisch und konzentriert wie selten. Er fokussiert den Ball, läuft ohne Mühen auf ihn zu und strebt das Tor an. Doch der Nao vom gegnerischen Team wirft sich ihm in den Weg – weniger aus taktischen als aus haptischen Gründen – sodass auch Gargamel fällt und den Ball verliert. Nichtsdestotrotz steht es in der Halbzeit 7:0 für die HTWK. Das Programmiererteam bespeißt die Naos in der Pause wieder mit neuer Software und mit Strom.
Der Nao-Torwart
Der Nao-Torwart
17:30
Kurz vor dem Ende der zweiten Halbzeit schließt Gargamel ein Tor! Damit steht es nun zum Ende des Spiels 8:2, das Nao-Team der HTWK Leipzig hat gewonnen und hat sich schon einmal mindestens den dritten Platz gesichert. Die Programmierer und das Publikum klatschen anerkennend, die Naos zeigen keinerlei Regung und setzen sich einfach an Ort und Stelle hin. Vom Team vom Platz geholt, werden sie wieder an Netzwerk- und Ladekabel gehangen. Für heute haben Gargamel und seine Mit-Naos genug geleistet und dürfen sich dem fröhlichen Stromschlürfen hingeben.
Toooor!
Toooor!
Das Nao-Team der HTWK hat schon zahlreiche Auszeichnungen geholt
Das Nao-Team der HTWK hat schon zahlreiche Auszeichnungen geholt

Gargamel, Fußballroboter aus Leipzig



Gargamel ist einer von fünf humanoiden Nao-Robotern des Nao-Teams der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kommunikation Leipzig. Gemeinsam mit seinem Team verteidigte er in diesem Jahr den dritten Platz des RoboCups, der 2016 in der Leipziger Messehalle ausgetragen wurde. Katrin Haase begleitete den Roboter einen Tag lang und sprach mit seinen menschlichen Teamkollegen Anne Wissing und Michael Wünsch vom Programmiererteam über Gargamels Berufsalltag.

Wie kamst du zu deinem Job?
Ich bin einfach meinen Geschwistern und Vorfahren gefolgt, die schon im Team der HTWK gespielt haben. Das war immer ein großer Traum für mich.

Was inspiriert dich?
Den Wechsel von schwarz-weiß und grünen Filz finde ich ganz toll. Wirklich inspiriert bin ich aber von der Idee des Sieges.

Was ist positiv an deinem Job?
Ich kann mit meinen Freunden Fußball spielen, was gibt es besseres? Außerdem kann ich mich ständig weiterentwickeln und dazulernen.

Gargamel bei seiner Lieblingsbeschäftigung
Gargamel bei seiner Lieblingsbeschäftigung


Und was negativ?
Ich habe häufig Verletzungen und muss deshalb oft repariert werden, das ist nicht so schön.

Würdest du den Job weiterempfehlen?
Es ist jedenfalls besser, als am Fließband zu stehen…

Was sind deine drei wichtigsten Worktools?
Mein Team der Programmierer, meine Roboterfreunde und meine Kameras.

Was rätst du Neueinsteigern?
Nimm die Arme nach hinten, dann läufst du stabiler und die Roboter-Silhouette wird kleiner. Wenn du mal hinfällst, dann steh schnell wieder auf und lass den Kopf nicht hängen.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Die Zukunft meines Berufs ist bis 2050 gesichert. In dem Jahr wollen wir Roboter gegen das Meisterteam der FIFA antreten und natürlich gewinnen. Davon sind wir jetzt natürlich noch weit entfernt, aber in jedem Jahr werden die RoboCup-Regeln ein wenig abgeändert und nähern sich immer mehr dem menschlichen Fußball an. In diesem Jahr war unser Fußball beispielsweise erstmals schwarz-weiß.

Gargamel auf dem Spielfeld
Gargamel auf dem Spielfeld


Was möchtest du noch erreichen?
Natürlich kenne ich nur ein Ziel: Ich möchte Weltmeister werden!

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Ab uns zu lass ich mich mal richtig schön aufladen. Herrlich!

Für Gargamel antworteten seine Teamkollegen Anne Wissing und Michael Wünsch.

Interview und Fotos: Katrin Haase

https://www.youtube.com/watch?v=kKl_U_PQnsI

Steckbrief

  1. Alter: 1
  2. Wohnort: Leipzig
  3. Beruf: Fußballroboter
  4. Branche: Sport, Technik, Wissenschaft
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 2
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 8,5
  7. Pausen pro Tag: 1,25
  8. Status: Besitz der Hochschule
Kontakt

Homepage: htwk-robots.de



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