Veronika Schram

Einzelfallhelferin, Sozialarbeiterin und Gründerin von Center of Hope for Dakawa e.V.

Berlin

Veronika Schram ist eine vielbeschäftigte Frau mit einem großen Herzen. Sie arbeitet als Sozialarbeiterin in Berlin und ist gleichzeitig Geschäftsführerin des Center of Hope for Dakawa e.v, eine Initiative zum Aufbau für ein Bildungs- und Sozialzentrum in Tansania. Wir haben Veronika in Berlin besucht und freuen uns, euch diese spannende Person vorzustellen.
06:45
Veronika steht auf und macht sich einen selbstgemahlenen Kaffee, ein Glas heißes Wasser und isst zum Frühstück griechischen Joghurt mit Leinöl.
07:15
Danach checkt sie ihre E-Mails und erledigt Arbeiten für ihren gemeinnützigen Verein in Afrika. Manchmal kocht sie sich noch etwas für die Arbeit vor und dann geht es auch schon los.
09:00
Veronika ist fast immer mit dem Fahrrad unterwegs. So auch heute. Sie fährt zu ihrem ersten Klienten nach Pankow. Er lebt mit dem sogenannten Down-Syndrom.

10:00
Gegen zehn trifft Veronika bei ihrem Klienten ein. Nach einer Begrüßung wird über die letzte Woche gesprochen. Veronika trifft ihn nur einmal in der Woche. Daher gibt es immer viel zu erzählen. Danach unternehmen die beiden etwas. Meistens gehen sie nach draußen. In der Einzelfallhilfe wird das „Teilhabe am öffentlichen Leben“ genannt. Oft gehen die beiden unterwegs etwas essen. Diese Spaziergänge und Erlebnisse sind für ihren Klienten eine schöne Abwechslung und gehören an einem solchen Tag auch dazu.
13:30
Halb zwei kommen die beiden wieder nach Hause. Es folgt ein Gespräch mit dem Eltern. Danach macht sich Veronika wieder auf den Weg zu ihrem nächsten Klienten.
14:00
Veronika fährt mit dem Fahrrad nach Friedrichshain zu ihrem nächsten Klienten. Auch hier ist sie wieder fast eine Stunde mit dem Fahrrad unterwegs. Dieses Mal kümmert sie sich um einen zwölfjährigen Jungen, bei dem Autismus diagnostiziert wurde.

15:00
Für den Klienten ist es sehr wichtig zu lernen, am öffentlichen Leben teilnehmen zu können. Das erfordert manchmal sehr viel Geduld und Aufmerksamkeit. In diesem Fall soll ein Lernprozess stattfinden, der oft auch mit Frust und Ungeduld verbunden ist. Am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen ist für diesen Patienten nicht immer einfach. Durch diese Maßnahme soll das Kind lernen, sich an das gesellschaftliche Gefüge mehr anzupassen und es zu akzeptieren. Für Veronika ist das eine große therapeutische Anforderung.
19:00
Um 19:00 hat Veronika Feierabend. Wieder fährt sie mit dem Fahrrad nach Hause.
20:00
Veronika kommt nach Hause und schreibt noch ein paar E-Mails für ihr Herzensprojekt, das Center of Hope for Dakawa e.v. An manchen Abenden gibt es noch eine Abendveranstaltung, die sie leitet. Einmal im Monat organisiert sie die Veranstaltung „Sinneswahrnehmung“. Hier findet ein Austausch mit Kollegen statt, der eine Unterstützung zur beruflichen Tätigkeit als Einzelfallhelfer bieten soll. Das Zusammenkommen und der Austausch sind als Unterstützung für die Arbeit, die sonst fast ohne berufliche Kontakte ausgeübt wird, sehr hilfreich.

