„Chico“ (Rafael Alcaide García)

El Chico vor seinem Restaurant

Restaurantfachmann, Inhaber des Fischrestaurants El Caleño

Málaga, Spanien

Er gehört zu den Urgesteinen am Strand in Málaga: Der Gastwirt „El Chico“ und sein Fischrestaurant „El Caleño“. Wie er seinen Tag gestaltet, haben wir uns angeschaut.
08:30
Halb neun beginnt für Chico der Arbeitstag. Er geht allein oder mit einem Mitarbeiter zum Atarazanas, dem zentralen Markt in Málaga. „Das erste Problem des Tages ist immer die Suche nach einem Parkplatz.“ Im Markt holt er täglich frischen Fisch, den er bereits am Vortag beim Fischer bestellt. Er dreht seine Runde vorbei an den Verkaufsbuden, grüßt die Fischer, die er beim Namen kennt und wird ebenfalls herzlich empfangen. Er prüft den bestellten Fisch gründlich, bezahlt die Ware sofort in bar und unterschreibt die handgeschriebene Rechnung mit „Chico“.
Chico am Markt
Chico am Markt
Kurz den Preis überschlagen
Kurz den Preis überschlagen
09:00
Chico gönnt sich einen entkoffeinierten Kaffee im Meeresfrüchte-Imbiss neben dem Markt, während seine Ware in seinen Transporter geräumt wird. Dann fährt er zurück zum Stadtgebiet „El Palo“, so sich sein Fischrestaurant befindet.
Chico beim Entladen seines Transporters
Chico beim Entladen seines Transporters

09:30
Chico und sein Mitarbeiter bringen die frische Ware des Tages auf einem Rollwagen entlang der engen Gassen am Strand zu seinem Restaurant, wo seine Frau bereits wartet. „Ab diesem Moment gehört der Fisch meiner Frau.“ Während die Frau und die Mitarbeiter den Fisch zubereiten, in der Vitrine auslegen und die Tische decken, macht sich Chico frisch und zieht sich neue Kleidung an, mit der der später den Gästen gegenübertritt.
09:45
Am nun beginnt die Bürozeit des Restaurants. Chico ist größtenteils am telefonieren, nimmt Reservierungen entgegen, bestellt neue Ware und erledigt Büroarbeiten. „Jeder Tag ist wie eine Wette. Wenn es regnet, haben wir fast keine Kunden, denn die Leute verbinden den Strand nicht mit dem Regen. Man muss das Risiko akzeptieren und trotzdem alles im Angebot haben.“
Auch Bürokram muss im Restaurant gemacht werden
Auch Bürokram muss im Restaurant gemacht werden
11:00
Die Kellner kommen zur Arbeit und helfen ebenfalls bei der Vorbereitung des Tages.
12:30
Chico isst entweder allein oder mit seiner Frau an seinem Bürotisch das, was seine Frau für ihn gekocht hat. Es ist jeden Tag etwas anderes und nichts von der Speisekarte des Restaurants.
Auch bei Chico kommt auf den Tisch, was seine Frau in der Küche zaubert
Auch bei Chico kommt auf den Tisch, was seine Frau in der Küche zaubert
13:00
Das Restaurant öffnet seine Pforten. Eigentlich beginnt die spanischen Mittagszeit 14:00 Uhr. Es kann jedoch passieren, das ausländische, hungrige Gäste eher kommen. Dann reagieren Chico und seine Frau spontan und bedienen auch diese frühen Gäste.
Chico Frau (rechts) ist die Küchenchefin
Chico Frau (rechts) ist die Küchenchefin
Alles frisch
Alles frisch
14:00
Der Trubel beginnt, die Gäste erscheinen, schnell ist jeder Tisch besetzt. Chico und die Kellner nehmen die Bestellungen entgegen und servieren den Fisch.
Gut gespeist
Gut gespeist
16:30
Das Treiben ebbt ab, die ersten Gäste zahlen und verlassen das Restaurant. Nun werden vermehrt Kaffee und Flan, Eis und Milhojas sowie Brandys und Digestifs bestellt. Chico nimmt sich die Zeit, sich mit seinen Stammkunden an den Tisch zu setzen und mit ihnen über den Tag, das Leben und die See zu quatschen.
El Caleño
El Caleño
17:00
Offiziell schließt das Restaurant 17 Uhr, doch wenn die Gäste sich noch an ihren Longdrings und Kaffees erfreuen und einfach nicht gehen wollen, bleibt „El Caleño“ noch bis 18:00 Uhr geöffnet. Währenddessen beginnen Chico und seine Mitarbeiter, das Restaurant zu putzen und im Winter für den nächsten Tag bzw. im Sommer für den Abend vorzubereiten.
Oliven als Nachtisch
Oliven als Nachtisch
18:00
Punkt 18 Uhr sind die Küche und das Restaurant komplett geputzt. Vom Trubel des Tages ist keine Spur mehr zu sehen. Im Winter ist hier Chicos Arbeitstag vorbei. Er genießt mit seiner Frau und einigen Mitarbeitern eine Zigarette in der Sonne und geht seiner Wege. Im Sommer nimmt er nun eine kleine Siesta und öffnet das Restaurant 20:00 Uhr erneut. Der Arbeitstag dauert für ihn dann bis nachts 1:00 Uhr. „Im Sommer versuche ich die Küche viertel vor 12 zu schließen, aber die Gäste trinken meist noch eine Weile Kaffee, Digestifs und Drinks.“
Für heute schließt Chico die Pforten
Für heute schließt Chico die Pforten
Das Mittelmeer
Das Mittelmeer

