Zeitmanagement im Alltag – wenn der innere Schweinehund sich meldet

Der Alltag ist für viele von uns eines: stressig. Morgens zwischen 6 Uhr und 8 Uhr klingelt der Wecker, wir hetzen ins Büro oder vorher noch in die Kita, arbeiten bis abends, machen Überstunden und wundern uns, wenn das Wochenende schon wieder ansteht, an dem dann endlich alles andere erledigt werden muss. „Wie schnell doch die Zeit vergeht…“, denken wir uns. Für Hobbies oder Leidenschaften bleibt selten die Zeit.
Um dennoch mehr vom Leben zu haben und Freizeit zu generieren, gibt es Zeitmanagement-Tipps wie Sand am Meer – mit starren Anweisungen wie bei einem Rezept. Das Problem: Sie machen keinen Spaß, sind längst bekannt und meist schwer in den Alltag zu integrieren. Das Resultat: Man gibt auf und fällt in den alten Trott zurück – und das, was man gerne macht, wird wieder hinten angestellt.
„Dann setz‘ dich doch einfach mal hin und nimm‘ dir Zeit für dein Hobby“ – gut gemeinte Ratschläge wie diese kennt sicherlich jeder oder hat sie selbst schon gegeben. Doch warum klappt es mit der Selbstdisziplin-Peitsche meistens nicht? Ganz einfach: Die Basis wird nicht beachtet – und das ist der Mensch in seiner Individualität. Wir Menschen sind widersprüchliche Wesen mit ganz vielen Bedürfnissen, die sich oft gegenseitig in die Quere kommen. Aber jedes einzelne Bedürfnis möchte bedient werden, sonst sabotiert es einfach alles. Ignorieren hilft hier nicht, weshalb die Selbstdisziplin-Peitsche auch selten langfristig hilft.

Dein innerer Schweinehund spricht mit dir – hör‘ ihm zu!
Wer Stress vermeiden will, sollte seinem inneren Schweinehund zuhören. Er verrät nämlich, was wir brauchen. Ihn als lästiges Untier abzutun, geht meist nach hinten los. Richtig rund geht es, wenn du anfängst, mit ihm zusammenzuarbeiten.
Dazu gehört als Erstes, mit dir selbst abzuklären, was du wirklich möchtest und warum du dir überhaupt Zeit für den Tangokurs oder den eigenen Roman freischaufeln solltest. Passt das Hobby vielleicht gerade doch nicht in den eigenen Lebensrhythmus?
Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben: Für mich als Trainerin für Romanautoren stehen aktuell meine Kinder an erster Stelle – erst, wenn diese in die Schule kommen, werde ich weitere eigene Romane schreiben. Was sich vielleicht auf den ersten Blick nach einem Rückschritt anhört, ist eine wichtige Maßnahme, um die Lust an der Leidenschaft nicht zu verlieren.
Denn durch Ehrlichkeit und Offenheit zu sich selbst, befreist du dich vom Druck, etwas Schaffen zu müssen und perfekt oder erfolgreich zu sein. Du grenzt dich ganz klar von den eigenen Erwartungen und die der anderen ab, indem du dir Raum gibst. Wieso nicht klein anfangen und dem Hobby eine statt fünf Wochenstunden einräumen? So fällt das Anfangen viel leichter und du endest nicht in der „Prokrastinieren-für-Fortgeschrittenen-Falle“, durch die du plötzlich Sockenbügeln oder Putzen spannend findest.

Den Spaß-Auslöser finden – Stress vermeiden
Warum machen wir das, was wir machen eigentlich gerne? Warum hat der eine Freude am Stricken, der nächste Spaß am Tanzen und der Übernächste Interesse, seine Gedankenwelt auf Papier zu bringen? Eine wichtige und doch so selten gestellte Frage, um Stress beim Zeitmanagement zu vermeiden. Die Antworten sind nämlich der Motor für unsere Zufriedenheit und die Ausdauer, um „am Ball zu bleiben“. Um zu erkennen, weshalb die investierte Zeit es Wert ist, für ein Hobby genutzt zu werden, notierst du dir am besten alle positiven Aspekte des Hobbies auf Papier. Was dabei zum Vorschein kommt, ist immer wieder phänomenal – denn plötzlich wird die Leidenschaft zu einer Kraftquelle im Alltag und Beruf. Neue Ressourcen bis hin zu kleinen und großen Veränderungen kommen zum Vorschein. Damit ist unser innerer Schweinehund zutiefst befriedigt und hat keine Angriffsfläche mehr, das Hobby als unwichtig abzutun.

Kein Maulkorb beim Hobby
Es gibt keine Regeln für die eigenen Hobbies. Erlaubt ist, was Spaß macht und die Leidenschaft fördert. Ich zum Beispiel schreibe sehr gerne im Bett, auch wenn viele Forscher sagen, dass man genau das nicht machen soll. Damit setze ich mich bewusst über anerkannten Regeln hinweg und bin damit sehr erfolgreich.
Wichtig ist, dass wir uns wohl fühlen und unseren Spaß-Auslöser stärken. Das bedeutet: Hör‘ in dich und folge dem, was dir guttut. Dann bleibst du in Zukunft bei dir und deinen Hobbies, verzettelst du dich nicht und gerätst nicht in Stress.

Über die Autorin
Jurenka Jurk ist studierte Romanautorin, deren Roman „Verliebt bis in die Haarspitzen“ im Weltbild Verlag erschienen ist. Ihr Wissen teilt sie gern, denn das Unterrichten ist eine Kernleidenschaft der Süddeutschen und wichtiger Bestandteil ihrer Berufung. Mit dem von ihr entwickelten strategischen Konzept „Der Romanfahrplan“, unterstützt sie angehenden Autoren aus ihrem Schreibprojekt einen Roman im Buchregal zu machen.
www.schreibfluss.com

Meditation: eine Investition ins eigene Köpfchen

Kolumne von Lisa Ringen

Digitalisierung und Beschleunigung gehen Hand in Hand. Eigentlich gehen sie nicht, sie rennen. Mit multiplen Projekten, Kunden und sogar Arbeitgebern zu jonglieren ist für immer mehr Menschen längst Büroalltag. So auch für mich.

Dem Wunsch nach Balance und Entschleunigung nachgehend, habe ich vor einigen Monaten etwas ausprobiert, das mein Leben und Arbeiten umgehend positiv beeinflusste. Seitdem will und muss ich mich unaufgefordert mit den unterschiedlichsten Menschen über dieses Thema austauschen. Die Erfahrung, die ich im letzten Herbst machen durfte, begeistert mich nach wie vor und ich möchte sie teilen. Ich berichte dabei von einem Aha-Moment, den ich meist wie folgt beschreibe: „Es ist für mich so, als hätte ich im Buch des Lebens, von dem man ja weiß, dass man immer mal wieder ein Kapitel beendet und das nächste beginnt, plötzlich etwas komplett Neues und Unerwartetes entdeckt. Auf einmal stelle ich fest: Das Buch ist in 3-D und hat versteckte Seiten und geheime Einschübe!“

Die Rede ist von Meditation.

