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Mindset-Coach Julia Lakaemper: Wie berufliche Neuorientierung gelingen kann

Julia Lakaemper, Mindset-Coach, Interview auf WORK IN PROCESS

Julia Lakaemper

Kann man seine Ziele im Job jederzeit neu definieren? Ist es irgendwann zu spät? Wie finde ich heraus, welcher Weg zu mir passt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Julia Lakaemper beruflich. Sie ist Mindset Coach und hilft ihren Kunden dabei, sich beruflich neu zu orientieren. Dabei spricht sie aus Erfahrung, denn sie selbst hat einen Karrierewechsel durchlebt: Ursprünglich war sie als Beraterin in einer Berliner PR-Agentur tätig. Ein sicheres Einkommen, nette Arbeitskollegen und Erfolg im Job erwiesen sich mit der Zeit nicht als das, wonach sie sich sehnte. Also beschloss sie im Alter von 33 Jahren einen Neuanfang zu wagen. Zunächst reiste sie drei Jahre um die Welt und entschloss sich, danach eine Ausbildung zum zertifizierten Coach zu machen. Wir haben Julia zum Thema berufliche Neuorientierung interviewt und spannende Einsichten gewonnen.

Welchen Hinweis kannst du jedem zur beruflichen Neuorientierung mit auf den Weg geben?
Oha, da gibt es so einige. Zuerst würde ich analysieren, warum der- oder diejenige sich überhaupt beruflich umorientieren will. Vielleicht bist du in der falschen Unternehmenskultur gelandet und fühlst dich dort unwohl oder du wünschst dir einen Job mit mehr Sinn. Andere brauchen einfach mal eine längere Pause oder wollen sich einen flexibleren Lebensstil aufbauen, der besser zu ihren privaten Wünschen passt. Für viele meiner Kunden ist es gar nicht so leicht, alleine herauszufinden, was genau sie wollen – und warum. Die meisten sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht und trauen sich nicht, größer zu denken und mal wild zu träumen. Wir haben alle blinde Flecken, das ist ganz normal. Um die zu identifizieren, fragen viele ihre engsten Freunde und ihre Familie um Rat; das sind aber nicht unbedingt die qualifiziertesten und neutralsten Berater. Andere glauben, dass sie ihr Leben radikal umwerfen und sofort alles anders machen müssen und dann erst gar nicht anfangen, dabei haben kleine, konsequent umgesetzte Veränderungen massive Vorteile. Vor allem würde ich jedem den Tipp geben: Frag dich, wie du deine Tage verbringen würdest, wenn du kein Geld verdienen müsstest. Das funktioniert zum Beispiel ganz einfach mit der 12-Millionen-Frage.

Woran scheitern die Meisten?
Viele machen den Fehler, sich nicht die Zeit zu nehmen, um herauszufinden, wie sie wirklich leben und arbeiten wollen – und vor allem: warum. Das zu wissen ist mehr als die halbe Miete und sorgt dafür, dass du die Weichen für ein zufriedenes Leben langfristig und nachhaltig ausrichtest. Außerdem vergessen viele oft die Persönlichkeitsentwicklung, die neben der fachlichen Ausbildung wichtig ist. Wenn du nicht mit dem richtigen Mindset, mit der passenden Haltung, in größere Veränderungsprozesse einsteigst, können dich die ersten Hürden und Widerstände schnell umwerfen und entmutigen. Du brauchst eine tiefe Kraft und Motivation, die dich durch die eine oder andere Herausforderung oder Krise trägt. Es ist wichtig, eine klare Vision vor Augen zu haben und diese immer wieder der eigenen fachlichen und persönlichen Entwicklung anzupassen. Erstaunlich viele denken lieber daran, einen sicheren Job zu finden und eine Branche zu wählen, in der sie möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen. Meiner Meinung nach ist der sicherste Job meistens der, der dir Spaß macht und gut zu dir und deinen Talenten passt.

