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Verändert der Beruf den Charakter?

Charakter und Berufe

Charakter und Berufe

Soldaten sind tapfer, Geografen neugierig und Designer kreativ… Stimmen diese Klischees mit der Realität überein? Und wenn ja, was war zuerst da: Die Charaktereigenschaft oder der Job? Anders gefragt: Bestimmen unsere Charaktereigenschaften über den ausgeübten Beruf oder nehmen wir uns im Laufe des Arbeitslebens branchentypischer Charakterstärken an? Dieser Frage ging die Psychologin Dr. Claudia Harzer von der Uni Kassel nach und kam in ihrer aktuellen Studie zu dem Ergebnis, dass sowohl das eine als auch das andere zutrifft.

Stereotype über die Charaktere bestimmter Berufsgruppen haben demnach durchaus ihre Berechtigung. So seien Friseure besonders dankbare Menschen, Ärzte besonders wissbegierig, Bilanzbuchhalter besonders ausdauernd und Elektroniker besonders freundlich.

Doch wie kommt das?
Nach Dr. Harzer sind unsere Charakterstärken zum Teil genetisch festgelegt. Doch unbeweglich sind sie deswegen noch lange nicht: Wir können sie durch wiederholtes Handeln verändern und unser Wesen somit kontinuierlich verändern – zumindest in einem gewissen Rahmen. Ein Beispiel: Ein eher zurückhaltender, unkommunikativer Mensch wird Marktforscher und muss täglich Straßeninterviews halten. Mit der Zeit wird er die Angst vor dem Kontakt mit Fremden ablegen und offener und kommunikativer werden. Doch nicht jeder kann sich jedem Job anpassen. Das ist auch nicht nötig, immerhin ist ein Job frei wählbar. Wer besonders ängstlich ist, wird sicher kein Kriegsberichterstatter und wer soziopath ist sicher kein Seelsorger. Seine Stärken und Schwächen kennt jedoch nicht jeder Berufseinsteiger, so mancher lernt sie erst im Laufe des Lebens kennen. Daher ergeben sich laut Dr. Harzer meist drei mögliche Situationen beim Berufseinstieg:

1) Wir fühlen uns mit unserer Arbeit, den Aufgaben und dem Umfeld sofort wohl und machen unseren Job gut und gerne.
2) Wir merken, dass es hier und da hapert und lernen dazu und passen uns an, bis wir uns wohlfühlen.
3) Wir merken, dass der Job überhaupt nichts für uns ist und uns eine Anpassung nicht gelingt. In dem Fall heißt es: Nichts wie weg! Wer sich zu lange und erfolglos anzupassen versucht, wird auf Dauer unglücklich.

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Ja, der Beruf verändert den Charakter. Bestimmte Charaktereigenschaften bringen wir genetisch festgelegt bereits mit, verändern uns und damit unseren Charakter aber auf Dauer beim ständigen Ausüben einer Tätigkeit, zumindest im Rahmen unserer Möglichkeiten. Völlig verändern kann uns auch unser Beruf nicht.

Lesetipps:
Interview mit der ZEIT
Die Studien der Psychologin Dr. Harzer

Autor: Katrin Haase

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