Es braucht nicht viel. Tatsächlich so wenig, dass mich einige Menschen gefragt haben, warum ich für so etwas Simples überhaupt Geld in die Hand genommen habe. Meditieren lernen, in meinem Fall im Rahmen eines kostenpflichtigen Einführungskurses, ist meine ganz persönliche Investition, die ich für die bisher beste meines Lebens halte.

Fünfzehn Minuten zwei Mal täglich, in denen der Kopf herunterfahren darf. Meine Augen sind geschlossen, ich atme ruhig und flach. Dann beginne ich, ohne zu sprechen mein Mantra zu wiederholen. Leicht und gelöst, ohne mich darauf zu konzentrieren. Einfach so, wie es gerade kommt. Und das, was dann passiert – oder eben nicht passiert – ist jedes Mal anders. Auch das gehört dazu und ist spannend. Doch spannend ist das Ganze immer erst hinterher, denn eigentlich geht es bei Meditation um geistige Entspannung.

Gelassener und effizienter: In den Flow durch Meditation

Auf längeren Reisen hatte ich meine innere Ruhe und einen perfekten Fluss gefunden. Egal, was um mich herum passierte, ich war genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Alles floss und ich war mittendrin. Dieser Fluss oder Flow beschreibt für mich einen himmlischen, erstrebenswerten Zustand im absoluten Einklang. Und diesen Flow hatte ich zumindest immer so lange, bis mich nach ein paar Wochen in Deutschland der Alltagsstress mitriss und vereinnahmte. Gedanklich beschäftigte ich mich meist weit vor und nach der Arbeit mit dem, was ich über den Tag und die nächsten Wochen im Job auf dem Zettel hatte und plante die Dinge, die ich noch zu erledige hatte. Dabei ging ich oft verschiedene mögliche Szenarien durch, untersuchte alle denkbaren Outcomes auf ihre mutmaßlichen Konsequenzen. Ich verbrannte zu viel Energie. Und, viel schlimmer noch, ich war dabei, eine für mich wichtige Trennlinie zu verwischen: Die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem. Gedanken rund um die Arbeit hatte sich als Untermieter eingenistet und übernahmen nun, positiv wie negativ, sehr viel – zu viel – Raum im Privatleben ein. Mir war bewusst, dass dem so war, doch irgendwie fühlte ich mich von meinem eigenen Kopf mitgerissen und unfähig, ihn konsequent zum Rasten zu bringen. Als mein Partner uns dann im September gemeinsam bei einem Meditations-Infovortrag anmeldete, war ich dankbar, und wusste instinktiv, dass ich endlich und unbedingt Meditieren lernen musste.

Auf die Einführungszeremonie, bei der wir in jeweils einer Einzelsitzung unsere geheimen Mantras erhielten, folgten zwei gemeinsame Sitzungen mit jeweils zwei Stunden Meditation und Gesprächen. Unser Meditationslehrer, ein spitzbübischer, drahtiger 70-Jähriger, erklärte uns, dass es bei Meditation und Transzendieren (lateinisch: Übersteigen) um Grenzenlosigkeit geht. Dieses Konzept kann nicht verstanden, sondern nur gefühlt werden, am besten, indem man es selbst erlebt. Jede Meditation ist anders. Es gibt kein falsch, solange man sich immer wieder an die Grundlagen der Meditation erinnern (gelöst und entspannt anstatt verkrampft das Mantra denken, den Körper zur Ruhe kommen lassen und frei von Erwartungshaltungen beginnen, während des Meditierens nichts verurteilen, wenn Gedanken kommen, immer wieder aufs Mantra besinnen).

Wie bei einem Computer startet durch regelmäßige Meditation im Gehirn eine Defragmentierung, die über die Zeit des eigentlichen Meditierens hinausgeht: Der Geist verdichtet sich nachhaltig, während der Verstand still wird. Jetzt ist die Zeit der körpereigenen Selbstheilungskräfte gekommen. Sie nutzen die Gelegenheit, Wartungsarbeiten zu erledigen und alles einmal gründlich zu reinigen.

Manchmal fühlt es sich für mich so an, als würden durch die Meditation Updates installiert, die mich im Laufe der nächsten Stunden oder Tage dabei unterstützen, ruhiger, klarer und entschlossener zu handeln. Ich entscheide besser und lerne neue Möglichkeiten kennen, mit meinem Körper zu arbeiten, anstatt mich gedanklich zu zerfleischen. Und ich bin nicht alleine. Dass es Meditation längst aus der Eso-Ecke ins Rampenlicht geschafft hat, bezeugen hochdotierte Management-Seminare, bei denen Top-Manager lernen, mithilfe von Meditationstechniken Stress abzubauen und effizienter unter Druck zu arbeiten. Sie sind keine Buddhisten oder Anhänger fernöstlicher Rituale. Sie tun es, weil Meditation für sie funktioniert. Jeder Mensch, egal welchen Alters oder Bildungsgrads, kann ortsunabhängig und ohne Hilfsmittel meditieren. Es gibt unterschiedlichste Meditationstechniken, der Zugang ist einfach; unterm Strich entfalten alle eine nachweißlich positive Wirkung sowohl für einen selbst als auch das Umfeld. Das Allerbeste: wenn einmal verinnerlicht, dann ist Meditation komplett kostenfrei.

Schwierig finde ich es zwar immer noch, komplett frei von Urteilen und Bewertungen zu meditieren, aber auch das klappt immer besser. Ich gewöhne mich daran, dass ich meine Meditation idealerweise gar nicht versuche, zu beeinflussen. Wenn Gedanken kommen, dann versuche ich sie so schnell wie möglich durch die Wiederholung des Mantras zu verdrängen, anstatt sie wie einen zugeworfenen Ball aufzunehmen. Dann lasse ich diese Gedanken in Frieden weiterziehen, ohne sie oder mich selbst zu bewerten. Hiermit tue ich mich noch schwer, doch auch das fügt sich. Mittlerweile ist es kein Beinbruch mehr, wenn ich es nach einem langen Tag einmal nicht schaffe, vom Einschlafen zu meditieren, und stattdessen auf der Couch versacke. Auf die Meditation am nächsten Morgen freue ich mich dafür umso mehr, denn ich merke, wie sehr es mir mein Geist dankt.

Das Jahrhundert des Gehirns – Investitionen in die Zukunft

Als komplexestes und wertvollstes Organ wird der menschliche Kopf im „Jahrhundert des Gehirns“ immer wichtiger. Da wir ihn (noch) nicht auswechseln oder gegen ein neueres, leistungsstärkeres Model tauschen können, müssen wir mit dem Eumel da zwischen den Schultern arbeiten, den wir zur Verfügung haben. Gehört man zur US-Tech-Elite, dann investiert man heutzutage in Start-ups, die sich damit beschäftigen, unsere Gehirne technologie-unterstützt schneller und produktiver zu machen. Dies ist eine Investition in menschliche Maximalbeschleunigung, was vordergründig zu den Anforderungen passt, die mit der Digitalisierung einhergehen.

