Blog

gründen

Nebenberuflich eine NGO gründen? Ja, das geht!

Natalya Nepomnyashcha Gründerin und Geschäftsführerin, Foto: Holger Boening

Natalya Nepomnyashcha Gründerin und Geschäftsführerin, Foto: Holger Boening

Schon immer hatte ich einen recht ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Zu Schulzeiten hat es mich beispielsweise gestört, wenn die Notenvergabe bei mündlichen Prüfungen zum Teil willkürlich erfolgte oder wenn Klausuren in Parallelklassen unterschiedlich schwierig waren. Schließlich sollte die Note die jeweilige Leistung des einzelnen Schülers widerspiegeln, und dies war nicht immer der Fall.
So subjektiv das Gerechtigkeitsempfinden auch sein mag, mich ließ nie das Gefühl los, dass in unserer Gesellschaft Leistung allzu oft nicht das entscheidende Erfolgskriterium darstellt. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Herkunft eines Menschen einen großen Einfluss auf seine Lebenschancen hat. Selbst aus einem sozial schwachen Umfeld stammend, habe ich irgendwann, nach Ausbildung, Studium und mitten im Berufsleben, beschlossen, aktiv zu werden.
Eine Dialog-Plattform sollte es werden, die Politiker, Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Eltern zusammenbringt, um gemeinsam Lösungen für gleiche Bildungschancen zu erarbeiten. Doch wie fängt man an, wenn man einen Job hat, den man mag und nicht aufgeben will, und ein Gründungszuschuss gerade für ein Non-Profit nur mit sehr viel Mühe zu bekommen ist? Hier ein paar Tipps:

1) Seid selbst zu 150 % von eurem Ziel überzeugt

Gerade NGOs leben von einer starken Idee und Gründern, die etwas verändern wollen. Wenn ihr nicht selbst leidenschaftlich dahinter steht, besteht die Gefahr, dass ihr schnell aufgeben werdet, oder andere nicht von der Bedeutung der Veränderung überzeugen könnt.

2) Legt einfach los
Überlegt einen Arbeitsnamen, sichert eine Domain, und erarbeitet ein erstes Konzept. Ja, gerne in dieser Reihenfolge. Wenn ein Name und eine Domain vorhanden sind, wird es euch Auftrieb geben, am Konzept zu feilen.

3) Stellt das Roh-Konzept möglichst vielen Leuten vor

Hierbei ist es wichtig, dass ihr Feedback einholt, sowohl von Menschen, die sich mit dem Thema auskennen, als auch von Fachfremden. So kommt ihr selbst auf neue Ideen und werdet mit jedem Pitch immer überzeugender.

4) Legt etwas Kapital für das Projekt zur Seite
Dies kann ein niedriger vierstelliger Betrag sein. Kosten für Domain, Logo, Notar, Steuerberater und Versicherungen fallen so ziemlich sofort an. Wenn ihr das Geld selbst aufbringen könnt (und dies gerne tut), seid ihr unabhängig vom Wohlwollen externer Geldgeber.

5) Entscheidet euch für eine Rechtsform und sucht einen guten Notar
Informiert euch bei Gründern von ähnlichen Projekten, welche Rechtsform diese gewählt haben (z. B. gUG oder Verein). Lasst euch einen guten Notar empfehlen, der möglichst Erfahrung mit gemeinnützigen Unternehmungen besitzt, und besprecht mit ihm alle weiteren rechtlichen Schritte.

6) Sucht Gleichgesinnte
Ob Ko-Gründer oder ein Team in der Aufbauphase: Wenn man schnell durchstarten will, ist es viel einfacher, dies mit einem Team zu machen. Überlegt, wo ihr Leute findet, die sich auch für das Thema interessieren, und sprecht sie an.

7) Habt das Ziel vor Augen!
Gerade, wenn man durch den Job nur begrenzte zeitliche Ressourcen für das Projekt aufwenden kann, ist es umso wichtiger, diese ergebnisorientiert einzusetzen. Lasst euch nicht mit unwichtigen Kleinigkeiten oder von Rückschlägen aufhalten, die auf das Gesamtergebnis keinen Einfluss haben. Überlegt bei jedem Zwischenschritt, ob er euch näher zum Ziel bringt.

Kann das funktionieren? Auf jeden Fall!

Seit der Gründung von Netzwerk Chancen letztes Jahr ist unser ehrenamtliches Team auf neun Personen gewachsen. Weil wir beständig an unserem Ziel arbeiten, setzen wir mit Netzwerk Chancen neben unseren hauptamtlichen Jobs drei Veranstaltungen pro Quartal um. Das großartige Feedback unserer Teilnehmer ist uns dabei Ansporn, trotz aller Widrigkeiten weiterzumachen und für #ChancenFuerAlle zu kämpfen.

Autor: Natalya Nepomnyashcha
Foto: Holger Boening

Unterstütze uns auf Steady

Share

Zum Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.