Kama Frankl

Choreografin, Regisseurin, Sachbearbeiterin im Kulturamt

Bochum

Die Choreografin Kama Frankl bewegt die Jugend im Ruhrgebiet: Im wahrsten Sinne des Wortes, denn mit ihren zahlreichen Tanzprojekten und -kursen bringt sie junge Menschen auf die Bühne und hilft ihnen, ihre künstlerischen Fähigkeiten zu entdecken. Die studierte Theaterwissenschaftlerin hat sogar ihr eigenes Ensemble auf die Beine gestellt, für der Stadt Herne arbeitet sie halbtags im Kulturamt.
08:30
Der Tag beginnt für Kama Frankl, indem sie sich in ihr Auto setzt oder in ihren Fahrradsattel schwingt und sich auf den Weg in ihr Büro macht. Denn Kamas Arbeitsalltag bewegt sich zwischen Freiberuflichkeit und Festanstellung: Während sie unter der Woche jeden Vormittag im Kulturamt Herne beschäftigt ist, widmet sie sich Nachmittags und an freien Tagen ihren eigenen Projekten. Wie für viele Freiberufler gilt auch für Kama: Ein geregelter Arbeitsalltag und regelmäßige Wochenenden gibt es nicht.
09:00
Kama bei der Arbeit
Kama bei der Arbeit
Im Büro angekommen, heißt es für Kama erst einmal: PC hochfahren. Im Internet findet sie alle Informationen, die für ihre Arbeit als Sachbearbeiterin im Kulturamt wichtig sind. Dort sucht Kama nach aktuellen Ausschreibung für Kultur-Projekte mit Flüchtlingen. Dabei ist es ihre Aufgabe, zu überlegen, welches Potential in den ausgeschriebenen Projekten steckt, wie sie sich entwickeln lassen und was damit erreicht werden kann. Darüber hinaus ist Kama für die Entwicklung der Jugendkulturbühne Herne „Die Aula“ verantwortlich. Ihre Zeit im Büro nutzt sie, um ein Profil für die Bühne zu erstellen.
14:00
Wieder Zeit für Kama, sich in den Sattel oder hinters Lenkrad zu setzen. Denn kaum ist ihre Arbeit im Kulturamt beendet, geht es für sie schon weiter zur nächsten Beschäftigung. Ach ja, eine Pause braucht Kama natürlich auch. Die Zeit, in der sie auf dem Weg ist, nutzt sie, um sich etwas auf die Hand zu holen und sich für die nächsten Stunden zu stärken. Manchmal nimmt sie sich auch eine Kleinigkeit von zu Hause mit und isst abends warm. Eine wirkliche Auszeit ist aber nicht drin.
Kama bei einer Projektbesprechung
Kama bei einer Projektbesprechung
14:15
Jetzt beginnt für Kama der Alltag als Selbstständige und der läuft aktuell ebenfalls auf der Jugendkulturbühne Herne „Die Aula“ ab. Dort finden die Proben ihres Jugendensembles, dem „Ensample“ ab. Wie viele Freiberufler arbeitet Kama projektgebunden. Kama bringt junge Tänzer und Schauspieler auf der Bühne zusammen und erarbeitet mit ihnen Stücke für die Aula. Doch nicht nur der glatte Ablauf auf der Bühne will für ein erfolgreiches Stück feststehen. Als Kopf des „Ensample“ ist Kama auch für den beim künstlerischen Inhalt und die Choreographien verantwortlich und leitet ein Team, welches mitunter aus Theaterpädagogen, Assistenten, Kostümbildnern und weiteren Choreographen besteht. An ihren Plänen arbeitet Kama zum Teil schon während der Proben. Auch die Bühnen-Truppe hat sie in einem Casting selbst zusammengestellt.
Kama in einer Probe
Kama in einer Probe
20:00
Die letzte Probe für ein Stück
Die letzte Probe für ein Stück
Die Proben sind beendet, die Arbeit für das „Ensample“ aber nicht unbedingt. Kama trifft sich häufig abends mit den Kostümbildnern, Musikern und anderen Projektpartnern, um sich deren Entwürfe zeigen zu lassen. Bis Oktober hat das Team noch Zeit um das kommende Stück vollständig zu erarbeiten, dann muss es reif für die Bühne sein.
21:00
Kama mit ihrem Team
Kama mit ihrem Team
Jetzt heißt es auch für Kama: endlich Feierabend! Jetzt kann sie den Abend ganz für sich genießen, sich entspannen und in Ruhe zu Abend essen. Zumindest meistens – manchmal will der Feierabend auch genutzt werden, um noch am eigenen Stück zu arbeiten, zum Beispiel um weiter an den Choreografien zu tüfteln.