Elon Musk und seine Firma Neuralink haben die Vision, datenleitfähige Substanzen über das menschliche Gehirn zu legen und damit Geist und Maschine verschmelzen zu lassen. Der Unternehmer möchte die Science-Fiction-Vision schlechthin in die Tat umsetzen, und Hirn-Computer-Schnittstellen entwickeln – und damit die Grenzen der Selbstoptimierungsmöglichkeiten und Risiken der ungewollten Einflussnahme gravierend verschieben.

Mit der „Verdrahtung“ der eigenen Gedanken mit einem Computer mag ich mich nicht so recht anfreunden. Umso besser, dass ich seit sechs Monaten am eigenen Leib erlebe, dass es einen viel einfacheren und kostengünstigeren Weg gibt, das Brain zu pimpen.

Ich habe meine Investition bereits getätigt und lege etwas Ähnliches jeder Person nahe, die ich treffe. Mehr oder weniger regelmäßig investiere ich jetzt Zeit in das Abtauchen in die gedanklichen Stille und genieße den Effekt, den es auf mich hat. Nicht immer gelingt mir das Transzendieren, der Zustand von No-Mind und absolutem Sein. Das ist in Ordnung. Transzendenz kann – große Überraschung – nicht erzwungen oder herbeigewünscht werden. Damit muss ich klarkommen. Ich kann es nicht kontrollieren. Der menschliche Körper ist eben kein Computer, sondern etwas viel Umfangreicheres. Ich brauche nicht auf die Entwicklungen aus Silicon Valley warten, ich setze auf meine körpereigenen Kräfte, die ich immer besser kennen und entwickeln will. Je mehr ich mich damit auseinandersetze, desto besser wird es.

Meditation ist optimale Geistespflege für jeden Menschen, der Ruhe, Fokus und Ausgeglichenheit verinnerlichen möchte.

Neue Arbeitswelt – neue Arbeitsorte: Das Zeitcafé

Der Arbeitsort gewinnt zunehmend an Bedeutung in der heutigen Arbeitswelt und ihrem Wandel. Der Anteil derer „ohne festen Arbeitsplatz“ nimmt zu. Zuhause arbeiten, sei es im Home Office oder auf dem heimischen Sofa an der Selbstständigkeit bastelnd, ist nicht immer der passende Rahmen. Aber quo vadis, wenn man flexibel konzentriert arbeiten will, aber nicht zuhause? Ins Zeitcafé!

Das Konzept
Ein Zeitcafé ist ein Ort, an dem die Dauer des Aufenthalts den Preis bestimmt, nicht wieviele Milchkaffees getrunken wurden. Fürs leibliche Wohl ist dennoch gesorgt und im Zeitpreis inbegriffen. Die Preisspanne liegt bei 3 bis 5 Euro pro Stunde bzw. 15 bis 20 Euro pro Tag. (Im Selbsttest: teurer als ein klassischer Café-Besuch kommt es nicht). In einem solchen Etablissement finden sich Gleichgesinnte, von daher wundert es nicht, dass die Community im Vordergrund steht. Zeitcafés sind ein Begleitphänomen der Sharing Community. Man teilt sich einen Ort zum entspannten Arbeiten.

Die Ursprünge
Im internationalen Kontext werden Zeitcafés auch Time Club, Anti-Café oder Pay-per-minute-Café genannt. 2011 in Moskau gegründet, expandierte die erste Anticafé-Kette namens „Zifferblatt“ über St.Petersburg nach Großbritannien, Slowenien und in die Mongolei. Vorzugsweise universitätsnah. Ivan Mitin sei der Erfinder des Anticafé-Konzepts. Historisch knüpft die Idee an die Tee- und Kaffeehäuser an. Diese boten Raum zum Austausch für bestimmte Communities (die man früher noch Interessengruppen nannte). Community Building ist auch eines der zentral forcierten Eigenschaften der Zeitcafés, wenn man möchte: Man kann mehr bezahlen und einem anderen Mitglied so den Aufenthalt ermöglichen. Oft werden auch Aktivitäten angeboten, bei denen man sich einbringen oder eben nur teilnehmen kann.

Wo gibt‘s denn sowas?
In der Hauptstadt der Co-Working-Spaces gibt es bislang nur ein bekanntes Zeitcafé: be‘kech in Berlin Wedding. Ein weiteres namens Klokke spuckt Google für Mannheim aus. Nicht mehr existente Zeitcafés gab es auch in Ulm, Köln und Wiesbaden. Alle, auch das internationalere Zifferblatt, haben folgende Beschreibungen gemeinsam: gemütliche, arbeitsfreundliche Atmosphäre, Gleichgesinnte, WiFi, Kaffee/ Tee und kleine Leckereien. WORK IN PROCESS hat das be’kech sowohl in konzentrierter Arbeitsatmosphäre als auch als Meeting-Ort erfahren und sagt: funktioniert und fetzt.

Fazit
Inmitten des Wandels der Arbeitswelt gewinnt die Verwirklichung eigener Ideen in Projekten an Bedeutung. Ideen finden oft neue Wege, wenn der passende Rahmen gegeben ist. Ganz ehrlich: wer kennt es nicht, dass das Vorhaben des konzentrierten Arbeitens zuhause oft der Prokrastination weicht. Da ist das Zeitcafé um die Ecke ein willkommener Arbeitsort, es sollte viel mehr davon geben! Die Zeit gehört einem selbst und man kann das Beste daraus machen. Niemand nervt, wenn der Kaffee seit 15 Minuten leer ist, der Lautstärkepegel erlaubt es, die Klänge der dahinperlenden Musik zu hören. Wer komplette Ruhe braucht, kann sich in eine silent box zurückziehen. An einem Buffet kann man sich mit Leckereien versorgen, Heißgetränke werden an der Bar bestellt. Zeitcafés sind eine abgrenzende Alternative zu Co-Working-Spaces, die vom Flow eher hochkonzentriert sind. Gut, wenn man seinen eigenen Gedanken nachhängen will, während man einen Artikel, beispielsweise über Zeitcafés, schreibt oder aber im Team Ideen brainstormed. Ein feiner Ort zum Arbeiten.

Text und Bild: Anja Graff

Mehrere Projekte parallel verfolgen oder Fokus auf ein Business-Modell?

Kolumne von Tim Chimoy

Darauf gibt es keine klare Antwort, denn die Entscheidung hängt von vielen Faktoren ab. Jeder hat andere Vorlieben, einen anderen Lebensstil, eine andere Empfindlichkeit, was Stress angeht. Und natürlich auch unterschiedlich ambitionierte Ziele.

In den letzten Jahren habe ich selbst immer wieder mehrere Baustellen parallel aufgerissen. Das liegt zum Einen daran, dass ich gerne neue Dinge ausprobiere. Zum Anderen fülle ich meine Freizeit wieder ruck-zuck mit neuen Projekten, sobald ich zu viel Leerlauf habe – weil mir genau das einfach viel Spaß macht.