Ab wann kann man den Sprung in die Selbstständigkeit wagen?
Einen perfekten Zeitpunkt gibt es meiner Meinung nach nicht. Meistens ist es der Zeitpunkt, an dem du dich ein bisschen bereit, aber eigentlich noch nicht ganz bereit fühlst. Vorher solltest du dir gut überlegen, mit welcher Positionierung du dich selbstständig machen willst, und auch hier: warum. Was stört dich am angestellt sein? Wie risikobereit bist du: Lähmt es dich, die Miete für den nächsten Monat noch nicht zusammen zu haben oder motiviert es dich, dann erst recht Gas zu geben? Wie wohl fühlst du dich dabei, dich selbst und deine Arbeit zu vermarkten? Ich würde klären, welche Form der Selbstständigkeit du wählen willst, welche Kosten du auf jeden Fall monatlich decken musst und wie du unterschiedliche Einkommensquellen ausfindig machst. Hast du sechs Monate Rücklagen auf dem Konto, die dich finanzieren, falls alles schief geht, ein Netzwerk voller potenzieller Kunden oder bekommst du alternativ einen Gründungszuschuss von der Bundesagentur für Arbeit? Das sind alles wichtige Fragen, die du vor deinem Sprung in die Selbstständigkeit klären solltest. Wenn du gerne an den Wochenenden frei hast, jeden Tag um Punkt 17 Uhr Feierabend machen und mindestens 30 Tage im Jahr im bezahlen Urlaub verbringen willst, ist eine Selbstständigkeit wahrscheinlich eher nichts für dich – vor allem in den ersten Monaten (oder sogar Jahren) heißt es: Ranklotzen.

Kann wirklich jeder jede Idee umsetzen? Rätst du manchen Menschen auch von ihren Ideen ab, wenn du ehrlich nicht daran glaubst?
In meinen Coachings geht es eher noch um die Schritte davor: Um die Motivation, warum jemand sich selbstständig machen will, welche Ideen grundsätzlich infrage kommen, auf Basis der individuellen Interessen, Werte, Talente und Stärken. Eine klassische Existenzgründungsberatung mache ich nicht und bin auch kein “Business Angel“, da würde ich an andere Experten verweisen. Grundsätzlich würde ich sagen: Es kommt nicht nur auf eine gute Idee, sondern vor allem auf die Umsetzung an. Wenn du in der Kreation und im Netzwerken talentiert bist, such dir jemanden als Business-Partner, der in der Strategie und der Umsetzung stark ist.

Sind heutzutage viele Menschen beruflich unglücklich und wenn ja, warum?
Aus meiner Perspektive stimmt der Eindruck schon, ich hab ja sehr viele Kunden, die beruflich unzufrieden sind. Einerseits hat sich die Arbeitswelt stark verändert, andererseits gibt es meines Wissens nach in den Schulen weiterhin wenig Zeit und Unterstützung für die individuelle Berufsfindung. Durch die Globalisierung und die verschulte akademische Ausbildung taumeln dann viele engagiert die Karriereleitern hinauf, ohne genau zu wissen, warum sie das eigentlich machen. Andere unterfordern sich, weil sie sich das, was sie eigentlich machen wollen, nicht zutrauen. Das kann früher oder später zu Frustrationen führen. Andere glauben, dass ein bestimmtes Gehalt oder ein beruflicher Status zur Erfüllung führt. Das stimmt ja auch nur bedingt. Meiner Beobachtung nach hinterfragen viele erst sehr viel später, was sie da die letzten Jahre eigentlich gemacht haben und ob sie so weiterleben wollen. Die “berufliche Selbstfindung”, die durch diese Frustration in Gang gesetzt wird, holen viele in ihren 30ern nach. Sie machen sich dann auf, sich ein selbstbestimmtes Leben aktiv zu gestalten, das besser zu ihnen passt – beruflich wie privat. Die Jahre zuvor sind oft ein wichtiger Umweg und in der Regel keine vertane Zeit. Es gibt immer gute Gründe, warum wir uns dafür entschieden haben.

Ist Erfolg Einstellung oder Glück?
Ich glaube, für Erfolg braucht es eine klare Vision, Risikobereitschaft, Durchhaltevermögen, ein starkes Netzwerk und eine Prise Glück. Vor allem ist es wichtig, dass jeder für sich persönlich definiert, was Erfolg überhaupt bedeutet. Sind das Millionen auf dem Konto? Lieber ein Häuschen auf dem Land oder das dicke Auto vor der Tür? Bist du erfolgreich, sobald dich deine Arbeit erfüllt? In diesem Sinne ist Erfolg für mich Einstellung: Wenn du dein Leben aktiv so gestaltest, wie du es auch wirklich leben willst, bist du in meinen Augen erfolgreich.

Tipp der Redaktion: Julia Lakaemper bietet auch kostenlose Strategiegespräche an, die unter diesem Link gebucht werden können.

Interview: Elsa Loy

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