Alfonso Rituerto

Der Magier Alfonso Rituerto

Magier

Leipzig

Münzen wandern über seine Finger, Karten tanzen und verschwinden, zerschnittene Fäden verbinden sich plötzlich zu einem unversehrten Stück – das alles passiert in den Händen des Magiers Alfonso Rituerto. Magie – das ist Fingerfertigkeit und die Kunst der Ablenkung. Der Spanier Alfonso Rituerto verzaubert sein Publikum mittlerweile in Deutschland und machte sich vor allem mit „Close-Up“-Stücken einen Namen. Doch wie bereitet sich ein Magier auf seine Zaubershows vor.
10:00
Alfonso Rituerto beginnt seinen Arbeitstag zu Hause. Der junge Spanier setzt sich nach einem Frühstück auf sein Sofa, legt eine Schallplatte seines täglich ändernden Geschmacks auf – heute sind es die rockigen Dr. Explosion mit „Hablaban con frases hechas“ – und schaut in seine Notizbücher. Dort sind Ideen und Gedanken zu Zauberstücken verzeichnet, die ihm an jedem Ort und zu jeder Tageszeit kommen können. Bei einem Kaffee studiert und verfeinert er diese Notizen und entwickelt daraus neue, eigene Zaubertricks.
Alfonso und sein geheimes Magie-Notizbuch
Alfonso und sein geheimes Magie-Notizbuch
11:30
Der Magier klappt seinen Wandspiegel aus, platziert Spielkarten, historische Münzen und eine Tasse auf dem Tisch. Er setzt sich vor den Spiegel und fängt an, ein paar Fingerübungen mit Karten zu machen, Münzen in der Tasse verschwinden zu lassen und immer wieder auf der Suche nach einer bestimmten Karte Stapel zu mischen und abzuheben. Dabei beobachtet er detailliert, was im Spiegel zu sehen ist. „Ich will genau wissen, was mein Zuschauer beim 'Close-Up' sieht“, erklärt Alfonso. Dabei versucht er, sich permanent zu verbessern, die Bewegungen noch geschmeidiger und verdeckter auszuführen und so die Verblüffung des Beobachters noch weiter zu steigern.
Alfonso trickst sich selbst aus
Alfonso trickst sich selbst aus

13:00
Nun ist es Zeit für die erste Pause: Das Mittagessen. Heute gibt es Pilz-Spargel-Risotto, doch wie genau das zubereitet wird, lässt er sich lieber noch einmal von seiner Mutter am Telefon erklären. Dabei gönnt er sich bereits ein paar Scheiben allerfeinsten Käse zu einem Schluck Rotwein. Meist isst er alleine, heute aber kommt seine Freundin während ihrer Mittagspause vorbei und beide genießen das Risotto am Küchentisch der gemeinsamen Wohnung.
Fürs Kochen nimmt er sich Zeit
Fürs Kochen nimmt er sich Zeit
Guter Käse und guter Wein - so muss es sein
Guter Käse und guter Wein - so muss es sein
15:00
Ab um drei macht sich Alfonso wieder an die Arbeit und beginnt Artikel in Magie-Zeitschriften und Büchern zu lesen, Mails mit Show-Anfragen zu beantworten und ein paar Kunststücke seiner Kollegen auf YouTube zu schauen.
Alfonsos magische Literatur
Alfonsos magische Literatur
16:00
Alfonso trifft sich mit einer Kuratorin im Kunstkraftwerk, um die Ausstellung „Illusionen“ beratend mit vorzubereiten. Dort wird er in ein paar Wochen eine Show geben und einen Vortrag halten.
18:00
Das nächste Treffen folgt um sechs mit einem Bühnen-Kollegen, dem Mentalisten Yann Yuro, mit dem er eine gemeinsame Show „Vertigo – Stunde der Täuschung“ vorbereitet, die im Herbst 2016 in Meiningen und Leipzig starten soll. Im Telegraphen besprechen beide bei einem Bier Details der Show, entwerfen das Skript und teilen ihre magischen Ideen.
Alfonso und Yann Yuro im Telegraphen
Alfonso und Yann Yuro im Telegraphen
20:00
Um acht ist Alfonso endlich wieder zu Hause, ruht sich ein wenig aus und geht dann mit Freunden in seine Lieblingsbar De Cattiveria.

