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Kolumne

Mutterschaft – und weiter geht die Bürokratie

Ein Baby bringt Freude und Bürokratie. Foto: Carlo Navarro / Unsplash

Ein Baby bringt Freude und Bürokratie. Foto: Carlo Navarro / Unsplash

Kolumne von Katrin Haase

Was für einen bürokratischen Hürdenlauf ihr in der Schwangerschaft meistern müsst, habe ich euch bereits verdeutlicht. Doch ihr ahnt nicht, dass es nach der Geburt noch rasanter zugeht.

Endlich habt ihr es geschafft und eure wundervollen Kinder haben das Licht der Welt erblickt. Anstatt euch im Wochenbett acht Wochen lang gemütlich auszuruhen, euer Kind kennenzulernen und ausgiebig mit ihm zu kuscheln und so Wärme und Geborgenheit zu geben, müsst ihr schnell an folgende Dinge denken:

Geburtsanzeige
Habt ihr das Kind im Krankenhaus oder Geburtshaus geboren, schicken sie eine erste Information mit Namen, Namen der Eltern, Geburtsdatum, Geschlecht und Religion an das Standesamt der Stadt, in der das Kind geboren wurde. Keine Panik: Könnt ihr euch nicht gleich auf einen Namen festlegen, kann er spätestens nach einer Woche nachgereicht werden, und zwar schriftlich in Form einer Geburtsanzeige. Habt ihr den Nachwuchs zu Hause bekommen, müsst ihr diesen Gang also gleich innerhalb einer Woche erledigen.

Geburtsurkunde
Das Dokument überhaupt, ohne dass das Kind offiziell nicht existiert. Nun müssen beide Sorgeberechtigte (das habt ihr hoffentlich schon vorher auf dem Jugendamt geklärt oder ihr seid sowieso verheiratet) mit Personalausweis, den eigenen Geburtsurkunden, wenn vorhanden Eheurkunde oder Vaterschaftsanerkennung zum Standesamt der Geburtsstadt des Kindes gehen und dort die Geburtsurkunde beantragen. Habt ihr eine tolle Stadt erwischt, geht ihr noch am selben Tag mit der Urkunde nach Hause. Habt ihr wie im Falle von Leipzig oder Berlin Pech, bekommt ihr sie erst nach Wochen per Post zugeschickt. Ohne die Geburtsurkunde könnt ihr die folgenden weiteren Schritte nicht erledigen. Demnach solltet ihr auch das erledigen, sobald ihr wieder laufen und auf harten Holzbänken sitzen könnt.

Familienkasse
Die Familienkasse ist keine Krankenkasse, sondern eine Finanzbehörde, die ausschließlich für das Kindergeld und den Kinderzuschlag – brutaler Name, aber für Geringverdiener interessant – zuständig ist. Pro Kind bekommt jede Familie 192 Euro pro Monat, ist es bereits das dritte Kind sind es sechs Euro mehr. Zwar hat jeder einen Anspruch darauf, einen schriftlichen Antrag müsst ihr trotzdem stellen. Darin müsst ihr die Identifikationsnummer eures Kindes nennen. Die wiederum bekommt ihr automatisch zugeschickt, nachdem ihr die Geburtsurkunde erhalten habt. Fehlt euch die Nummer noch, schickt den Antrag trotzdem ab und reicht die Nummer später nach. Klingt kompliziert, aber immerhin müsst ihr für das Kindergeld zu keinem Amt rennen, der Gang zum Briefkasten reicht aus.

Krankenkasse
Euer Kind sollte krankenversichert werden. Kein Stress, bei den ersten Arztbesuchen reichen auch eure Chipkarten aus, aber nach einer Weile braucht das Kind eine eigene. Dafür wird es bei der Krankenversicherung der Mutter oder des Vaters hinzugefügt, indem ihr eine Familienversicherung daraus macht. Erfragt bei eurer Krankenkasse einfach den Antrag dafür. Das Kind bleibt dabei beitragsfrei, zumindest bei den gesetzlichen Krankenkassen. Privat müsst ihr dafür extra zahlen.

