Blog

Psychologie
Zeitmanagement

Zeitmanagement im Alltag – wenn der innere Schweinehund sich meldet

Wir müssen mit dem inneren Schweinehund in Dialog treten. Foto: Unsplash / Jakob Owens

Wir müssen mit dem inneren Schweinehund in Dialog treten. Foto: Unsplash / Jakob Owens

Der Alltag ist für viele von uns eines: stressig. Morgens zwischen 6 Uhr und 8 Uhr klingelt der Wecker, wir hetzen ins Büro oder vorher noch in die Kita, arbeiten bis abends, machen Überstunden und wundern uns, wenn das Wochenende schon wieder ansteht, an dem dann endlich alles andere erledigt werden muss. „Wie schnell doch die Zeit vergeht…“, denken wir uns. Für Hobbies oder Leidenschaften bleibt selten die Zeit.
Um dennoch mehr vom Leben zu haben und Freizeit zu generieren, gibt es Zeitmanagement-Tipps wie Sand am Meer – mit starren Anweisungen wie bei einem Rezept. Das Problem: Sie machen keinen Spaß, sind längst bekannt und meist schwer in den Alltag zu integrieren. Das Resultat: Man gibt auf und fällt in den alten Trott zurück – und das, was man gerne macht, wird wieder hinten angestellt.
„Dann setz‘ dich doch einfach mal hin und nimm‘ dir Zeit für dein Hobby“ – gut gemeinte Ratschläge wie diese kennt sicherlich jeder oder hat sie selbst schon gegeben. Doch warum klappt es mit der Selbstdisziplin-Peitsche meistens nicht? Ganz einfach: Die Basis wird nicht beachtet – und das ist der Mensch in seiner Individualität. Wir Menschen sind widersprüchliche Wesen mit ganz vielen Bedürfnissen, die sich oft gegenseitig in die Quere kommen. Aber jedes einzelne Bedürfnis möchte bedient werden, sonst sabotiert es einfach alles. Ignorieren hilft hier nicht, weshalb die Selbstdisziplin-Peitsche auch selten langfristig hilft.

Dein innerer Schweinehund spricht mit dir – hör‘ ihm zu!
Wer Stress vermeiden will, sollte seinem inneren Schweinehund zuhören. Er verrät nämlich, was wir brauchen. Ihn als lästiges Untier abzutun, geht meist nach hinten los. Richtig rund geht es, wenn du anfängst, mit ihm zusammenzuarbeiten.
Dazu gehört als Erstes, mit dir selbst abzuklären, was du wirklich möchtest und warum du dir überhaupt Zeit für den Tangokurs oder den eigenen Roman freischaufeln solltest. Passt das Hobby vielleicht gerade doch nicht in den eigenen Lebensrhythmus?
Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben: Für mich als Trainerin für Romanautoren stehen aktuell meine Kinder an erster Stelle – erst, wenn diese in die Schule kommen, werde ich weitere eigene Romane schreiben. Was sich vielleicht auf den ersten Blick nach einem Rückschritt anhört, ist eine wichtige Maßnahme, um die Lust an der Leidenschaft nicht zu verlieren.
Denn durch Ehrlichkeit und Offenheit zu sich selbst, befreist du dich vom Druck, etwas Schaffen zu müssen und perfekt oder erfolgreich zu sein. Du grenzt dich ganz klar von den eigenen Erwartungen und die der anderen ab, indem du dir Raum gibst. Wieso nicht klein anfangen und dem Hobby eine statt fünf Wochenstunden einräumen? So fällt das Anfangen viel leichter und du endest nicht in der „Prokrastinieren-für-Fortgeschrittenen-Falle“, durch die du plötzlich Sockenbügeln oder Putzen spannend findest.

Den Spaß-Auslöser finden – Stress vermeiden
Warum machen wir das, was wir machen eigentlich gerne? Warum hat der eine Freude am Stricken, der nächste Spaß am Tanzen und der Übernächste Interesse, seine Gedankenwelt auf Papier zu bringen? Eine wichtige und doch so selten gestellte Frage, um Stress beim Zeitmanagement zu vermeiden. Die Antworten sind nämlich der Motor für unsere Zufriedenheit und die Ausdauer, um „am Ball zu bleiben“. Um zu erkennen, weshalb die investierte Zeit es Wert ist, für ein Hobby genutzt zu werden, notierst du dir am besten alle positiven Aspekte des Hobbies auf Papier. Was dabei zum Vorschein kommt, ist immer wieder phänomenal – denn plötzlich wird die Leidenschaft zu einer Kraftquelle im Alltag und Beruf. Neue Ressourcen bis hin zu kleinen und großen Veränderungen kommen zum Vorschein. Damit ist unser innerer Schweinehund zutiefst befriedigt und hat keine Angriffsfläche mehr, das Hobby als unwichtig abzutun.

Kein Maulkorb beim Hobby
Es gibt keine Regeln für die eigenen Hobbies. Erlaubt ist, was Spaß macht und die Leidenschaft fördert. Ich zum Beispiel schreibe sehr gerne im Bett, auch wenn viele Forscher sagen, dass man genau das nicht machen soll. Damit setze ich mich bewusst über anerkannten Regeln hinweg und bin damit sehr erfolgreich.
Wichtig ist, dass wir uns wohl fühlen und unseren Spaß-Auslöser stärken. Das bedeutet: Hör‘ in dich und folge dem, was dir guttut. Dann bleibst du in Zukunft bei dir und deinen Hobbies, verzettelst du dich nicht und gerätst nicht in Stress.

Über die Autorin
Jurenka Jurk ist studierte Romanautorin, deren Roman „Verliebt bis in die Haarspitzen“ im Weltbild Verlag erschienen ist. Ihr Wissen teilt sie gern, denn das Unterrichten ist eine Kernleidenschaft der Süddeutschen und wichtiger Bestandteil ihrer Berufung. Mit dem von ihr entwickelten strategischen Konzept „Der Romanfahrplan“, unterstützt sie angehenden Autoren aus ihrem Schreibprojekt einen Roman im Buchregal zu machen.
www.schreibfluss.com

Unterstütze uns auf Steady

Share

Zum Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.