Alfonso Rituerto, Magier aus Leipzig



Das ist doch alles Zauberei! Wirklich? Ist es nicht eher ein Handwerk? Magie will gelernt und gut vorbereitet sein, geht es doch um die trickreiche Täuschung unserer Sinne, obwohl wir hochkonzentriert zuschauen und geradezu darauf fokussiert sind, dem Schwindel auf die Schliche zu kommen. Einem guten Magier gelingt es trotzdem, uns zum Staunen zu bringen und die Welt mit anderen Augen zu sehen, ja vielleicht sogar ein wenig darüber lachen zu können. Wie der in Deutschland lebende Spanier Alfonso Rituerto zur Magie fand und wie er sich täglich auf dein Handwerk vorbereitet, erzählt er im Interview.

Wie kamst du zu deinem Job?
Lustigerweise fand ich als Kind Zauberei blöd. Doch vor circa zehn Jahren – im Alter von 18 – begann ich mich dank der TV-Sendung Nada X Aquí für die Zauberkunst zu interessieren. Ich denke, den Widerspruch zur Rationalität in der Zauberei kann man erst als Erwachsener genießen. Ich studierte dann erstmal Philosophie in Madrid und begann währenddessen, Bücher über Magie zu lesen und massenhaft PDFs und Videos über Zauberei auf meinem Computer zu sammeln. Ich begriff jedoch schnell, dass man sich besser auf ein Buch konzentrieren und das intensiv durcharbeiten sollte. Da löschte ich alle PDFs und Videos und konzentrierte mich fünf Monate lang intensiv auf ein Buch. Nach drei weiteren Jahren Lektüre und Übung hatte ich 2009 meinen ersten Auftritt bei einem Festival und belegte gleich den dritten Platz – ein guter Anfang! Meine Masterarbeit in Kunstgeschichte habe ich dann auch zum Thema Magie verfasst.

Was inspiriert dich?
Die Vorstellung, wie die Show aussehen wird – das ist eine sehr motivierende Vorfreude.

Was ist positiv an deinem Job?
Als Magier darf ich als Erwachsener das Kind in mir befreien. Der Job ist einerseits tiefgründig und intellektuell anspruchsvoll, da es um die Psyche des Menschen geht, andererseits sehr unterhaltend – immer wieder darf man Geheimnisse entdecken und über sich hinauswachsen, das stimmt einfach fröhlich. Während der Show können alle für einen Moment die Probleme der Menschheit vergessen.

Und was negativ?
Eigentlich ist Magie auch eine sehr traurige Sache, denn sie lässt Menschen hoffen und zerstört diese Hoffnungen zugleich. Für mich persönlich geht das Magische an der Zauberei ein wenig verloren, je mehr Zaubertricks ich kenne. Auch müssen wie in jedem anderen Bühnenjob echte Emotionen zu Hause bleiben. Auf der Bühne musst du immer Freude ausstrahlen, auch wenn dir nicht danach ist.

Würdest du deinen Job weiterempfehlen?
Natürlich nicht, es gibt schon jetzt genug Konkurrenz (lacht). Nur, wenn jemand einen wirklich starken inneren Willen hat, Magier zu werden, dann kann ich es empfehlen.

Was sind deine drei wichtigsten Worktools?
Meine Hände, alte Magier als Inspiration und meine Bücher über die Kartenkunst.



Was rätst du Neueinsteigern?
Trefft andere Magier und tauscht euch aus, vermeidet Überinformation und legt euch stattdessen auf ein Buch fest, das ihr bis ins Detail studiert.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfelds ein?
Mit der Zukunft dieses Berufs sieht es gut aus, Magier werden sogar immer gefragter. Je aufgeklärter wir sind, desto mehr Bedürfnis nach Magie haben wir – das Rationelle will überwunden werden.

Was möchtest du noch erreichen?
Ich möchte von meinen Shows in kleinen Theatern leben können. Die Zuschauer sollen kommen, um meine Kunst zu erleben. Kurzfristig möchte ich die deutsche Meisterschaft der Mikromagie gewinnen. (Anmerkung der Redaktion: Alfonso gelang es, bei der Vorentscheidung der Deutschen Meisterschaft den dritten Platz zu belegen.)

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Abends setze ich mich entweder gemütlich auf die Couch und schaue mir magische Kollegen auf YouTube an oder ich gehe mit Freunden in eine Bar und trinke guten Rotwein.

Interview und Fotografie: Katrin Haase

Steckbrief

  1. Alter: 30
  2. Wohnort: Leipzig
  3. Beruf: Magier
  4. Branche: Darstellende Kunst
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 6
  6. Arbeitsstunden pro Tag: 8
  7. Pausen pro Tag: 2
  8. Status: selbstständig
Kontakt

Website: http://alfonsorituerto.com
E-Mail: guckmal@alfonsorituerto.com
Telefon: 0163 7268944



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