Oscar Quattrini

Oscar Quattrini Kitesurfer

Kitesurf-Lehrer bei den Oscar Kite Piratas

Tarifa, Spanien

Sobald Wind auf Wasser trifft und Wellen schlagen, schlägt auch das Herz des Kitesurfers Oscar Quattrini höher. Dann schnappt er sich seinen Kite und ergibt sich den Naturgewalten. Dieses Hobby hat der Argentinier zum Beruf gemacht und unterrichtet in seiner eigenen Schule “Oscar Kite Piratas” in Tarifa das Kitesurfen. An einem Sommertag haben wir ihn begleitet.
07:00
Oscars Tag beginnt mit einem Frühstück im schwedisch-andalusischen Stil: Milchkaffee, Toast mit Olivenöl, Serrano-Schinken, Müsli, Früchte und Orangensaft.
08:00
Dann checkt Oscar den Wetterbericht und den für heute aufgesetzten Zeitplan der Kiteschüler. Er vergleicht die jeweiligen Level der angemeldeten Teilnehmer und passt den Tagesplan gegebenenfalls den Wetterbedingungen an. Anfänger sollten bei zu starkem Wind nicht auf das Brett steigen.
09:00
Ab neun Uhr betritt Oscar seine Kite-Schule am Strand von Tarifa in Südspanien und bereitet das Equipment vor: Die Kites, Gurte, Bretter und Neoprenanzüge legt er bereit und kontrolliert, ob alles gut gewaschen und gespült ist.
10:00
Ab zum Strand! Dort bringt er die Fahren mit der Aufschrift „Oscar Kite Piratas“ an, die als Treffpunkt der Kitelehrer und Schüler dienen.
10:30
An den Fahnen treffen sich halb elf alle Kitelehrer der Schule und besprechen gemeinsam letzte Änderungen der Verteilung der Schüler, damit die Gruppen so zusammengestellt sind, dass die Schüler ein ähnliches Niveau haben.
11:00
Um elf beginnt die erste Unterrichtseinheit, die drei Stunden dauert. Jeder Lehrer kann entweder Einzelunterricht oder kleine Gruppen von zwei bis vier Schülern betreuen. Oscar hat heute Einzelunterricht mit einer Schülerin und begrüßt sie am Treffpunkt. Nach einem kurzen Plausch beim Kaltgetränk nehmen sie das Equipment und bauen es direkt am Strand gemeinsam auf. Beim Aufbau erklärt er jede Handbewegung und lässt sich von ihr helfen. Danach beschreibt er zuerst einmal theoretisch das Kitesurfen. Die erste Übung darf das Mädchen mit dem Powerkite machen. Das ist ein Drachen, der dem vom Kitesurfen ähnelt, aber einfach am Strand laufend bedient wird. Normales Drachensteigen also, nur professioneller. Sobald sie das System verstanden hat und den Drachen steuern kann, darf sie einen größeren probieren, immernoch am Strand. Für heute war es das für sie erst einmal, morgen geht es dann wirklich ins Wasser.
14:00
Zeit für das Mittagessen. Normalerweise isst Oscar ein Sandwich im Stehen am Strand. Dabei schaut er zu, wie die bunten Drachen im Himmel fliegen und beobachtet das Wetter und das Meer.
14:30
Mehr als eine Unterrichtseinheit sollte kein Schüler pro Tag absolvieren, da viel neue Information verarbeitet werden muss und der Sport schnell müde macht. Die Schülerin vom Vormittag wird also erst morgen auf das Kitebrett steigen und sich am Nachmittag ausruhen. Nicht aber der Lehrer: Die zweite Session des Tages beginnt. Wieder sind es drei Stunden mit einer neuen Gruppe von Schülern. Für die drei Männer ist es heute der dritte Unterrichtstag. Oscar begrüßt sie wieder herzlich am Treffpunkt an den Fahnen und wiederholt kurz den theoretischen Ablauf beim Kiten, denn heute wird es ernst. Sie tragen gemeinsam die Kites zum Startpunkt am Strand, bauen das Equipment auf und gehen ins Wasser. Es ist ein aufregender Tag für die drei, denn nun können sie beweisen, was sie gelernt haben, sich dem Spiel von Wind und Wasser ergeben und ein wenig fliegen lernen. Oscar behält die drei immer genau im Auge und bleibt in ihrer Nähe.
17:30
Falls das Wetter es erlaubt und es viele Schüler gibt, beginnt für Oscar eine dritte Unterrichtssession mit neuen Schülern, wieder sind es drei Stunden, die sie gemeinsam ins Wasser steigen und das Kitesurfen erlernen.
20:30
Danach sammelt Oscar das gesamte Equipment und die Fahnen am Strand wieder ein.
21:00
Im Laden spült und wäscht er die Neoprenanzüge, Kites, Gurte und Bretter und hängt sie zum Trocknen wieder auf. Dabei checkt er, ob alles noch in gutem Zustand ist und sortiert aus oder repariert das, was möglich ist.
21:30
Zum Schluss ist der Blick auf den morgigen Tag wichtig: Wie wird das Wetter werden? Per WhatsApp oder SMS schreibt er den Teilnehmern des Folgetages eine Erinnerung an den Termin und erbittet eine kurze Bestätigung des Niveaus. Dann teilt er die Schüler den verschiedenen Kitelehrern zu.
22:30
Nach dem Abendbrot in den eigenen vier Wänden geht Oscar schlafen, um Energie für den nächsten sportlichen Tag zu tanken.

