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Beruf & Familie
Kolumne

Schwangerschaft – ein bürokratischer Hürdenlauf

Schwanger! Wow! Was für ein Moment! Neben den zahlreichen persönlichen und emotionalen Fragen und Momenten, die eine Schwangerschaft mit sich bringt, ist diese Zeit der Familiengründung vor allem eine bürokratische Meisterleistung. Da ich mich in den letzten Monaten erfolgreich durch diesen Dschungel gekämpft habe, möchte ich meine Erfahrungen an euch weitergeben. Bitte beachtet jedoch, dass dieser Blogbeitrag keine professionelle Beratung ersetzt, sondern nur als Anregung dienen kann.

Nicht zu früh verraten
Zuerst einmal gilt: Keine Panik! Es haben schon so viele Frauen vor euch geschafft, und ihr rockt das auch. Was aber genauso gilt: Behaltet die Neuigkeit erst einmal für euch. Wer einen Kinderwunsch hatte, der wird vor Freude fast platzen und es der ganzen Welt erzählen wollen, doch vor dem dritten Schwangerschaftsmonat ist das keine gute Idee. Die Wahrscheinlichkeit, dass man ein Kind verliert, ist in dieser Zeit um ein vielfaches höher als nach dem dritten Monat. Falls das passiert, ist es für euch und eure Partner schon schlimm genug. Nun stellt euch vor, alle Freunde, Verwandte und Kollegen wissen es und machen diese Zeit mit unangenehmen Fragen und Mitleid nur noch schlimmer. Deshalb gilt auch für den beruflichen Alltag: Versucht erst einmal, die Schwangerschaft zu verschweigen und sprecht erst nach dem dritten Monat zuerst mit dem Chef und dann mit den Kollegen. Ausnahmen gelten für einige Berufsgruppen wie Kindergärtnerinnen, Stewardessen etc., die am besten sofort von der Schwangerschaft berichten, da sie ein Beschäftigungsverbot zur Folge hat.

Schwangerschaftsberatung
Ich empfehle euch, mit den ersten vielen Fragen zur Schwangerschaftsberatung zu gehen. Es gibt in jeder Stadt anonyme Beratungsstellen verschiedenster Träger, seien sie staatlich, kirchlich oder privat. Einige können auch zum Thema Arbeit und Finanzen beraten, beispielsweise die AWO oder profamilia. Dort könnt ihr alle Themen und Ängste ansprechen und erhaltet individuelle Tipps. Beispielsweise könnt ihr gemeinsam durchrechnen, welche finanziellen Hilfen ihr in Anspruch nehmen könnt. Unter einem bestimmten Einkommensniveau gibt es Unterstützung von der Bundesstiftung Mutter und Kind; für Studierende, besonders junge Mütter, besonders viele Kinder und sämtliche weitere Fälle gibt es spezielle finanzielle Förderungen, da lohnt sich das Nachfragen. Nur für Selbstständige habe ich so etwas nicht entdeckt…

Die Bürokratie – Schritt für Schritt
Neben den vielen medizinischen Terminen, die euren Terminkalender füllen werden, gilt es nun also, Schritt für Schritt sämtlichen Behörden, Krankenkassen und Institutionen eure Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken. Liebe werdende Väter, ihr seid bei allen Terminen herzlich willkommen und eine große Hilfe, sofern ihr auch einen Teil dieser Aufgaben übernehmt. Hier eine kleine Anleitung:

1) Geht zum Gynäkologen, lasst euch die Schwangerschaft bestätigen und den Mutterpass aushändigen
2) Nutzt die oben beschriebene Schwangerschaftsberatung
3) Informiert nach dem dritten Monat euren Arbeitgeber und eure Kollegen. Wartet damit aus Fairness nicht zu lange, denn so kann sich euer Arbeitgeber auf eure Auszeit vorbereiten.
4) Sucht euch rechtzeitig eine Hebamme und falls gewünscht ein Geburtshaus als Alternative zum Krankenhaus.
5) Im letzten Trimester könnt ihr das Jugendamt besuchen. Hier sollten beide Elternteile schon vor der Geburt vorsprechen und sowohl die Vaterschaftsanerkennung machen als auch das gemeinsame Sorgerecht erklären. Sofern ihr bereits verheiratet seid, könnt ihr diesen Schritt weglassen. Dabei wird euch der Beamte eine einschüchternde Rede halten, in der eure Rechten, Pflichten und Risiken verlesen werden, die sich allesamt auf den Fall einer Trennung beziehen. Lasst euch den Spaß durch diese Schwarzmalerei nicht verderben.
6) Besichtigt Kliniken, um zu entscheiden, wo ihr entbinden wollt. Dafür gibt es sogenannte Kreißsaalbegehungen, die meist einmal pro Woche und ohne Voranmeldung angeboten werden. Männer, geht bei diesem Termin am besten mit. Ich war alleine da und kam mir zwischen den romantisch turtelnden Paaren wie eine Witwe vor. Und in der Tat ist es ein emotionaler Moment, den man gern teilt.
7) Besprecht mit dem Arbeitgeber die beabsichtigte Elternzeit und beantragt sie formal. Hier ein Beispiel. Liebe Männer, bitte erkämpft euch mehr Elternzeit als die meist in Anspruch genommenen zwei Monate. Seid mutig, denn auch euch steht es zu, Zeit mit dem Kind zu verbringen, die kein Geld der Welt ersetzen kann. Wehrt euch gegen Sprüche wie „Was, sie wollen sieben Monate Urlaub?“ mit dem dezenten Hinweis darauf, dass es sich nicht um Urlaub, sondern um eine arbeitsintensive Beschäftigung mit dem Kind handelt, während die Partnerin ihren Beruf ausübt.
8) Lasst euch vom Gynäkologen den voraussichtlichen Entbindungstermin schriftlich bestätigen.
9) Mit diesem Zettel beantragt ihr dann bei der Krankenkasse das Mutterschaftsgeld. Wer wie ich in der Künstlersozialkasse versichert ist, muss zuerst mit der Krankenkasse sprechen und dann mit der Künstlersozialkasse. Beide lassen aus Erfahrung sehr auf sich warten. Da heißt es, Geduld zu haben und immer wieder telefonisch nachzuhaken. Das Geld war dann trotzdem pünktlich sechs Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin auf meinem Konto. 13 Euro am Tag habe ich als Selbstständige erhalten, da es bei mir keinen Arbeitgeberzuschuss gibt. Das deckt bei Weitem nicht meinen Finanzbedarf, daher sollte man entweder gut gespart oder eine gut unterstützende Familie haben.

Nach der Geburt
Das sind die Dinge, die ihr vor der Geburt machen könnt und solltet. Was nach der Geburt folgt, beschreibe ich dann in einem neuen Post, sobald ich es selbst geschafft habe. Bei Fragen und Anregungen freue ich mich über eure Kommentare oder Mails an katrin@workinprocess.de.
Alles Gute euch und toi toi toi!

Gründen und gleichzeitig Mutter werden. Wie schafft man es, gleich zwei Babys zu schaukeln? Über diese spannende Erfahrung wird euch Katrin von WORK IN PROCESS jetzt regelmäßig berichten.

Autor: Katrin Haase

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