„Chico“ (Rafael Alcaide García), Restaurantfachmann, Inhaber des Fischrestaurants El Caleño aus Málaga, Spanien



Meinen Namen kennt fast keiner“, antwortet Rafael Alcaide García grinsend auf unsere erste Interviewfrage. Stadtbekannt ist er als „Chico“ – spanisch für „Junge“, so wie ihn sein Vater damals nannte. Er ist der Besitzer und Chef eines der besten und bekanntesten Fischrestaurants am Stand Málagas. Chicos Team besteht im Winter aus fünf und im Sommer aus elf Mitarbeitern, doch auch er selbst ist in jedem Arbeitsschritt beteiligt, mit Ausnahme der Küche. Dieser Bereich ist Hoheitsgebiet seiner Frau, die von Anfang an das Restaurant mit ihm aufbaute.
Chico wurde 1958 in Málaga geboren und arbeitete vor seiner Zeit im Restaurant als Autowäscher und wurde nach dem Militärdienst arbeitslos. Als er neben dem Restaurant „El Gaucho“ auf seine Freundin wartete, mit der er verabredet war, fragte er den Restaurantchef spontan, ob sie einen Mitarbeiter benötigen. Als seine Freundin am Treffpunkt erschien, hatte Chico bereits einen Job und entschuldigte sich: „Sorry meine Liebe, ich arbeite gerade“. Später fand auch sie dort eine Anstellung als Köchin.
Nach einer Weile war Chico der Mann für alles im Restaurant. „Manche glaubten, ich sei der Besitzer“, erinnert sich Chico. Acht Jahre später entschlossen sich seine Frau – die Köchin – und er, ein eigenes Fischrestaurant zu leiten. Der Anfang war schwer. Zwar wussten sie nun, wie der Fisch zubereitet und serviert wird, doch vom Fischmarkt und Restaurant-Management hatten sie keine Kenntnisse. Nun, nach Jahren des Learning by doing, nach harten Zeiten und langsam zunehmendem Erfolg genießt ihr Restaurant einen ausgezeichneten Ruf und ist meist voll besetzt. Im letzten Jahr konnten sie die Hypothek der Immobilie voll abbezahlen und freuen sich auf einfachere Zeiten.
Katrin Haase und Javier Pérez-Lanzac begleiteten Chico an einem sonnigen Wintertag in Málaga.




Wie kamst du zu deinem Job?
Die Not brachte mich zu diesem Beruf. Ich war nach dem Militärdienst arbeitslos und fragte spontan in einem Restaurant, ob sie Mitarbeiter suchen. So kam ich ins Gastronomiebewerbe. Nach einer Zeit wollte ich mein eigenes Restaurant aufmachen, seitdem gibt es das Restaurant „El Caleño“.



Was inspiriert dich?
Mich jeden Tag immer wieder durchzubeißen.

Was ist positiv an deinem Job?
Ein erfolgreicher Tag macht mich zufrieden. Auch genieße ich die sozialen Momente mit meinen Gästen und meinem Team, auf das ich stolz bin.

Und was negativ?
Der Job ist sehr arbeitsaufwändig, ich muss viele Stunden pro Tag arbeiten. Ich kenne keinen Sommerurlaub, keine Ostern, keine Weihnachten. Meine Frau kennt das ebenfalls nicht. Außerdem hängen wir vom Meer, vom Wetter und vom Fischmarkt ab. Diese Schwankungen machen einem das Arbeitsleben schwer.



Würdest du den Job weiterempfehlen?
Nein.

Was sind deine drei wichtigen Worktools?
Meine Frau, mein Kopf und die Tiefkühltruhe. Ohne meine Frau würde das Restaurant keinen Erfolg haben.

Was rätst du Neueinsteigern?
Sie sollten von vorn herein akzeptieren, dass es keine festen Arbeitszeiten gibt. Sie sollten fleißig, rechtschaffen und hart arbeiten. Und sie sollten ihren Beruf lieben. Wenn das alles zutrifft, dann könnten sie eines Tages ihr eigener Chef sein. Das ist immer besser, als gegen Lohn zu arbeiten.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfelds ein?
Wegen der Überfischung der Meere wird es immer weniger Frischfisch geben. Besonders große Schuld daran hat die Schleppnetzfischerei. Sie zieht alles aus dem Meer heraus und tötet es: Fische, Krebse, Algen, Riffs. Aber das Gastronomiegewerbe wird es immer geben, denn essen werden die Menschen immer. Es wird nur immer teuerer werden.



Was möchtest du noch erreichen?
Ich möchte in Zukunft weniger oder gar nicht mehr arbeiten. Vielleicht schließe ich das Restaurant irgendwann und eröffne eine Strandbar.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Meinen Domino-Stammtisch. Ich besuche auch gern Freunde oder schaue Filme. Aber richtig abschalten kann ich nie.

Interview und Fotografie: Javier Pérez-Lanzac und Katrin Haase

Steckbrief

  1. Alter: 60
  2. Wohnort: Málaga, Spanien
  3. Beruf: Restaurantfachmann, Inhaber des Fischrestaurants El Caleño
  4. Branche: Gaststättengewerbe
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 6
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 10
  7. Pausen pro Tag: 2
  8. Status: selbstständig
Kontakt

Adresse: Calle de los Cenacheros, 16, 29017 Málaga, Spanien


Telefon: +34 952 29 91 48



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