Nachteile mehrere Projekte
Ich habe dabei aber auch die negativen Seiten des Jonglierens mit mehreren Projekten kennengelernt. Das größte Problem: Es wird schnell stressig und man hat durch das Springen von Projekt zu Projekt wenig Gelegenheit, im Kopf zur Ruhe zu kommen. Auch die Entscheidung, an welcher Baustelle die Arbeit gerade dringender ist, führt zu einem latent schlechten Gewissen, gerade etwas zu vernachlässigen.

Vorteile ein Projekt
Die Vorteile, sich einem einzigen Businessmodell zu widmen (so wie es in den Zeiten vor „Digital Business“ die Regel war) sind eindeutig. Neben weniger Unruhe („habe ich schon genug getan?“) ist wohl das wichtigste Argument, dass man einen laserscharfen Fokus auf eine Sache richten kann. Man kann zu einem „Profispieler“ in seinem Geschäftsbereich werden. Das ist beim Jonglieren mit mehreren Projekten schwierig. Fokus bietet einem die Chance, richtig zu wachsen.

Vorteile mehrere Projekte
Aber es gibt auch Vorteile für das Betreiben von mehreren Projekten. Man diversifiziert! Nicht nur bei der Geldanlage ist Diversifikation wichtig. Es macht Sinn, mehr als eine Einnahmequelle zu haben. So kommt schließlich weiterhin Geld herein, wenn ein Projekt einmal scheitert. Zudem kann man sich so ausprobieren, diverse Interessen ausleben.

Ich versuche mittlerweile, keine neuen Baustellen aufzureißen. Nicht zuletzt auch um häufiger einmal zur Ruhe zu kommen. Dabei habe ich zwei gut laufende Geschäftsmodelle, auf die ich mich voll fokussiere. Unsere Citizen Circle Community, sowie meine Arbeit als Architekt und Workspace Designer. Diese Dinge bekommen meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Sie ergänzen sich auch – und passen für mich unter einen Hut.

Und jetzt du! Wie gehst du mit dieser Frage um? Entscheidest du dich bewusst dafür, viele Projekte parallel zu verfolgen? Oder tust du es, aber wünscht dir eigentlich einen klareren Fokus? Vielleicht bist du auch auf ein Geschäftsmodell fokussiert, und kannst bestätigen, wie viel mehr Energie man dadurch aufbringen kann? Ich freue mich über deine Meinung.

Zuerst erschienen als Montagspost von Tim Chimoy vom Citizen Circle, einer Querdenker-Community, die Gründer dabei unterstützt, mit einem digitalen, ortsunabhängigen Businessmodell durchzustarten.

To Slack or not to Slack – Warum heute kein Team mehr an dem Tool vorbeikommt

Fragt man heute in jungen Unternehmen nach, was das wichtigste Tool ihrer Arbeit ist, bekommt man derzeit wohl ein recht eindeutiges Ergebnis: Slack.

Zwar ist das Tool nicht neu – es kam bereits 2014 auf den Markt -, seine Vormachtstellung als Kommunikationswerkzeug für Teams es baut aber kontinuierlich aus. Warum auch wir begeistert von Slack sind, möchten wir euch hier erläutern.

Was kann Slack und was macht es so erfolgreich?
Slack verschlankt euren Maileingang massiv. Als Instant Messaging Service funktioniert es ähnlich wie WhatsApp. Das allein ist sicherlich nicht der Grund, warum Slack einen solchen Siegeszug in die Büros dieser Welt antritt. Es sind die Integrationen und die einfache Bedienbarkeit, die Slack von anderen Kommunikationstools abhebt.

So funktioniert Slack
Über die Homepage slack.com kann man sich mit einer E-Mail-Adresse einfach und unkompliziert einen sogenannten Workspace einrichten. Der Workspace ist der Rahmen für die Teamkommunikation. Hier lassen sich einzelne Channels einrichten, die wie ein Chatraum funktionieren. Beliebig viele Teilnehmer können zu diesen Channels hinzugefügt werden. Sie können in jedem Kanal Dateien wie Bilder, Videos, Präsentationen oder Texte hochladen. Gibt man beispielsweise ein Google Doc an die Kanalteilnehmer weiter, erkennt es das System automatisch und leitet ihn direkt auf das zu beurteilende oder bearbeitende Dokument weiter. Die Teilnehmer können alle diese Dateien dann im Kanalkommentieren.

Besonders hervorzuheben sind hier die Icons. Sie helfen als einfaches Mittel, um Umfragen zu starten. Soll es lieber indisch oder italienisch zu Mittag geben? Icon versenden und schwupps können die Kollegen die einzelnen Kommentare mit einem Herz für „Ja“ bewerten. Schnell ist anhand der Herzen dann klar, welches der Favorit ist. Es gibt aber auch Simple Poll – dazu später mehr…

Zusätzlich ist es möglich, jederzeit auch persönliche Nachrichten schreiben. Manchmal muss ja nicht der Chef mitlesen…

Alles in Slack verbinden
Nun kommen wir zu den Integrationen, auf die ihr über Slack direkten Zugriff habt: Zahlreiche Dienste lassen sich mit Slack verknüpfen, darunter Big-Player wie Trello, Dropbox oder das bereits oben genannte Google Drive. Aber auch kleinere, sehr nützliche Apps wie Simple Poll, mit dem man kleine Umfragen erstellen kann, oder Eventbot, mit dem man einen Teamkalender einrichten kann, erleichtern die Teamkommunikation.
Darüber hinaus lassen sich kanalübergreifend alle Dateien, Dokumente und Diskussionen über die Suchfunktion wiederfinden. Das erspart einem das mühsame Durchforsten der einzelnen Kanäle. Jeder von uns kennt doch die Situation,dieses EINE Dokument gerade zu brauchen, was der Kollege am Tag X per Mail gesendet hat. Nur welcher war das nochmal? Mit Slack bleiben einem solche Situationen erspart.

Slack ist nicht nur nützlich, sondern macht auch noch Spaß. Die gesamte Bedienoberfläche ist klar und aufgeräumt strukturiert. Alle Anwendungen sehr ihr auf einem Blick und benötigt ihr einmal Hilfe, steht euch der freundliche Slackbot zur Seite: Er hilft zum Beispiel bei neuen Installationen. Ihr könnt ihn darüber hinaus auch jederzeit in einem gesonderten Kanal etwas fragen. Wenn einem die Diskussion einmal zu spröde wird, kann man den Ton mit einem lustigen GIF auflockern, denn seien wir mal ehrlich: Bei aller Zeitersparnis sollte die Zeit für ein Lächeln zwischendurch immer drin sein (können wir hier ein lustiges GIF auf die Homepage packen).

Mirja Lembcke schreibt bei WORK IN PROCESS über inspirierende Menschen und ihre Geschichten. Besonders liegen ihr die Themen Work/Life 4.0 sowie die kleinen Dinge, die das Leben so lebenswert machen, am Herzen.

