Martin Rehberger

Martin zwischen seinen Bildschirmen

Geschäftsführer / Web-Entwickler

Leipzig

Logik, Analytik und Kreativität – die Kombination dieser drei Bereiche ist es, die den Entwickler Martin Rehberger an seinem Job faszinieren. Schon während des Informatikstudiums gründete er mit seinem Geschäftspartner eine Agentur und leitet dort die Web-Entwicklungen. Wie er seinen Tag gestaltet, schauten wir uns an einem Freitag an.
08:45
Martin nimmt die Straßenbahn zur Leipziger Innenstadt, wo sich das Büro seiner Agentur MNKY lab befindet, nimmt den Aufzug in die zweite Etage und betritt den Bürokomplex.
Martin betritt den Bürokomplex
Martin betritt den Bürokomplex
09:00
Dort wird er freundlich von der Hündin Paula begrüßt. Ihr Herrchen, der Fotograf Tim Hard, der dort ebenfalls ein Büro hat, ist um diese Zeit meist schon da. Nach einem kurzen Plausch mit den Kollegen beginnt für Martin die Arbeit am Schreibtisch. Dort steht sein Laptop, ein Bildschirm, ein Telefon, viele Ordner, ein riesiger Plüschaffe und einige Notizzettelchen, auf denen er sich ganz analog To-Dos aufschreibt. Er öffnet das Programm HelloHQ, mit denen MNKY lab langfristigere Projekte, das CRM und das Leadmanagement plant. Dort sind Etappenziele vermerkt und Martin schaut, was diese Woche als Ziel definiert ist. Für Einmalaufgaben nutzt er aber lieber die kleinen neonfarbenen Notizzettelchen. Martin wühlt sich durch zahlreiche Mails und versucht, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Dabei helfen auch verschiedene Mailadressen, damit Website-Reportings und Kontaktabfragen voneinander getrennt sind. Martin trinkt währenddessen eine Kanne Breakfast Tea – ein Frühstücksersatz für ihn.
Eine Kanne schwarzer Tee ist Martins Doping
Eine Kanne schwarzer Tee ist Martins Doping

10:00
Martins Praktikant Eric kommt ins Büro. Beide besprechen zunächst, was für heute ansteht. Eric betreut mittlerweile auch eigene Projekte, somit müssen sich beide gegenseitig auf den aktuellen Stand bringen.
10:15
Martin erledigt nun erste Programmieraufgaben, die anstehen. Zuerst nimmt er sich kleinere Projekte vor, die innerhalb von fünf Minuten bis einer Stunde zu erledigen sind, und liest dann Onlineartikel aus themenspezifischen Blogs oder Newslettern, wie The Whip Newsletter über WordPress.
Martin an seinem Arbeitsplatz
Martin an seinem Arbeitsplatz
12:30
Martin, Thomy, Eric und Natalja gehen gemeinsam zur Pizzeria L´Osteria und essen dort – natürlich Pizza.
MNKY lab beim Pizzaessen
MNKY lab beim Pizzaessen
13:30
Ein Außentermin steht an. Martin und Thomy treffen sich in einem Immobilienbüro zum Erstgespräch mit Neukunden. Vorher hat MNKY lab bereits erste Materialien des Büros zugeschickt bekommen und sich so in die aktuelle Kommunikation der Firma einlesen können, jetzt steht ein persönliches Kennenlernen aus. Das Treffen beginnt mit einer kurzen Gegenseitigen Vorstellungsrunde. Dann besprechen sie die Vorstellungen und Wünsche der Kunden. Was möchten sie mit der Website erreichen? Was soll damit möglich sein? Um die genaue Umsetzung geht es hier noch nicht, da Martin sich die Herangehensweise erst kreativ überlegen muss, sobald ihm klar ist, welche Ziele erreicht werden sollen. „Wenn man zu früh zu konkret wird, beißt man sich vielleicht auf einer Herangehensweise fest, die gar nicht zielführend war.“
15:45
Auf dem Weg zurück werten Martin und Thomy das Treffen aus. Zurück im Büro macht sich Martin Notizen zum weiteren Vorgehen – Stichwort Datenpflege im HelloHQ.
Die Arbeit am Rechner geht nun weiter
Die Arbeit am Rechner geht nun weiter
16:00
Jetzt widmet sich Martin einer größeren Programmieraufgabe. „Ein kleiner Sprint“, wie er es nennt. Zuerst macht er sich einen Überblick, um welchen Kunden es geht, was das große Ziel ist und was kleinere Zwischenziele sind, die er circa alle zehn Minuten abhaken kann. Er kopiert sich aus Projektbeschreibungen die Anforderungen zusammen, um diese dann umzusetzen. Vorher alles gut zu durchdenken, sei wichtig, denn „jedes Designkonzept auf dem Bildschirm ist eine Anordnung von Boxen, da muss ich mir die grobe Struktur gut überlegen.“ Beim Programmieren benutzt er den Texteditor VI – der Standardeditor für Server. Auf dem einen Bildschirm hat er den Browser geöffnet und auf dem anderen Spotify und einen Texteditor. Dabei hört er Deutschrap und Hip-Hop mit seinen Kopfhörern, um sich konzentrieren zu können.
analoge Notizzettelchen
analoge Notizzettelchen
19:00
Martin verlässt meist als letzter das Büro und schließt demnach ab. Nach Hause läuft er meist eine halbe Stunde lang zu Fuß, um den Kopf frei zu bekommen.