Kama Frankl, Choreografin, Regisseurin, Sachbearbeiterin im Kulturamt aus Bochum



Wenn junge Menschen im Ruhrgebiet Kultur machen, ist Kama Frankl oft nicht weit. 1986 im Recklinghausen geboren, sammelte die heutige Choreografin jahrelange Tanzerfahrung in den Tanzstilen Modern, Jazz, Ballett und Hip Hop. Heute ist sie selbster in der Tanz- und Theaterszene aktiv, wirkt an zahlreichen Projekten und Produktionen mit und gibt Tanzkurse an Kinder und Jugendliche. Kama leitet seit 2009 das Junge Pottporus und die Pottporus Dance School in Herne. Das Junge Pottporus wurde zur Förderung der jungen urbanen Kultur gegründet, als sich das Ruhrgebiet 2010 als Europäische Kulturhauptstadt präsentierte. Kamas Tanzprojekte führten sie bereitsschon nach Schwäbisch-Hall, Polen oder Österreich und wurden an verschiedenen Theatern, Schulen oder Musicalbühnen realisiert. 2015 stellte Kama sogar ihr eigenes junges Ensemble auf die Beine, das „Ensample“ in Herne. Seit Mai 2016 arbeitet sie zudem im Kulturamt der Stadt Herne. Kama Frankl studierte an der Ruhr-Universität Bochum Theaterwissenschaft und Slawistik und den Masterstudiengang „Szenische Forschung“. Einmal die Woche stehen für Kama auch Teammeetings an, für das Kulturamt oder das junge Pottporus. Denn Projekte hin oder her, um ihr Langzeitprojekt Pottporus muss Kama sich weiterhin kümmern. Auch das Wochenende bedeutet für Kama nicht gleich Freizeit. Dann stehen oft Festivals und andere Projekte auf dem Programm, dort ist sie zum Beispiel als Theaterpädagogin oder Choreographin beteiligt.

Wie kamst du zu dem Job?
Mit 15 habe ich angefangen, eine Tanz AG an meiner Schule zu leiten und gemerkt, dass ich gerne unterrichte. Mit 16 oder 17 habe ich dann mein eigenes Tanzfestival an der Schule organisiert, außerdem mit den ersten kleinen außerschulischen Projekten angefangen. Mit 18 wurde ich für mein Tanztheater an der Schule ausgezeichnet. Daraus entstanden schließlich die ersten Anfragen und ich habe so nach und nach mein Netzwerk im Ruhrgebiet aufgebaut. Das ist in meinem Beruf natürlich besonders wichtig. Seit 2009 bin ich beim jungen Pottporus aktiv. Ich habe stets neben meinem Studium weiter an Projekten gearbeitet und mich in dem Gebiet weiterentwickelt. Meinen Job beim Kulturamt habe ich auf Anfrage seitens der Stadt aufgenommen. Mein Studium habe ich gewählt, weil ich mehr über die Geschichte und Philosophie hinter dem Tanz und dem Theater lernen wollte.

Was inspiriert dich?
Mich inspirieren die Menschen, mit denen ich arbeite, die Entwicklung, die sie durchmachen und die ich miterleben darf. Wenn Menschen eine Bühne bekommen und eine Möglichkeit sich auszudrücken, macht das unglaublich viel aus. Es macht mich jedes mal glücklich zu sehen, wie nach und nach aus einem leeren Blatt eine Bühnenwerk entsteht und wie ich so auch selbst die Möglichkeit kriege, mich auszudrücken.

Was ist positiv an deinem Job?
Ich bin mein eigener Chef, ich kann Dinge selbst entscheiden und koordinieren. Niemand grenzt mich dabei ein. Außerdem erlebt man die Menschen in guten Momenten, da sie etwas tun, was sie glücklich macht. Dadurch bekommt man sehr viel Positives zurück. Langeweile kenne ich in meinem Job nicht.

Und was ist negativ?
Man arbeitet einfach viel zu viel und beutet sich selbst aus. Ein freies Wochenende und Zeit für Freunde ist bei mir einfach oft nicht drin. Wenn man außerdem eine Idee hat und diese nicht durchkommt, kann das zuweilen sehr frustrierend sein, auch weil dies oft kulturpolitische Gründe hat, gegen die man nicht so leicht ankommt.

Würdest du den Job weiterempfehlen?
Nein, würde ich nicht, da er sehr viel an eigener Motivation und Selbstständigkeit fordert. Man kann sich nicht einfach auf irgendwelche Anweisungen verlassen. Ich würde nur Leuten dazu raten, die sich in dieser Arbeit wirklich wiederfinden. Ich selbst bin aber glücklich mit dem, was ich tue.

Was sind deine drei wichtigsten Worktools?
Mein Laptop, mein Kalender und mein Handy.

Was rätst du Neueinsteigern?
Praktika, Praktika, Praktika. Das ist das Wichtigste, um herauszufinden, ob einem diese Art von Arbeit liegt und Freude bereitet. Ratsam ist auch, mal Assistenz gemacht zu haben. Man muss wirklich einmal in diese Welt eintauchen um sie kennenzulernen und Kontakte knüpfen. Auf Bezahlung kann man am Anfang nicht unbedingt hoffen.

Wie schätzt du die Zukunft deines Berufsfelds ein?
Ich denke, dass Kunst immer ein wichtiges Mittel sein wird, um junge Menschen zu helfen, ihren Weg zu finden oder um gesellschaftliche Themen auszuhandeln.

Was möchtest du gerne noch erreichen?
Ich würde gerne in eine Position aufsteigen, in der ich Entscheidungen treffen kann, die für die gesamte Kulturszene eine Tragweite haben und mit der ich mein Berufsfeld besser fördern kann.

Welchen Ausgleich gönnst du dir?
Mein Freund, Spazierengehen und Sport sind ein wichtiger Ausgleich. Und noch ganz wichtig: Urlaub. Die Zeit dafür nehme ich mir bei aller Arbeit. Denn beim Reisen kann ich total abschalten. Am liebsten mag ich Campen, Skifahren oder Backpacken.

Interview: Nabila Lalee
Fotografie: Christopher Deutsch

Steckbrief

  1. Alter: 30
  2. Wohnort: Bochum
  3. Beruf: Choreografin, Regisseurin, Sachbearbeiterin im Kulturamt
  4. Branche: Kultur
  5. Anzahl an Arbeitstagen: 7
  6. Status: freiberuflich selbstständig und halbtagsangestellt
Kontakt

Website: ensample.de
Facebook: facebook.com/kama.frankl



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