Janine Wolf

Die Apothekerin Janine Wolf

Apothekerin

Leipzig

Zwischen Salben und Tabletten ist die Leipziger Apothekerin Janine Wolf in ihrem Element. Wir haben sie einen Tag lang bei der Arbeit begleitet.
08:45
Janine Wolf schwingt sich auf ihr Fahrrad und fährt zur Apotheke, die sie durch den Personaleingang betritt.
09:00
Zuerst steigt sie hinauf zum ersten Stock und wirft sich am Spind ihren weißen Kittel über. Dann begrüßt sie die Kollegen, die bereits seit acht Uhr da sind, und nimmt sich eines Stapels Rezepte vom gestrigen Tag an, die zur Abrechnung an die Krankenkasse weitergereicht und vorher auf Richtigkeit geprüft werden müssen. Diese Rezepte hatte sie am gestrigen Abend von ihrem Platz unter der Kasse genommen und über Nacht eingeschlossen. Nun scannt sie die Rezepte mit einem speziellen Computerprogramm ein.
Janine scannt die Rezepte ein
Janine scannt die Rezepte ein
09:30
Janine geht in die Rezeptur, einem speziellen Raum für das handgemachte Herstellen von Arzneien, und rührt eine Salbe an. Dafür nutzt sie einen kleinen Automaten, den sie per Touchscreen bedient, aber auch den guten alten Mörser und Pistill.
Salbenherstellung ganz modern
Salbenherstellung ganz modern
10:00
Um zehn findet die gesamte Belegschaft zur Teepause zusammen. Besonders FAK ist hoch im Rennen – Fenchel-Anis-Kümmel-Tee.
10:15
Frisch gestärkt wendet sich Janine einer bürokratischen Aufgabe zu, der Betäubungsmitteldokumentation. Dafür setzt sie sich an ihren Schreibtisch und kontrolliert die gelben, dreiteiligen Betäubungsmittelrezepte. Sie muss lückenlos nachvollziehen, welcher Arzt es verschrieben hat, wer es einnehmen soll, ob es Höchstmengen gibt und ob diese überschritten worden sind. Sofern ihr etwas zweifelhaft erscheint, muss sie den Arzt kontaktieren und der Sache nachgehen. Ist alles in Ordnung, gibt sie einen Durchschlag der kontrollierten Rezepte an die Krankenkassen weiter, ein weiterer Durchschlag muss drei Jahre lang in der Apotheke bleiben. Die Daten überträgt sie dabei zur digitalen Speicherung in ihren Computer. Einmal im Monat druckt sie alles aus und heftet es ab.
Auch der Schreibtisch ist für eine Apothekerin ein wichtiger Arbeitsort
Auch der Schreibtisch ist für eine Apothekerin ein wichtiger Arbeitsort
11:30
Neue Ware wird geliefert, der Bote kommt viermal am Tag. Per Transporter bringt er große grüne Wannen, in denen sich die bestellten Medikamente befinden. Janine nimmt die Ware am Wirtschaftseingang entgegen und erfasst sie, indem sie jeden einzelnen Barcode einscannt.
Janine nimmt die neue Ware entgegen
Janine nimmt die neue Ware entgegen
Gleich darauf muss sie die neuen Waren verbuchen
Gleich darauf muss sie die neuen Waren verbuchen
Dann sortiert sie die Medikamente alphabetisch in Körbchen, die dann in den Gang zum großen Medikamentenschrank geordnet werden. Andere Arzneimittel kommen in den Kühlschrank, Betäubungsmittel in einen Tresor.
Janine am großen Medizinschrank
Janine am großen Medizinschrank
12:00
Janine setzt sich wieder an ihren Schreibtisch und bereitet einen Vortrag über Umgang und Lagerung von Betäubungsmitteln vor. Sie wird ihn später in einem Pflegeheim vor dem Personal halten.
12:30
Zeit für ein wenig Arbeit im Labor. Dafür muss sie sich eine Schutzbrille und einen Laborkittel anziehen und die Ausgangsstoffe erst einmal mit Hilfe chemischer Reaktionen überprüfen, bevor sie sie für eine Arznei verwendet. Dabei schreibt sie ein Protokoll, das fünf Jahre lang aufbewahrt werden muss.
Janine im Labor
Janine im Labor
13:30
Janine geht in den vorderen Bereich der Apotheke und hilft beim Handverkauf, berät Kunden, nimmt Rezepte entgegen, händigt Medizin aus und kassiert ab.
Janine im Verkaufsbereich, der Ort, an dem sie mit den Kunden in Kontakt tritt
Janine im Verkaufsbereich, der Ort, an dem sie mit den Kunden in Kontakt tritt
14:15
Ihr Arbeitstag ist für heute schon beendet, denn Janine arbeitet 30 Stunden pro Woche in der Apotheke. Sie geht wieder zum Spind, legt den Kittel ab und fährt mit dem Fahrrad nach Hause.
Janine am Spind
Janine am Spind