Martin Rehberger, Geschäftsführer / Web-Entwickler aus Leipzig



Martin Rehberger kam als Teenager in Kontakt mit der Welt des Internets und war schnell von der Idee begeistert, sie selbst mitzugestalten, sich mit Menschen weltweit zu vernetzen und gemeinsam an Projekten und Problemlösungen zu arbeiten. So lernte er in einer Online Community auch seinen heutigen Geschäftspartner Thomy kennen. Seine Heimatstadt Heilbronn verließ er für ein Informatikstudium in Münster. Nach dem Bachelor studierte er in Leipzig Informatik im Master weiter und gründete nebenbei die Agentur MNKY lab, bei der er den Part der Web-Entwicklungen und Thomy den Part des Online-Marketings übernimmt. Mittlerweile ist er zwar noch eingeschrieben, widmet sich aber so viel wie möglich seiner Agentur.

Wie kamst du zu deinem Job?
Seit mir mein Bruder Anfang der 2000er SELFHTML gezeigt hat, bin ich fasziniert vom World Wide Web. Die Möglichkeit, Logik und Analytik mit Kreativität zu verknüpfen, während ich vom Schreibtisch aus mit der gesamten Welt in Verbindung stehe, reizt mich bis heute.
Als ich mein Informatikstudium abgeschlossen hatte, wurde der Wunsch größer, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Für mich hieß das: Umzug nach Leipzig, denn hier ist Thomy – mein aktueller Geschäftspartner, den ich seit 2006 kenne.
Da sich unsere Kompetenzen sehr gut ergänzen, haben wir uns entschieden, im März 2016 eine eigene Agentur für Digital Marketing und Web-Entwicklung zu gründen. Vorerst im Nebenerwerb während des Masterstudiums, um im Anschluss voll durchstarten zu können.

Die Gründer des MNKY labs beim Plausch im Büro
Die Gründer des MNKY labs beim Plausch im Büro


Was inspiriert dich?
Alles. Ich bin ein wenig introvertiert, gerade im Umgang mit mir unbekannten Personen häufig zurückhaltend. Gleichzeitig bin ich sehr aufmerksam – während manch einer ohne Stöpsel im Ohr das Haus nicht verlassen kann, kann ich es genießen, bei Zugfahrten ohne irgendeine Ablenkung aus dem Fenster zu schauen. Das, gepaart mit einer gesunden Fantasie, ist oftmals Inspiration für mich.
Zudem lese ich viel. Nicht unbedingt Bücher, dafür online in thematisch sehr spezifischen Communities. Dort unterstütze ich bei Problemen und analysiere, wie andere Menschen andere Probleme lösen. Das großartige dabei ist, dass ich hierdurch eine Vielzahl an Themen begleiten darf und dadurch regelmäßig neuen Input bekomme.

Was ist positiv an deinem Job?
Das Internet und das WWW erreichen immer mehr Menschen. Ob über Facebook in den USA, Twitter in Afrika und Baidu in China. Jeden Tag erhalten mehr Menschen Zugang zu dieser neuen Welt – und ich bin mittendrin. Ich kann mich mit Australiern und Kanadiern über beliebige Themen austauschen. Dieser soziale Faktor motiviert mich stets. Auf der anderen Seite habe ich aktiv die Möglichkeit, die Zukunft mitzugestalten. Websites, die ich erstellt habe oder Seiten, die wir betreuen, werden täglich von tausenden Menschen besucht. Ein Kontaktformular zum Beispiel, das ich auf einer zehn Jahre alten Seite eingebaut habe, ist der Grund, warum jemand anderes einen Auftrag erhält. Dafür kann man sich schon Mal auf die eigene Schulter klopfen.
In meiner Position als Geschäftsführer gefällt mir die Flexibilität. Ich leiste aktuell zwar insgesamt mehr Stunden als in einer klassischen 40-Stunden-Woche üblich, kann mir diese aber selbst einteilen. Wenn ich merke, dass ich einen Tag nicht produktiv bin, mache ich nur das wichtigste, das heißt das, was fertig werden muss, und hänge mich dafür am nächsten Tag mehr rein.

