Stephan Weikert

Stephan Weikert in seinem Atelier / Foto: Daniel Reiche

Designer

Leipzig

Seine Welt besteht aus Silber und Leder: Der Designer Stephan Weikert entwirft und erstellt Schmuck und Accessoires für Männer. Wir waren einen Tag lang dabei.
07:00
Stephan Weikert beginnt den Tag mit einem Frühstück, Kaffee und einer Zigarette auf seinem Balkon. Den Laptop schaltet er nebenbei schon an und checkt seinen Blog, Instagram, Pinterest, Facebook und seine Verkaufsplattformen. Ebenfalls beim Frühstücken listet er in einem kleinen Notizbuch die Dinge auf, die am heutigen Tag anstehen.
Stephan genießt das Frühstück auf seinem Balkon
Stephan genießt das Frühstück auf seinem Balkon
08:15
Stephans Werkstatt befindet sich in einem Raum in seiner eigenen Wohnung. Der Weg vom Frühstückstisch zur Werkstatt ist also schnell getan. Er betritt seine Werkstatt, schaltet die vielen Lampen an, legt Musik auf – Rock von den White Buffalo – setzt sich an seinen Arbeitstisch und konzipiert ein Portemonnaie. Dafür nimmt er sich ein Stück Leder und schneidet es zu, nimmt Maße und macht die Zuschnitte mit einem Ledermesser fertig. Auch die Fächer für Karten und das kleine Ein-Euro-Fach bereitet er so vor. Danach bearbeitet er die Kartenfächer und das Euro-Fach. Dann prägt er die Ränder vor und macht dort Vertiefungen, wo die Naht entlanggehen wird, damit er die Naht später versenken kann. Mit einem Stanzwerkzeug stanzt er fünf bis sechs Löcher auf einmal, damit die Naht gerade und gleichmäßig verläuft.
Stephan beim Stanzen
Stephan beim Stanzen
09:30
Nun wickelt Stephan einen Faden von dem Garn, fädelt ihn in Nadeln ein und beginnt, das Portemonnaie von Hand zu nähen. Dabei näht er verkreuzt mit zwei Nadeln, damit die Naht auch wirklich fest wird. Er benutzt gewachste Fäden, die fürs Ledernähen gemacht sind. „Früher hat man den Faden selbst gewachst“, erzählt er, „doch heute gibt es gewachste Fäden zu kaufen.“ Beim Nähen sitzt er an der Werkbank.
10:00
Stephan schrägt nun die Kanten des Portemonnaies mit einem Werkzeug ab und bricht damit die Kante. Mit einem Holz poliert er die Ränder glatt. Dann fettet er das Portemonnaie mit einfachem Lederfett, damit es eine schöne Patina bekommt. Zum Schluss stanzt er sein Weikert-Logo in das Portemonnaie ein. Das Portemonnaie ist nun fertig.
10:30
Da dieses Portemonnaie ein Online-Auftrag ist, schaut er es sich final noch einmal prüfend an, probiert aus, ob der Euro passt, nimmt ein Falzbeil aus Knochen und zieht die Fächer nach. Dann schreibt er die Rechnung – es kostet 89 Euro, das größere 129 Euro – und unterschreibt mit einer Feder. Die Rechnung steckt er dann in einen alten Briefumschlag, der gepolstert ist und versiegelt den Brief mit Wachs und dem Weikert-Logo.
stilechte Post
stilechte Post
11:00
Zeit, das Mittagessen zuzubereiten. Stephan kocht für sich selbst, heute gibt es Kartoffeln mit Hühnerfilet und Mischgemüse. Manchmal kommt er nicht zum Kochen, vor allem dann, wenn er so in der Arbeit vertieft ist, dass man das Essen vergisst, wie er erzählt.
11:30
Nach dem Essen beginnt Stephan meist damit, ein neues Produkt zu entwerfen. Zwischendurch ruft er beim Ledergroßhandel an und bestellt Leder. Momentan entwirft er ein neues Lookbook für die Kollektion. Das ist ein Buch, in dem er seine Produkte mit charakterstarken Bildern auflistet und die Produkte sowie seine Firma beschreibt, damit seine Ware „einen Zauber bekommt“. Nach der kreativen Phase säubert Stephan seine Werkstatt.
So präsentiert Stephan seine Produkte im Lookbook
So präsentiert Stephan seine Produkte im Lookbook
12:30
Stephan telefoniert mit einer Kollegin, die ebenfalls handwerklich arbeitet und bespricht mit ihr einen gemeinsamen Entwurf und neue Ideen. Danach ist kurz Zeit für Schreibkram wie Briefe öffnen und ein wenig Organisation.
Auch Stephans Schreibtisch kann sich sehen lassen
Auch Stephans Schreibtisch kann sich sehen lassen
13:00
Um eins steht heute ein Treffen mit der Rosentreter-Designerin Sandra Jahn an. Dafür fährt Stephan mit seinem Fahrrad in ihr Studio im Westwerk.
13:30
Dort trinken sie gemeinsam Kaffee, rauchen und besprechen neue Ideen. Sie diskutieren, auf welche Messen sie gemeinsam gehen und wie sie noch mehr kooperieren können. Sie überlegen den Namen für einen gemeinsamen Shop. Diese Art von Treffen kommen sehr häufig vor, um im Austausch zu bleiben.
15:00
Zufrieden schwingt sich Stephan auf sein Rad und fährt zurück in seine Werkstatt.
15:30
Dort angekommen, setzt er sich wieder an seine Werkbank an einen neuen Entwurf, entweder ein Schmuckstück, das er erst einmal skizziert, oder neue Lederwaren. Es beginnt immer mit Bleistift auf einem Blatt Papier. Zeit dafür findet Stephan maximal einmal die Woche, wie er bedauert. Ein neuer Entwurf für eine Ledersache wie eine große Tasche kann manchmal zwei bis drei Wochen dauern. Der Verschluss muss ausgeklügelt und der Tragegurt gut konzipiert sein, bevor er mit dem ersten Entwurf beginnt.
Alles beginnt auf einem Blatt Papier
Alles beginnt auf einem Blatt Papier
17:30
Für heute ist nun Feierabend. Der steht an, wenn Stephan den Drang verspürt, rauszugehen. Und schon verlässt er die Wohnung für einen Spaziergang im Wald.

