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Selbstständigkeit statt Boreout: Change it, love it or leave it

Lieber selbstständig als gelangweilt / Foto: Pixabay rawpixel

Lieber selbstständig als gelangweilt / Foto: Pixabay rawpixel

Fühlst du dich in deiner aktuellen Arbeitssituation manchmal unterfordert, gelangweilt oder desinteressiert? Bist du häufig unzufrieden im Job? Dann geht es dir wahrscheinlich wie jedem siebten Angestellten in Deutschland (1). Es könnte sogar sein, dass du an einem „Boreout“ leidest.

Was ist Boreout?
„Boreout“ steht für dieses schleichende Gefühl von Unterforderung, Langeweile und Desinteresse, obwohl du dich ursprünglich einmal total mit deinem Beruf identifiziert hast und auch heute noch nach beruflicher Herausforderung strebst. Doch ist deine Stelle über einen langen Zeitraum für dich eher wenig herausfordernd, schleichen sich gewisse Verhaltensstrategien ein, um bei der Arbeit ausgelastet zu wirken. Denn wer gibt schon gern zu, dass plötzlich er seinen Traumjob todlangweilig findet?

Woran erkenne ich, ob ich an einem Boreout leide?
Von Boreout Betroffene fühlen sich häufiger ausgelaugt und frustriert, weil ihnen der nötige Kick oder Anerkennung fehlen oder weil sie nicht ihr ganzes Leistungspotential ausschöpfen können. So surft man in der Arbeitszeit vor Langeweile heimlich im Internet. Tauchen Kollegen auf, tut man so, als sei man gerade mit einer total wichtigen Sache beschäftigt. Oder man erledigt eine Aufgabe so schnell wie möglich, tut aber so, als würde man Tage dafür brauchen. Oder man nimmt sich zu viel Zeit für Aufgaben, die man früher in viel kürzerer Zeit erledigt hätte. Oder man stöhnt bei Kollegen vor „Überlastung“. Schließlich macht sich in einem das ungute Gefühl breit, man würde mit „angezogener Handbremse“ fahren, obwohl man doch lieber gern auf der „Überholspur“ sein würde.

Wie kann ich als Betroffener aus diesem Teufelskreis ausbrechen?
1. Sei ehrlich mit dir: Beobachte für 2 bis 4 Wochen, wieviel Zeit verbringst du täglich mit Scheinarbeit?
2. Change it. Werde aktiv: Suche das Gespräch mit deinen Vorgesetzten und schildere konstruktiv deine Arbeitssituation. Formuliere Wünsche an deine zukünftige Arbeitsgestaltung. Überlegt gemeinsam, was man an deiner Situation ändern könnte, damit du dich wieder wohler fühlst. Könntest du dich auf eine andere Stelle oder auf ein interessantes Projekt im Unternehmen bewerben oder eine Zusatzausbildung in Angriff nehmen? Bist du zufrieden mit deiner Bezahlung? Welche herausfordernden Ziele könntet Ihr für dich formulieren?
3. Love it. Versuche den Blick auf deine Arbeitssituation zu verändern: Woraus könntest du zusätzliche Befriedigung und Sinnhaftigkeit im Arbeitsalltag ziehen? Wie versüßen dir deine Kollegen den Tag? Wie könntest du im Privatleben für mehr Lebensfreude sorgen? Halte täglich Ausschau nach Dingen, die dich glücklich machen.
4. Leave it. Vielleicht ist es aber auch Zeit, zu gehen: Wenn das jedoch alles nichts nützt und es dir von Woche zu Woche schlechter geht, dein Körper dir beginnt, durch psychosomatische Beschwerden wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Reizbarkeit zu zeigen, dass deine Seele sich nicht mehr wohl in deiner Arbeitsrolle fühlt, solltest du ernsthaft über einen Jobwechsel oder vielleicht sogar über eine Selbstständigkeit nachdenken. Denn stell dir vor, du würdest all die Energie des „Zeittodschlagens“ und des „Herumjammerns“ in dein Herzensprojekt stecken. Wofür hast du gebrannt, bevor du diesen Job angenommen hast? Stell dir vor, du hättest das nötige Startkapital und eine Extraportion Mut, welchen beruflichen Traum würdest du dir gern erfüllen?

Viele Menschen staunen, welche Energie und Schaffenskraft sich plötzlich entlädt, hat man erst einmal die Entscheidung für einen Jobwechsel oder für eine Selbstständigkeit getroffen. Wenn du nach dem Lesen dieses Artikels festgestellt hast, dass du dringend in deinem Berufsleben etwas ändern solltest, kannst du entweder erst einmal ein Karrierecoaching in deiner Nähe in Anspruch nehmen oder einfach mit anderen Selbstständigen in Erfahrungsaustausch treten, um Ideen für die nächsten Schritte zu entwickeln. Der Weg zu mehr beruflicher Erfüllung entsteht dadurch, dass man ihn geht. Gern unterstützen wir dich bei diesem Schritt. Trau dich! Nur Mut! So haben wir alle einmal angefangen.

Anja Schirlitz ist freiberufliche Dipl.-Psychologin und Systemische Therapeutin. Schon seit 2009 berät sie Unternehmen in den Bereichen Personalmanagement, Führungsstrategien und Betrieblichem Gesundheitsmanagement. In Ihrer Privatpraxis begleitet Sie u.a. Klienten, die z. B. auf Grund Ihrer Arbeitssituation psychosomatische Beschwerden entwickelt haben und berät Arbeitnehmer hinsichtlich ihrer ungenutzten Potentiale und Karriereträume.

Quellen:
1) Hall. A. et al. (2007). BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 Arbeit und Beruf im Wandel, Erwerb und Verwertung beruflicher Qualifikationen. IN: Bundesinstitut für Berufsbildung

2) Rothlin, P. und Werder, P. R. (2007). Diagnose Boreout. Redline Wirtschaft-Verlag

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