Und was negativ?
Unverständnis. Wir haben (leider / zum Glück?) noch keine Großkonzerne im Kundenstamm – diese wissen, wie der Hase läuft. Bei kleineren Unternehmen oder Neugründungen kommt häufig Unverständnis bei der Kontingentplanung oder Zeitüberschreitungen auf, weil man meine Arbeit, im Gegensatz zu der des Designers, nicht direkt sehen kann. Wenn dann noch Sprüche wie „Mein Neffe kann das doch auch in XY“ dazukommen, braucht es manchmal einiges an Selbstbeherrschung.
Wie sehr Denkblockaden mich aufhalten können, habe ich anfangs falsch eingeschätzt. Wenn ich den ganzen Tag an einem Problem sitze und nicht auf die Lösung komme, ohne die ich aber aufgeschmissen bin – gleichzeitig kommt die Deadline immer näher – habe ich schon manchmal meinen Job verflucht. Der kreative Part wird häufig unterschätzt: Programmieren findet erstmal im Kopf statt. Bei Individuallösungen kann ich nicht auf fertige Produkte zurückgreifen. Natürlich kommt hier wieder die Online-Community zu tragen, aber das sind auch nur Menschen. Manchmal weiß es einfach niemand oder kann sich die Zeit dafür nehmen, mein Problem zu betrachten.

Das "kleine" Büromaskottchen
Das "kleine" Büromaskottchen


Würdest du den Job weiterempfehlen?
Auf jeden Fall! Mehr Entwickler braucht das Land! Die Kombination von Analytik, Logik und Kreativität sehe ich in kaum einem anderen Beruf.

Was sind deine drei wichtigen Worktools?
Spotify (um im Büro in Ruhe arbeiten zu können), Browser (Mail, Docs, …) und Konsole/Terminal (mit VI als Editor, für SSH, usw.)

Was rätst du Neueinsteigern?
Sucht euch einen Mentor! Ich habe mir alles selbst beigebracht, bin in jedes Fettnäpfchen getreten und einmal gelernte schlechte Angewohnheiten wieder loszuwerden, ist sehr schwierig.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Sehr gut. Natürlich wird auch in meiner Branche immer mehr automatisiert, das heiße ich aber willkommen! Dabei wird immer mehr Fokus auf der Entwicklung, dem kreativen Part liegen. Das kann einfach keine Maschine ersetzen und meist auch kein günstig eingekaufter Outsourcing-Partner.
Was möchtest du noch erreichen?
Im Studium war es mein Ziel, akademisch so erfolgreich zu sein, dass ein Lehrsatz oder eine Formel nach mir benannt wird. Von diesem Gedanken habe ich mich mittlerweile getrennt. Natürlich möchte ich als Person in meinem Feld wahrgenommen werden, sowohl von Branchenkollegen wie auch der Allgemeinheit. Aber ganz ehrlich, wenn ich ein geregeltes Einkommen habe und eine Arbeit ausführen kann, die meinen Geist anregt, bin ich zufrieden. Wobei, wenn ich so überlege, ein Start-up an Google zu verkaufen, ist schon ein kleines Träumchen.

Martin beim Telefonieren
Martin beim Telefonieren


Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Abends mit guten Freunden den Geist baumeln lassen oder dort den Quatsch loswerden, der mir sonst so im Kopf herumschwirrt. Wenn ich aber tagsüber schon viel mit anderen Menschen zu tun hatte, seien es Kollegen oder Kunden, freut sich der Introvertierte in mir, wenn er alleine auf der Couch aktuellen Serien nachgehen kann.

Das Team von MNKY lab: Natalja, Eric, Thomy und Martin (v.l.n.r.)
Das Team von MNKY lab: Natalja, Eric, Thomy und Martin (v.l.n.r.)


Interview und Fotos: Katrin Haase

Steckbrief

  1. Alter: 25
  2. Wohnort: Leipzig
  3. Beruf: Geschäftsführer / Web-Entwickler
  4. Branche: Digitalbranche
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 6
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 9
  7. Pausen pro Tag: 2
  8. Status: selbstständig
Kontakt

Website: www.mnkylab.com
E-Mail: martin@mnkylab.com



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