Veronika Schram, Einzelfallhelferin, Sozialarbeiterin und Gründerin von Center of Hope for Dakawa e.V. aus Berlin



Veronika ist eine Frau, die viele Fertigkeiten besitzt. Sie ist ausgebildete Erzieherin mit staatlicher Anerkennung, NLP Praktictioner, Mediatorin sowie Massage- und Wellness-Therapeutin.
Um die Erzieherausbildung machen zu können, musste sie erst einmal ein Jahr in München in einem Kindergarten arbeiten. Danach folgte der Umzug nach Berlin, wo sie ihren damaligen Freund kennenlernte und Mutter von Zwillingen wurde.
Anfangs arbeitete sie in einer Lebensgemeinschaft für Erwachsene und machte danach ihre Ausbildung zur Erzieherin. Gleichzeitig zog sie ihre Kinder auf und arbeitete für die Berliner Bezirksämter. Heute ist Veronika als Einzelfallhelferin beschäftigt und zudem Gründerin des Center of Hope for Dakawa e.v., einem Verein, dessen Ziel es ist, ein Bildungs- und Sozialzentrum speziell für Kinder aufzubauen. Veronika ist nicht nur Gründerin, sondern auch Geschäftsführerin des Vereins und reist regelmäßig in die Region, um vor Ort zu helfen. Das Projekt wird hauptsächlich durch Spendengelder finanziert.


Veronika in Afrika
Veronika in Afrika


Wie kamst du zu deinem Job?
Ich bin seit 20 Jahren in diesem Berufsfeld tätig. Ursprünglich wollte ich Schauspielerin werden. Ich wurde jedoch nicht angenommen und wollte stattdessen mit Jugendlichen Strafgefangen Theaterprojekte realisieren. Danach arbeitete ich ein Jahr in einem Kindergarten und entschied mich für einen Ortswechsel. Doch dann kam alles ein wenig anders als geplant. Ich wurde schwanger und bekam Zwillinge. Erst danach machte ich meine Erzieherausbildung und war gleichzeitig Mutter und auch noch berufstätig. Das war eine sehr anstrengende Zeit.

Was inspiriert dich?

Die Menschen, die mich umgeben. Auch wenn es zum Teil eine große Herausforderung für mich ist. Und die Menschen in Afrika, wo ich regelmäßig bin und an unserem Projekt arbeite.

Was ist positiv an deinem Job?
Ich bin sehr selbstständig, kann kreativ sein, und bin nicht festgelegt. Dieser Job fordert mich sehr heraus, aber das mag ich, und ich lerne viele verschiedene Kulturen kennen. Zudem bekomme ich viel positives Feedback von den Ämtern und den Klienten.

Und was negativ?
Die Bezahlung und die fehlende Wertschätzung, die mit der geringen Bezahlung einhergeht.

Würdest du den Job weiterempfehlen?
Nächste Frage.

Was sind deine drei wichtigen Worktools?

Empathie, die Liebe zu den Menschen und meine Flexibilität.

Was rätst du Neueinsteigern?
Es kommt auf die Persönlichkeit an. Ein Statement möchte ich dazu nicht geben, da das ganz individuell abhängig ist. Im Zwischenmenschlichen gibt es keine Pauschalitäten.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?

Da ist immer Not am Mann.

Was möchtest du noch erreichen?
Ich möchte mehr in die Beratung gehen aber ganz sicher bin ich da noch nicht. Das ist auch eine Frage des Alters und der körperlichen Gesundheit. Eine Leitungsposition möchte ich aber nicht haben, da es weit weg ist von dem, was mir am Herzen liegt, den Menschen. Was das Center of Hope angeht, ist das anders. Ich möchte ein generationsübergreifendes Projekt verwirklichen. Im Fokus soll nachhaltiges Bauen und nachhaltige Landwirtschaft stehen, was den Menschen dort zu mehr Unabhängigkeit verhelfen soll. Es ist wichtig, von der familiären Hierarchie wegzukommen und mehr hin zu einem sozialen Miteinander.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Fahrrad fahren, da kann ich die Sorgen abstrampeln. Ich gehe sehr gern ins Konzert, ins Kino oder ich treffe mich mit Freunden. Das kommt aber meist zu kurz. Die Tage sind zu kurz, die Nächte und die Woche auch.

Interview und Fotografie: Elsa Loy

Steckbrief

  1. Alter: 48
  2. Wohnort: Berlin
  3. Beruf: Einzelfallhelferin, Sozialarbeiterin und Gründerin von Center of Hope for Dakawa e.V.
  4. Branche: Soziales
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 6
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 12
  7. Pausen pro Tag: 2
  8. Status: Angestellt, Selbstständig, Ehrenamt


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