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Crowdfunding – Wie sammle ich Geld im Internet und mache auch noch PR dabei?

Foto: Fabian Blank / Unsplash

Foto: Fabian Blank / Unsplash

Ihr habt eine Business-Idee, aber kein Geld? Dann ist es Zeit, sich über Crowdfunding schlau zu machen. Diese mittlerweile nicht mehr ganz so neue Möglichkeit der Finanzierung wird auch in Deutschland immer beliebter und verhalf bereits zigtausenden tollen Projekten von der Idee zur Umsetzung: Vom eigenen Buch zur frisch gepressten Platte, vom Ladenprojekt zum Öko-Bauernhof, vom gemeinnützigen Verein zum Start-Up wäre vieles ohne Crowdfunding nicht entstanden. Aus Neugier besuchte ich deshalb im Februar einen Crowdfunding-Workshop im Leipziger Basislager und möchte hier das Erlernte mit euch teilen.

Erste Frage: Welche Plattform passt?
Um Crowdfunding durchzuführen, also im Internet finanzielle Unterstützer für seine Projektidee zu finden, braucht es erst einmal eine Plattform, um die so genannte Kampagne durchzuführen. Diese Plattformen bieten technische Lösungen und eine Internetpräsenz, um die eigene Idee zu bewerben. Darüber hinaus gibt es große Unterschiede: Einige Anbieter betreuen euch von A bis Z bei der Gestaltung und Durchführung der Kampagne und verlangen dafür hohe Gebühren. Andere bieten nur die technische Lösung und keinerlei Service, sind dafür aber günstiger. Auch die Zielgruppe, die typischerweise auf der Plattform angesprochen wird, unterscheidet sich. Damit ihr euch für euer Projekt für die richtige Plattform entscheidet, solltet ihr euch also zwei Fragen stellen:
1) Welche Zielgruppe möchte ich ansprechen?
2) Welche Ausrichtung habe ich dabei?

Welche Unterstützergruppen gibt es?
– Die Emotionalen, also Freunde, Familie und das eigene Umfeld, wollen vor allem Infos erhalten, sich an das Produkt oder die Idee binden und sich für euch und eure Idee engagieren. Die Gegenleistung spielt eine untergeordnete Rolle.
– Die Entertainment-Shopper suchen ein außergewöhnliches Einkaufserlebnis mit Kick und erwarten demnach eine Gegenleistung für ihr Geld. Eine große Rolle dabei spielt die soziale Reputation und der Spannungsmoment.
– Die dritte Gruppe hat keinen besonderen Namen und ist unberechenbar. Diese Nutzer unterstützen ein Projekt dann, wenn die Kampagne bereits erfolgreich war und spenden trotzdem Geld. Mit dieser Gruppe ist nicht fest zu rechnen und sie ist nicht gezielt ansprechbar. Sie ist sozusagen die große Unbekannte.

Kredite, Spenden, Gegenleistung?
Es gibt verschiedene Arten des Crowdfundings, auch danach unterscheiden sich die Plattformen sehr. Entweder sammelt ihr Kredite, Spenden, Beteiligungen oder bekommt Geld für eine Gegenleistung. Die bekannteste und ansprechendste Form ist die der Gegenleistung. Ihr solltet euch also überlegen, was ihr euren Unterstützern bieten könnt. Das hängt völlig von der Idee ab, aber ein paar Anregungen könnten sein: Sticker, exklusive Produkte, Kostproben, Überraschungspakete etc. Dabei sollten immer sowohl Leistungen gegen einen Kleinbetrag wie fünf Euro angeboten werden, aber auch exklusive Pakete sind wichtig, die nur in geringer Zahl, dafür aber gerne auch teuer verkauft werden können. Die Unterstützer lieben die Auswahl!