Die Stärke des Willens

Kolumne von Bernhard Stuhrmann

Sport und Arbeit haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermutet: Viele Erfahrungen aus der Arbeit- und Sportwelt lassen sich ganz einfach verbinden. Am Ende zählt der Wille allein, ein erst unvorstellbares Projekt zu vollenden.

Einmal wurde ich in einem Vorstellungsgespräch gefragt, wie ich mich bei eintönigen Aufgaben in der Datenpflege selbst motivieren könne. Mir fiel sofort ein Beispiel aus dem Klettern ein: Du schaust nie hinauf zur Spitze, wenn du an der Wand bist, sondern fokussierst dich nur auf ein kurzes Stück vor dir, welches du abarbeitest und sobald du dieses geschafft hast, darfst du dich mit einer Kleinigkeit oder Pause belohnen. So erhält die Psyche ihre Belohnung und du verlierst nicht den Antrieb, weiterzumachen. Auf dem umgekehrten Pfad habe ich davon in einem Film (Sturz ins Leere (Originaltitel: Touching The Void), erschienen 2003) gehört, in dem ein Bergsteiger nach einem Unfall auf allen Vieren mit gebrochenem rechten Oberschenkel und zertrümmertem Knie, nach einem Sturz in 100 Meter Tiefe den Berg ohne Trinkwasser 4 Tage von rund 5800 Höhenmetern auf 4500 Meter zum Basislager hinabkroch. Dieser Bergsteiger hat nie die ganze Distanz im Blick gehabt, sondern hat sich immer nur 20 Meter fortbewegt, um dann kurz zu verschnaufen und seine Gedanken zu ordnen. Im Interview erzählte er davon und mir war plötzlich klar, dass ich es auf dem Weg nach oben genauso gemacht habe, natürlich unter viel besseren Umständen. Den Job habe ich übrigens nicht bekommen, was ich aber nicht auf meinen fehlenden Willen schiebe. In diesem Fall war es Unerfahrenheit, die andere Bewerber schon hinter sich gelassen hatten. Aber es war schon ein großer Erfolg, überhaupt für ein Bewerbungsgespräch eingeladen worden zu sein. Das signalisierte seitens der Firma Interesse an meinem Lebenslauf. Ab diesem Punkt gab es für mich kein Aufgeben mehr. Ich bereitete mich so gut es ging auf dieses Vorstellungsgespräch vor und obwohl ich etwas fiebrig war, wollte ich auf keinen Fall absagen. Denn eine Absage wäre eine Aufgabe gewesen.

Mehr geht immer
Es gibt nämlich noch etwas, das ich in meinem kurzen Leben bisher gelernt habe: wenn du sagst, dass du nicht mehr kannst, hast du mindestens noch 20 Prozent Energie übrig.
In meiner Freizeit trainiere ich mit einem Freund ein Rugby-Team von Frauen und Männern. In einer meiner ersten Sessions probierte ich etwas aus, das wir bei der Bundeswehr manchmal gemacht haben. Ich plante dazu ein Circuit-Training und veranschlagte für jede Station zwei Minuten. Mir war von vornherein klar, dass kaum jemand zwei Minuten jede Übung durchhalten würde, aber darauf kam es auch gar nicht an. Es war wie in einem Assessment-Center: Dort werden Kandidaten für die freien Stellen manchmal vor einen Berg Aufgaben gesetzt, die sie in der vorgegebenen Zeit gar nicht schaffen können. Ziel für die Bewerber sollte es auch gar nicht sein, alle diese Aufgaben zu beantworten, sondern einfach möglichst viele richtig zu beantworten. Dazu sollte sich die Psyche nicht unter Druck setzen lassen, denn dann würden Fehler passieren und das, obwohl noch genügend Zeit übrig bleibt, die nächste anzugehen. Was in dem einem Fall die Psyche und unseren Geist unter Druck setzt, schafft in dem anderen Fall körperlichen bzw. physischen Stress, der sich oftmals durch Worte wie „nicht noch mehr“ oder „ich kann nicht mehr“ ausdrückt. Entscheidend dabei war für mich zu beobachten, wer anscheinend belastbarer ist. Gut zwei Drittel des Teams hätten mehr geben können, denn für Witze untereinander reichte es in den Pausen jedes Mal. Wenn wir beim Bund während Läufen angefangen haben mit unserem Buddy zu quatschen, hat der Zugführer das Tempo jedes Mal gesteigert. Unangenehm daran war vor allem, dass man selten wusste, wie lange diese Runden waren. Zwischen 10 bis 16 km war alles drin und es war gewiss, dass danach noch Sport folgen würde. Das Männchen im Ohr, welches dir sagt, du könnest nicht mehr, musst du rauswerfen. Ich gebe zu, dass es bei mir auch etwas gedauert hat, dieses Gefühl des Hinschmeißens und Aufhörens zu überwinden. Aber es ist letztendlich nur eine Willenssache und je stärker man an sich selbst glaubt, desto stärker wird der Wille.
Dazu fällt mir ein Beispiel aus dem alten Japan ein. Dort haben sich angehende Samurais für ein Jahr ohne Kontakt zur Außenwelt einzeln in ein Haus begeben um vom Heranwachsenden zum Mann zu werden, der seiner Aufgabe gewachsen ist (aus dem Buch Hagakure von Tsunetomo Yamamoto, entstanden zwischen 1710 bis 1716). Nun glaube ich nicht, dass noch irgendjemand bei Verstand sein Leben als Knecht oder Diener freiwillig in den Dienst eines Fürsten stellt und dieses mit dem Ableben des Herrschers auch beendet, aber die Hingabe zur richtigen Vorbereitung auf die bevorstehende Aufgabe fasziniert mich. Ein Jahr lang ohne soziale Kontakte in einem Haus zu leben und sich nur mit sich selbst und seinen Schwächen zu beschäftigen und diese abzulegen, halte ich für eine Meisterleistung. Es bedarf eines starken Willens, das durchzuziehen.

Probleme im Kern erkennen und beheben
Ich fand schon das Leben auf einer Insel so groß wie 2,5 Fußballfelder im Indischen Ozean für ein Jahr als ziemlich strapazierend und dabei hatte ich sogar noch Gesellschaft. Aber leben und arbeiten am gleichen Fleck lehrt einen eine sehr wertvolle Lektion. Kein Problem ist so groß, dass man es sich erlauben könnte, es links liegen zu lassen. Das fällt mir inzwischen oft auf meiner Arbeit auf. Es wird teilweise gar nicht mehr versucht, ein Problem im Kern zu erkennen und dieses zu beheben. Stattdessen wird häufig einfach akzeptiert, dass der vorgeschlagene Weg nicht begehbar sei. Stellt euch vor, was passiert wäre, wenn nach sieben Tagen noch immer kein Versorgungsboot an der Insel angelegt hätte oder etwas weniger drastisch, ein Blitzeinschlag den Stromgenerator beschädigt hätte. Man wächst mit seinen Aufgaben.
Was ich euch vermitteln wollte: egal welcher Job oder welche Aufgabe vor euch liegt, es immer leichter ist, einfach aufzugeben, aber das man nur vorankommt, wenn man den starken Willen hat, das gesteckte Ziel zu erreichen.

