Nina Julich

Doktorandin Nina Julich

Doktorandin an der Universität Leipzig

Halle

Welche Metaphern benutzen wir wie, wenn wir über Musik sprechen? Über dieses Thema promoviert die Doktorandin Nina Julich im Fach Anglistik und kombiniert so auf clevere Weise ihre zwei Studienrichtungen. Wie sie ihren Forschertag strukturiert, erzählt sie hier.
08:00
Nina Julich verlässt ihre Wohnung in Halle und fährt mit dem Fahrrad zum Bahnhof, wo sie samt Rad in die S-Bahn nach Leipzig einsteigt – normalerweise. Heute ist Schienenersatzverkehr angesagt, daher schließt sie ihr Rad am Hallenser Bahnhof ab und steigt in den Bus. Als Doktorandin genießt sie die gleichen Rechte wie Studenten und hat noch einen Studentenausweis, mit dem sie Bus und Bahn vergünstigt nutzen darf.
09:00
In Leipzig angekommen, läuft sie zehn Minuten lang durch das Leipziger Zentrum zu ihrem Arbeitsplatz im Musikerviertel.
Nina auf dem Weg zur Arbeit
Nina auf dem Weg zur Arbeit
09:30
Der Arbeitstag beginnt. Nina Julich begrüßt ihre Kolleginnen, mit denen sie das Büro teilt: Stefanie Otte, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Anglistik, und Anja Auer, eine weitere Doktorandin. Sie stellt ihren Laptop auf den Arbeitsplatz, schaltet ihn an und checkt zunächst die neu einkommenden E-Mails. Mit dabei sind für sie wichtige Newsletter wie „The Linguist List“ und Kontaktanfragen auf ResearchGate, das LinkedIn für Forscher.
Nina an ihrem Schreibtisch
Nina an ihrem Schreibtisch
10:00
Nina Julich korrigiert ihre Rezension über das wissenschaftliche Buch „Metaphor and Discourse“, die sie für Linguistlist schreibt. Sie hatte vom Lektor einige Kommentare und Anregungen für ihre bereits geschriebene Rezension bekommen und verfeinert ihren Text nun.
12:00
Zur Mittagszeit verlässt Nina Julich das Büro, um sich beim Bäcker ein belegtes Brötchen zu kaufen. Bei Steinecke kann sie sich ein wenig bei Sonnenschein auf die Terrasse setzen und ihre Pause genießen.
Zeit fürs Mittagessen beim Bäcker nebenan
Zeit fürs Mittagessen beim Bäcker nebenan
13:00
Den Kaffee gönnt sie sich dann zurück im Büro und quatscht dabei mit ihren Kolleginnen.
Mit den Kolleginnen führt sie einen gemeinsamen Kalender
Mit den Kolleginnen führt sie einen gemeinsamen Kalender
14:00
Zeit für Bürokratie: Heute steht ein Dienstreiseantrag an, dafür muss sie ein mehrseitiges PDF ausfüllen – ein ziemlicher Zeitfresser. Danach widmet sie sich ein wenig der Organisation einer Konferenz, Tickets müssen gekauft, ein Hotel gefunden und Pläne ausgedruckt werden.
weiter gehts im Büro
weiter gehts im Büro
15:00
Nun wendet sich Nina Julich einem anderen Projekt zu: Für die Westsächsische Hochschule schreibt sie ein Paper für die Konferenz „Workshop on e-learning“, bei der sie mit Kollegen einen Vortrag halten wird.
Beim Forschen ist es wichtig, an Konferenzen teilzunehmen
Beim Forschen ist es wichtig, an Konferenzen teilzunehmen
15:30
Nach einer kurzen Raucherpause schreibt sie weiter am Paper.
Ein Zigarettchen im Garten muss sein.
Ein Zigarettchen im Garten muss sein.
16:30
Nina Julich entwirft ihren Vortrag für die nächste Metaphern-Konferenz zum Thema „Speaking of music. The metaphorical basis of musical motion“. Im Forschungskolloquium konnte sie diesen Vortrag schon einmal halten und sich dort erproben. Dort bemerkte sie, dass der Vortrag noch zu lang war, deshalb löscht sie nun Slides in ihrer Präsentation in Keynote, kürzt ihren Text und arbeitet die Hinweise und Anregungen ihrer Betreuerin ein. Die Präsentation wird Nina Julich Mitte Juli in Bangor in Nordwales halten.
17:30
Nun ist es Zeit, das Büro zu verlassen und zum Bahnhof zurückzulaufen, um den Zug nicht zu verpassen, der 17:49 abfährt.
Auf dem Weg zum Citytunnel
Auf dem Weg zum Citytunnel
18:45
Am Bahnhof in Halle angekommen, schwingt sich Nina Julich auf ihr Rad und macht sich auf den Weg zum Garten, wo ihr Freund Ingmar bereits auf sie wartet. Feierabend.