Janine Wolf, Apothekerin aus Leipzig



Fläschchen mit Chemikalien, meterlange Medikamentenschränke, historische Waagen, weiße Kittel und hustende Patienten – wir befinden uns in einer Apotheke, dem Arbeitsplatz von Janine Wolf. Hier arbeitet die junge Apothekerin bereits seit dem Ende ihres Studiums und ist damit überaus zufrieden. Vor allem das gut funktionierende Team und die Vielseitigkeit des Berufs schätzt sie: Mal ist zwischenmenschliches Einfühlungsvermögen beim Beraten eines erkrankten Kunden gefragt, mal chemisches Fachwissen bei einem Versuch im Labor, mal handwerkliche Kenntnis beim Herstellen einer heilsamen Salbe. Außerdem sei der Beruf familienfreundlich, da die Bezahlung gut und Konzepte wie Teilzeit weit verbreitet seien. Nur durch ein sehr schwieriges Studium müsse man sich kämpfen, wie Janine im Interview erzählt.

Wie kamst du zu deinem Job?
Meine Patentante ist Pharmazieingenieurin, sie hat mein Interesse am Beruf geweckt. In ihrer Apotheke habe ich ein zweiwöchiges Schulpraktikum gemacht. Ich weiß noch, wie gut es dort roch: Eine Mischung aus steriler Sauberkeit und Minze. Bis zum Ende meines Abiturs blieb ich trotzdem unentschlossen. Ich bewarb mich dann für Pharmazie und Psychologie und habe meinen Erstwunsch Pharmazie bekommen und in Leipzig das Studium begonnen. Ich war erschüttert: So viel Chemie hatte ich nicht erwartet! Trotzdem habe ich mich da durchgebissen. Das Studium dauert vier Jahre plus ein praktisches Jahr, das ich schon in dieser Apotheke absolviert habe. Gleich danach, ab 2009, war ich dann fest hier angestellt.


An Chemie kommt man als Apotheker nicht vorbei

Was inspiriert dich?
Das Team, denn damit steht und fällt die Arbeit. Hier haben wir eine super Atmosphäre und das Arbeiten macht Spaß. Inspirierend ist auch der Kontakt mit den Kunden und das Gefühl, helfen zu können.

Was ist positiv an deinem Job?
Der Job ist facettenreich, von der Arbeit am Computer oder mit dem Kunden bis zum handgemachten Herstellen von Salben ist alles dabei. Schön sind zum Beispiel die Erfolgserlebnisse, wenn sich Kunden für die gute Beratung bedanken. Auch das Gehalt ist ordentlich, wobei das mit einer großen Verantwortung verbunden ist. Schließlich würde man dafür gerade stehen, falls der Kunde ein falsches Medikament erhalten hätte.


Historische Flächschen

Und was negativ?
Die vielen Vorgaben der Krankenkassen, die von oben reglementiert werden, sind nervig. Den Apotheken wird viel Geld abgezogen und Strafen werden verhängt, wenn man nicht genau das Mittel der Firma ausgehändigt hat, mit der die Krankenkasse Verträge abgeschlossen hat. Diese negative Grundhaltung ist anstrengend, man kann so nicht mehr frei entscheiden, was dem Kranken am besten helfen würde.

Würdest du den Job weiterempfehlen?
Ja, definitiv. Er ist familienfreundlich, da es viele Teilzeitangebote gibt.

Was sind deine drei wichtigen Worktools?
Der Computer, Einfühlungsvermögen und die Verknüpfung von pharmazeutischem Wissen und Erfahrung.

Die historische Waage ziert das Labor

Was rätst du Neueinsteigern?
Ihr solltet wissen, dass das Studium nicht einfach ist. Ihr braucht einen starken Willen, diesen Beruf auszuüben, und Durchhaltevermögen. Lasst euch von den Prüfungen aber nicht abschrecken. Zwischen dem Studium und dem Beruf gibt es eine hohe Diskrepanz: Der Job macht viel Spaß und ist vor allem Teamarbeit.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Apotheker und Pharmazeuten werden immer gebraucht werden. Ich frage mich nur, wie sich der Beruf entwickeln wird. Momentan geht es immer mehr in Richtung Industrie. Das Berufsbild als solches ist also nicht gefährdet, doch der Berufsalltag könnte sich stark ändern.

Was möchtest du noch erreichen?
Ich möchte meinen Beruf weiterhin ausführen und Spaß daran haben. Ich werde mich weiter gegen Regresse der Krankenkassen wehren, denn eine freundliche und kompetente Beratung der Kunden sollte weiterhin möglich sein. Ansonsten schaue ich, was so auf mich zu kommt.


Janine hinter dem Verkaufsthresen

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Ich gehe supergern Modern Jazz tanzen, fotografiere, lese und tausche mich mit Freunden und meiner Familie aus – das ist mein Ausgleich.

Interview und Fotos: Katrin Haase

Steckbrief

  1. Alter: 33
  2. Wohnort: Leipzig
  3. Beruf: Apothekerin
  4. Branche: Gesundheit und Medizin
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 5-6
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 6
  7. Pausen pro Tag: 0,25
  8. Status: angestellt
Kontakt

Mail: die-woelfin (at) gmx.de
Website-Empfehlung: kittelknaller.wordpress.com



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