Bernhard Stuhrmann ging nach der Schule zum Militär. Danach arbeitete er mehrere Jahre in kaufmännischen Berufen im In- und Ausland, einschließlich einer kleinen Insel auf den Malediven, bis er schließlich 2017 nach Berlin zurückkehrte. Hier fand er einen Job im Einkauf und trainiert nebenher als Assistenz-Coach Rugby.

Intensivstation im Kinderzimmer: Einblick in die ambulante Kinderkrankenpflege

Werde ich gefragt, was ich beruflich mache, schauen mich auf meine Antwort oft zwei große, fragende Augen an. „Was machst du?“ „Ich arbeite in einem ambulanten Kinderkrankenpflegedienst.“ Wieder Stille. „Ich bin ursprünglich gelernte Kinderkrankenschwester.“ „Ach ja“, sagt mein Gegenüber, das ist bekannt. „Mittlerweile bin ich im Qualitätsmanagement tätig.“ Jetzt fällt der Groschen – mein Gesprächspartner nickt wissend. Nun hat er verstanden. Und ich frage mich: Hat er tatsächlich ein Bild davon, aus welcher Unternehmensbranche ich komme? Ich führe fort: „Wir versorgen schwerstkranke, zum Teil beatmete und tracheotomierte Kinder. Stell dir eine Intensivstation in der Klinik vor und nun stell dir vor, diese Intensivstation befindet sich in einem Kinderzimmer.“ Mein Gegenüber blickt erneut erstaunt. „Was, das gibt es?“ „Na klar“, sage ich, „Kinder, die in der Klinik aufgrund einer schweren erworbenen oder angeborenen Erkrankung, eines Unfalls oder anderer Ursachen behandelt werden und auskuriert sind, müssen irgendwann aus der Klinik entlassen werden. Auch wenn sie weiterhin beatmet sind. Sie wollen, wie jedes andere Kind, einfach nach Hause in ihre vertraute Umgebung.“ „Stimmt,“ sagt dann das nachdenkliche Gesicht, „darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.“

Und wieder einmal…
Ich steige aus meinem Auto, einem Dienstwagen mit Werbung für unser Unternehmen. Ambulante Kinderkrankenpflege steht darauf. Meinen kleinen Sohn habe ich gerade von der Tagesmama geholt. Eine ältere Frau kommt auf mich zu. „Sie passen wohl auf kleine Kinder auf?“, fragt sie und zeigt auf meinen Sohn, dann auf unser Werbeschild. „Nein,“ sage ich lächelnd. „Das ist mein Sohn. Aber ja, wir kümmern uns um sehr kranke Kinder.“

Ich bin auf einem Pflegekongress. „Was machen Sie denn beruflich?“, fragt mich ein Mann, der ebenfalls am Kongress teilnimmt. Auf meine Antwort folgt die gleiche Reaktion wie gewohnt. Ich erkläre ihm, was ambulante Kinderkrankenpflege ist. „Stimmt, habe ich irgendwie schon einmal gehört“, sagt er. „Aber berufspolitisch spielt die Kinderkrankenpflege keine große Rolle“, meint er, dreht sich um und geht.

Ein Blick auf die Zahlen
Ja, das ist korrekt, die Fakten sprechen für sich. Nur circa drei Prozent der 2,34 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Aber sind 66.000 pflegebedürftige Kinder und Jugendliche unwichtig? Ist deren gesicherte medizinische und pflegerische Versorgung durch Fachpersonal unwichtig? Reicht es aus, wenn sich Eltern, urplötzlich mitten in der Intensivpflege ihres Kindes befindend, allein um ihre Kinder kümmern? Die Reaktionen meiner Gegenüber vermitteln mir oft das Gefühl.

Wie muss es sich für Eltern anfühlen?
Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie es ist, Eltern eines schwerkranken Kindes zu sein, dessen Leben möglicherweise von Beatmungsschläuchen abhängig ist? Oder wie es wäre, wenn man euch morgen einfach unvorbereitet auf eine Intensivstation verfrachten würde? Allein, ohne Ärzte und Pflegepersonal an eurer Seite? Ohne dass ihr jemals dafür ausgebildet wurdet? Könnt ihr euch vorstellen, wie viel physische und psychische Kraft dies betroffene Eltern täglich kosten mag? Ständig in der Angst, das eigene Kind jederzeit verlieren zu können. Das Horchen nach einem Piepen der Überwachungsgeräte – Tag und Nacht. Angst vor jeder lebensbedrohlichen Krise, die bis zum Eintreffen des Notarztes allein überbrückt werden muss. Zu Hause. Ohne Fachkenntnisse. Ohne jederzeit verfügbare Hilfe.

Es gibt Helfer
Diese Eltern wird es geben. Die nicht wissen, dass es da jemanden gibt, finanziert durch die Kranken- und Pflegeversicherung: die ambulante Kinderkrankenpflege. Diese Minderheit an Pflegefachkräften, höchst qualifiziert, die wie in der Klinik auf ihr Kind aufpasst, es vor lebensbedrohlichen Krisen bewahrt, fachlich versiert und rund um die Uhr. Pflegefachkräfte, die all die medizinischen und pflegerischen Aufgaben übernehmen können, sodass Eltern einfach nur Eltern sein dürfen. Die dem eigenen Kind und der ganzen Familie die großen Ängste ein Stück nehmen können.
Mein Gegenüber, die ältere Frau und der Mann vom Kongress – sie alle drei wären vielleicht genau die Eltern. Hätten sie sich nicht auch gewünscht, sich in professionellen Händen aufgehoben zu fühlen? Ein Stückchen mehr Lebensqualität für ihr Kind und für sich? Es aber nicht haben, da sie nicht wussten, dass es uns gibt.

Ein Blick in die Vergangenheit
Ich gebe es zu: Vor zehn Jahren war mir der Begriff ambulante Kinderkrankenpflege ebenfalls nicht geläufig. Heute bin ich froh, vor genau zehn Jahren diesen Weg als Alternative zum Klinikalltag gegangen zu sein. Warum? Weil ich neben meinem Wunsch, mit Kindern zu arbeiten, ihre Lebensqualität zu verbessern und mich fachlich weiterbilden zu können, hier vor allem Eines fand: Zeit für die kranken Kinder – Zeit für die Pflege. Mit flexiblen Arbeitszeiten im Schichtsystem. Mit viel Gestaltungsspielraum meiner Tätigkeiten und vielen Herausforderungen.

Mein Wunsch für die Zukunft
Ich hoffe, eines Tages nicht mehr mit fragenden Augen angeschaut zu werden, wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde. Dann hat man diese Kinder und sie – die ambulante Kinderkrankenpflege – nicht mehr vergessen, sondern ihre Wichtigkeit erkannt.

