Ioanna Ktena

Ionanna Elena an der Rezeption ihres Hotels

Hotelfachfrau der House Project Hotels Chroma und Aroma

Nafplio, Griechenland

Am Baum im Garten hängen pralle Orangen, Katzen schmiegen sich in die letzten schattigen Ecken, die Luft trägt Blütenduft und das Rauschen des Mittelmeeres. Das ist der Ort, den Ioanna Klena ihren Arbeitsplatz nennen darf. Seit drei Jahren leitet die Hotelfachfrau in dem kleinen griechischen Städtchen Nafplio gemeinsam mit ihrer Partnerin Aggeliki die zwei hügelig gelegenen House Project Hotels Chroma und Aroma. Katrin Haase besuchte im Februar 2016 das Aroma Guesthouse und begleitete Ioanna einen Tag lang während einer Spätschicht.
14:00
Ioanna verlässt ihre Wohnung und läuft durch Nafplios alte, verwinkelte Gässchen zum Hotel Chroma.
Das Hotel Chroma in Nafplio
Das Hotel Chroma in Nafplio
14:30
An der Rezeption angekommen, wartet Aggeliki bereits auf Ioanna. Nach einem kurzen Plausch bei Kaffee und Zigarette beginnen beide mit der Übergabe. Aggeliki berichtet Ioanna alles, was am heutigen Tag bereits passiert ist: Wer hat eingecheckt, wer ausgecheckt, welche neuen Reservierungen oder Stornierungen kamen rein, welche Aufgaben sind schon erledigt, welche noch offen. „Wir informieren uns gegenseitig über jede Art von Kommunikation, die mit den Gästen gehalten wurde, damit wir beide auf dem gleichen Stand sind.“ Damit alles für beide transparent bleibt, benutzen sie eine gemeinsame E-Mail-Adresse und dieselben Kalender, einen handgeschriebenen und einen digitalen. Der Mittelpunkt ihres Arbeitsplatzes ist die Rezeption, wo beide den Schreibtisch miteinander teilen, wo der Computer und das Telefon steht und wo die Gäste sie jederzeit antreffen können.
Ioanna und Aggeliki bei der Übergabe
Ioanna und Aggeliki bei der Übergabe
15:00
Aggeliki macht Feierabend, Ioanna führt die Hotels nun alleine. Der erste Gast ihres Tages trifft ein, sie grüßt freundlich, hält Small Talk, erkundigt sich, ob alles in Ordnung sei und gibt Tipps für die Tagesgestaltung wie „Gehen Sie doch zum fünf Minuten entfernten Strand, heute ist es besonders windstill und mild, das wird ihnen gefallen. Die Burg könnten Sie morgen früh besuchen, der Aufstieg heute lohnt sich nicht mehr, denn die Burg schließt 16:30 Uhr."
Die Burg Palamidi in Nafplio
Die Burg Palamidi in Nafplio

15:30
Das Telefon klingelt. Ein Kunde auf Hotelsuche erkundigt sich nach dem Wetter, nach der Anzahl der Stufen, nach der Zimmerausstattung und dem Preis. Noch bucht er nicht, später vielleicht. „Die Kunden finden auf ganz unterschiedlichen Wegen zu uns: Einige telefonieren ganz Nafplio ab und entscheiden sich erst dann, andere vergleichen die Angebote auf Onlineportalen, wieder andere kamen auf Empfehlung und kommen seit Jahren immer wieder.“ Nach dem Telefonat pflegt Ioanna auf über 20 Internet-Portalen wie Tripadvisor, Booking.com oder Expedia die Inserate ihrer Hotels. „Dieser Teil meiner Arbeit ist sehr wichtig. Ich muss so zeitnah wie möglich die Inserate schließen, wenn alle Zimmer ausgebucht sind, damit wir nicht überbucht sind. Und ich muss schnell wieder verfügbare Zimmer einstellen, wenn wir eine Stornierung bekommen haben. Leider sind sie Portale nicht mit unserem Kalender verknüpft, sodass ich alles selbst aktualisieren muss.“
Ioanna Klena an der Rezeption
Ioanna Klena an der Rezeption
16:00
Der erste Gast checkt ein. Der Herr aus Finnland zeigt sich mehr als zufrieden mit dem Wetter, dem Städtchen und dem Hotel. Ioanna bringt ihn zu seinem Zimmer, erklärt die Hausregeln, nennt Sehenswürdigkeiten und die Frühstückszeiten – immer mit einem Lächeln auf den Lippen.
Eines der Zimmer im Hotel Chroma
Eines der Zimmer im Hotel Chroma
16:30
Der nächste Gast checkt ein. Diesmal ist es jedoch kein Urlauber, sondern der griechische Manager von booking.com, der mit Ioanna einige Vertragsdetails diskutiert und neue Features seiner Seite erklärt.

