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Steuerliche Behandlung von Kindern oder: Warum manche Leute auf Kindergeld verzichten sollten

Was vom Nachwuchs ist steuerlich absetzbar? Thomas Adler klärt auf. Foto: Ben White / Unsplash

Was vom Nachwuchs ist steuerlich absetzbar? Thomas Adler klärt auf. Foto: Ben White / Unsplash

Kolumne von Thomas Adler

Unabhängig, ob mit oder ohne Kinder: Unverheiratete und Alleinerziehende werden gegenüber Verheirateten aufgrund des Ehegattensplittings seit Jahrzehnten benachteiligt. Jeder weiß das, und jeder bemängelt es. Indes: Wir haben nunmal Merkel. Und die Merkelraute ist die eingefrorene Form des Däumchendrehens.

Im Großen und Ganzen sind die steuerlichen Absetzmöglichkeiten bei Kindern beschränkt auf:

Hebamme: Außergewöhnliche Belastung, teilweise absetzbar
Schwangerschaftsgymnastik: dito
Kita-Gebühren: voll absetzbar
Babysitter: Voll absetzbar, wenn dieser per Überweisung bezahlt wird
Schulgeld: voll absetzbar bei Besuch einer Privatschule

Daneben sollten sich beide Elternteile einen halben Kinderfreibetrag auf ihrer Lohnsteuerkarte eintragen lassen. Alleinerziehende wechseln von Steuerklasse 1 in Steuerklasse 2.

Das eigentliche Problem ist das Kindergeld:

Deutschland ist in der EU das einzige Land, in dem das Kindergeld vorwiegend zur steuerlichen Freistellung des Existenzminimums gewährt wird. Durch das Grundgesetz ist geregelt, dass das Existenzminimum nicht besteuert werden darf. Daher prüft das Finanzamt bei der Einkommensteuererklärung auch, ob der Abzug der Freibeträge für den Steuerpflichtigen günstiger ist als der Anspruch auf das Kindergeld. Dies wird Günstigerprüfung genannt.

Sollte sich aus dieser Prüfung ergeben, dass der kindbedingte Steuervorteil aufgrund des Freibetrags höher ist als das Kindergeld, dann wird dieser überschießende Betrag an den Steuerpflichtigen ausgezahlt. Kommt der umgekehrte Fall in Frage, bleibt es weiterhin beim Kindergeld. Eltern, die über ein hohes zu versteuerndes Einkommen verfügen, stellen sich mit dem Abzug der Freibeträge regelmäßig besser gegenüber dem Kindergeld. Eltern mit einem geringen zu versteuernden Einkommen hingegen sind mit dem Kindergeld besser beraten. Seit dem Jahre 2004 reicht für diese Anrechnung auf den Kinderfreibetrag der Anspruch auf Kindergeld aus. Es spielt keine Rolle, ob das Kindergeld auch tatsächlich ausbezahlt wurde.

Thomas Adler ist Diplom-Kaufmann, Künstler-Coach und Existenzgründer-Berater in Berlin und hilft seit Jahren dem einen oder anderen Künstler aus der bürokratischen Patsche.

Foto: Ben White / Unsplash

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