Stephan Weikert, Designer aus Leipzig



Vom Straßenbauer zum Produkt-Designer: Der Weg, den Stephan Weikert beschritten hat, ist spannend und eine wahre Suche nach dem selbstbestimmten und erfüllten Arbeitsleben. Kreativ war er schon immer, doch zur Entfaltung seines Handwerks fand er erst Schritt für Schritt durch ausprobieren. Vor zwei Jahren hat er sich selbstständig gemacht und entwirft in seiner eigenen Werkstatt Portemonnaies, Ledertaschen, Gürtel und Silberschmuck. Selbst der Band ACDC hat er bereits ein Präsent überreicht. Wie er seinen eigenen Weg fand, erzählt und Stephan Weikert im Interview.

Wie kamst du zu deinem Job?
Als ich 17 war, habe ich eine Ausbildung zum Straßentiefbaufacharbeiter angefangen. Die Kreativität war aber auch zu dieser Zeit ein guter Ausgleich für mich. Nach einiger Zeit im Baugewerbe habe ich mich dann bis hin zum Polier hochgearbeitet, da mich mein damaliger Chef sehr unterstützt hat. Mit 21 habe ich mich entschlossen, nach Leipzig zu gehen, um meinem Leben einen neuen Schwung zu geben. Ich bin dann als Quereinsteiger in den Verkauf gewechselt und habe nebenbei als Barkeeper und Kellner gejobbt. Wenn das Geld eng war, bin ich dann wieder zum Bau gegangen. Sonst habe ich in Herrenläden als Verkäufer gearbeitet und habe mich dort immer mehr dafür interessiert, wo die Ware herkommt, wie sie produziert wird und was der aktuelle Trend ist. Neben dem Verkauf habe ich für mich angefangen, mich wieder kreativ zu beschäftigen. Mit der Zeit entwickelte ich Interesse daran, plastisch zu arbeiten. Zuerst mit Speckstein, dann mit Gips und jetzt mit Wachs. Das erste fertige Produkt war ein Totenkopf mit einer Krone aus Silber – ein Kettenanhänger, der nicht zum Verkauf gedacht war. Was nicht sehr lange so blieb, zuletzt hab ich ihn dann für einen guten Preis verkaufen können. So hat sich die Kollektion Stück für Stück weiterentwickelt. Den Online-Shop www.weikertstudio.com habe ich vor gut einem Jahr geschaltet.