Christin Nimmrichter, Dipl. Pflegewirtin (FH) und Kinderkrankenschwester, ist seit zehn Jahren bei der Mobilen Ambulanten Pflegepartner GmbH & Co. KG tätig. Als Qualitätsmanagerin, Personalentwicklerin und Datenschutzbeauftragte strebt sie durch Vernetzung von grauer Theorie und bunter Pflegepraxis nach besten Bedingungen für Patienten und Mitarbeiter.

Was ist Crowdfunding aus steuerlicher Sicht?

Kolumne von Thomas Adler

Was passiert rein rechtlich, wenn Geld an eine Crowdfunding-Plattform gegeben wird?
Die kurze Antwort: Es entsteht ein Kaufvertrag.

Wenn jemand über eine reward-based Crowdfunding-Plattform ein Projekt unterstützt, dann gehen die AGBs der meisten Plattformen davon aus, dass dies einen Kaufvertrag zwischen Geldgeber und Geldempfänger konstituiert, unabhängig davon, ob die Prämie materieller Natur wie CDs, Download eines Films oder Eintrittskarten oder aber immaterieller Natur wie Widmungen, Danksagungen, Nennung im Booklet oder eine Logopräsenz sind.

Bei Beträgen ohne Gegenleistung wird von Steuerrechtlern teilweise argumentiert, dass hier eine Schenkung oder Spende vorliegt. Ich persönlich bezweifle das aber. Eine Schenkung muss in der Regel unentgeltlich erfolgen. Unentgeltlich bedeutet nicht nur, dass die Schenkung nichts kosten darf, sondern auch, dass keine Gegenleistung erfolgen darf (§ 320ff BGB). Da aber für viele der Crowdfunding-Projekte Dankeschöns, Prämien und Gegenleistungen im Zuge der Geldzahlung erworben werden können, kann meines Erachtens nicht von einer Schenkung geredet werden.

Aber auch für einen Crowdfunding-Betrag ohne Gegenleistung ist der Begriff der Schenkung nicht angebracht. Man könnte leicht argumentieren, dass bei einem Crowdfunding-Projekt mit der Realisierung eines bestimmten Vorhabens geworben wird, insofern jeder gegebene Geldbetrag an das Versprechen geknüpft ist, bei erfolgreicher Finanzierung das beworbene Projekt auch umzusetzen. Selbst wenn also keine Gegenleistung verlangt wird, ist das gesamte Crowdfunding-Projekt eine Gegenleistung für den Geldgeber.

Kurzum: Ihr müsst Einnahmen aus Crowdfunding versteuern und natürlich auch Rechnungen ausstellen.

Thomas Adler ist Diplom-Kaufmann, Künstler-Coach und Existenzgründer-Berater in Berlin und hilft seit Jahren dem einen oder anderen Künstler aus der bürokratischen Patsche.

Foto: Niels Steeman / Unsplash

Das Fairphone als Worktool (im Selbstversuch)

Das ethische, dual-SIM-fähige, Android-basierte Mobiltelefon, bei dem die Ersatzeile selbst eingebaut werden können.

Selbst-Check

WORK IN PROCESS hat sich im Ersatzteilaustausch testen (müssen), denn nach einigen Stürzen hat zwar das fünf Inch große Gorilla Glass-Display gehalten, das Mikrofon aber leider nicht. Die Lieferung erfolgt in zwei bis drei Werktagen (Niederlande nach Berlin), bei Wunsch auch Express. Die Ersatzteile sind günstig und der Einbau erstaunlich und fast ein wenig zu einfach in der Handhabung. Anleitungen in Bild und Videoformat finden sich beispielsweise auf der Community-Plattform iFixit, aber auch diversen anderen. Die Funktionsprobe aufs Exempel wurde erfolgreich mit dem integrierten Wartungsprogramm Check-Up durchgeführt. Neben dem Mikrofon können weitere Bauteile einzeln auf ihre Funktionstüchtigkeit getestet werden. Das sind Display, Sensoren und Lautsprecher.

Solide Technik mit Upgrade-Option

Verschiedene Test haben das Öko-Smartphone gut bis befriedigend eingestuft. Das Standardbetriebssystem ist Android 6.0.1.; für Technikversierte steht Ubuntu als Alternative zur Verfügung. Die Technik wird als solide eingestuft, Prädikat gehobene Mittelklasse.
Ein Kritikpunkt ist das Design des Fairphones 2, insbesondere die wuchtige Hülle. Der Name Bumper macht seinem Namen alle Ehre. Fairphone-Hüllen gibt es nicht frei im Handyhüllenshop des Vertrauens, sondern in der Slim-Variante im Onlineshop des Herstellers. Negativ im Vergleich zu den Smartphones der neueren Generation schneidet die standardmäßig eingebaute Fairphone 2-Kamera mit acht Megapixel ab. Es ist jedoch möglich, die Hauptkamera auf zwölf Megapixel und die Selfie-Kamera auf 5 Megapixel zu upgraden. Beide Kameramodule zusammen kosten 75 Euro (Stand 01/2018). Die alten Module und sogar alte Mobiltelefone nimmt Fairphone zurück. Diesen Recycling-Aspekt gab es bei Mobilfunkherstellern so noch nicht. Das allgemeine Fazit diverser Testseiten: ein stabiles Smartphone der gehobenen Mittelklasse mit dem besonderen Augenmerk auf Ethik und Ökologie.

Extra

Noch ein Extra, das den kritischen Smartphone-Käufer zunehmend interessiert: die Strahlungsintensität, gemessen mittels SAR-Wert. SAR steht für spezifische Absorptionsrate. Einfach ausgedrückt misst SAR die Erwärmung der Haut durch die Telefonnutzung. Die Maßeinheit ist Watt pro Kilogramm. Das Fairphone 2 hat laut Hersteller einen SAR-Wert von 0,288/ 0,426 w/kg. Im Vergleich dazu hat das IPhone 6 einen Wert zwischen 0,91 und 0,97. Die Oberwerte hat die WHO mit 2,0 W/kg empfohlen.

Ausdauer

Wir von WORK IN PROCESS können das Fairphone nach einem Jahr Nutzung noch immer positiv beurteilen. Die Android-Updates laufen problemlos. Das „fair“ in Fairphone wurde in Deutschland mit dem Blauen Engel zertifiziert und dem deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Dass der Akku schwächelt, ist ein schwacher Kritikpunkt, denn er lässt sich für 20 Euro austauschen. Die Speicherkapazität von 32 Gigabyte ist noch immer ausreichend, kann mittels Mini-SD-Karte um weitere 32 Gigabyte erweitert werden. Die System laufen stabil und bisher ist noch kein ungewünschtes Herunterfahren ausgelöst worden.

Mit 529 Euro ist es auf den ersten Blick nicht günstig. Bei einer Nutzungsdauer von mehr als zwei bis zu fünf Jahren lohnt sich das Umdenken und die eigene Ökobilanz verbessert sich auch. Das Fairphone bietet demjenigen eine Alternative, der ein technisches Mittelklasse-Smartphone mit nachhaltigen Understatement und DIY-Attitüde sucht.

