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Digitale Gedanken reflektieren

Foto: Markus Spiske / Unsplash / digitale Gedanken

Foto: Markus Spiske / Unsplash / digitale Gedanken

Befreiungsschlag gegen geistfreie Ablenkungen der digitalen Welt
Ich lenke mich ab. Sie lenken sich ab. Wir lenken uns alle ab. Menschen mit guter Selbstkontrolle haben sich mit leuchtenden Augen der Herrschaft der Smartphones unterworfen. Ohne Handys fühlen wir uns unwohl, wir vermissen etwas. Dieses Unwohlsein geht so weit, dass einige Leute ein vergessenes Telefon als „Körperteil, das fehlt“ beschreiben. Wo es anfängt gruselig zu werden: Selbst dann, wenn wir noch gar keinen Hinweis zu einer neuen Aktivität bekommen haben, öffnen wir bereits Apps und scrollen durch Feeds. Es ist ein immer neues, nichtssuchendes Blättern und Weitergetragen werden von heftig-krassen Beiträgen, um am Ende des Tages zu viel gesehen und nichts behalten zu haben.

Der Feind auf dem Nachttisch
Zeit mit unseren Freunden oder der Familie zu verbringen ist wichtig für unser soziales Miteinander und die geistige und emotionale Gesundheit. Dennoch suchen wir nach parallel stattfindender Verbundenheit im virtuellen Raum. Obwohl unsere Partnerin oder unser Partner direkt vor uns sitzt, besteht trotzdem das drängende Bedürfnis, kurz zu prüfen, was im Internet abgeht.
Wir wissen, was wir tun. Dass wir zu oft mit unserem Handy surfen, chatten, liken, kommentieren und weiterleiten. Wir scrollen und scheinen irgendetwas zu suchen. Verniedlichend nennen wir dieses zombiesque Verhalten dann „Mit-dem-Handy-spielen“. Dabei wollen wir eigentlich etwas ganz anderes, etwas Sinnstiftendes und Gehaltvolles, unternehmen. Tatsächlich fühlen wir uns leer.
Um wieder die nötige Ruhe zu finden, helfen kleine Rituale. Wer Apps löscht und Benachrichtigungsfunktionen deaktiviert, der erkennt: Weniger ist mehr. Im Privatleben ist es meist verhältnismäßig leicht, sich auszuklinken. Das Handy bewusst zuhause lassen oder abends regelmäßig nach Feierabend ausschalten. Das Nicht-mehr-bei-Facebook-sein als Lebenseinstellung. Nicht immer für andere erreichbar sein, dafür mehr bei sich ankommen.
Im Berufsleben ordnen wir unsere Bedürfnisse hingegen breitwillig den Prozessen unter, in denen wir agieren. Und diese werden in den allermeisten Fällen von Unternehmenslenkern, Abteilungsleitern und Managern vorgegeben, die als Zielvorgabe meist „schneller“ und „mehr“, selten „bedachter“ oder „menschenverträglicher“ haben. Ausgleichend – die Leute sollen mal den Kopf frei bekommen – stellt man Kickertische auf und engagiert eine Feel-Good-Managerin. Das ist alles gut und schön, reicht nur leider nicht aus.
Wenn psychologische Erkrankungen, Stress und Diagnosen wie Burn-out immer öfter der Grund für Fehltage sind, dann sollten sich Unternehmen überlegen, wie ihre Prozesse, insbesondere die digitalen, unter menschlichen Gesichtspunkten optimiert werden können. Halten wir uns jetzt immer länger online auf, so denken wir über unsere Eindrücke aus der virtuellen Umgebung nach. Wir denken „digitale Gedanken“ und sammeln so Erfahrungen, die nicht auf allen menschlichen Sinnen beruhen. Es fehlen wichtige Sinneseindrücke, die aus dem Hier und Jetzt, um das Bild zu vervollständigen. Diese Dissonanz verursacht zusätzlichen „digitalen Stress“, wir fühlen uns getrieben.

Befreiungsschlag: Nieder mit dem digitalen Stress!
Reflektieren erleichtert: Man wird im Internet sowieso 99,9 Prozent aller Inhalte verpassen. Egal wie vernetzt man sich aufstellt, egal wie stichwortoptimiert das eigene Profil ist, es bleibt ein hektisches Rennen im informativen, unterhaltenden und sich dabei selbst produzierenden Hamsterrad. Ganz anders ist hingegen das echte Leben strukturiert, hier passiert die Magie des Moments. Wer sich dessen bewusst wird, erkennt, wie wichtig es ist, „digitale Gedanken“ zu beobachten und zu erspüren, wie sie uns beeinflussen. Kann ich diesen Moment oder Eindruck überhaupt genießen, wenn ich keine Möglichkeit habe, das Erlebte zu posten? Wo bin ich, wenn ich offline bin? Lebe ich im Hier und Jetzt? Einer der wichtigsten Befreiungsschläge der heutigen Zeit wird sein, sich vom unnötigen Digitalgebrauch freizumachen. Und zu erkennen, dass man besser daran täte, selbst das mächtigste Werkzeug, ob Hammer, Smartphone oder unsere Fähigkeit logisch zu denken, nach Gebrauch zur Seite zu legen.´
Eigentlich ganz einfach, solange wir uns nicht ablenken lassen.

Lisa Ringen ist selbstständige Marketingberaterin und Digitalberaterin und bloggt auf marketing-madam.de

Autorin: Lisa Ringen
Foto: Markus Spiske / Unsplash

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