Oscar Quattrini, Kitesurf-Lehrer bei den Oscar Kite Piratas aus Tarifa, Spanien



Oscar Quattrini begrüßt uns herzlich wie ein alter Freund, auffällig sind seine glücklichen Augen, die langen blonden Haare und seine braune Seemannshaut. „Was wollt ihr heute erreichen?“ fragt er uns auffordernd und los geht es nach einem kurzen Kennenlernen mit dem Kurs. Das Kitesurfen ist eine junge Disziplin, die sich erst Ende der 1990er Jahre etablierte. Davor war Oscar Windsurfer und nahm an Wettbewerben teil. Vom kompetitiven Sport wechselte er in eine genussvollere Aktivität und entschied sich, Kitelehrer im spanischen Tarifa zu werden, wo er mittlerweile seine eigene Kiteschule leitet. Oscar hat uns nicht nur das Kiten nähergebracht, sondern auch spannendes über seinen Beruf erzählt:

Wie kamst du zu deinem Job?
Seit 1977 habe ich in Argentinien als Sportlehrer gearbeitet und habe später noch eine Ausbildung zum Sportlehrer für körperlich behinderte Menschen in Schweden gemacht. Das habe ich dann seit 1990 in Spanien auch unterrichtet. Währenddessen lernte ich das Kitesurfen lieben. Nachdem ich den Kurs als Kitesurflehrer bei der International Kiteboarding Organitation absolviert hatte, habe ich direkt als Lehrer in der Schule eines Bekannten angefangen. Das war meine erste Arbeitserfahrung als Kitelehrer. Später habe ich dann meine eigene Kiteschule gegründet, die ich nun leite.

Was inspiriert dich?
Tarifa ist ein sehr spezieller Ort. Seine Strände, die Kraft des Windes, das Meer, die Berge, das zum Anfassen nahe Afrika, die heterogene Bevölkerung aus allen Winkeln der Erde – das alles bildet einen Mix, der für mich wie ein romantisches Elixier täglich für ein Lächeln in meinem Gesicht sorgt.



Was ist positiv an deinem Job?
Ich genieße es, zu unterrichten. Dass ich das Unterrichten mit meinem allerliebsten Sport, dem Kitesurfen, und mit einer so speziellen und schönen Landschaft wie Tarifa verbinden kann, generiert eine positive Energie in mir, die mich körperlich und geistig jung hält.

Und was ist negativ?
Dass ich meinen Kunden nicht persönlich kennenlerne, wenn er den Kurs bucht, da das meinst online geschieht, macht es schwierig. Den Stundenplan und die Gruppen zusammenzustellen, ist manchmal wie ein Zauberstreich, wenn man bedenkt, dass wir von so vielen Variablen abhängen: die verschiedenen sportlichen Niveaus eines jeden Schülers, ob die Wettervorhersagen zutreffen, der Zustand des Meeres und die Windrichtung, um nur einige zu nennen.



Würdest du den Job weiterempfehlen?
Ja, mit Vorbehalten. Es ist eine sehr große Verantwortung, für die Sicherheit anderer zuständig zu sein. Falls deine Entscheidungen falsch sind, können sie schwere Verletzungen bei den Schülern verursachen. Gleichzeitig ist es eine fantastische Belohnung, zu erleben, wie ein Schüler die Lernziele erreicht.

Was sind deine drei wichtigsten Worktools?
1) Vorausschau: Aus Erfahrung schöpfen, Ortskenntnis, eine gute Einschätzung, welches Equipment dem Ort, dem Wetter, dem Meer, dem Gewicht und dem Niveau des Schülers entsprechen.
2) Persönliche Anpassung: Bei jedem Schüler muss ich das jeweils passende pädagogische Instrument nutzen und es bei jedem Lernschritt wieder neu anpassen.
3) Geduld und eine positive Einstellung.

Was rätst du Neueinsteigern?
Dass sie lernen müssen, vorzubeugen und die Dinge sehen, bevor sie passieren. Dass sie bescheiden sind und die Lehrer genau beobachten, die aufgrund ihrer Erfahrung alles einfach erscheinen lassen.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Diesen Beruf üben immer mehr Menschen aus, aber nicht alle, die es schaffen, bleiben auch.

Was möchtest du noch erreichen?
Ich habe noch viele kleine Ziele vor mir, aber den größten Erfolg halte ich bereits in meinen Händen. Ich bin glücklich mit dem, was ich mache, und ich kann auf die Unterstützung meiner Familie zählen.



Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Meine Arbeit gefällt mir sehr. Ich liebe den Wind, das Meer, die Sonne und den Strand. Somit habe ich alles, was ich brauche. Ich bin von tollen Menschen umgeben, also projiziere ich gute Schwingungen, da ich sie selbst absorbiere. Neben dem Kitesurfen spiele ich Squash, zum Relaxen lese ich gerne einen guten Krimi und wenn ich Zeit habe sehe ich mir einen guten Film im Kino an.

Text: Javier Pérez-Lanzac und Katrin Haase
Fotos: Oscar Kite Piratas Privatfotos

Steckbrief

  1. Alter: 63
  2. Wohnort: Tarifa, Spanien
  3. Beruf: Kitesurf-Lehrer bei den Oscar Kite Piratas
  4. Branche: Wassersport
  5. Pausen pro Tag: 0,5
  6. Status: selbstständig


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