17:00
Ioanna fährt mit dem Auto nach Korinth, wo sie einen Gast abholen soll, der mit der Fähre aus Italien angereist kommt. „Manchmal müssen wir die Gäste abholen, wenn kein Bus mehr fährt und sie kein Auto mieten wollen. In seltenen Fällen fahren wir sogar zum Athener Flughafen, allein hinzu fahre ich dann fast zwei Stunden.“
18:00
Ioanna findet den Gast mithilfe eines Schilds, auf dem sein Name steht. Sie begrüßt ihn freundlich, hilft beim Beladen des Gepäcks in den Kofferraum und fährt ihn zu ihrem Hotel. Im Auto erkundigt sie sich über seine Reise, seine Pläne und schürt mit blumigen Beschreibungen seine Vorfreude auf Nafplio.
Das beschauliche Nafplio
Das beschauliche Nafplio
19:00
Im Hotel angekommen, wird auch im der Raum gezeigt und Small Talk gehalten. Dann kontrolliert Ioanna wieder alle Online-Reservierungsportale und setzt das vom Gast bezogene Zimmer auf ausgebucht. In einer Rauchenpause auf der Terrasse füllt sie gleich die Futternäpfe der zahlreichen frei herumlaufenden Katzen.
Die schattige Terrasse
Die schattige Terrasse
20:00
Sie telefoniert, schreibt Mails, aktualisiert ihren Kalender und bereitet in der Küche das Frühstück für den nächsten Morgen vor. Viel kann jedoch am Vorabend nicht gemacht werden, das meiste wird am nächsten Tag von ihrer Kollegin frisch zubereitet.
21:30
Ioanna tritt den Heimweg durch die historischen Gassen Nafplios an. Kurz darauf trifft sie sich mit Freunden in einer Bar, und kann so auch das Urlaubs-Flair dieser lebenswerten griechischen Kleinstadt genießen.
Blick auf die Altstadt
Blick auf die Altstadt

Ioanna Ktena, Hotelfachfrau der House Project Hotels Chroma und Aroma aus Nafplio, Griechenland



An der Rezeption des House Project Hotels Chroma treffe ich auf eine freundliche, junge, strahlende Rezeptionistin: Ioanna Ktena. Die studierte Tourismusmanagerin hat sich gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Aggeliki 2013 den Traum erfüllt, ein eigenes Hotel zu leiten. Beide wechseln sich täglich mit einer Früh- und einer Spätschicht ab, um jederzeit für die Gäste erreichbar zu sein. Wie es ist, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen, erzählt sie im Interview.

Wie kamst du zu deinem Job?
Ich habe in Lamia und Barcelona Tourismus studiert und an der Universität der Ägäis meinen Doktor über Dark Tourism gemacht. Seit 2000 arbeitete ich in der Hotellerie, 2013 habe ich dann entschieden, mich in Nafplio selbstständig zu machen.

Was inspiriert dich?
Die vielen Menschen aus verschiedenen Kulturen inspirieren mich jeden Tag. Es ist immer wieder schön, mit ihnen in Kontakt treten zu können.

Was ist positiv an deinem Job?
Du kannst täglich neue, urlaubsgedingt gut gelaunte Menschen kennenlernen und Teil ihres Urlaubserlebnisses sein.

Und was negativ?
Negativ sind die langen Arbeitszeiten. Griechen arbeiten im Schnitt zehn Stunden pro Tag. Heute hatte ich zwar nur sieben Stunden zu arbeiten, aber manchmal können es auch zwölf Stunden sein.

Würdest du den Job weiterempfehlen?
Ja. Wer gerne in Kontakt mit Menschen ist und ein geduldiges, ruhiges Gemüt hat, kann an dem Job viel Spaß haben.

Was sind deine drei wichtigen Worktools?
Meine wichtigsten Arbeitsgeräte sind mein Computer und Handy mit Internetanschluss sowie eine gute körperliche Verfassung, ohne die ich die vielen Treppen nicht bewältigen könnte.



Was rätst du Neueinsteigern?
Sei darauf vorbereitet, viele Stunden zu arbeiten, sei effizient darin, Probleme zu lösen, und lerne es, manchmal nein sagen zu können, ohne nein zu sagen.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfelds ein?
Tourismus ist ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig in Griechenland. Durch Krisen wie die Eurokrise gehen die Besucherzahlen zwar zurück, trotzdem fühlen sich noch genug Menschen von Griechenland als Reiseziel angezogen. Tourismus wird es immer geben, denn die Leute lieben es, die Welt zu entdecken und die Sonne zu genießen. Vor allem der Bereich des Qualitätstourismus wird weiter wachsen, denn Urlauber mögen es, sich wie etwas Besonderes zu fühlen.



Was möchtest du noch erreichen?
Ich möchte gern ein ehrbares Leben führen und ich möchte, dass die Gäste sich in diesem Gästehaus wie zu Hause fühlen. Ich liebe es beispielsweise, wenn jemand sich so wohl fühlt, dass er im Pyjama zur Rezeption kommt.



Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Vor und nach der Arbeit füttere ich meine Katzen und meinen Hund Lakis und gehe mit ihm spazieren. Später treffe ich Freunde in einer Bar in der historischen Altstadt.

Interview und Fotografie: Katrin Haase

Steckbrief

  1. Alter: 35
  2. Wohnort: Nafplio, Griechenland
  3. Beruf: Hotelfachfrau der House Project Hotels Chroma und Aroma
  4. Branche: Hotelgewerbe, Gastgewerbe
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 5
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 7
  7. Pausen pro Tag: 0,5
  8. Status: selbstständig
Kontakt

Website: thehouseprojecthotels.com
Adresse: Chroma Design Hotel & Aroma Guesthouse
Kokkinoy 17 & Zygomala, Nafplio 21100, Griechenland
Telefon: +30 27520 27686



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