Künstlersozialkasse
Sofern ihr Freiberufler und KSK-Mitglieder seid, muss auch diese Kasse über die Geburt des Kindes per Kopie der Geburtsurkunde informiert werden. Außerdem könnt ihr euch während der Elternzeit beitragsbefreien lassen. Dann habt ihr weiterhin den vollen Versicherungsschutz, müsst aber keine Beiträge zahlen. Der Wiedereinstieg in die KSK nach der Elternzeit sei wohl problemlos, ich bin gespannt…

Elterngeld
Das Horrorthema überhaupt. Eigentlich ist das Elterngeld eine schöne Sache, aber der Antrag ist reichlich kompliziert, da müsst ihr durch. Holt euch beim zuständigen Amt eurer Stadt den mehrseitigen Antrag, füllt ihn aus und geht vor dem Abschicken nochmal hin, um ihn dort von einem Mitarbeiter prüfen zu lassen. Und das alles vor der Geburt des Kindes, das ist meine Empfehlung. So könnt ihr nach der Geburt einfach noch die letzten Dinge wie Name des Kindes und Geburtsdatum hinzufügen und die Zettelsammlung abschicken. Dann heißt es, geduldig zu warten. Ich warte bereits seit drei Monaten und habe immernoch kein Elterngeld bekommen, die Bearbeitungszeit in Leipzig ist so lang, da es hier an Kindern nur so rieselt. Macht euch also auf eine Zeit gefasst, in der ihr vom Gesparten oder von anderer Unterstützung leben müsst. Für den Elterngeldantrag braucht ihr: 1) eine Gewinnermittlung, eine Steuererklärung oder andere Lohnnachweise 2) eine Geburtsurkunde in Original 3) die Bescheinigung der Krankenkasse über den Erhalt von Mutterschaftsgeld. Ergo heißt es, vorher die Steuererklärung des Vorjahres gemacht zu haben, den Gang zum Standesamt erledigt zu haben und den Krankenkassenkram für das Mutterschaftsgeld hinter sich zu haben. Trotzdem solltet ihr den Antrag nach spätestens drei Monaten nach der Geburt abgeschickt haben, denn das Geld wird nur drei Monate rückwirkend ausgezahlt.

Rente
Das hat mich überrascht: Ihr bekommt während der Zeit, in der ihr euer Kind erzieht, ergo der Elternzeit, einen Rentenanspruch zugesprochen. Dafür müsst ihr ausnahmsweise mal nichts machen. Die Rentenversicherung meldet sich mit einem Brief bei euch und ihr müsst noch nicht mal darauf antworten. Nur abheften solltet ihr ihn für die spätere Rentenberechnung. Als Berechnungsgrundlage nimmt die Rentenversicherung den Durchschnittsverdienst aller Versicherten, das sind aktuell immerhin mehr als 37.000 Euro pro Jahr. Einziger Nachteil: Diese Rente wird nur einem Elternteil zugesprochen, ihr könnt euch aussuchen, ob dem Vater oder der Mutter.

Haftpflichtversicherung
Eure Kinder werden bei euch Eltern mitversichert. Meist genügt ein Anruf bei der Versicherung, damit der Nachwuchs den vollen Versicherungsschutz genießt. Ihr könnt sie aber auch per Brief oder Fax über die Geburt informieren.

Arbeitgeber
Ihr solltet auch euren Arbeitgeber über die Geburt des Kindes informieren. Zu Beginn reicht eine kurze Nachricht per SMS oder Anruf, später, wenn euch danach ist, könnt ihr bei einem guten Verhältnis selbst mit dem Baby vorbeischauen und euch bestaunen und beglückwünschen lassen. Wann das angemessen ist, entscheidet ihr am besten selbst. In den ersten acht Wochen ist es euch per Gesetz untersagt, zu arbeiten, und danach beginnt für die meisten die Elternzeit, sofern ihr das vorher beantragt habt.

Zeit für euch
Versucht euch von der Zettelei und dem Gerenne nicht fertig machen zu lassen und die Zeit zu genießen, die nun auf euch zukommt. Euer Kind merkt sehr genau, ob ihr gestresst oder gut gelaunt seid und ist es dementsprechend auch. Viele dieser Punkte sind Anrufe oder Briefe, die kann vielleicht sogar jemand anderes für euch erledigen. Denn dieses Geschöpf in euren Armen braucht eure Liebe und Aufmerksamkeit, und dafür wiederum braucht ihr Ruhe. Also, schnell ins Bettchen und mit dem Baby kuscheln.

Gründen und gleichzeitig Mutter werden. Wie schafft man es, gleich zwei Babys zu schaukeln? Über diese spannende Erfahrung wird euch Katrin von WORK IN PROCESS jetzt regelmäßig berichten.

Foto: Carlo Navarro / Unsplash

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