Nicht nur Geld, sondern auch PR
Crowdfunding ist nicht nur ein Finanzierungsinstrument, sondern auch ein Proof of Concept, Öffentlichkeitsarbeit, eine Netzwerk-Möglichkeit, mit der Geschäftskontakte entstehen, ein Stresstest und ein gutes Werkzeug der Kundenbindung. Denn selbst wenn das vereinbarte finanzielle Ziel nicht erreicht wurde, kann ein Projekt durch die Crowdfunding-Kampagne manchmal trotzdem realisiert werden, weil euch Interessierte beispielsweise anders unterstützen, indem sie Geschäftspartner werden, euch mit den richtigen Leuten vermitteln oder praktische Hilfe anbieten. Die Kampagne wird auf sozialen Netzwerken gestreut und von Unterstützern an Freunde versendet, daher ist die PR, die euer Projekt dadurch erhält, nicht zu unterschätzen. So manche Crowdfunding-Kampagne hatte vor allem Öffentlichkeitsarbeit, nicht Finanzierung zum Ziel.

Wie lang?
Auch wenn es nicht nur um die Finanzierung, sondern auch um PR geht, sollte die Dauer der Kampagne nicht überstrapaziert werden, sonst bleiben die Interessierten nicht am Ball. Daher ist die Kampagnendauer auf eine Laufzeit von 1 bis 55 Tagen zu beschränken. Währenddessen ist die Arbeit nicht getan: Die Spender stellen Fragen, die ihr schnell beantworten solltet, und wollen immer wieder durch Informationen und Aktionen „bespaßt“ werden, denn sie wollen sich mit eurem Projekt identifizieren können.

Kosten
Wieviel kostet es nun, ein Crowdfunding durchzuführen? Diese Frage muss von Plattform zu Plattform unterschiedlich beantwortet werden. Dabei ist wie gesagt nicht nur der Preis, sondern auch die Leistung und Zielgruppe zu vergleichen. Hier habe ich euch eine kleine Liste der bekanntesten klassischen Plattformen zusammengestellt. Allen ist gemein, dass eine Anmeldung kostenfrei ist und bei einer nicht erfolgreichen Kampagne keine Kosten entstehen – die Spender erhalten ihr Geld zurück und ihr tragt keine Kosten. Allerdings nimmt auch nicht jede Plattform jedes Projekt an, zuerst wird geprüft, ob das Fundingziel realistisch ist. Ist eine Kampagne erfolgreich verlaufen, werden Transaktionsgebühren und eine Provision erhoben, die gleich von der gesammelten Summe abgezogen werden.

Indiegogo
Gebühren: 5 Prozent vom erreichten Fundingziel
Zahlungsabwicklung: 3 Prozent plus 30 Cent pro Transaktion

Kalemdo
Gebühren: 4 Prozent
Provision: 6 Prozent

Kickstarter
Gebühren: 5 Prozent
Zahlungsabwicklung: zwischen 3 und 5 Prozent

KissKissBankBank
Gebühren plus Zahlungsabwicklung: 3 Prozent

VisionBakery
Gebühren: 10 Prozent
Zahlungsabwicklung: 1,9 Prozent

WeMakeIt
Gebühren und Zahlungsabwicklung: 10 Prozent (6% Service- und 4% Transaktionsgebühren)

YouCanToo
Gebühren: Social 3 Prozent, Creative 5 Prozent, Business 8 Prozent
Zahlungsabwicklung: 1,9 Prozent plus 0.35 Cent pro Transaktion

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Plattformen, die sich einem bestimmten Themengebiet widmen:
Journalismus: Correct!v, Steady
Musik: ADDACT, Gigflip, Musicstarter, Crowdfans
Sport: FairPlaid, KickerCrowd, Monaco Funding, I believe in you
StartUps: Funders, fundraizer
Umwelt: Ecocrowd, Oneplanetcrowd
Wissenschaft: Sciencestarter
… und viele weitere…

Und jetzt los, viel Erfolg beim Crowdfunding!

Autor: Katrin Haase
Foto: Fabian Blank / Unsplash

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