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Das digitale Ich

Bei Kaffee und Kuchen das digitale Ich pushen

Bei Kaffee und Kuchen das digitale Ich pushen

Kolumne von Anja Graff

Samstagmorgen, mit den besten Vorsätzen um 9.30 Uhr aufgewacht, um in mein grandioses Fitnessstudio gehen und den Tag mit selbstproduzierten Endorphinen zu starten. Stattdessen ging der erste Handgriff nach dem Aufwachen in Richtung Smartphone. Drei Stunden später sitze ich (ohne Sport gemacht zu haben) im Café und haue in die QWERTZ-Tastatur. Tageshöchstleistung: Die Installation von Instagram. „Digitaler Spätzünder“ denken hier die einen, „was ist Instagram?“ vielleicht einige wenige andere. Das alltägliche Leben wird immer digitaler – für die einen ein alter Hut, für die anderen noch Neuland. Drei Gründe für die Relevanz digitaler Präsenz.

Vom Finden und Gefunden werden
Unternehmen bewerben sich und ihre freie Stellen nicht nur auf der Unternehmen-Homepage oder bei Online-Stellenmärkten, sondern auch bei XING, LinkedIn und/oder Facebook (und heißt in Fachkreisen Social Hiring). Personalmarketing findet ergo auf vielen Kanälen statt: Eine Stelle ist nicht nur auf mehreren Plattformen, sondern auch in mindestens zwei Darstellungsformen zu finden. Einmal als klassische Stellenanzeige (Jobtitel und -beschreibung) und als kommunizierte Empfehlung (bspw. in Netzwerkgruppen). Auf Instagram stellen Unternehmen sich überwiegend im Auftrag von Employer Branding dar. Der Vorteil: Man erreicht mehr Interessierte durch unterschiedliche Ansprachen und fördert die Weiterempfehlung. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein passender Bewerber über die Stelle stolpert, wächst. Das könnt ihr auch! Egal, ob ihr Aufmerksamkeit von Personalern oder Projektauftraggebern wollt, finden sollte man euch im digitalen Dschungel auf jeden Fall.

Quereinsteiger haben’s schwerer, warum eigentlich?
Selten passen Lebensläufe, die nicht linear verlaufen, zu der Matching-Logik der Recruiting-Plattformen. Ich hab mich beispielsweise vor einigen Jahren bei zwei großen Kfz-Herstellern sowie einem Infrastrukturdienstleister beworben. Bis heute ist da angeblich keine passende Stelle für mein Bewerberprofil dabei. Das hat mir eine automatische E-Mail mitgeteilt, in welcher auch eine Telefonnummer für Rückfragen angegeben war. 0800/… oder so ähnlich. Personaler haben keine Zeit. Zeit ist Geld, weswegen Bewerbungsprozesse digital optimiert werden. Jedes Bewerbungsportal, in welchem ihr angehalten seid, einzelne Datensätze (bspw. Lebenslaufdaten, Abschlüsse, Sprachkenntnisse) einzutippen, ist ein Beispiel dafür. Manchmal gibt es noch einen Kompetenzkatalog, der darauf abzielt, Soft Skills darzustellen. Die Einschätzung macht der ratlose Bewerber selbst. Die Daten der Bewerber werden intern mit den Stellenanzeigen abgeglichen, also gematcht. Logisch, dass Quereinsteiger dabei nicht berücksichtigt werden. Besonders wichtig, dass ihr eure Fähigkeiten „auf einen Blick“ darstellt, um auf anderen Wegen digital gefunden zu werden.

Schadet dem, der’s nicht hat: Netzwerke
„Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.“ Einst als Vetternwirtschaft beschrie(be)n und limitiert zugänglich, ist Netzwerken im digitalen Zeitalter wesentlich einfacher und offener. Beispiel gefällig? Die Suche nach neuen Mitarbeitern stemmen Kleinunternehmen und Mittelständler aus eigener Kraft oder unter Zuhilfenahme von Personaldienstleistern oder (meist ab Management-Level) über Headhunting-Agenturen. Tendenziell wird im Branchenumfeld gesucht. Viele dieser Unternehmen suchen aber auch nach Persönlichkeiten, Querdenkern, Charakterköpfen. Wieder der klassische Fall der eierlegenden Wollmilchsau? Nö, ich verstehe es als Offenheit gegenüber Quereinsteigern. Hauptsache, es „menschelt“, Fachliches kann man lernen. Formate wie Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter seien hier als ein Beispiel und Beweis genannt. Diese Such-Richtung kann man umdrehen, in dem man sich finden lässt. Sei es in der Bewerbung über den Link zum entsprechenden Business-Profil, auf diversen Plattformen oder Gruppen ein aktiveres Umtreiben mittels Diskussionsbeiträgen oder der direkten Kontaktaufnahme. Bei XING und LinkedIn empfinde ich die Kommunikation unkomplizierter und trotzdem verbindlich. Man spart sich das Suchen der Emailadresse und das Gesülze wie „Ich bin über …Blabla… auf Sie aufmerksam geworden“ und bleibt trotzdem professionell. Ein weiteres Plus: Man hat ein Bild des Gegenübers vor Augen! Mein Fazit: Digitale Plattformen eignen sich hervorragend zur Erweiterung der Branchenkenntnisse und -kontakte. Netzwerke für alle!

Welche Plattform für euer Begehren an Aufmerksamkeit die Richtige ist? Erstmal stöbern. XING (kommt übrigens von Crossing – kreuzende Wege) deckt die DACH-Region ab (Deutschland, Österreich, Schweiz), LinkedIn ist internationaler aufgestellt. Beide sind aus meiner Sicht das Facebook der Businesswelt – Erreichbarkeit, Auffindbarkeit und ein breites Nutzerspektrum inklusive. Instagram ist eine spritzige Möglichkeit, um auch auf eure Projekte aufmerksam zu machen. Kleiner Tipp: Man darf dem Profilbild ansehen, dass ihr diese Plattformen professionell nutzt 🙂

… auch Gehirn-Workout kann glücklich machen. Sport gibt’s dann eben an einem anderen Tag und ganz ohne digitale Präsenz. (Die Autorin klappt den Laptop zu und genießt den Kaffee und die Junisonne).

Anja Graff ist gelernte Bankerin und Autorin bei WORK IN PROCESS. In ihrer Kolumne auf WORK IN PROCESS schreibt sie über alles, was ihr im digitalen Dschungel widerfährt.

Foto: Anja Graff

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