Was inspiriert dich?
Meistens lasse ich mich spontan durch meine Umwelt inspirieren. Ich liebe es, durch Städte zu schlendern, mir Sehenswürdigkeiten, Museen, Kunstgalerien anzuschauen oder mich in Antiquitäts-Geschäften von der alten Handwerkskunst begeistern zu lassen.

Was ist positiv an deinem Job?
Ich kann meiner Kreativität freien Lauf lassen, meine Zeit selbst einteilen. Ich liebe den Kontakt mit Menschen sowie den Verkauf, Netzwerken und das Handwerk. Und dies kann ich in meinem Job alles miteinander vereinen.

Und was negativ?
Die Büroarbeit und die Steuererklärung.

Würdest du den Job weiterempfehlen?
Ja, ich mag meinen Job sehr, aber jeder muss selbst herausfinden, was er in seinem Leben braucht und wie er sich dieses vorstellt. Ich kann nur eines mitgeben: Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben.

Was sind deine drei wichtigsten Worktools?
Mein Laptop für Marketing, scharfe Messer und meine Hände.


Stephans Werkzeuge



Was rätst du Neueinsteigern?
Fangt langsam an, tastet euch heran, probiert, scheut euch nicht, Fehler zu machen. Habt Mut, das zu machen, was euch ausmacht, hört nicht immer auf die Meinung Anderer.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfeldes ein?
Umso mehr der Konsum wächst, umso schöner ist es, wenn man wieder ein hochwertiges Produkt in den Händen hält, was zu einem langen Begleiter wird und von dem man weiß, wo es produziert wurde. Ich denke und hoffe, das wird den Menschen auch in Zukunft immer wichtiger werden. Schon jetzt erleben wir einen Trend hin zu Naturprodukten und Langlebigkeit im Modebereich. Der Markt ist also da und wird sich entwickeln. Bei uns zählt der Gedanke, dass aus einem Schmuckstück wieder ein Erbstück wird.

alles handgemacht

Was möchtest du noch erreichen?
Ich arbeite darauf hin, dass der Vertrieb ausgebaut wird und in vielen Städten Deutschlands mehrere Produkte in den Ladenflächen ausgelegt werden. In den nächsten Monaten ist geplant, in Plagwitz eine kleine Ladenfläche in Verbindung einer Werkstatt aufzumachen, wo die Leute einem direkt beim Arbeiten zusehen können und die Produkte auch erwerben können. Mein größtes Ziel nach dem ich strebe ist es, sich neben dem Arbeitsleben die Freizeit für die Familie nehmen zu können.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Ich gehe gern im Wald spazieren, treffe mich gern mit Freunden, schwimme gern. Ich liebe Städtereisen, aber auch, zu meinen Eltern aufs Land zu fahren, um dort einfach mal abzuschalten um die Ruhe genießen zu können.

Interview und Fotografie: Katrin Haase, Portraitfoto: Daniel Reiche

Steckbrief

  1. Alter: 29
  2. Wohnort: Leipzig
  3. Beruf: Designer
  4. Branche: Kreativwirtschaft und Handel
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 6
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 8,5
  7. Pausen pro Tag: 1
  8. Status: selbstständig


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