Autor und Foto: Anja Graff

Fünf typische Fehler in der schriftlichen Bewerbung

Während sich der Prozess der Bewerbung immer mehr digitalisiert und es sowohl für Unternehmen als auch Bewerber einfacher wird, sich um vakante Stellen zu bemühen, bleibt der Kern der Bewerbungsunterlagen meist gleich. Auch wenn mittlerweile viele Personaler auf Bewerbungsschreiben verzichten und lediglich einen Lebenslauf von den Kandidaten sehen wollen, schleichen sich immer wieder schwerwiegende Fehler in die Unterlagen ein, die den Bewerber den schon sicher geglaubten Traumjob kosten können. Folgende 5 Fehler kommen immer wieder in Bewerbungen vor und sorgen in den allermeisten Fällen dafür, dass der Kandidat direkt aussortiert wird.

#1: Rechtschreib- und Grammatikfehler
Worst-case und absolutes Ausschlusskriterium Nummer 1 in den schriftlichen Bewerbungsunterlagen! Recruiter und potenzielle Chefs, die in einem so wichtigen Dokument, das zugleich immer auch eine Arbeitsprobe des Interessierten darstellt, Fehler finden, sind fast immer erbarmungslos. Wer sich um eine Stelle bewirbt, sollte deshalb unbedingt nicht nur auf sich selbst vertrauen, sondern ein zweites Paar Augen zur Kontrolle über die Unterlagen schauen lassen. Oft ist man bei eigenen Texten betriebsblind und überliest kleine Fehler – das ist vollkommen normal, darf aber trotzdem in einer Bewerbung nicht vorkommen. Also: Unbedingt die Bewerbung nochmal checken lassen, bevor man sie unwiderruflich abschickt.

#2: Die Unterlagen sind nicht an die Stelle angepasst
Natürlich hat jeder, der sich im Bewerbungsprozess befindet, eine Vorlage für die Erstellung der Bewerbung, damit es schneller geht und man nicht immer bei Null starten muss. Das ist auch vollkommen in Ordnung, schließlich ändert sich der eigene Werdegang nicht. Was sich allerdings bei jeder Bewerbung ändert, sind die Stelle und das Unternehmen, bei dem man sich bewirbt! Aus diesem Grund sollte man die gesamten Unterlagen, sowohl Anschreiben als auch Lebenslauf, unbedingt auf den ausgeschriebenen Job anpassen, um den man sich bewirbt. Erfahrene Recruiter bekommen oftmals dutzende Bewerbungen tagtäglich auf den (virtuellen) Schreibtisch und erkennen innerhalb von Sekunden, ob der Kandidat eine Standardbewerbung nutzt, die er so auch leicht abgeändert an andere Unternehmen geschickt hat, oder ob sich der Bewerber wirklich Mühe gegeben, informiert und mit Unternehmen und Stelle beschäftigt hat – denn darauf kommt es vielen Personalern neben der Qualifikation auch an.
Und was ebenfalls gerne vergessen wird und peinlich werden kann: Zur Anpassung der Unterlagen gehört selbstverständlich auch, dass das Datum in Anschreiben und Lebenslauf aktuell sein muss. Also nicht mit einer Bewerbung von vor 2 Jahren blamieren!

#3: Die Optik passt nicht
Auch wenn es bei der Bewerbung natürlich vor allem auf den Inhalt ankommt, kommt im Namen Bewerbung immer auch Werbung vor, die man für sich selbst macht. Und da das Auge auch dabei mit isst, sollte man darauf achten, auch optisch eine gute Figur zu machen. Im Gegenteil kann nämlich eine optisch langweilige oder gar unpassende Bewerbung auf jeden Fall ein Ausschlusskriterium sein. Für ein passendes Layout gibt es online eine Menge Vorlagen und Beispiele, die man ohne Probleme nutzen kann. Allerdings sollte man nicht das erstbeste Design nutzen, da man davon ausgehen kann, dass man damit dann nicht alleine sein wird – und jeder möchte natürlich mit der Bewerbung alleine hervorstechen und nicht einer unter vielen mit demselben Layout sein.
Damit auch die Optik passt, sollte man sich an einige kleine Vorgaben halten: Die Farben des Layouts sollten eher klassisch und nicht zu grell sein. Manche Bewerber wollen dadurch hervorstechen, indem sie die Unterlagen im Corporate Design des Unternehmens schicken – doch auch das kommt nicht immer gut an. Ein klassisches Design in gedeckten Farben, die zum Bewerbungsfoto passen und den Inhalt nicht überlagern, ist die beste Wahl. Wer grafisch geschickt ist, kann natürlich ein eigenes Design entwerfen und beispielsweise einzelne Punkte im Lebenslauf durch kleinere Grafiken oder Skalen unterstützen. Dies ist aber natürlich kein Muss.

#4: Die Bewerbung ist unvollständig
Bewerbungen, bei denen bestimmte Dokumente oder Angaben fehlen, landen bei Personalern gnadenlos im Papierkorb. Schließlich möchte man sich mit den Bewerbern befassen, die offenbar die Ausschreibung mit den Vorgaben auch tatsächlich gelesen haben. Wenn also im Stelleninserat ein Anschreiben gefordert wird, sollte man als Interessent dieses auch mitsenden. Ebenso verhält es sich mit Angaben zum Einstiegstermin und möglichen Gehaltsvorstellungen. Manche Bewerber, die sich dabei unsicher sind oder dies auch bewusst im Vorstellungsgespräch klären wollen und deshalb dazu nichts im Anschreiben vermerken, riskieren dabei die Einladung zum persönlichen Kennenlernen zu verlieren. Denn auch dann werden die Unterlagen als unvollständig eingestuft.
Generell gilt, dass man immer die Dokumente und Angaben mitsenden sollte, die in der Stellenausschreibung verlangt werden. Ist keine Angabe vorhanden, ist eine klassische Bewerbung aus Bewerbungsschreiben, Lebenslauf und Anlagen in Form von (Arbeits-) Zeugnissen die beste Wahl.

#5: Die Kontaktdaten sind nicht aktuell
Ein extrem unangenehmer Fall, der gar nicht so selten vorkommt: Die Bewerbung war tatsächlich erfolgreich, der Kandidat überzeugt und soll zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden – doch die Kontaktdaten in der Bewerbung sind nicht mehr aktuell oder fehlen sogar ganz. Das ist extrem ärgerlich! Zwar gibt es meist noch andere Wege, wie man mit dem Bewerber in Kontakt treten und doch einen Termin für ein persönliches Gespräch ausmachen kann, doch der erste gute Eindruck ist erstmal dahin. Man sollte also unbedingt nochmal E-Mail-Adresse, Telefonnummer und postalische Adresse auf Aktualität prüfen. Schließlich ändern sich solche Daten schnell.

Christian Scherer, studierter Soziologe, Politikwissenschaftler und Medien- und Kommunikationswissenschaftler, ist Marketing-Manager bei richtiggutbewerben.de, einem Online-Bewerbungsservice. Er ist nicht nur geborener Onliner, sondern auch Experte für digitale Bewerbungsverfahren.