Nina Julich, Doktorandin an der Universität Leipzig aus Halle



Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Anglistik an der Universität Leipzig

Der in Hohenmölsen geborenen Nina Julich fielen die schulischen und universitären Aufgaben schon immer leicht. Und trotzdem gehört sie zu den intelligenten Menschen, die sich nichts daraus machen und völlig auf dem Boden der Tatsachen geblieben sind. Sehr sympathisch. Nach dem Uniabschluss stand sie wie wir alle vor der großen weiten Welt der Möglichkeiten, die ein geisteswissenschaftliches Studium ermöglicht, und blieb einfach bei dem, was ihr bisher glückte: das Reflektieren, Forschen und Schreiben. Ein Thema für die Doktorarbeit fand sie schnell und auch die „Doktormutter“ Prof. Doris Schönefeld, ihre Betreuerin bei der Doktorarbeit, fand sich problemlos – beides ergab sich bereits aus Nina Julichs sehr guter Magisterarbeit. Wie genau sie zum Promovieren kam und ob sie diesen Schritt empfehlen kann, erzählt sie im Interview.


Wie kamst du zu deinem Job?
An der Uni Leipzig habe ich von 2004 bis 2010 Anglistik und Musikwissenschaft als Magister studiert. Die Magisterarbeit schrieb ich in Anglistik über Konzeptualisierungen von Musik im deutschen und englischen. Das lief gut und hat Spaß gemacht, deswegen wollte ich gern weiterforschen. Ehrlich gesagt habe ich mir nie eine Platte gemacht, was ich mal werden will, das fühlte sich einfach richtig an, weiterzumachen. Ein halbes Jahr nach dem Uniabschluss habe ich dann meine Professorin gefragt, ob ich bei ihr promovieren könnte, und das war kein Problem. Sie war es auch, die mich in Seminaren zum ersten Mal mit dem Gedanken konfrontierte, dass man Sprache erforschen kann. Nun schreibe ich an meiner Doktorarbeit über konzeptuelle Metaphern und plane, sie im September 2018 abzugeben. Derzeit bin ich gut im Zeitplan.

Was inspiriert dich?
Meine forschenden Kollegen und Texte, die ich lese. Da kommen mir des öfteren neue Gedanken und Ideen, die ich auch in meiner Doktorarbeit gut umsetzen kann.

Was ist positiv an deinem Job?
Ich kann mir die Zeit und meine Arbeit so einteilen, wie ich will. Auch inhaltlich bin ich mein eigener Chef, da habe ich viele Freiheiten. Außerdem kommt man dank der internationalen Konferenzen viel herum.

Und was negativ?
Ein Ende der Arbeit ist nie in Sicht. Man bekommt selten Feedback, du schreibst die ganze Zeit in deinem Kämmerlein vor dich hin und fragst dich manchmal, ob das Qualität hat oder Schwachsinn ist. Daher zweifelt man sich permanent selbst an, was aber für die Wissenschaftlichkeit auch wichtig ist. Das Produkt, also den Dank deiner Arbeit siehst du erst nach einer sehr, sehr langen Zeit.

Kannst du den Job weiterempfehlen?
Ja, aber mit Einschränkungen. Wer einen Doktor machen will, sollte sich voll im Klaren darüber sein, was es heißt, eine Doktorarbeit zu schreiben. Das sollte gut überlegt sein. Ich empfehle, im Rahmen von Doktorandenprogrammen zu promovieren. Da ist man weniger frei, wird aberstrukturierter betreut und kommt schneller zum Ergebnis.

Was sind deine drei wichtigsten Worktools?
Mein Laptop, den ich sowohl unterwegs als auch auf Arbeit nutze, Programme wie OpenOffice und Excel und Fachliteratur.
Excel nutz Nina, um die Metaphern zu kategorisieren
Excel nutz Nina, um die Metaphern zu kategorisieren


Was rätst du Neueinsteigern?
Zuerst solltet ihr einen Ratgeber wie „How to get a PhD“ lesen, die romantische Vorstellung vom Forschen schnell verwerfen und so präzise wie möglich an das Thema herangehen Dann empfehle ich euch, einen Zeitplan über drei Jahre zu machen

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Das Forschen hat auf jeden Fall Zukunft. Jedoch gibt es nicht viele Stellen und gerade in Deutschland ist es schwer, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Meist bekommt man nur befristete Stellen und muss ständig mobil bleiben.

Was möchtest du noch erreichen?
Ich möchte meine Arbeit bis September 2018 fertig schreiben. Was danach kommt, weiß ich noch nicht. Darüber mache ich mir derzeit keine Gedanken.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Nach der Arbeit gehe ich meist in den Garten und entspanne dort mit meinem Freund, oder ich spiele zu Hause ein wenig Klavier oder Gitarre.

Interview und Fotografie: Katrin Haase

Steckbrief

  1. Alter: 32
  2. Wohnort: Halle
  3. Beruf: Doktorandin an der Universität Leipzig
  4. Branche: Geisteswissenschaft
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 5
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 7
  7. Pausen pro Tag: 2
  8. Status: angestellt, Studentenstatus


Unterstütze uns auf Steady

Share

Zum Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.